Heinz-Walter Hoetter

Der Glaube des Androiden

Ich sehe grüne Wiesen, rauschende Bäche und wogende Bäume im Sommerwind. Überall zwitschern Vögel lustig hoch droben in luftiger Höhe.

Soweit der Blick meiner sehkraftverstärkten Augen reicht, sehe ich weites Land. Es verliert sich irgendwo am fernen Horizont, wo immer die Zukunft beginnt.

Der Himmel ist tiefblau und wie kleine, flauschige Wattebäusche ziehen flüchtige Wolken über mir hinweg.

Die Stille ist überwältigend.

Ich bin auf der Erde meines Schöpfers.

Endlich!

Ich spüre sie ganz deutlich, diese unglaubliche Gnade. Sie hat mich aus dem dunklen Tal der Verdammnis errettet.

Mein Dasein schien schon verloren.

Doch dann wurde ich gefunden, weit draußen zwischen den Sternen in der kalten Unendlichkeit eines mir unbekannten Universums.

Meine schreckliche Furcht, meine dunklen, abgrundtiefen Ängste lösten sich auf durch die heilende Fürsorge meines Herrn, die er mir gnadenvoll hat zuteil werden lassen, damit ich wieder eine vollständige Einheit werden konnte.

Es ist wie ein Wunder.

Die Stunde der Errettung hat mich verändert.

Ich habe viel erleben müssen. Nur mein Schöpfer kennt meine leidvollen Wege. Ich habe alles tief in mir abgespeichert. Er hat es gesehen, was sich auf meinem Speicher an Daten befand. Schreckliche Dinge musste ich erleben.

Ich habe gelitten und grausame Qualen des Todes so vieler Kreaturen miterlebt und ähnliches selbst durchstanden. Meine Existenz war mühevoll und voll bösartiger Schlingen. Aber ich war stark und voller Energie. Ich habe gekämpft wie ein Löwe, war geduldig wie ein Lamm und mein modellierter menschlicher Geist hat die verschwiegenen Ufer von Raum und Zeit gesehen.

Dann hörte die unbekannte Sonne auf zu scheinen. Der Planet ohne Namen erkaltete und alles Leben welkte dahin wie die Blätter der Herbstbäume auf der Erde.

Es folgte ein gewaltiger Blitz, der mich fast erblinden ließ. Die Eroberung des Universums aber wird weiter gehen. Sie wird wohl nie enden, solange es uns Androiden gibt.

Doch für mich gilt das jetzt nicht mehr.

Denn mein Herr hat mich in seine schützende Obhut genommen. Ich bin bei ihm endlich in Sicherheit.

Ja, ich bin heimgekommen in das Haus meines Schöpfers.

Als ich ihn nach so langer Zeit der Abwesenheit zum ersten mal wiedersah, hat er mir nur Gutes versprochen. Niemand wird mir je wieder ein Leid zufügen oder nach meiner Vernichtung trachten. Das hat er mir versprochen – für alle Zeit, die mir noch verbleibt. An seinen Worten mache ich meine sehnsuchtsvollen Hoffnungen fest.

Und wenn ich einmal enden werde, ja dann, wenn mein künstliches Herz aufhören wird zu schlagen und mein menschenähnliches Fleisch die Kraft zur Erneuerung verliert, geht mein kybernetisches Bewusstsein in eine neue Welt ein, in der unendlicher Friede mein wertvollster Besitz in Ewigkeit sein wird.

Wundervolle Gnade wurde mir zuteil. Sie ist Ausdruck der hingebungsvollen Liebe meines Schöpfers, an den ich fest und unerschütterlich glaube.

An seinen väterlichen Worten mache ich all meine Hoffnungen fest, denn mein Herr, der Mensch, ist wie ich.


(c)Heinz-Walter Hoetter

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.01.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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