Monika Litschko

Seelengewitter

Als die Erde schon fast von des Menschen Hand zerstört war und der Mensch von Gier, Hass und Neid getrieben sein Dasein fristete, breitete der Wächter des Universums seinen Mantel aus und hüllte die Erde in Dunkelheit. Evulon der Gedankenreiniger mischte sich mit seinem Heer unter die Menschen und stoppte ihre alles zerstörende Weiterentwicklung, in dem er ihre Erinnerungen an das Schöne ausknipste wie ein Licht. Artus der Geber erschuf einen Ort in der Weite des Universums, auf dem Menschen neu erwachen durften, die ihre Gedanken schon längst neu geordnet hatten, aber auf der Erde kein Gehör fanden. Man nannte sie die Erwachten. Hohe Staatshäupter fürchteten sie und befahlen ihren Heeren, jeden Erwachten sofort zu eliminieren. Sie stampften aus der Asche des Hasses Gesetze und untersagten den Getriebenen jeden Kontakt zu allen Erwachten.

Seit Anbeginn der Menschheit lebten die Menschen in Gruppen und folgten den Stärkeren. Die Stärkeren gaben der Gruppe Schutz und Sicherheit, doch die Macht, die sie dadurch erlangten, nutzten sie zur Verteidigung, aber nie gegen ihren Stamm. Der Mensch machte zwar gewaltige Evolutionssprünge, schaffte es aber nie in Eigenverantwortung zu leben.

In jeder Zeitepoche folgte er den angeblich Stärkeren. Beugte sich den teils unsinnigen Gesetzen, zahlte den Preis, der ihm abverlangt wurde, und schuf so den Mächtigen ihre Königreiche. Jahrtausende jammerten die Menschen über Ungerechtigkeit, über Kriege und Armut. Aber in den vielen Jahrtausenden reichte ihre Kraft nicht, sich aus dieser Versklavung zu befreien. Sie erkannten nicht, dass die Macht alles zu ändern in ihnen lag. Die Stärkeren, die vor langer Zeit Schutz und Sicherheit gegeben hatten, waren ausgestorben und die Mächtigen bestachen die Menschen mit falschen Versprechungen. Schürten ihre Gier, den Hass und ihren Neid, bis diese nicht mehr auf ihre innere Stimme achteten. Sie ließen sich berieseln von den Medien und glaubten das Geld und Besitz, die Schlüssel zum eigentlichen Glück waren. Um sie herum tobten Kriege, verhungerten Menschen und ihr Planet verblühte allmählich. Doch sie sahen nicht mehr hin.

Ihre Kinder lebten haltlos und ohne Sicherheiten. Die reinen Seelen, mit denen sie geboren waren, wurden langsam vergiftet und ihren Schmerz darüber zeigten sie in Gewalt. Ihren Hunger nach Frieden, Familie und Geborgenheit, betäubten sie mit Drogen. So konnten sie für kurze Zeit in einer sicheren Scheinwelt leben und die Leichtigkeit des Seins verspüren. Ihre verzweifelten Hilferufe hörte niemand mehr. Die Sucht bekam Macht und zog ihre Schlinge zu.

In diesem Chaos erwachten plötzlich Menschen mit einem veränderten Bewusstsein. Sie besannen sich auf den Sinn ihres Lebens. Erinnerten sich, woher sie kamen und wer sie einst waren. Sie erforschten ihr Innerstes und bei ihrer Suche begegneten sie Gleichgesinnten. Mit ihnen zusammen trugen sie ihre Gedanken von Ort zu Ort und von Seele zu Seele.

Bis die Mächtigen zu einem Gegenschlag ausholten, denn in ihren Gedanken wackelten Paläste und wertvolles Geld sahen sie schon verloren. Kriege würden durch das neue Denken nicht mehr geführt werden können und unsinnige Gesetzte bald unbeachtet bleiben. Der Mensch würde Eigenverantwortung für sich übernehmen und ihre Macht wäre dahin.

Doch bevor die Erwachten, den lügenden Schwertern der Mächtigen ganz zum Opfer fielen, legte sich ein Mantel um die Erde.

Die, die den Sinn des Lebens erkannt hatten, fielen in einen tiefen Schlaf. Artus befreite ihre Seelen und erschuf auf Neon ihre Körper neu. Dort durften die Erwachten ein anderes Leben beginnen und eine neue Art Mensch entstehen lassen. Menschen, die den wahren Sinn des Lebens erkennen würden, ohne ihn an materiellen Dingen zu messen. Nicht an Kriegen, Hass, Neid oder Rasse. Er platzierte Neon in den Schutz des Portals und gewährte ihnen Sicherheit für ihre weitere Entwicklung.

Das Portal setzte sich zusammen aus fünf Planeten. Auf ihnen lebten die Dimensionsblicker. Hoch entwickelte Kulturen, deren Aufgabe es war, verschiedene Planeten zu beobachten und zerstörerische Welten, die das Gleichgewicht des Universums störten, zu vernichten.

 

Portal

P-Platon,  O- Ortan, R- Radon, T- Tamrus, A- Angelon, L – Latep

Doch bevor der Ältestenrat des Portals, sich zu einer Vernichtung der Erde entschließen wollte, sollten die Getriebenen und Mächtigen eine letzte Chance bekommen. Der Mantel der Dunkelheit und das Vergessen des Schönen sollten ihren Geist wieder öffnen. Wenn das gesehen war, würde Evulon ihnen einen Vorschlag unterbreiten.

Für die Mächtigen waren alle Erwachten tot, denn sie fanden ihre leblosen Körper auf der ganzen Welt. Sie verbrannten ihre leblosen Hüllen, wie sie schon in anderen Zeitepochen wahre Genies verbrannt hatten, und wägten sich in Sicherheit.

