Heinz-Walter Hoetter

Sie sind mitten unter uns

Mr. Georg Fuller war ein achtunddreißig Jahre alter Mann und ein überaus fleißiger Handelsvertreter. Schon allein aus beruflichen Gründen kam er viel in der Welt herum. Daraus ergab sich zwangsläufig, dass er seine Familie relativ selten zu Gesicht bekam, was ihm zwar auch nicht besonders behagte, doch aufgrund der derzeitigen Verhältnisse leider daran nichts ändern konnte. Einer musste ja das Geld für die Familie verdienen. Aber er hatte seiner Frau und den drei Kindern fest versprochen, nach dem letzten wichtigen Geschäft eine längere Auszeit zu nehmen, damit sie endlich gemeinsam Urlaub machen konnten.

Doch dann kam alles anders.

Die ganze Geschichte begann damit, als Mr. Fuller auf dem Trottoir vor einem vornehmen Großstadthotel stand und mit der rechten Hand hektisch nach einem Taxi winkte. Er war nämlich in großer Eile. Tatsächlich musste er nicht allzu lange warten, bis ein vorbeifahrender Taxifahrer auf ihn aufmerksam wurde und mit seinem Wagen schon bald direkt vor dem Hoteleingang stoppte.

Der Handelsvertreter hastete sofort mit seinen zwei Rollkoffern dem wartenden Taxi entgegen, dessen älterer Fahrer mittlerweile ausgestiegen war, um das schwere Gepäck seines eiligen Fahrgastes mit einem freundlich Gruß entgegen zu nehmen. Nachdem er alle Sachen im Kofferraum verstaut hatte, öffnete er zügig mit einem freundlichen Lächeln die rückwärtige Tür des Wagens und bat seinen Fahrgast darum, doch hinten im bequemen Fond Platz zu nehmen. Mr. Fuller stieg flugs ein und war froh darüber, dass alles so schnell gegangen war.

Als wenige Augenblicke später der grauhaarige Taxifahrer hinter seinem Lenkrad saß und seinen Fahrgast danach fragte, wohin es denn gehen solle, antwortete Mr. Georg Fuller ihm: „Ich muss zum Flughafen. Leider bekam ich plötzlich heftige Kopfschmerzen und musste mir vom Zimmerpagen Tabletten besorgen lassen. Aus irgendwelchen Gründen kam dieser Kerl erst nach einer knappen halben Stunde wieder zurück. Ich hatte mich derweil auf die Couch meines Hotelzimmers gelegt und war schon nach wenigen Minuten fest eingeschlafen. Erst der Page hat mich wieder geweckt. Leider musste ich danach feststellen, dass ich meinen Flug wohl verpassen würde, denn ich war viel zu spät dran. Jetzt hängt alles von ihnen ab. Bringen Sie mich bitte so schnell es geht zum Flughafen, damit ich meine Maschine doch noch rechtzeitig erreiche. Wenn ich zu spät komme, wird sie ohne mich abfliegen, was allerdings für eines meiner wichtigen Geschäfte in den USA sehr fatal enden könnte.“

„Ich werde es versuchen, mein Herr. Aber ich kann nicht garantieren, ob ich es schaffen werde. Sehen Sie doch selbst! Hier herrscht überall auf den Straßen dichter Verkehr. Zudem liegt der Flughafen weit draußen vor der Stadt, und der Weg dorthin braucht eben seine Zeit. Allerdings kenne ich ein paar Abkürzungen, die ich nehmen werde, um nicht durch die verkehrsreiche Innenstadt fahren zu müssen. Vielleicht werden Sie doch noch ihren Flug rechtzeitig erreichen können. Trotzdem kann ich Ihnen nicht versprechen, dass ich es auf diese Art und Weise schaffe“, sagte der alte Taxifahrer bestimmt aber höflich, gab schließlich Gas und setzte sein Fahrzeug resolut in Bewegung.

Trotz aller Verkehrswidrigkeiten erreichte der alte Taxifahrer mit seinem Taxi tatsächlich schon recht bald den ruhigeren Stadtrand und lenkte wenig später sein Fahrzeug auf die breite Autobahn, die direkt zum Flughafen führte. Es waren nur noch wenige Kilometer bis zum Ziel und Mr. Fuller freute sich darüber, dass er sein Flugzeug möglicherweise doch noch rechtzeitig erreichen würde.

