Claudia Savelsberg

Wie finde ich einen Mann?

Bianca ist hübsch, klug, liebevoll und sie hat Humor. Dies bestätigen ihr jedenfalls alle ihre Freunde.

Leider ist sie Single; ein nicht beglückender Zustand, den sie gerne ändern möchte. Aber die Frage ist: wie finde ich einen Mann?

Praktisch veranlagt, wie Bianca in entscheidenden Situationen ihres Lebens sein kann, denkt sie als erstes an die Rubrik „Er sucht Sie“ in der Tageszeitung. Eine Tasse Kaffee, dazu eine Zigarette, dann kann es losgehen mit der Lektüre.

Sofort fällt ihr ins Auge: „Porsche-Cabrio-Fahrer sucht sinnliche Sie für gemeinsame Zukunft....“ Ob der Mann einen Minderwertigkeitskomplex hat, weil er Frauen mit seiner Luxus-Karosse beeindrucken will? Und dann soll sie auch noch sinnlich sein, was immer das heißen mag.

Also entscheidet Bianca, dass sie definitiv kein Porsche-Cabrio braucht und den Fahrer auch nicht.

Dann liest sie: „Pensionierter Beamter, kein Opa-Typ, mit Schrebergarten, möchte sich wieder verlieben...“ Mein lieber Beamter, aber bitte nicht in Bianca; denn sie ist nicht der Typ für sonntägliche Schrebergarten-Idylle.

Der nächste Herr mag es vollmundig: „Unbeschreiblicher Mann mit attraktiven Attributen wünscht sich eine ebensolche Frau...“ Das wird wohl ein frommer Wusch bleiben; denn seine eitle Selbstdarstellung ist wirklich unbeschreiblich.

Der Nächste, bitte: „Gepflegter, seriöser Herr sucht Dame (gerne auch älter) mit Tagesfreizeit...“ Upps, da ist Bianca wohl aus Versehen in die Rubrik „Erotische Kontakte“ geraten. Fazit ihrer ersten Recherche – so wird das nichts!

Eine Bekannte rät Bianca zur Partnersuche im Internet. Sie selbst hat es zwar noch nicht versucht, aber eine Bekannte der Bekannten hätte tatsächlich im Netz ihren heutigen Ehemann gefunden. Also auf an den Rechner und erst mal kundig machen, wer wo „angeboten“ wird.

Alle Portale versprechen natürlich die „Partnersuche für Singles mit Niveau.“ Das kann Bianca ja wohl voraussetzen; sie ist nicht der Typ, der auf irgendeine „Ü-XY“ Party geht, um einen Kerl abzuschleppen.

Menschen, die studiert haben und sich „Doktor“ oder „Professor“ nennen dürfen, haben ein eigenes Portal. Da bleiben sie unter sich, gleich und gleich gesellt sich sprichwörtlich eben gerne. Obwohl es auch oft heißt, dass Gegensätze sich anziehen. Bianca will beides nicht austesten.

Interessant ist der Slogan auf einer anderen Homepage: „Hier verliebt sich alle zehn Minuten ein Single.“ Bianca ist beeindruckt und rechnet mal flott auf eine Stunde hoch – sie hätte dann rein theoretisch gleich sechs Männer am Haken. Geht auch nicht, sie muss auf ihren guten Ruf achten. Es wäre allerdings auch denkbar, dass Bianca sich nicht alle zehn Minuten verliebt. Dann braucht sie sich gar nicht erst einloggen.

Ganz im Trend liegt wohl gerade, dass sich Singles bei Kochkursen kennenlernen und sich verlieben, was sonst. In Biancas Kopf entwickelt sich folgendes Szenario: die Zwiebeltränen kullern ihr aus den Augen über die Wangen, die Wimperntusche ist verschmiert und das Rouge verwischt. Und in diesem Zustand, den sie als Frau nur als desolat beschreiben kann, soll sie mit ihrem Kochpartner flirten, der gerade Möhren raspelt und die Kuppe seines Daumens nicht rechtzeitig in Sicherheit bringt? Eindeutig nein....!

Mit der Enttäuschung wächst Biancas Risikobereitschaft. Auf einem bekannten deutschen Privatsender läuft häufig eine Show, in der ein Single-Mann unter zwanzig Frauen wählen kann.

Die Auserwählten bekommen eine Rose und sind dann automatisch in der nächsten Sendung, die anderen müssen leider die Villa des Single-Mannes verlassen. Am Schluß hat der attraktive Mann nur noch eine Rose, die er seiner Favoritin gibt. In der Hoffnung, seine große Liebe gefunden zu haben.

Der Mann wird übrigens "Der Batchelor" genannt. In Zeiten der Gleichberechtigung darf auch eine Frau suchen; die heißt dann logischerweise "Die Bachelorette."

Vielleicht sollte Bianca sich einfach bewerben. Flug, Hotel, Verpflegung kostenlos. Dazu Designerkleider, Schuhe, Visagist und Friseur – eben „all inclusive“. Und zwanzig Männer (obwohl sie nur einen braucht), die ihr mehr oder minder geistreich imponieren wollen.

Je mehr sie darüber nachdenkt, desto größer werden Biancas Zweifel. Als „Bachelorette“ müsste sie mit den Radschlagenden Pfauen jeden Abend auf der Terrasse der Villa sitzen, plaudern und jede Menge Champagner schlürfen. Sie sitzt abends gerne mit einer Tasse Tee auf dem Sofa und liest ein Buch.

Um die Bewerber um ihre Gunst zu testen, müsste Bianca mit ihnen zum Hochseefischen oder zum Bungeespringen oder anderen, vollkommen überflüssigen Vergnügungen. Sie ist absolut unsportlich.

Dann die „Nacht der Rosen“, in der Bianca dem blauäugigen Marvin schmachtend erklären müßte, dass sie ihn irgendwie ganz süß findet und ob er denn nun ihre Rose annehmen wollte. Bianca redet lieber klar und dezidiert. Fazit: Sie ist keine „Bachelorette“!

Bevor sie sich aus Trotz dazu entschließt, Single zu bleiben und als solche lebenslänglich ein glückliches Leben zu führen, erinnert sie sich an den Rat einer guten Freundin: „Überlasse es dem Zufall. Wenn dir im Bus ein Mann auf den Fuß tritt, dann siehst du ihn an und weißt – er ist es!“

Morgen will Bianca sich eine Monatskarte für den öffentlichen Personennahverkehr kaufen. Man kann ja dem Zufall ein bisschen nachhelfen.....

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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