Hartmut Wagner

Schmeckt's?

Der 55 jährige Standesbeamte Harry Schlüter

aus Dortmund hatte sich einen Tag frei genommen.

Der abgebrochene Germanistikstudent und Hobbyautor

plante an diesem wunderbaren Frühlingsmorgen,

Donnerstag, dem 19. April 2018, zur Universitätsbuchhandlung

im Unizentrum Bochum zu fahren Dort wollte er das

393 seitige Manuskript seines ersten Buches, eines Kinder- und

Jugendromans aus dem Dortmund der siebziger Jahre des

vergangenen Jahrhunderts, in fünf Exemplaren für 150 Euro bin-

den und drucken lassen.

 In der Geschichte: „Kohle, Stahl

und Kindergangster“ beschreibt Schlüter die Kämpfe zweier

Jugendbanden aus Dortmund-Dorstfeld um die Herrschaft in ih-

rem Stadtteil. Der Granate-Verlag aus Lüneburg bot die Story

Schlüters im Internet als sehr fehlerhafte Taschenbuchausgabe

für den Mondpreis von 70 Euro pro Exemplar an. Harry war mit

seinem Verlag sehr unzufrieden und kündigte den Vertrag.

Nach harter Korrekturarbeit hatte er eine neue und geänderte

Auflage erstellt. Er war überzeugt, mittels der

fünf gebundenen Hard-Cover-Exemplare zu einem

Preis von je 30 Euro, einen besseren Verlag zu finden.

Der würde dem Autor einen Lektor zur Seite stellen,

über ein angemessenes Vertriebsnetz verfügen und eine

erfolgversprechende Werbekampagne starten.

 

Um halb 12 Uhr am späten Morgen stieg der Standesbeamte

vor seiner Wohnung in der Paulinenstraße 1 westlich der

Dortmunder Innenstadt in seinen himmelblauen, 23 Jahre al-

ten Mercedes C 180 Elegance. Um viertel nach 12 stand,

der Schriftstellerhobbyist in der Unibuchhandlung, samt

seiner einseitig auf lose Blätter gedruckten Story und einem

USB-Stick, der den ganzen Text als PDF-Datei enthielt.

Die Chefin der Buchandlung, eine etwa dreißigjährige, attrak-

tive Chinesin mit schönen Beinen in Hotpants, fragte Harry:

Was kann ich für Sie tun?“ „Ich war vor 0stern schon einmal

da. Sie hatten mir angeboten, meine Kinder- und Jugendge-

schichte für 30 Euro pro Exemplar fünf

Mal als Hardcover zu drucken und zu binden.“ „Ach ja, ich er-

innere mich.“ „Ich habe jetzt alles einseitig bedruckt

auf Computerpapier im DIN-A4-Format und auch als PDF

auf USB-Stick mitgebracht.“ „Das ist sehr gut. Dann kann

ich gleich alles drucken und anschließend binden.

Dafür genügt der Stick. Die losen Blätter brauche ich nicht.“

Können Sie alles bis um vier Uhr nachmittags fertig

stellen?“ „Wir haben zwar viel zu tun. Aber das ist

durchaus möglich,vielleicht sogar schon etwas eher.“ „Na

gut! Dann lasse ich Ihnen jetzt alles hier, auch die Blätter,

und gehe danach zum Essen.

Anschließend mache ich noch einen Spaziergang durch den

botanischen Garten und um spätestens Vier hole ich mir

meine 5 gebundenen Exemplare samt Stick und Blättern

ab. Schönen Dank! Tschau!“ 

 

Harry überquerte die

Brücke vom Unizentrum zur Uni, um in der Cafeteria

im Erdgeschoss des Gebäudes IA einen Kaffee

und ein Brötchen zu sich zu nehmen. Er kannte wegen seiner

6 Semester Germanistik am Ende der 90er Jahre die

Uni noch ganz gut.