Kurz vor der Ausfahrt zum Flugplatz jedoch fing plötzlich der Benzinmotor des Taxis an zu stottern, bis er wenige Augenblicke später total aussetzte. Der alte Taxifahrer steuerte den Wagen sofort auf die rechte Standspur der Autobahn, schaltete die Warnblinkanlage ein und drehte verzweifelt den Zündschlüssel immer wieder herum. Doch nichts geschah. Der Motor ließ sich einfach nicht mehr starten, weil offenbar die Batterie oder die Lichtmaschine keinen Strom mehr lieferte, denn auch die gesamte Beleuchtung der Betriebsanzeige auf dem Armaturenbrett war erloschen.

„Es tut mir fürchterlich leid, mein Herr, aber so wie es aussieht, kriege ich meinen Wagen so schnell nicht wieder flott. Ich werde sofort über Funk mit der Zentrale sprechen und ein Ersatztaxi anfordern. Doch das kann eine Weile dauern, bis es vor Ort ist. Sie werden jetzt sicherlich durch meine Schuld den Flug verpassen. Ich kann Sie daher nur noch ganz aufrichtig um Verzeihung bitten“, sagte der sichtlich verzweifelte Taxifahrer zu seinem Fahrgast, der nur stumm auf seinem Rücksitz saß. Scheinbar konnte er noch nicht so recht realisieren, was eigentlich passiert war.

Deshalb dauerte es auch eine ganze Weile, bis Mr. Fuller sich zu dem Malheur äußerte.

„Ich werde jetzt wohl in der Tat einen großen Auftrag verlieren, der mir eine Menge Geld eingebracht hätte. Die Verspätung wird man mir nicht verzeihen. Mein potenzieller Kunde wird abspringen und sich wohl möglich kurzfristig an die Konkurrenz wenden. Das ist in meiner Branche eben so üblich. Außerdem geht der nächste Flug erst wieder morgen früh los. Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll“, sagte er leise mit sichtlich verbittertem Gesichtsausdruck.

„Ich kann Ihnen gegenüber nur mein tiefstes Bedauern zum Ausdruck bringen. Aber das Geschehene kann ich nicht wieder rückgängig machen. Es tut mir wirklich fürchterlich leid für Sie, dass ich Ihnen durch mein Missgeschick so viele Unannehmlichkeiten bereitet habe, mein Herr“, antwortete der alte Taxifahrer beschämt mit leiser, zurückhaltender Stimme, griff zum Mikrofon seines Funkgerätes und sprach umgehend mit der Taxizentrale.

Nach etwas weniger als dreißig Minuten erschien das angeforderte Taxi endlich auf der Autobahnstandspur und hielt hinter ihnen an. Ein junger Mann stieg aus und übergab dem alten Taxifahrer die Schlüssel des Ersatzfahrzeuges. Mr. Fuller hatte den komischen Eindruck, dass er den jungen Fahrer zu kennen glaubte, denn sein Gesicht glich das dem Zimmerpagen, der ihm die Kopfschmerztabletten im Hotel so spät gebrachte hatte. Die beiden Männer wechselten noch schnell ein paar Worte miteinander, bevor man den wartenden Handelsvertreter in das Ersatztaxi bat. Dann ging die Fahrt mit dem Zweitfahrzeug weiter zum Flughafen, den sie ohne weitere Störungen recht zügig erreichten. Doch zu diesem Zeitpunkt war das Flugzeug nicht mehr da und bereits auf dem Flug in die USA. Die Verspätung des Taxis betrug mehr als vierzig Minuten. Die Flughafenleitung hatte immer wieder den Namen von Mr. Fuller ausrufen lassen und den Kapitän des Flugzeuges fast fünfzehn Minuten warten lassen, bevor sie sich dazu entschloss, den Flug freizugeben, sodass die Maschine ohne den verspäteten Passagier abfliegen musste.

