Andreas Rüdig

Fachangestellter für Markt- und Sozialforschung

Ausbildung ist wichtig. Ein guter Schulabschluß und eine abgeschlossene Berufsausbildung eröffnen den Zugang zu beruflichem Erfolg, Wohlstand und Aufstieg. Doch wie exotische und damit in der Öffentlichkeit völlig unbekannte Berufe vorstellen, vor allem dann, wenn man sich als Autor nicht die Mühe machten möchte, erzählbereite Gesprächspartner zu suchen und zu finden? Genau: Man erfindet als Autor fiktive Geschichten. Bei dem folgenden Beruf ist es mir relativ einfach gefallen, da ich zumindest in der Branche schon einmal gearbeitet habe und so auf Erinnerungen zurückgreifen kann.


Der Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Sie wirken bei allen Schritten der Durchführung von Markt- und Sozialforschungsprojekten mit.


Dieser Beruf wird hier in Form eines kleinen Theaterstücks auf der Bühne vorgestellt.

Szene 1
(Bühnenbild: ein durchschnittliches, gewöhnliches Büro, 2 Bürohengste sitzen sich an einem Tisch gegenüber)

Herr Prof. Dr. Müller! Sie sind mir von Ihren Kollegen an der Universität als fähiger, komptetenter Mann für Meinungsfragen empfohlen worden. Ohne weitere Umschweife erteile ich Ihnen daher meinen Großauftrag: Finden SIe in einer repräsentativen Umfrage heraus, welche Sexualpraktiken die Menschen kennen und welche Stellungen Sie bevorzugen.

Herr Prof. Dr. Schmidt! Sie sind doch Sexualforscher. Ich bin etwas überrascht, daß Sie mir den Auftrag erteilen. Die Umfrage müßten SIe doch auch selbst machen können.

Natürlich. Ich könnte mich zwar in Großstädten auf die Straße stellen und wahllos zufällig Passanten befragen. Mich interessieren aber die Menschen auf dem platten Land mehr. Rammelt der Bauer und äh Landwirt mehr und anders als der hochgebildete Akademiker, wie wir beide es sind.

Diese Frage interessiert mich auch. In Ordnung - ich nehme den Auftrag an. Lassen Sie uns den Vertrag unterschreiben.

(Beide Vertragspartner unterschreiben auf einem Blatt Papier)

Herr Prof. Dr. Schmidt, wie soll die Umfrage denn vonstatten gehen? Welche Fragen soll ich stellen?

Herr Prof. Dr. Müller, diese Frage ist leicht zu beantworten. Ich haben einen Fragenkatalog entwickelt. Ich habe ihn hier auf einem Stick (= Speichermedium für den Computer = Rechner) (hält ihn deutlich sichtbar hoch). Wenn Sie möchten, können wir gern schon an Ort und Stelle darüber sprechen.

Aber gerne. Geben Sie mir bitte den Stick. (Prof. Dr. Schmidt reicht ihn rüber, Prof. Dr. Müller startet seinen Rechner und steckt den Stick hinein Die beiden Gelehrten reden lautlos miteinander, während der Vorhang zugeht.


Szene 2
(ein Call-Center-Agent) sitzt am Telefon und arbeitet den Fragenkatalog ab)

Guten Tag. Mein Namen lautet Xaver-Valentin Mayer. Ich arbeite für das Sozialpraktische Forschungs- und Umfragezentrum. Wir führen für die Sexualwissenschaftliche Forschungsstelle der Niederrheinischen Universität Kleve eine Umfrage zum Thema Erotik, Sexualpraktiken und Sexualpräferenzen durch. Darf ich fragen, ob Sie  schon über 18 Jahre alt sein? Ja? Das ist aber schön. Hätten Sie denn Zeit, Interesse und Lust, an der Umfrage teilzunehmen? Bravorös für Ihre positive Antwort. Ich fange dann auch gleich mit den Fragen an.

In welchem Bundesland leben Sie?

Sind Sie männlich oder weiblich?

Praktizieren Sie die Missionarsstellung?

Praktiziert bei Ihnen die Frau die Reiterstellung?

Haben Sie schon mal einen Exhibitionisten gesehen?

Kennen Sie einen Voyer?

Wer oder was ist ein Spanner?

Haben Sie es  schon mal anal getrieben?

Kennen Sie sich in der Sado-Maso-Szene aus?

Waren Sie schon mal ein Lebenmöbel?

Was verbirgt sich hinter der Zahl 69?

Kennen Sie einen zoophilen Menschen?

Kennen Sie einen Nekrophilen?

Kommen wir nun zur letzten Frage. Was verbirgt sich hinter dem Lolita-Effekt?

Vielen Dank für die Teilnahme an der Umfrage. Sie haben mir sehr geholfen.
 
Szene 3
(es ist eine leere Bühne zu sehen; in den Zuschauerraum schallen Antworten der interviewten Personen)

Laß mich in Ruhe, du Drecksau

Pflaume

Mit einem so unsittlichen Thema möchte ich nichts zu tun haben

Lüstling!
Szene 4
(der Call-Center-Agent aus der vorletzten Szene steht in einem Lichtkegel mutterseelenallein auf der Bühne und denkt nach)

Das Interview zum Thema Sex
ist wie bei einer Hex´
die Leute sind sehr aufgeregt
es geht um ein Thema, das bewegt
Liebe, Eros, Kinder
nichts gibt es geschwinder
dann kommt die Scham, die Röte
spielt die Neugierde ihre Flöte
wie lebt sich der Geschlechtsverkehr
das interessiert doch sehr
doch die Antworten
will man horten
doch durch den Kabel
quatscht der Schnabel
 
Szene 5
 
(auf der Bühe steht ein Schauspieler und deklamiert)

Das Unternehmen Sexualpsychologisches Wissenschaftszentrum ist auf Telefonumfragen im Bereich Geschlechtsverkehr spezialisiert. "Dies ist ein schwieriges Marktsegment," berichtet Waldemar-Valentin VIel, der Geschäftsführer des Unternehmens. "Sex und Geschlechtsverkehr sind immer noch schambehaftet. Die Menschen gehben da nur ungern am Telefon Auskunft."

Da hilft nach Ansicht des Geschäftsmannes nur psychologische Geschäftsführung. "Unser Ansatz: Während des Interviews spielen wir unterschwellig Gestöhne und erotische Musik. Die Interviewpartner werden so ganz schnell rattig, geben schnell spontan + unbewußte Antworten, also ohne viel nachzudenken und wollen dann ihrem Lebensabschnittsgefähren (m/w) nur noch um den Hals fallen. Wir haben noch nie so rasch so ehrlich Statistiken erhalten."

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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