Christopher Gratz

Und die Sehnsucht so groß!

Heute Nacht habe ich von dir geträumt. Von dir zu träumen ist nicht das Gleiche wie mit dir zu träumen, doch fürs Erste muss es reichen.

Ich träumte von  damals, als wir uns das erste Mal trafen und gleich ineinander verloren, unter dem Lindenbaum an der Lichtung.

Deine Haut kristallklar, dein Wesen offen und doch unscheinbar. So hattest du mich sofort verzaubert. Erinnerst du dich an unseren gemeinsamen Jahre? Als Zeit noch grenzenlos schien.

 

Meine Freunde mochten dich nicht. Sie sagten, wir passen nicht zueinander. Seitdem wir uns regelmäßig sehen, sei ich nicht mehr der Gleiche. Sie haben mich nie verstanden. Deshalb musste ich mich auch von ihnen trennen. Das macht nun nichts, denn mit dir brauch ich niemanden anderen. Du machst mich vollkommen und so rein erscheint alles, wenn du bei mir bist. Und in gewisser Weise gehts dir auch so mit mir. Einen Sinn hab ich dir gegeben, hast du mir geflüstert, als wir uns innig vereinten.

Jetzt noch halten sie uns getrennt. Aber wer sind die, dass sie mir verbieten dich zu sehen?!

Ich spüre dich immer bei mir, dein Stimme begleitet mich stets, egal wo ich mich gerade befinde.

Bald werden wir wieder beisammen sein. Vereint ein letztes Mal und für immer.

Doch die Menschen verstehen das nicht. Denn sie kennen dich nicht so wie ich dich kenne. Sie wissen gar nichts über dich. Denn du lässt deine Schönheit nicht jeden teilwerden. Lass uns gemeinsam fliehen in eine bessere Welt wo sie unsere Liebe akzeptieren. Lass uns diese Welt hier verlassen und niemals zurückblicken.

Jetzt lieg ich hier im Bett, sie haben mich gefesselt. Meine Hände ans Bett gebunden. Hier, wo auch immer das genau sein soll, will ich nicht bleiben. Ich muss zu dir und ich weiß, dass du draußen auf mich wartest.

Ja, ich habe von dir geträumt heute Nacht, und jetzt bin ich wach und will  zu dir. Auch diese Fesseln werden mich nicht aufhalten können.

 

Bevor sie mich einsperrten und uns gewaltsam auseinander rissen, hab ich dir geflüstert, wo du auf mich warten sollst. Nicht weit von hier hinter diesen Mauern. Dort wo wir uns das erste Mal trafen, uns das erste Mal liebten. Dort, hab ich dir geflüstert, dort sollst du auf mich warten. Bei der großen Linde, wo wir uns das erste Mal vereinten. Ja ich bin mir sicher, dass du dort  sehnsüchtig  auf mich wartest.

Ich muss hier raus. Und ich weiß genau wie, mein Engel. Ich habe mich vorbereitet. Als sie mich das letzte Mal festhielten, vergingen viele Monate bis sie mich wieder frei ließen. Sie redeten auf mich ein. Sagten das du mich verlassen hättest und wir uns nie wieder sehen dürfen. Doch ihre Gehirnwäsche hat uns nur noch stärker gemacht. Sie hatten keine Chance. Zu rein ist unsere Liebe. Es dauerte nicht lange und ich lag wieder in deinen Armen. Der schönste Tag war das. Doch ich wusste, sie werden uns nicht in Frieden lassen. Diese neidischen Menschen. Deshalb hatte ich Vorkehrungen getroffen. Dir gesagt, wo du auf mich warten sollst. Dort bei der Lichtung, bei der große Linde, wo wir uns das Erste Mal unsere Liebe gestanden. Dieser Platz ist unser ganz allein. Niemand weiß davon. Und dort hattest du es mir geschworen. Mich nie zu verlassen. Alles wird gut hattest du geflüstert. Alles wird gut, flüster ich dir jetzt. Kannst du mich hören, mein Schatz?!

Ja ich wusste, dass sie keine Ruhe geben werden. Doch heute sehen wir uns wieder mein Schatz, das weiß ich, denn ich habe davon geträumt.