„Tja, das war’s dann wohl gewesen. Ich werde bestimmt meinen lukrativen Auftrag in Übersee verlieren und leer ausgehen, weil mein Kunde abspringen wird. Den geplanten Urlaub mit meiner Frau und meinen drei Kindern zusammen werde ich absagen müssen, bis ich den nächsten großen Geschäftsauftrag erhalte, was dauern kann. Der Markt in diesem Bereich ist sehr hart umkämpft, und wer nicht pünktlich ist, der verliert eben und wird schnell ins Abseits gedrückt“, sagte Mr. Georg Fuller sichtlich betroffen zu dem alten Taxifahrer, der nur mit starrem Gesichtsausdruck wortlos aus dem Wagen stieg und den Kofferraum öffnete. Der trübe aussehende Handelsvertreter folgte ihm, nahm unwirsch seine beiden Rollkoffer entgegen und trottete hinüber zum Eingang des Flughafenterminals. Gerade wollte er die gläserne Eingangstür öffnen, da fiel ihm ein, dass er die Fahrt noch nicht bezahlt hatte. Außerdem tat ihm der Alte jetzt plötzlich irgendwie leid, den er so abfällig behandelt hatte.

Mr. Fuller stellte sich auch innerlich die Frage, was denn der alte Taxifahrer schließlich dazu konnte, dass der Motor seines Taxis so urplötzlich stehen geblieben war. Deshalb drehte er sich noch einmal herum, wollte die Bezahlung nachholen und sich zusätzlich noch auf anständige Art und Weise von ihm verabschieden. Doch der Fahrer und sein Taxi waren nicht mehr da. Ziemlich verwundert darüber schaute Mr. Fuller suchend die einspurige Zubringerstraße dieses Teils des Flughafens ab, aber nirgendwo konnte er den Alten und sein Taxi entdecken. Beide schienen sich in Luft aufgelöst zu haben. Nachdenklich und Kopf schüttelnd machte sich Mr. Georg Fuller zurück auf den Weg zum Eingang des Flughafens, öffnete die gläserne Tür und betrat die große Vorhalle des Terminals.

Mr. Fuller fühlte sich trotz allen Ärgers, den er hinter sich hatte, auf einmal wesentlich besser als noch vor einigen Stunden und bekam plötzlich richtigen Hunger auf ein gutes Essen. Das Restaurant ganz in der Nähe des Airports Shopping Centers machte auf ihn einen guten Eindruck. Ein paar Minuten später saß er an einem freien Tisch gleich gegenüber der wuchtigen Theke, wo auf der rechten Seite direkt neben dem Eingang zur Küche, an der beige gestrichenen Wand, ein übergroßer Flachbildschirm hing. Die Lautsprecher des TV Gerätes waren eingeschaltet und man konnte jedes Wort des Nachrichtensprechers verstehen, der auf einmal anstelle der Werbung erschien. Auf dem Schirm des Fernsehers tauchten kurz hinter einander die Bilder eines grauenvollen Flugzeugunglückes auf, das wohl nach Lage der Dinge ganz in der Nähe jenes Flughafens passiert sein musste, in dem er sich soeben aufhielt. Mr. Fuller war wie elektrisiert. Auch die übrigen Gäste schienen schockiert zu sein, denn es war ganz abrupt still geworden im Lokal, als man die Stimme des Nachrichtensprechers hörte, der von der schlimmen Flugzeugkatastrophe mit teilnahmsloser Stimme berichtete. Mr. Fuller bekam von den vielen Sätzen nur fragmentarisch etwas mit. Aber ein Satz traf ihn besonders hart.

„...kurz nach dem Start ist eine Maschine der Air France mit 113 Passagieren an Bord brennend abgestürzt. Neuesten Berichten zufolge, die uns soeben aktuell erreichten, hat niemand der Insassen das schreckliche Unglück überlebt...“

Von einer Sekunde auf die andere brach ein lautes Gemurmel im Restaurant aus. Einige Gäste waren schreiend aufgestanden und fingen an zu weinen. Eine Männerstimme rief voller Entsetzen: „Das war doch der Flug in die USA, der vor knapp einer Stunde von hier gestartet ist. Mein Gott, einer meiner Kollegen war an Bord. Ich habe ihn selbst zum Flughafen gefahren. Es heißt, dass niemand überlebt hat..., wie schrecklich..., ich kann es nicht glauben, dass er...“

Die Stimme des Mannes stockte auf einmal, dann hastete er mit großen Schritten zum Ausgang des Restaurants und lief zum Informationsschalter der Fluggesellschaft, wo sich bereits eine große Ansammlung von Menschen eingefunden hatte.

