Heinz-Walter Hoetter

Die neugierigen Entenküken

Auf einem großen Dorfteich schwamm friedlich eine kleine Entenfamilie am dichten Schilfufer entlang.

„Bleibt immer schön bei mir!“ rief die Entenmutter Henriette besorgt ihren kleinen Küken zu, die ziemlich ausgelassen überall herumtollten.

Die kleinen Küken flitzten blitzschnell über das Wasser und waren sehr neugierig. Alles mussten sie anschauen und genau untersuchen. Es gab ja auch viele interessante Dinge zu sehen. Bald waren einige von ihnen im hohen Schilf verschwunden, denn hier war es wirklich sehr aufregend, jedenfalls aufregender, als auf dem offenen Teich. Es gab eine Menge zu entdecken. Alles war neu und unbekannt für die kleinen Schnatterer.

Eine Riesenlibelle flog auf einmal heran, setzte sich nur einen Moment später auf einen großen Stein in der Nähe des Teichufers und wollte sich offenbar dort ausruhen.

Karla, das jüngste Entenküken, war ihrem etwas größeren Bruder Bruno mit ins dichte Schilf gefolgt, obwohl es die Mutter den beiden ausdrücklich verboten hatte. Trotzdem war sie ihrem Bruder einfach gedankenlos hinterher geschwommen. Jetzt beobachtete sie mit ihm zusammen fasziniert die große Libelle auf dem nassen Stein, wo sich plötzlich noch eine zweite, etwas kleinere, hinzugesellte.

„Schau mal Bruno, da sitzen zwei Libellen auf dem Stein gleich hinter dem Schilf. Ich glaube, sie wohnen alle hier am Ufer unseres Dorfteiches. Es wimmelt überall nur so von anderen Tieren. Das finde ich wirklich toll. Komm mit, wir schauen uns die beiden aus der Nähe an“, rief sie ihrem Bruder zu und schwamm weiter zum Ufer. Karla wollte sich eben immer alles ganz genau anschauen.

Die beiden Libellen kümmerten sich überhaupt nicht um die neugierigen Entenküken, als sie ganz dicht neben dem Stein in unmittelbarer Nähe des Ufers herumschwammen. Plötzlich tauchte ein dunkler Schatten über Karla und Bruno auf.

Als sie nach oben schauten, blickten sie genau in das offene, feuchte Maul eines Fuchses, der die beiden Küken schon eine ganze Weile aus sicherer Entfernung beobachtet hatte. Jetzt war die Gelegenheit für ihn günstig gewesen, um seine Beute zu fangen und zu fressen.

„Ein Fuchs, ein Fuchs!“ piepste Karla ängstlich und schrie laut um Hilfe. Aber Bruno hatte schon längst in allerhöchster Panik die Flucht ergriffen und war schnell wie eine Rakete zurück durch das dichte Schilfwerk zu seinen Eltern geschwommen. Jetzt war Karla auf einmal ganz allein auf sich gestellt. Der Fuchs wird mich fressen, dachte sie in Todesangst und schloss innerlich schon mit ihrem Leben ab.

Sie kniff ihre beiden Äuglein zu und ergab sich ihrem Schicksal. Doch es tat sich nichts. Im nächsten Augenblick hörte Karla ein lautes Bellen, das schnell näher kam. „Flocki“, der braune Langhaardackel, näherte sich mit riesengroßen Sprüngen dem Dorfteich und verjagte mit wildem Gebell den frechen Fuchs, der sofort Reißaus nahm und mit eingeklemmten Schwanz Zähne knirschend das Weite suchte.

Schon kamen auch Henriette und ihr Entenmann Fridolin wild flatternd herbeigeflogen. Bruno und die anderen Geschwister waren bei ihnen.

„Was haben euch eure Eltern denn beigebracht? Ihr solltet doch alle immer in unserer Nähe bleiben und dicht hinter uns schwimmen. Überall lauern Gefahren in der Gegend. Der Fuchs hätte Karla und Bruno beinahe geschnappt und gefressen, wenn der mutige Flocki nicht gekommen wäre. Lasst euch das eine Warnung sein! Nur wenn ihr bei mir oder bei eurem Vater bleibt, habt ihr eine Chance hier draußen zu überleben“, sagte Mama Ente mit mahnender Stimme.

Alle Entlein nickten fast gleichzeitig mit dem Kopf und schnatterten wild durcheinander. Sie wollten ab jetzt immer ganz dicht bei ihren Eltern bleiben, denn es war wirklich sehr gefährlich, alleine und schutzlos irgendwo hin zu schwimmen, auch wenn es noch so verlockend war. Karla und Bruno schmiegten sich jetzt ganz nah an ihre Mutter, die ihre beiden Küken mit dem Schnabel zärtlich durchs Gefieder streichelte. Die ganze Entenfamilie freute sich, dass alles noch einmal gut ausgegangen war.

 

ENDE


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