Manfred Bieschke-Behm

Ostereierkerzen und Glühwein

Wir werden Zeuge einer alljährlich wiederkehrenden Begegnung zwischen Elsbeth und ihrem Bruder Arthur. Man muss wissen, dass Beide eine gewisse Hassliebe verbindet. Sie können nicht miteinander aber auch nicht ohne den anderen. Zumindest zu den Feiertagen besucht Arthur seine Schwester, weil er meint ihr fällt es leichter Besucher zu empfangen. Elsbeth würde gerne auch Mal Gast bei ihrem Bruder sein, aber dazu kommt es so gut wie gar nicht.

Es ist der 1. Advent, 15:30 Uhr dreißig.

Schon am Klingelton erkennt Elsbeth, dass nur ihr Bruder es sein kann, der vor der Tür steht.

„Musst du immer so stürmisch klingeln“,fragt Elsbeth ihren Bruder , der die Meinung vertritt, dass sein Klingeln ein ganz normales Klingeln ist.

Der kritische Blick seiner Schwester auf seine Schuhe ist Hinweis genug, dass er sie, obwohl frei von Schmutz, auszieht und unordentlich in der Diele abstellt. Ohne, das es ihr Bruder bemerkt bringt Elsbeth mit ihrem linken Fuß Ordnung unter den Schuhen.

„Deinen Mantel kannst du an den Garderobenhaken hängen. Aber auf Bügel.“,gibt sie ihm zu verstehen.
Nicht nur wegen der Bequemlichkeit sondern auch aus Trotz hängt Arthur seinen Mantel ohne Bügel an den Haken und freut sich insgeheim.

Arthur auf Socken betritt das Wohnzimmer und bleibt erschrocken stehen. Was er sieht macht ihn fassungslos.

„Was ist los Arthur, willst du dich nicht setzten. Der Kaffee ist fertig und du magst ihn heiß trinken.“

„Ich mag ihn heiß trinken“, wiederholt Arthur, „aber knallgelbe Ostereierkerzen auf einen Adventskranz, ich weiß nicht.“

„Hast was gegen Ostereierkerzen Arthur?“, will Elsbeth wissen die überhaupt nicht versteht, dass sich ihr Bruder so entsetzt zeigt. Sie erklärt, dass die Ostereierkerzen die ganze Zeit über in der Schublade lagen und sie der Meinung ist, dass es an der Zeit ist sie abzubrennen.

„Wenn du solange damit gewartet hast hättest du auch noch bis nächstes Ostern warten können.“

„Hätte schon. Wollte aber nicht“, sagt sie und fügt hinzu: „Wer weiß ob ich nächstes Jahr Ostern noch lebe.“

„Unkraut vergeht nicht“, murmelt Arthur in seinen nicht vorhandenen Bart.

Elsbeth hört das und murmelt zurück: „Das sieht man ja an dir.“

PAUSE

„Warum sollte ich neue Kerzen kaufen wenn doch welche im Haus sind?“, verteidigt sich Elsbeth und schaut ihren Bruder verständnislos an.

„Du brätst zu Ostern doch auch keine Ente sondern schmorst ein Kaninchen“,erklärt Arthur und hofft, dass seine Schwester versteht, was er ihr damit sagen will.

„Ich esse keine Kaninchen, das weißt du“,erklärt Elsbeth und schenkt ihrem Bruder und sich eine Tasse Kaffee ein.

„Ist doch nur ein Beispiel.“

„Ein blödes Beispiel.“

Gut, dann ein anderes Beispiel: Stell dir vor ich besuche dich an Ostern und bringe Haselnüsse mit. Da möchte ich dich mal erleben.“

Elsbeth lässt ihren Bruder kaum ausreden. Sie unterbricht das Kaffeeeingießen und erklärt voller Entsetzten, dass er doch weiß, das sie gegen Nüsse allergisch ist und sie es sehr unfair fände, würde er an Ostern Haselnüsse anschleppen.

Nun reg dich doch nicht so auf Elsbeth. Du kriegst ja noch ein Herzkaspern. Wir haben Adventszeit und Weihnachten steht vor der Tür“

„Daran darf ich gar nicht denken“, erklärt ihm seine Schwester die sich einen zweiten Zimtstern vom Teller nimmt obwohl einer auf ihrem Teller liegt.

„Hast du was gegen Weihnachten?“, will Arthur wissen, dem es nicht entgeht, dass er von seiner Schwester beobachtet wird. Ihm schein, sie wartet nur darauf, dass er beim Zimtsterneessen krümelt und sie Gelegenheit bekommt ihn zu maßregeln.

„Warum sollte ich etwas gegen Weihnachten haben“,fragt sie mit einem unbestimmten Unterton.

„Was weiß ich? Wenn du nichts gegen Weihnachten hast, warum sagst du denn „Daran darf ich gar nicht denken?“

Elsbeth presst beide Lippen fest aufeinander. Sie will unbedingt verhindern, das auszusprechen, woran sie sich gerade erinnert.