Mr. Georg Fuller saß wie versteinert da. Sein Gesicht wurde von einer Sekunde auf die andere aschfahl. Dem Handelsvertreter fingen die Hände an zu zittern. Er wusste auf einmal, dass das sein Flug gewesen war, den er verpasst hatte, weil der Motor des Taxis, das ihn zum Flughafen bringen sollte, unterwegs plötzlich aus unerfindlichen Gründen ausgesetzt hatte. Der alte Taxifahrer musste daher extra ein Ersatztaxi anfordern, das aber viel zu spät gekommen war. Auch der Zimmerpage im Hotel hatte seinen Teil zu der Verspätung beigetragen, wie Mr. Fuller selbst, denn er hätte sich ja nicht unbedingt auf die Couch legen müssen, auf der er dann ungewollt eingeschlafen war. Alles war eine komische Verkettung von seltsamen Zufällen, die letzten Endes dazu führten, dass er seine Maschine nicht mehr rechtzeitig erreichen konnte, was ihm allerdings das Leben rettete, wie er sich selbst gegenüber ehrlicherweise eingestehen musste.

Plötzlich fiel Mr. Georg Fuller wieder das mysteriöse Verschwinden des alten Mannes mit seinem Taxi am Flughafeneingang ein, das ihm Rätsel aufgab. Hatte sich der alte Taxifahrer wohl möglich absichtlich verspätet, um ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren? Mr. Fuller dachte darüber nach, aber er konnte sich letztendlich nicht dazu entscheiden, was er von all den seltsam anmutenden Vorkommnissen halten sollte. Was immer er darüber dachte und zu welchem Entschluss er auch kam, begreifen konnte er es dennoch nicht. So ließ er es denn irgendwann einmal sein, weiter darüber nachzudenken und widmete sich alsbald wieder den alltäglichen Aufgaben seines stressigen Berufes.

***

Die Zeit zog ins Land und eines Tages begab es sich, dass der Handelsvertreter Mr. Georg Fuller aus geschäftlichen Gründen wieder in die gleiche Großstadt kam. Er bezog abermals ein schönes Zimmer im gleichen Hotel, das mittlerweile innen etwas umgebaut und modernisiert worden war. Aber das störte Mr. Fuller nicht weiter, denn alles unterlag in dieser Zeit gewissen Veränderungen, die man nicht aufhalten konnte.

Er wickelte tagsüber seine lukrativen Geschäfte ab, die mehr als gut liefen und ihm eine Menge Geld einbrachten. Spät am Abend besuchte er noch eine kleine Bar ganz in der Nähe seines Hotels, wo er sich vom aufreibenden Tagesgeschäft etwas entspannen wollte. Er trank mit Vorliebe guten Wein, den er ausgiebig genoss.

Gegen Mitternacht verließ er das Lokal und marschierte zu Fuß zurück ins Hotel. Unterwegs nahm er eine Abkürzung durch eine schmale Gasse, die überwiegend aus holprigem Kopfsteinpflaster bestand. Gerade mal ein Fahrzeug hätte hier zwischen die Häuser durchgepasst. Soeben hatte Mr. Fuller die Hälfte der schmalen Gasse hinter sich gelassen, da kam ihm plötzlich ein Taxi mit hell leuchtenden Scheinwerfern entgegen. Als es auf gleicher Höhe mit ihm war, hielt es an und die Scheibe wurde heruntergelassen. Am Steuer saß ein alter Taxifahrer, der ihn sofort und ohne Umschweife ansprach, als kenne er ihn schon lange wie einen alten Freund.

„Ach Sie sind es Mr. Fuller. Wie geht es Ihnen denn? So spät noch unterwegs? Was machen übrigens die Geschäfte? Bestimmt gehen sie gut – oder? Irgendwie ahnte ich es doch, dass ich Sie mal wiedersehen würde“, sagte der alte Mann lächelnd und wartete ab, was der verblüffte Handelsvertreter zu ihm sagen würde.

