Patrick Rabe

Warum man wegen Spaghetti Bolognese seinen Gott verraten kann

Warum man wegen Spaghetti Bolognese seinen Gott verraten kann

Jeder verrät irgendwann einen Gott.

Aber jeder einen anderen.

Jeder fängt irgendwann an zu taktieren, um nicht sterben zu müssen, obwohl der Tod, den man fürchtet, eine reine Behauptung ist, die man von Leuten aufgeschnappt hat, die sich auch alle fürchten.

Und irgendwann kriegen sie einen dazu, zum Gegengott überzulaufen (Und auch der ist komplizierter Weise bei jedem ein anderer), sie reden dir ein, du kannst nur ein Mensch werden und dein Leben retten, wenn du dich von deinem Gegengott umpolen lässt, dich mit Leuten befreundest, vor denen du früher schreiend weggelaufen wärst, wenn du sie nur in 10 Kilometer Entfernung gerochen hättest, deren Kleidungsstil, Frisuren, Sprachduktus, Habitus und Musikgeschmack derartig abstößt, dass du dich stundenlang duschen musst, wenn du einen Abend mit ihnen verbracht hast...und irgendwann erkennst du, dass es dir nicht möglich ist, dich so doll zu ändern, dass sie dich als Teil ihrer Tribe wirklich assimilieren würden.

Und genau in dieser Zeit, beginnt dein dich liebender Vatergott wieder bei dir anzuklopfen. Aber er muss sich als Satan tarnen, um überhaupt zu dir durchdringen zu können. Denn man hat dich schon so davon überzeugt, dass mit Minzsoße übergossener Fenchel an gerebeltem Maisbulgur dein Lieblingsgericht ist, dass du Spaghetti Bolognese nur noch als Todsünde wahrnehmen kannst, und jedesmal totale Paranoia bekommst, wenn du zufällig an einem Italienischen Restaurant verobeischlendest.

Dein als Satan getarnter Vatergott konfrontiert dich aber so lange mit Spaghetti Bolognese, bis du irgendwann schwach wirst, und mit Sonnenbrille und Perücke getarnt zu irgendeinem Italiener huschst, vor seiner Tür dich noch 10 mal verschämt umguckst, wie der Oberstudienrat, der sich als Udo Lindenberg verkleidet und sich vorm Bordell in der Herbertstaße noch 10 Mal verschämt umguckt, ob da keine Schüler von ihm sind.

Und dann setzt man die Sonnenbrille und die Perücke ab und zieht sich die Spaghetti Bolognese rein, fühlt sich wie ein König und lästert den Gott, dem man eigentlich gerade dient,laut und öffentlich mit Wörtern, die nicht mal das besessene Mädchen aus dem "Exorzisten" in den Mund nehmen würde, und die italienischen Kellner sagen zu dir: "Mann, kannst du dich gewählt ausdrücken! Und deine Manieren. Eins a. So mögen wir dich. Du musst hier auch gar nicht zahlen. Fühl dich eingeladen. Und wenn du noch 'ne Portion Spaghetti Bolognese für zuhause mitnemen willst, gerne, immer. geht aufs Haus." Und dann gehst du raus, und weißt gar nicht mehr, wo dir der Kopf steht.

Zuhause fühlst du dich beim Blick in den Spiegel wie ein Schwerverbrecher, der sich gerade im Alleingang die Mafia ausgedacht und durchorganisiert hat und diese Empfindung ringt mit dem Bedürfnis, sich die extra Portion Spaghetti Bo sofort in der Pfanne warm zu machen und sie runterzuschlingen, obwohl man gar keinen Hunger mehr hat. naja. ich kürze ab. Man kann vieleicht gerade noch so einer Wand ausweichen, bevor man mit 250 Sachen dagegenrast. Aber niemals sich selber.

copyright by Patrick Rabe, 2018

 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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