Heinz-Walter Hoetter

Die Ballade vom Schicksalsberg

Auf einem hohen Hügel ein kleiner Junge stand. Er winkte mit den Händchen hinein ins weite Land. Am fernen Horizont, vor tintenblauer Himmelsfront, da waren diese großen Berge, die wie schweigend Riesen ihm erschienen, in unerreichbar weiter Ferne. Der Junge sich ganz innig wünschte, dass er mal irgendwann dort gerne wäre.


Ins Land hinein da ging die Zeit und stetig sie verrann. Doch eines Tages dann, da ward geworden aus dem kleinen Jungen ein richtig stolzer Mann. Es trug sich zu, er wieder auf dem gleichen Hügel stand und sah hinaus ins weite Land. Am fernen Horizont, da waren wieder diese großen Berge, bei denen er als kleiner Junge schon mal so gern gewesen wäre.

 

Es kam der Tag, da ging er fort. Es zog ihn magisch hin zu diesem fernen Berges Ort. Und endlich angekommen hat er den größten Gipfel gleich erklommen. Ja, da stand er nun, ganz oben auf des Berges Höhe, umweht von starker Windesböe. Ins weite Land hinaus er sah und fühlte sich dabei dem Himmel und der Ewigkeit so nah. Im Herzen noch der kleine Junge, den frühen Wunsch sich selbst erfüllend jetzt als Mann, vergaß er aber wo er war und auch die Zeit, die viel zu schnell verrann. Und wie er noch so träumend schaute, ein schlimmer Schneesturm sich ganz schnell und unbemerkt zusammenbraute.

 

Dem Manne wurde sofort klar, sein Leben war jetzt in Gefahr. Im Sturm stieg er den Berg hinab, die Zeit, sie wurde knapp.
Vom schlechten Wetter überrascht gar sehr, der Weg nach unten war gefährlich und so schwer. Die Kräfte ließen plötzlich nach, bald konnte er nicht mehr. Die Kälte kroch ihm ins Gewand und trübe wurd’ sein Sinn. Sein Schicksal war besiegelt, er legte sich zum Sterben hin. Der viele Schnee, er deckte bald den starren Körper zu. So fand er hier, an diesem Schicksalsort im Berg, die letzte Ruh.

 

Der Mann, dem Tode schon ganz nah, er sich als kleiner Junge wieder sah, der auf dem großen Hügel stand. Er winkte mit den Händchen hinein ins weite Land. Am fernen Horizont, da waren diese schweigend Riesen, ja seine Schicksalsberge, die aber langsam von ihm wichen, in unendlich weite, weite Ferne.

(c)Heinz-Walter Hoetter

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