Marlene Remen

HALLO, ICH BIN MARCEL 25

Habe meine Tochter Andrea angerufen, sie kam auch sofort, ich war
völlig fertig, habe nur noch nach Marcel geweint. Den oberen Flur
frei gemacht, damit der Weg für die Rettungskräfte durchgängig war.
Meinem Mann Bescheid gesagt, der schon die ganze Zeit nach mir rief,
es hat ihn sehr geschockt.

Reanimation von Marcel durch den Notarzt im Dachgeschoss,
Anforderung von noch mehr Helfern zum Heruntertragen, ging nicht
auf einer Trage, sondern nur mit einer Tuchtrage. Zustand von Marcel
stabilisiert und in den Krankentransportwagen gebracht. Nochmalige
Reanimation darin, dann in die Klinik nach Erftstadt-Liblar gebracht.

Diagnose des Notarztes : Schwerer Herzinfarkt mit sehr hohem Sauerstoff-
Verlust, zeitweiliger Herzstillstand, der auch einen doppelseitigen Schlaganfall
zur Folge hatte. Aufnahme von Marcel auf der Intensiv-Station der Klinik.
Diagnose des Stationsarztes : Lungenentzündung, Luftröhrenschnitt veranlaßt mit
Einsetzung eines Trachiostomas, Ernährungssonde im Magen. Blasenkatheder
durch die Bauchdecke.  Weder bei Berührungen noch durch Ansprechen erfolgte
eine Reaktion von Marcel. Durch die bakterielle Entzündung der Lunge bestand die
Gefahr einer Blutvergiftung, zum Glück nicht erfolgt. Bei Aufnahme auf der Station
erneute Reanimation.

Nach 4 Wochen Auf der Intensiv der Klinik Reha-Aufenthalt in Bernkastel-Kues,
dies war der erstmögliche Platz, der zu bekommen war. 3 Monate lang, jedoch ohne
sichtbaren Erfolg. Nach Entlassung Unterbringung in einem kleinen Altenheim,
in unserer Nähe. Dies war der schlimmste Fehler, den ich jemals gemacht habe.
Am 4. Tag mit einem Fieberschock ( über 40 Grad Fieber) in das hiesige Kreiskranken-
Haus in Bergheim gebracht, zwei Wochen Intensivstation. Danach Verlegung in ein
Pflegehaus der Rehastufe F in Bad Godesberg, ein sehr gutes Haus, in dem sich sehr um
die zumeist jüngeren Bewohner gekümmert wird.

Zustand von Marcel :
Sehr stark ausgeprägte Spastik, Temperaturschübe im Wechsel mit tagelangen
Schwitzattacken, ab und an auch höheres Fieber, leider einen MRSA - Keim, den das
Personal aber wieder gut wegbekommen hat. Medikamentenpumpe in die Bauchdecke
eingesetzt, durch einen winzigen Kathederschlauch zur Wirbelsäule , in der ein Mittel
gegen die Spastik gegeben wurde. Keine erkennbare Wirkung, Durchtrennung der Sehnen
in den Kniekehlen, um die Beine in eine ausgestreckte Haltung zu bringen, ohne Erfolg.
Marcel liegt in einer Embryo-Stellung mit angezogenen Beinen bis in Brusthöhe, seine
Hände sind nach innen gedreht und die Finger stehen in einer sehr grotesken Weise an
seinen Händen. Luftröhrenkanüle kann zeitweilig entfernt werden, Marcel atmet
selbständig und kann auch etwas schlucken, wird aber trotzdem regelmäßig abgesaugt.
Reagiert auf Berührungen mit Panikattacken, beruhigt sich aber mit sanftem Zureden
schnell wieder.

Fünfeinhalb Jahre Wachkomma, mit gelegentlichen Atemaussetzer, teils wach,aber
nicht orientiert, erkennt Niemanden. Der schwerste Grad einer Behinderung nach einem
Herzinfarkt mit sehr hohem Sauerstoff-Verlust

War das, was ihm geschehen ist, meine Schuld, habe ich die Anzeichen nicht gesehen,
habe ich falsch und zu spät reagiert ?? Warum, warum nur mußte meinem geliebten Sohn
das geschehen ? Diese Frage wird mich bis an mein Lebensende quälen, aber ich werde
wohl nie eine Antwort darauf bekommen.
Marcel ist am 23, August 2018 in den frühen Morgenstunden verstorben, sein Leid hatte
endlich ein Ende, meines jedoch wird niemals aufhören..........

Warum nur , warum, wer hat eine Antwort darauf ???????????????????????????


Copyright by Marlene Remen



 

Auf ewig wird dein liebes Herz, in unsren Herzen sein.
Darin geht es niemals verloren, ein Platz für dich allein.

In ewiger Liebe Mama
Marlene Remen, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Gestatten, dass ich mich vorstelle. Ich heiße Pedro und bin ein Graupapagei, ja, genau, der mit dem schwarzen Krummschnabel, der weißen Maske, dem grauen Gefieder und den roten Schwanzfedern. Meine drei Freunde Kasimier, genannt »Karl-Karl Kasel«, Grete, genannt »Motte-Maus« oder »Prinzessin«, Peter, genannt »O«, und ich leben seit Dezember 1994 in einem schönen Einfamilienhaus in einem Dorf in der Vorharzregion. Ich habe mir vorgenommen, aus meinem Leben zu berichten, was mir alles so passiert ist, wie mein Tagesablauf ist und war und was mich alles so bewegt.

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