Ich fange an zu brüllen, hysterisch zu schreien! Sie sollen kommen. Noch sind meine Hände gefesselt, doch wartet nur ab. Ja kommt, hört mich schreien und kommt nach mir sehen. Hier sind sie schon.  Zwei weiße Gestalten. Zwei Soldaten, die stumpf Befehle befolgen. Sie sind nicht unsere Feinde. Doch Freunde sind sie auch nicht. Und was bleibt uns anderes übrig als uns wehren. Sie werden uns nie wieder einsperren. Dafür muss ich sorgen, egal um welchem Preis. Für unsere Liebe!

Ich muss auf die Toilette, stammle ich. Und schon öffnen sie meine Fesseln und heben mich hoch. Ihr Narren! Sie führen mich aus meiner Zelle durch den langen Gang und befehlen mir mich zu beeilen während sie die Tür der Toilette bewachen in der ich mich nun befinde.

Solche Narren, denk ich und  wasche mir das Gesicht mit kaltem Wasser.  Hier hinten habe ich es versteckt. Das eine Werkzeug, das uns wieder vereinen wird. Der Schlüssel zu unserer Freiheit.

Ich hebe den Deckel des Spülkasten und greife danach. Der Schraubenzieher liegt noch genau dort, wo ich ihm platziert habe. Ihr Narren! Bald bin ich bei dir mein Liebling. Bitte warte dort beim Lindenbaum auf mich, hatte ich dir geflüstert, bevor sie uns wieder gewaltsam entzweiten. Ich öffne die Tür und stürme aus der Toilette, unsere Freiheit fest in meiner rechten Hand umklammert.

Bald bin ich bei dir, brüllt eine Stimme in mir, während die silberne Spitze des Schraubenziehers in den Nacken eines meines Bewachers vorstoßt. Bitte warte auf mich, schreit eine Stimme in mir, während sich die Blutrote Spitze des Schraubenziehers mehrmals durch den Bauch des zweiten Soldaten bohrt. Sie waren nur Roboter. Nicht fähig die Gewaltigkeit unserer Liebe zu verstehen, höre ich deine Stimme flüstern.

 

Meine Beine machen sich selbstständig. Schritt für Schritt. Auf dem kleinen Schild am Ende des Ganges strahlt eine grünschimmernde Schrift "Exit". Bist du das mein Engel? Zeig mir den Weg hier raus, ich folge dir.

Ich laufe hinaus in die finstere Nacht, dann über die Mauer in die Freiheit. Hinter mir höre ich Sirenen. Doch was hinter mir passiert, interessiert mich nicht mehr. 

Gleich bist du da, flüstert mir deine Stimme. Bist du das? Weißt du, dass ich auf den Weg zu dir bin? Bitte warte auf mich bei der Linde, wo wir uns das erste Mal liebten. Ich bin unterwegs mein Schatz. Bald sind wir wieder vereint.

 

Ich kenne den Weg. Und selbst wenn nicht- würde ich ihn finden. Denken brauch ich nicht. Mein Beine führen mich. Lauft!, ruf ich ihnen zu. 

Ich kann dich spüren. Nur noch wenige Schritte. Ich merke wie meine Beine straucheln. Jetzt nicht schlapp machen, bald bin ich bei dir meine Liebste.

Am Baum angekommen, sehe ich dich zuerst nicht. Panik bricht aus. Wieso bist du nicht hier, wie abgemacht? Haben sie unser Versteck gefunden? Nein, hier im Baum liegst du vergraben.  Ein kleines Loch hatte ich dir geschnitzt. Deine Heimat während der Zeit, die du sehnsüchtig auf mich warten musstest. Ich strecke meine Hand nach dir aus. Da bist du.  Du siehst noch genau so aus, wie ich dich zurückgelassen hatte, meine glänzende Schönheit.  Zeit scheint keine Wirkung auf dich zu haben. Ich muss dich spüren. Alles wird gut flüsterst, du mir zu, während ich dich ganz tief an mich presse.

Wir schweben!

Hörst du sie auch? Sie werden gleich da sein. Doch sie werden mich nicht mehr einsperren. Wir verlassen diese Welt. Du flüsterst mir ein letztes Mal, dass alles gut wird, während ich dich noch einmal in meine Vene pumpe und uns das Licht gänzlich verzehrt.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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