Am Eingang saßen sommerlich gekleidete Studentinnen

und Studenten, unterhielten sich oder bedienten Handys und

Laptops. Die Kunstsammlung mit klassischen Statuen war

verschwunden. Die Tür zur Männertoilette stand offen

und auf der Kabinenrückwand prangte in großen

krakeligen, roten Buchstaben: „Sprengt den

Massenmörder Erdogan samt seinem Sultanspalast in die Luft!“

Die Cafeteria war total überfüllt. Harry änderte seine

Pläne und suchte die Mensa auf. Sie besitzt eine wunder-

bare Terrasse mit Tischen, Stühlen und bunten Sonnen-

schirmen, von der aus die Blicke weit ins Ruhrtal schweifen,

während die Leckerbissen der Mensa langsam die

Speiseröhre hinunter gleiten. Sie sind wirklich welche.

 

Die Mensa verfügt neben der Terrasse über einen Innenbereich,

der hell und freundlich wirkt. Dort holt man sein Essen an

einer Theke, wo nette Damen die Gäste bedienen. Es gibt

eine reichliche Auswahl an Speisen. Auch Vegetarisches

steht zu Wahl. Aus Glasvitrinen kann man Kuchen,

Salate, Obst und diverse Puddingsorten nebst

cremigen Süßspeisen mit und ohne Früchte auswählen.

Der Hobbyautor schritt zur Theke und seine Blicke

liefen genießerisch über die angebotenen Lebensmittel.

Das Wasser lief ihm beim Anblick

einiger Leckereien im Munde zusammen.

 

Anregende Essensdüfte umströmten ihn. Schon wollte

eine junge Frau mit Haut wie Schokolade

Nudeln auf seinen Teller füllen. „Nein, nein, nein, bitte!

Ich suche erst noch ein Bisschen!

Da, diese leckeren Pellkartoffeln in Öl, davon hätte ich

gern ein paar! Und dazu geben Sie mir bitte eins

von den knusprigen Hacksteaks mit dunkler Sauce!

Ein schönes Großes, wenn es geht! Alles andere nehme

ich mir selbst.“ Es ging ohne weiteres und blitzschnell

wanderte der gefüllte Teller über die Theke auf Harrys

Tablett. Das hatte er vorher aus einem Stapel gezogen.

Der abgebrochene Student wanderte an den dekorativ aufge-

bauten Gaumenfreuden in den Glasvitrinen vorbei. Da, ein Glas

mit weißer Sahnecreme, auf der oben Kiwischeiben grün leuch-

teten! Er fischte es mit leichter Hand aus der Vitrine. Und

hier ein großer Schnitzel Apfelkuchen mit Streuseln überzogen!

Der musste auch noch dran glauben. „Ha, Mischobst! Da fülle

ich doch ein Schälchen ab. Ananas, Pflaumen, Erd- und Him-

beeren! Ja, das wird munden! Und zum Abschluss noch ein we-

nig Grünzeug, Möhren-, Blatt- und Gurkensalat, allein schon der

Gesundheit zuliebe! Aber das drapiere ich auf den großen Teller.

Sieht einfach schöner aus! Dann schmeckt es auch besser. Und

jetzt zur Kasse, zahlen. Dann ab auf die Terrasse, in die Son-

ne. Das wird heiter! Und alles stimmt! Das Wetter, Essen gute

Laune!“ Doch im Moment, da stimmte keineswegs schon alles!

 

Die Kassenfrau belehrte unseren Freund guter und gesunder

Speisen: „Den Salat hätten Sie wie das Obst in ein Schälchen

geben müssen. Beides möchte ich noch wiegen, um den

richtigen Preis zu berechnen.“ „Oh, daran habe ich gar nicht

gedacht. Erhöhen Sie doch einfach den Gesamtpreis um ei-

nen Euro!“ „Na, gut. Ich kann ja schlecht

den Salat wieder von Ihrem Teller kratzen! Nach dem Wie-

gen des Mischobstes sprach die Kassiererin: „Alles zusam-

men macht dann 7 Euro 40!“ „Das ist aber günstig! Hier das

Geld! Bitte schön und vielen Dank!“ 

 