„Das ist aber ein Zufall. Sie sind doch der alte Taxifahrer, der mich damals zum Flughafen gefahren hat, wenn ich mich nicht irre. Ich wollte meine Fahrt noch bei Ihnen bezahlen, aber Sie waren urplötzlich nicht mehr da. Und Sie werden es mir sicherlich nicht glauben, dass mir die damalige Verspätung tatsächlich das Leben gerettet hat, denn meine Maschine ist kurz nach dem Start abgestürzt und hat alle Passagiere, die an Bord waren, mit den Tod gerissen. Ich wäre heute nicht mehr am Leben. Oft denke ich daran, wie viel Leid meiner Familie damit erspart worden ist, dass ich als einziger Passagier nicht mitgeflogen bin. Eigentlich bin ich Ihnen zu Dank verpflichtet, trotz allem. Und wenn Sie es mir gestatten, möchte ich die entstandene Gebühr hier und jetzt gerne nachzahlen. Da ich mich auch damals noch wegen meines unwirschen Verhaltens bei Ihnen entschuldigen wollte, hole ich das hiermit ebenfalls nach. Sie bekommen gleich das Geld von mir.“

Mr. Georg Fuller griff in die rechte Tasche seiner Hose und hielt wenig später ein Bündel Geldscheine in der Hand. Dann fingerte er einen Hunderter daraus hervor und hielt ihn durchs offene Seitenfenster des Taxis, sodass der alte Taxifahrer ihn bequem hätte entgegen nehmen können. Doch der lehnte zu seiner großen Überraschung höflich ab.

„Nein Mr. Fuller, Geld ist für mich und meine anderen Kollegen überhaupt nicht wichtig. Es ist für uns völlig ohne Bedeutung. Unsere Dienstleistungen sind ganz anderer Art, von denen die meisten Menschen überhaupt keine Ahnung haben. Wissen Sie, man kann nicht alle Menschen gleichzeitig retten, aber wir schaffen es immer wieder, hier und da einige Menschen vor dem sicheren Tod zu bewahren. Alles geschieht rein zufällig. Niemand wird von uns ausgesucht, dem wir unsere Hilfe freiwillig zukommen lassen. Natürlich würden wir gerne alle Unglücksopfer retten wollen, aber das können und dürfen wir nicht. Warum das so ist, das müssen Sie nicht unbedingt wissen. Aber manchmal offenbaren wir uns hinterher auch denjenigen Menschen, die wir gerettet haben. Wir lüften ihnen gegenüber das Geheimnis unserer Existenz, um sie damit zufrieden und glücklich zu machen. Sie werden dann völlig andere Menschen, die auf einmal ein ganz anderes Leben beginnen. Aber die meisten unter euch glauben nicht daran, dass es uns gibt. Wir sind uralte, geheimnisvolle Wesen, die unbemerkt unter den Menschen eine Menge Gutes tun. Und so soll es auch weiterhin bleiben, Mr. Fuller“, sagte der alte Taxifahrer mit sanfter Stimme und verabschiedete sich von dem völlig verdutzten Handelsvertreter, der sich mittlerweile in eine kleine Türnische gestellt hatte, weil er dachte, dass ihm das Taxi bei der Weiterfahrt in der schmalen Gasse über die Füße rollen könnte. Dem war aber nicht so. Als es nämlich im Schritttempo anfuhr, löste es sich plötzlich ganz langsam nach und nach auf und verschwand im Nirgendwo der dunklen Nacht.

Noch lange stand Mr. Georg Fuller Gedanken verloren in der hölzernen Türnische des alten Gassenhauses, das nur von einer trüben Straßenlaterne schummrig angeleuchtet wurde. Obwohl er zuerst daran dachte, dass ihm der übermäßige Alkoholgenuss möglicherweise eine Halluzination beschert hatte, wusste er aber dennoch auch gleichzeitig um eine ganz andere, geheimnisvolle Existenz unter den Menschen. Es waren außergewöhnliche Wesen, die es wirklich gab. Er hatte ja eines von ihnen selbst kennen gelernt. Woher sie kamen, das wusste Mr. Fuller nicht. Aber er wusste, dass sie dem Menschen gegenüber mehr nur als freundlich gesonnen waren.

Die Menschen waren also nicht allein auf dieser Erde. Mr. Georg Fuller war plötzlich wie ausgewechselt. Ein tiefer Friede machte sich in seinem Herzen breit, denn es war gut zu wissen, dass es Engel hier unter ihnen auf der Erde gab, die für das Gute kämpften.

 

ENDE



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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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