Heinz-Walter Hoetter

Die Ballade von Jennifers Rückkehr

Ich saß ganz allein in einer kleinen Bar, und ich dachte daran, wie es früher einmal war. Vergangen sind längst die alten Zeiten, sie spiegelten sich in den bunten Lebensweiten. In den Träumen sind sie aber immer präsent, die man auch als Erinnerungen kennt. Ja, die alten Zeiten können viel erzählen, was einst mal war, ich muss es einfach erwähnen.


Ein unsichtbarer Reigen an Gedanken kehrte langsam zurück hinter verborgenen, dunklen Schranken. Ich schloss die Augen, es war wie im Traum, er erzählte mir von Jennifer in diesem Raum. Sie saß mit mir damals hier in der kleinen Bar. Meine Jennifer, sie hatte langes, schwarzes Haar. Den Klang ihrer weichen Stimme höre ich heute noch, als sie mich ansah und sagte: "Ich liebe dich doch!" Aber das Schicksal hatte es mit uns anders gemeint. Ich musste fort, zurück blieb sie und hat viel geweint.


Ja, nie wieder habe ich Jennifer seit der Zeit gesehen. Was einst geschah, ich konnte es selbst nicht verstehen. Ich öffnete die Augen, in meinem Herzen war es ganz still. Da saß auf einmal der Wirt an meinem Tisch, sein Name war Bill. Er hatte mich wohl schon lange so seltsam angesehen. Dann sagte er nachdenklich: "Liebende sollten nie auseinandergehen."


Er kannte mich noch von früher aus dieser kleinen Bar, er wusste auch, was damals mit Jennifer geschehen war. "Eine Zeit lang kam sie noch hier hin, saß an diesem Tisch. Sie sprach immer von dir, denn sie war so verliebt in dich. Doch eines Tages, oh ja, da war sie ganz plötzlich fort. Sie sagte mir noch zum Abschied, sie wolle dich suchen, egal an welchem Ort."


Dann schaute Bill zum Fenster hinaus in die dunkle Nacht. Was er dann sagte, das hat mich wirklich traurig gemacht. "Jennifer packte ihre Koffer, am Bahnhof war sie eine Zeit lang gestanden, vor einen Zug hat sie sich geworfen, keiner hat es verstanden. Gewiss aus Liebeskummer tat sie es. Sie war verzweifelt", hörte ich ihn vorwurfsvoll sagen. Ich schaute ihn an, aber ich stellte ihm keine weiteren Fragen.

Ich verließ die Bar, ging nach draußen, über mir war das funkelnde Sternenzelt. Oh Jennifer, sie war schon lange tot und nicht mehr in dieser Welt. Einsam im Herzen ging ich in Gedanken verloren allein durch die leeren Straßen der Stadt. Es war das Schicksal, das unsere Liebe zerstörte und es eben so gewollt hat. Die Stille der Nacht, sie tat mir irgendwie gut, doch da war auch dieser tiefe Seelenschmerz. Dann geschah das Wunder. Ich hörte eine Stimme und sah plötzlich Jennifer neben mir. Sprachlos schaute ich ihr tief in die Augen und streichelte dabei liebevoll ihr schwarzes Haar. Sie aber berührte ganz sanft mein Herz. Wie schön das war.


Der Klang ihrer weichen Stimme betörte mich, als sie flüsterte: "Ich liebe dich immer noch von ganzem Herzen."

Dann durchschritten wir gemeinsam ein helles Licht und traten in eine Welt ohne Leiden und Schmerzen.


 

ENDE


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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