Als der Mantel des Wächters sich um die Erde legte und sie in vollkommene Dunkelheit hüllte, ging ein kurzer Aufschrei um die Welt. Aber im gleichen Moment vergaßen die Menschen alles Schöne. Die Sonne, die Natur, die Tiere und alle, die ihnen nahe standen. Was sie als schön empfunden hatten, existierte nicht mehr in ihren Köpfen. In ihren Augen war die Leere eingezogen und in ihren Herzen die Kälte des Universums.

So wurden die Getriebenen zu Individuen, deren Gier nach Wohlstand ins Unermessliche stieg und die Mächtigen wurden dank ihnen noch mächtiger. Kriege wurden aus Habgier noch grausamer und das Töten zu einem Volkssport. Jugendliche starben an übermäßigen Drogenkonsum oder mordeten für ihre Sucht.

Doch irgendwann wurde die Welt müde und auch die Getriebenen sehnten sich nach etwas anderem. Es war in ihren Hinterköpfen, aber sie wussten nicht, was es war. Sie glaubten etwas zu kennen und kannten es doch nicht. Die Getriebenen bemerkten, dass ihr bestreben nach Macht und Geld immer mühsamer wurde. Sie zweifelten plötzlich an den Mächtigen der Welt und stürzten sie von ihren Podesten. Die ewige Dunkelheit tat ihr Übriges, denn ein Seelengewitter kam über sie und tiefste Verzweiflung. Sie suchten plötzlich nicht mehr nach Reichtum und Macht, sondern nach einem vergessenen Traum.

Evulon ließ viele Jahre verstreichen, bevor er sich mit seinem Heer wieder zu ihnen begab. Sie verkündeten auf der ganzen Welt, dass es einen Ausweg aus ihrer Verzweiflung geben würde, gebunden an Bedingungen. Die Mächtigen, die wieder aufgestanden waren, sahen in Evulon ihr Ende und versprachen den Getriebenen noch mehr Reichtum und Macht. Doch die Menschen wollten nicht mehr.  Der Gedanke, dass es noch etwas anderes geben könnte, war stärker. Eine tiefe Sehnsucht ergriff ihre Herzen und sie hörten Evulon zu.

Der Wächter des Universums nahm seinen Mantel von der Erde und die Sonne blendete die Getriebenen, die überwältigt von so viel Licht, ihre Augen schließen mussten. Die warmen Sonnenstrahlen tauten ihre Körper und ihre Gefühle auf. Die Erinnerung an das Schöne überkam sie und entlockte ihnen Tränen der Freude. Sie hatten alles geahnt, aber nie geglaubt. Hatten geträumt, aber nie wirklich existiert. Das Seelengewitter hatte ihren Geist geöffnet und sie starkgemacht. Stark, für ein neues Leben.

Evulon erzählte ihnen von Neon. Von den Erwachten, die gar nicht tot waren, sondern in einer besseren Welt lebten. Er gab ihnen kurze Einblicke in die Geheimnisse des Universums und zeigte ihnen, wer sie waren und woher sie kamen. Dann stellte er seine Bedingungen.

Er gab der Erde vier Dimensionen. Die erste Dimension war das Hier und Jetzt. Um in die zweite Dimension zu gelangen, mussten sie ihr Denken, Handeln und Streben verändern.

In der dritten Dimension würden sie sich erinnern und Spiritualität erfahren. Und in der vierten Dimension würde ihnen der Schlüssel des Universums übergeben. Ihre Seelen durften auf Neon erwachen und das letzte Geheimnis des Lebens erfahren. Aber eine falsche Handlung oder Tat von ihnen bedeutete das Ende Spiels. Evulon würde sie zurück in ihr altes Leben schicken.

Die Menschen akzeptierten seine Bedingungen. Sie waren gewillt diesen Weg zu gehen und so eröffnete Evulon das Spiel des Lebens. Und mit einer neuen Zukunft vor Augen, begannen die Menschen zu spielen. Die Würfel waren gefallen.

Viele von ihnen spielten sich durch die vier Dimensionen und erreichten das Ziel. Die, die von Evulon zurückgeschickt wurden, waren schwach und erlagen den alten Versuchungen. Trotzdem sind die Dimensionsblicker zuversichtlich. Sie glauben fest daran, dass noch viele den Siegern folgen und das Portal durchschreiten werden. Ihre Neugier auf das letzte große Geheimnis würde sie antreiben.

Doch diejenigen, die an ihrer alten Hässlichkeit festhielten, weil sie schwach und uneinsichtig waren, würden mit der Erde untergehen. Denn eines hatten sie dann nicht bedacht. Auch das Spiel des Lebens hat einmal ein Ende.

 

© Monika Litschko

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.11.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Es wurde sehr viel geschrieben über jene Jahre der unseligen Diktatur eines wahnwitzigen Politikers, der glaubte, den Menschen das Heil zu bringen. Das meiste davon beschreibt diese Zeit aus zweiter Hand! Ich war dabei, ungeschminkt und nicht vorher »gecasted«. Es ist ein Lebensabschnitt eines grünen Jahzehnts aus zeitlicher Entfernung gesehen, ein kritischer Rückblick, naturgemäß nicht immer objektiv. Dabei gab es Begegnungen mit Menschen, die mein Leben beeinflussten, positiv wie auch negativ. All das zusammen ist ein Konglomerat von Gefühlen, die mein frühes Jugendleben ausmachten. Ich will versuchen, diese Erlebnisse in verschiedenen Episoden wiederzugeben.

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