Der Standesbeamte

wanderte samt dem Tablett voller Leckerbissen auf die Son-

nen überflutete Terrasse. Dort suchte er einen großen,

leeren Tisch am rechten Rand in der prallen Frühlingssonne

auf. Die anderen Gäste, fast nur Studentinnen und ihre Kom-

militonen, saßen unter leuchtend gelben Sonnenschirmen. Har-

ry dachte: „Wahrhaftig, ich bin ein Sonntagskind! Gesund,

munter, Beamter, unkündbar!“, während er über die grünen

Hügel und die Wälder des Ruhrtales schaute. Dann begann er

zu essen. Zunächst schnitt er mit etwas schlechtem Gewissen

ein sehr krosses Stück des Hacksteaks ab. Er wollte nämlich

eigentlich kein Fleisch mehr essen. Denn erstens liebte er

Tiere und zweitens seine Gesundheit. Während er

das Essen auf der Mensaterrasse genoss, fiel ihm

ein gleichaltriger, einundvierzigjähriger Mitschüler aus seiner

Dortmunder Grundschulklasse ein. Er traf ihn regelmäßig

einmal im Jahr auf den Klassentagen im „Thüringer“ am alten

Markt. Mann und Frau aßen und tranken reichlich und gut, wäh-

rend sie alte Döhnekes aus der verflossenen Schulzeit

aufwärmten und gelegentlich um neue bisher unbekannte Einzel-

heiten bereicherten. 

 

Der Mitschüler Klaus trank und aß gern.

Früher hatte er zusammen mit Harry beim SC Dorstfeld in

Jugend- und Seniorenmannschaften Fußball gespielt, ein blitz-

schneller Linksaußen, schwarzäugig, mit blonden

Locken. Seinen vielen weiblichen Fans gefiel er sehr.

Inzwischen war der flotte Linksaußen verheiratet

und Vater zweier netter zehnjähriger Zwillingsmädchen.

Als Lastwagenfahrer arbeitete er hart, um zusammen

mit seiner Frau, Teilzeitkassiererin in einer Filiale der

Supermarktkette Lidl, sich und seine Familie durchzubringen.

So gut wie früher sah er nicht mehr aus. Seine ungesunde,

stressige Arbeit im Sitzen, reichliches Essen und

Trinken hatten Spuren hinterlassen. Klaus war dick geworden.

Vor fünf Jahren hatte sein Hausarzt Diabetes festge-

stellt und ihm strikte Ess- und Bewegungsregeln

verordnet. Klaus missachtete sie lässig und

machte sich auf Klassentagen über sie lustig.

 

Dann schlug das Schicksal zu. Vor zwei Jahren erblindete Klaus.

Zum vorletzten Klassentag hatte ihn die barmherzige Rosi

angeschleppt, den ehemals schnellste Fußballer des

SC Dorstfeld, nun ein bedauernswertes Wrack.

Der Standesbeamte unterhielt sich mit ihm: „ Das ist ja

fürchterlich! Was machst du denn so?“ „Das ist nicht

fürchterlich! Das ist eine ganz dicke, gottverdammte

Scheiße! Ja, ich kann jetzt nicht mehr arbeiten! Da reise

ich viel. Mit meiner Frau,Verwandten und Freunden. Alleine

geht ja nicht mehr! Was bleibt einem wie mir schon übrig?“

Er reiste also viel. Was er davon hatte, wo er doch

überhaupt nichts mehr sah?! Das zu fragen unterließ Harry,

obwohl er es gern gewusst hätte.

Am letzten Klassentag, dem zehnten Februar 2018, ver-

missten Klaus alle. Er war am 3.1. 2018 verstorben.

Als Harry davon erfuhr, kam ihm ein Rat des

Ödipus aus Sophokles' Theaterstück: „Ödipus auf

Kolonos“ in den Sinn. „Klage nicht! Das Un-

glück verschont keinen!“ 

 

Diese Erkenntnis vergaß Schlüter

nie. Das Drama hatte er einst mit seinem besten Freund

tief beeindruckt im Bochumer Schauspielhaus gesehen.

Gegenwärtig umschmeichelte der sanfte Frühlingswind

den Esser, der gerade mit der Gabel zwei der

delikaten Öl-Kartoffeln in seinem Mund unterbrachte.

Er überlegte, ob er sich vielleicht zu viel aufgefüllt hatte.

