Christa Astl

Weihnachtsfeiertage

 

 

 

Endlich sind die Feiertage vorbei, Weihnachten hat Ruhe für ein Jahr. Sie kann sich wieder erholen. Schon am Hl. Abend ging es los: Den ganzen Tag stand sie in der Küche, kaum hatte sie nach dem Mittagessen fertig aufgeräumt, hieß es wieder herrichten zum Kaffeetrinken. Dazwischen war noch schnell die Wohnung zu saugen, der Baum hatte schon beim Aufstellen Nadeln verloren.

Die erste Tochter, die bei den Vorbereitungen mithelfen wollte, tauchte zwei Stunden später als vereinbart auf. Alles musste warten. Auch der Christbaum. Natürlich wurde dann nicht mehr so viel drauf gehängt, es war ja schon bald Zeit zum Abendessen.

Die traditionelle „Würstlsuppe“ hatte sie schon vormittags gekocht, also nur aufwärmen und die Würstl hinein. Den Mayonnaisesalat hatten die anderen gemacht, die kümmerten sich jetzt auch darum, dass er auf den Tisch kam, - und dass die Schüssel fast leer wurde.

Der Christbaum wartet nun, dass die Kerzen angezündet werden, das Lametta, vom Esszimmer aus angestrahlt, leuchtete zart. Die echten Bienenwachskerzen brannten so ruhig und tropffrei, man hätte sie für künstlich halten können.

Mit dem Singen von Weihnachtsliedern klappte es auch dieses Jahr nicht. Keiner wollte anstimmen, auch sie hatte Angst, nicht den richtigen Ton zu treffen. Radiomusik – nein, nicht schon wieder. Die Stille der Kerzen, diesen zuzuschauen, beruhigte ihre überstrapazierten Nerven. Nach dem Überreichen der kleinen Geschenke ging es ans Punschkochen. Zu dritt! Jeder wusste es noch besser, rührte, mischte dazu, kostete, war endlich zufrieden. Und der Keksschüssel wurde eifrig zugesprochen. Sie hatte ja auch genug gebacken.

Die Zeit tropfte bis Mitternacht. Endlich das Läuten der Glocken, warm anziehen und hinaus in die Nacht. Wie üblich, war die Kirche ziemlich voll, doch nicht mehr so wie in früheren Jahren, auch nicht um Mitternacht. Kein Chor, keine Bläser, keine Orgel, - „nur“ ein Frauendreigesang, der sich aber wirklich alle Mühe gab, mit zarten Stimmen Weihnachtsstimmung zu vermitteln. Anschließend weihnachtliche Bläsermusik auf dem Kirchplatz.

Nochmals zusammensetzen, noch eine Tasse Punsch, endlich ins Bett.

Nächster Tag, Feiertag, Gottesdienst. Den Braten ins Rohr, dazu Knödel gekocht. Das Essen wird etwas später fertig als geplant, trotzdem murrt noch keiner. Schweigendes Genießen, - Nachtisch hat nicht mehr Platz. Am späten Nachmittag kommt die andere Tochter mit ihrem Baby. Als es richtig wach ist, sich vom sicheren Schoß der Mutter entfernt und mit den räumlichen Gegebenheiten vertraut gemacht hat, macht es die ersten tapsigen Geh- und Laufversuche durchs große Wohnzimmer. Gut, dass der Christbaum kratzt, so bleibt er sicher stehen.

Aber ein Kleinkind findet aus seiner Perspektive immer was Neues, Interessantes, das es auszuprobieren und in den Mund zu stecken lohnt. Kästen, Regale bergen so viel, auch Gefahren, sodass immer wenigstens einer einen wachsamen Blick haben musste.

Aber auch ein Baby wird mal müde, und nun können alle am Tisch sitzen.

Am 2. Feiertag – traditioneller Verwandtenbesuch. Über 20 Personen im Wohnzimmer! Verteilt auf zwei Tische. Jugend und Alter fast getrennt. Bei dem anschließenden Glas Wein werden die Plätze getauscht, nach Wein- und Safttrinkern rückt man neu zusammen. Jeder will reden, keiner will zuhören, dazwischen quietschen die Kinder. Warm wird es im Zimmer, die Fenster sind angelaufen, Dunkelheit senkt sich bald herein. Die ersten brechen auf, alle anderen, wie auf Kommando, folgen. Überschwängliche Abschieds- und Dankeszeremonien, das Versprechen und die Einladung zum Gegenbesuch, und dann ist Ruhe, fast greifbare Stille, die die letzten zurückgebliebenen Personen verbindet.

Ein Aufatmen, - Weihnachten wieder für ein Jahr vorbei!

ChA 26.12.12

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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