Claudia Savelsberg

Die ganz große Liebe

Als ich ihn kennenlernte, hatte ich gerade eine Menge Probleme. Mein Mann war beruflich viel unterwegs, und die Wochenenden verbrachte er meistens auf dem Tennisplatz. Es kriselte in der Ehe. Ich fühlte mich allein und vernachlässigt und wünschte mir oft einen Freund, der für mich da ist und mit dem ich reden könnte, wenn ich mich einsam fühlte. Einfach ein Wesen zum Liebhaben und Umsorgen.

Ich hatte einen Ausflug aufs Land gemacht, und da traf ich ihn. Er sah mich an, ich sah ihn an. Wir sprachen kein Wort. Was mir sofort auffiel, waren seine bernsteinfarbenen Augen und seine attraktive Figur. Ein äußerst hübscher junger Mann, dachte ich und war im gleichen Augenblick von diesem Gedanken doch etwas irritiert. Schließlich war ich verheiratet. Vom Benehmen her schien dieser junge Mann mir allerdings noch recht kindlich zu sein. Er sah mich an, drehte sich um und tobte dann mit seinen Kumpels durch die Gegend.

Dann kam er wieder auf mich zu und heftete vielversprechend seinen Blick auf mich, als wolle er mir sagen, dass er mich ausgewählt hätte. Den Altersunterschied zwischen uns beiden konnte ich nur schätzen – aber es lagen wohl Welten zwischen uns. Ich wollte schon gehen, als er wieder auf mich zukam. Der Blick aus bernsteinfarbenen Augen und seine machohafte Pose bedeuteten, dass er mich nicht gehen lassen wollte. Wieder besseren Wissens nahm ich diesen höchst attraktiven Kerl dann mit zu mir nachhause.

Die Fahrt im Auto schien ihm nicht zu gefallen, er schwieg. Ich fragte nach seinem Namen, bekam aber keine Antwort. Nur wieder dieser tiefgründige Blick aus bernsteinfarbenen Augen, der mein Herz und meine Seele schmelzen ließen. „Nun gut, wenn du deinen Namen nicht sagen willst, dann muss ich einen für dich erfinden. Ich nenne ich einfach Sam.“

Ich fühlte mich von diesem Kerl zunehmend irritiert; ein Gefühl, das ich gar nicht mag. Mein Leben und mein Beruf lassen keine Irritationen zu. „Du bist wahrscheinlich zwanzig Jahre jünger als ich, oder? Pass' auf, mein Lieber, dann sage ich einfach Sammy zu Dir, o.k.?“ Sein Blick bedeutete Zustimmung.

Bei mir zuhause nahm er ganz selbstverständlich auf dem Sofa Platz, machte sich machohaft und im Bewusstsein seiner männlichen Schönheit breit. Ein Glas Wasser war allerdings alles, was er wollte. Wir sahen uns schweigend an. Irgendwann habe ich mich dann zu ihm auf das Sofa gesetzt, ihm über den Kopf gestreichelt und ihn liebkost. Ich konnte nicht anders. Er sah mich aus seinen großen bernsteinfarbenen Augen an, sprach kein Wort, räkelte sich zart an mich ran voller Liebe und Vertrauen. Und da wusste ich, Sammy ist die ganz große Liebe!

Fünf Minuten später stand Sammy winselnd vor der Tür, und ich trug den kleinen Rüden (damals sechs Wochen alt) die Treppe hinunter in den Garten. Heute ist er elf Jahre alt und immer noch die ganz große Liebe.

 

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