Ach Quatsch! Ich mache jeden Tag meine Gymnastik,

fahre fast jeden Tag mit dem Rennrad auf dem Ruhrwanderweg

vom Hengsteysee bis zum Kemnader Stausee und zurück,

bin schlank, 80 Kilo bei 1,83 Körpergröße. Was soll da schon

passieren? Ich werde doch wenigstens ab und

zu mal ein wenig schlemmen dürfen? Doch die armen Tiere,

die hier in Einzelteilen auf den Tellern landen!? Die tun

mir leid, wirklich, und in Zukunft...Das Hacksteak, trotzdem,

ein Gedicht. In Zukunft aber isst du anders!“

Die sehr gesunde Beilage, Salat, Möhren, Gurken, Tomaten,

Zwiebeln, genoss der Esser langsam und

mit Wohlbehagen abwechselnd zur Hauptspeise.

Aber das Thema „Zucker“ hatte sich nicht nur im Gehirn des

fröhlichen Essers eingenistet, nein, bei jedem Bissen lag

es neben den Mensa-Leckereien bitter auf seiner Zunge.

In der Kindheit hatte ihn seine Bottroper Lieblingstante

Mimmi während des Ostersonntags einmal mit Ostereiern,

Süßigkeiten, Schokolade und Kuchen so voll gestopft, dass er

in der Folgenacht eine halbe Stunde mit dem Kopf über

dem Klotrichter hing, um alles los zu werden.

 

Bei der selben Tante, rundlich und Ruhrgebietlerin durch

und durch, hatten er und sein Vetter Robert zwei Mal in den

großen Ferien um die Wette rohes Hackfleisch, mit Zwiebeln

und anderen Zutaten veredelt, um die Wette essen dürfen.

Harry hatte beide Male gewonnen. „Gut und viel essen hält

schließlich Leib und Seele zusammen!“, so die gute Mimmi.

Aber im Moment hoffte der Mensagast, dass ihm

diese kindlichen Fressorgien keine gesundheitlichen

Dauerschäden und Zuckerprobleme zugefügt hatten.

Trotzdem nahm er gerade einen größeren Happen Kartof-

feln samt Salat zu sich. Dagegen konnte man ja auch über-

haupt nichts haben, geschmacklich und gesundheitlich

äußerst empfehlenswert. Allerdings, gerade vor ein

paar Tagen hatte ihm ein Freund aus dem Dortmunder Einwoh-

nermeldeamt eine gruselige Geschichte über seine Schwie-

germutter Franziska erzählt. Die, fünfundachtzigjährige,

langjährige Diabetespatientin, hatten die Frau des Kolle-

gen und er selbst aus ihrer Wohnung in Hörde ins Seni-

orenzentrum am Lütgendortmunder Volksgarten verlegt.

Die Greisin hatte sich lange und energisch dagegen ge-

wehrt, in der Altenheimhölle zu landen, aber es ging

einfach nicht mehr mit ihr in der eigenen Wohnung.

Die hatte sie mit einer polnischen Helferin

und den letzten Energiereserven so lange

sauber gehalten, wie es eben möglich war.

In den letzten Jahren hatten Chirurgen das linke Bein wegen

des Diabetes Stück für Stück amputiert.

Letztlich blieb eine betreute Existenz im Altenheim

die einzige Möglichkeit.

 

Dort färbten sich wenig später zunächst der rechte Fuß,

dann auch das Restbein schwarz. Die Ärzte schnitten es ab.

Zwei Tage später starb die alte Frau. Die Altenheimbetreiber

und einige Mediziner hatten an ihr ordentlich verdient.

Schwiegersohn und Tochter erbten ein ansehnliches Konto und

die sonstigen Hinterlassenschaften, Haus, Möbel,

und ein kleines Auto.

 

Ah, jetzt bekam Harry Besuch!

Eine sehr hübsche Studentin, fragte: „Darf ich mich

hier niederlassen? Mein Freund kommt später auch noch!“

Sie besaß blondes Seidenhaar, warme, weiche, elfenbein-

farbige Haut, wundervolle Taubenaugen, sanfte, sinnlich

-üppige Rotlippen, zwischen denen Perlenzähne blitzten

und eine Figur, für die jeder Kardinal die Tür

seiner Basilika eingetreten hätte.

Dazu trat die junge Dame selbstbewusst, unbefangen und

höchst liebenswürdig auf. Sie trug ein luftiges, kurzes, är-

melloses Kleid. Es verlieh ihr Schmetterlingsleichtigkeit

und ermöglichte Blicke in samthäutige, ra-

sierte Achselhöhlen und auf cremige Arme. Sie erweckten

heftige Hineinbeißtriebe im fast gesättigten Betrachter.