„Sprich ruhig aus, was du sagen willst. Ich bin auf alles vorbereitet. Hast du mir was zu sagen?“

„Eigentlich nicht.“

„Und uneigentlich?“

„Eigentlich wollte ich das Thema nicht ansprechen.“

„Welches Thema? – Übrigens eine Frage: Willst du die Ostereierkerzen bist Ostern aufheben?“

„Wie kommst du denn darauf?“

„Na weil noch keine Kerze angezündet ist.“

Anstatt eine Kerze anzuzünden fragt Elsbeth ihren Bruder ob er sich an letztes Weihnachten erinnern kann. Weil Arthur nicht weiß worauf seine Schwester hinaus will, zögert er eine Antwort hinaus. Es gefällt ihm, dass seine Schwester, ohne eine Antwort von ihm zu abzuwarten, das Wort ergreift.

„24.12. Schon früh am Morgen fing es an zu schneien. Erst fielen einzelne Flocken, dann immer mehr ...“

„... Dann fielen weitere Flocken“, ergänzt Arthur dem es schwer fällt seiner Schwester zuzuhören wenn sie nicht gleich auf den Punkt kommt. Mit seinen Händen deutete er langsam fallenden Schneefall an.

„Richtig Arthur. Immer mehr Schnee fiel vom Himmel ...“

Woher soll er denn sonst kommen?“, fragt er und schaut seine Schwester ratlos an.

„Was bist du nur für ein unromantischer Kerl? Kannst du nicht einmal ...“

„Kann ich.“

„Dann tue es doch.“

„Was?“

„Ach lass es.“

PAUSE

„Am später Nachmittag, ich glaube es war so gegen 17 Uhr ....“

„Es war gegen 16 Uhr liebste Schwester. Gegen 16 Uhr. Wie jedes Jahr,iImmer zur gleichen Zeit. Aber egal. Erzähle mir was du mir sagen willst.“

„Als ich dich rein ließ sah ich, dass der Schnee mindestens einen halben Meter hoch lag.“

„Jetzt übertreibst du aber liebste Schwester. Lass es zwanzig Zentimeter gewesen sein. Mehr aber nicht.“

Elsbeth hat keine Lust sich wegen 10 Zentimeter mit ihrem Bruder zu streiten. Um sich zu beruhigen zündet sie eine Ostereierkerze an. Zufrieden schaut sie in die Flamme und erzählt ihrem Bruder, dass sie sich daran erinnert wie durchgefroren ihr Bruder ankam.

„Du hattest eine ganz rote Nase. So eine wie sie Rudolph das Rentierein besitzt. Ich gab dir ein Glas Glühwein in der Hoffnung das er dich durchwärmt. Ich erinnere mich, dass du das Glas ziemlich schnell leergetrunken hattest.“

„Glühwein muss heiß getrunken werden. Ist doch keine Sommerbowle“, erklärt Arthur der sich noch immer nicht damit abfinden kann, das seine Schwester vier quietschgelbe Osterkerzen auf den Adventskranz drapiert hat.

Das Glas war kaum ausgetrunken, da hattest du ein zweites verlangt.“

„Daran kann ich mich nicht erinnern.“

„Aber ich sehr wohl. Du hattest sogar noch ein drittes und viertes Glas verlangt.“

„Da muss mein Durst aber sehr stark gewesen sein.“

„Ich frage dich, wer trinkt denn Glühwein gegen den Durst?“, will Elsbeth vonihren Bruder ohne, das sie ihren Blick von der brennenden Kerze abwendet.

„Ich“, mehr Antwort hält er nicht für erforderlich.

„Als du ein fünftes Glas gefordert hattest, hatte ich so meine Bedenken ob das gut gehen kann.“

Arthur schaut seine Schwester, die ihrem Bruder mit merkwürdigem Gesichtsausdruck ins Gesicht sieht, fragend an.

„Es ging nicht gut. Gegen 22 Uhr warst du der Meinung, es wäre Zeit zu gehen. Das Anziehen deines Mantels stellte sich als ein Problem dar. Du wolltest einfach nicht verstehen, dass die Knopfleiste nach vorne gehört. Nachdem ich dich von der Richtigkeit überzeugen konnte begleitete ich dich vor die Tür. Ich hatte dir vorgeschlagen ein Taxi zu rufen aber du wolltest laufen. Dein Geiz lässt einen solchen Luxus nicht zu. Es hatte noch immer geschneit. Schwankend sah ich dich die Straße entlang torkeln. „Alle Jahre wieder„ hattest du lautstark aber falsch gesungen. Plötzlich warst du verstummt und nicht mehr zu sehen. Der Länge lang warst du in den Schnee gefallen ...“

Arthur möchte nichts mehr von der Sache hören. Er fordert seine Schwester auf, das Thema zu wechseln.

Hast du von Dingern noch mehr?

„Von was für Dingern sprichst du?“

„Na von den Ostereierkerzen.“

„Wieso interessiert dich das?“

„Ich dachte, wenn du noch mehr davon hast kannst du sie an den Weihnachtsbaum hängen. Sieht bestimmt toll aus.“

„Jetzt wirst du albern Arthur“, entrüstet sich Elsbeth und fragt ihren Bruder ob er mit ihr einen Eierlikör trinken würde.

„Besser wäre ein Glühwein“, frotzelt Arthur

„Den gibt wieder wenn Schnee liegt“, antwortet Elsbeth und nimmt sich erneut einen Zimtstern.

 

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