 

Der Freund kam. Bebrillt, nicht besonders groß, drahtig

gut geschnittener Bart. Das Pärchen

unterhielt sich über Scheinwerfer, Diskokugeln und Flak-

kerlicht. Der Standesbeamte hörte neugierig zu und ver-

zehrte den Nachtisch, das Mischobst und die Cremespeise.

Die Zwei bereiteten anscheinend die Beleuchtung für eine

Party vor. Da klingelte ein Handy. Der Freund sprach mit Kom-

militone Walter über eine Seminararbeit mit dem Titel: „Be-

deutung des Tanzes in Goethes Leiden des jungen Werthers.“

Harry Schlüter verstand diesen Glückspilz nicht.

Statt der Zweisamkeit mit der Göttin zog der ein Fernge-

spräch vor. Der Hobbyautor an seiner Stelle hätte vor lauter

Glück den ganzen Tag „O Sole Mio“ gesungen. Aber das Te-

lefonat gab ihm Gelegenheit mit der Schönen ins Gespräch

zu kommen.

 

„Geben Sie heute eine Party oder warum haben

Sie eben über Scheinwerfer, Flackerlicht und Diskokugeln ge-

redet?“ „Nein, mein Freund und ich sind bei einer Theatergrup-

pe für die Technik zuständig und Morgenabend führen wir

Nathan der Weise“ auf.“ Sie hob graziös ihre Gabel mit einem

Stückchen Sauerbraten und etwas Rotkohl zum Feenmund.

Das ist hier wirklich eine ganz fantastische Aussicht“, be-

merkte Harry. Fast hätte er gesagt: „Seit Sie hier sind, ist sie

unübertrefflich.“ „Ja, auch der Weg um den Kemnader Stau-

see ist sehr schön. Da jogge ich manchmal eine Runde. So

elf Kilometer! Das reicht aber auch und ich bleibe schlank.“

 

Der Freund beendete die Telekommunikation. Schlüter ordnete

das Geschirr auf dem Tablett. Dann verabschiedete er sich mit

den besten Wünschen und trug es zurück. Er stieg die

Treppen zum botanischen Garten hinab, überquerte den

Platz vor dem leeren Restaurant Beckmannshof

und fand bald neben einem Schotterweg eine bequeme Bank.

Eine mächtige Buche spendete Schatten. Zwei Uhr, da konnte

er sich bis drei Uhr ausruhen. Während er die bequemste

Rückenlage wählte, dachte er an sein eigenes Diabetes-Prob-

lem. 

 

Vor fünf Jahren hatte er eine Phase depressiver Unlust

erlebt, viel Essen, wenig Bewegung, mehr Gewicht.

Beim Pinkeln schmerzte der Harnleiter, Blasenentzündung!

Doch nein! Der Hausarzt stellte Diabetes fest, schickte ihn

zum Diabetologen. Eine Assistentin berührte die Unterseite

seiner Füße mit Metall, Holz, Kunststoff.

Schlüter identifizierte alles richtig. Trotzdem bestätigte

der Diabetologe die Diagnose des Hausarztes, stellte einen

Speisenplan auf, riet zu mehr Sport und verschrieb

Medikamente. 

 

Zwei Jahre hielt sich der Standesbeamte

an die Vorgaben und lief beinahe jeden Tag einmal um den

Hengsteysee. Dann, oh Wunder, stellte der „Zuckerarzt“ her-

vorragende Zuckerwerte fest. Harry war geheilt und seitdem

nie mehr zum Arzt gegangen. Seine Zuckerwerte maß er nicht.

Warum auch? Medizinisches Brimborium! Er war gesund!

Auf der Bank schlief er ein. Er träumte. Von Adipositas-

wolken, Body-Mass-Schokolade und Diätenragout. Zuletzt

erschien die Mensaschönheit, drückte ihm süße Zart-

küsse auf die Lippen und fragte immer wieder: „Schmeckt's?“

Ach, welche Fragen? Er schoss hoch, rieb die Augen. „0h,

viel zu viel gegessen! Ich muss sofort die Texte abholen!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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