Arnold Nirgends

Rosamunde Tecot - 13 Jahre - Arca-Nihil Story

Ihr ganzer Körper zitterte vor Aufregung, als sie das leichte Vibrieren des Schiffskörpers spürte, welches davon rührte, dass die schweren Motoren der ANS Doomsday in Betrieb genommen worden waren. Aus der Ferne vernahm sie auch die Rufe der Bootsmänner, welche die Leinen gelöst hatten, die das Luftschiff bis vor kurzem auf der Landeplattform 2 des Arca-Nihil Luftschiffhafens fixiert hatten. Tagelang dauerten die Vorbereitungen für den ersten großen Flug des erst vor 2 Jahren fertiggestellten Luftschiffes. Diese 2 Jahre hatte es gedauert, bis die Elektrik und Mechanik des ersten jemals gebauten Luftschiffes als zuverlässig genug eingestuft werden konnte, um es auf eine mehrwöchige Expeditionsreise in den Süden von Caltha senden zu können. Es sollte Orte anfliegen, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hatte. Und das ohne mich, dachte Rosamunde grimmig, während alle ihre Sinne nach außen gerichtet waren, um so viel wie möglich vom ersten Start mit einem Luftschiff wie möglich mitzubekommen.

Dafür befand sie sich in einer gänzlich unpassenden Umgebung. Nachdem sie sich kurz vor dem Start, in einem unbeobachteten Moment an Bord geschlichen hatte, wählte sie den einzigen Ort an Bord des Schiffes, der sicher von der Besatzung gemieden wurde – der Hippogriffstall. Die ANS Doomsday hatte ein Hippogriff an Bord, das Tier von Großherrn Rauhbein, einem Freund und Begleiter ihres Bruders Bilok. Rosamunde auch „Hipporosa“ genannt, verstand es wie keine Andere, Hippogriffe zu beherrschen und so hatte das Tier keine Anstalten gemacht ihr Territorium zu verteidigen, als sich Rosamunde im Stall hinter den Futterballen verkrochen hatte.

Als der Start vorbei war, hörte sie aus dem Schiffsinneren Stimmen. Sie wusste dass das Schiff voll war mit Abenteurern. Ihr Bruder hatte es tatsächlich zuwege gebracht vom Rat von Arca-Nihil, kurz RAN, das Luftschiff für diese Expedition zur Verfügung gestellt zu bekommen und eine Gruppe zuverlässiger Soldaten und Söldner zusammenzutrommeln, welche nun das kleine Schiff dicht besetzt hatten. Neben Rauhbein waren es Biloks Freunde Susi, Grünwald und Balsam, die auch Rosamunde gut kannte und leiden mochte. Daneben gab es eine Handvoll Musketen Schützen, weiters Kriegsveteranen in schwerer Rüstung und die Schiffsbesatzung. Zwanzig Mann und ICH ergänzte sie in Gedanken und freute sich schon auf das Gesicht, welches ihr Bruder machen würde, wenn sie sich zu erkennen geben wird und natürlich auf die vielen tollen Abenteuer im Süden des Binnenmeeres. Von diesen Abenteuern wird sie dann mal noch ihren Enkelkindern erzählen, dachte die Dreizehnjährige und begann sich aus ihrem Versteck zu schälen.

Das Hippogriff war sehr unruhig. Rosamunde erkannte feinfühlig, dass das Tier instinktiv spürte, dass es in der Luft war und nicht verstand was da los war.

„Na friss einfach mal was, mein kleiner Racker!“, sprach sie ihm Mut zu und nahm ein fettes Kaninchen aus einem der Wandkäfige, passte auf, dass das verzweifelte Kaninchen sie nicht kratzte und wartete, bis das Hippogriff das Futtertier mit dem Schnabel an den Läufen schnappte. Gleichzeitig angeekelt und fasziniert beobachtete sie, wie das Hippogriff das Kaninchen geschickt zerfetzte und die Teile dann genüsslich verschluckte.

„So, und jetzt rück mal ein wenig!“, befahl Rosamunde dem nun etwas ruhigeren Tier und drückte es leicht gegen eine Seite, damit sie zum kleinen Fenster an der Rückwand gelangen konnte. Mit dem mitgebrachten Schraubendreher entfernte sie das Gitter, legte Schrauben, Stäbe und Schraubendreher umsichtig auf ein kleines Wandregal und schlängelte sich mühsam durch das entstandene enge Loch nach Draußen.

Auf der Außenseite fanden ihre Hände halt an Sicherungsleinen, welche die ganze Gondel des Olbiaschiffes umgaben und den Zweck hatten, dass die Besatzung jeden Punkt des Schiffes auch in der Luft erreichen konnte. Das kam ihr jetzt zugute und so kletterte sie zuerst die Gondel hoch, schwang sich über die Reling und stand nun auf der Oberseite der Luftschiffgondel, etwa fünf Meter unterhalb des Luftschiffballons. Der Ballon wusste sie war genau 59 Meter lang und 15 Meter durchmessend. Er trug die schwere Gondel und bis zu fünf Tonnen Nutzlast. Ein Wunderwerk der Technik, von denen es nur zwei gab. Die ANS Doomsday und die ANS Spirit. Allerdings war, das wusste sie auch, ein Luftschiff in Bau, welches noch deutlich größer war.

Sie beendete ihre Träumereien und bewegte sich langsam vor, an die Spitze der Gondel und blickte von dort in die Tiefe. Das Luftschiff war ihrer Schätzung nach schon über tausend Meter hoch in der Luft. Man konnte Arca-Nihil noch in der Ferne sehen. Viel näher war aber schon die Küste des Binnenmeeres. Bald würden sie das Festland hinter sich gelassen haben und dann war ein guter Zeitpunkt in die Gondel hinunter zu klettern und sich den Abenteurern anzuschließen. Dem Geruch nach gab es gutes, warmes Essen da unten.

Rosamunde hörte wie unter ihr die große Ladeluke zur Seite geschoben wurde und sah, dass einige der an der Reling befestigten Taue sich strafften. Gleich darauf erkannte sie am lächelnden Gesicht, wer sich auf den Weg zur Galerie herauf aufgemacht hatte.
„Schöner Ausblick von hier oben, nicht wahr?“, fragte sie der heraufkletternde Balsam, ohne jegliches Anzeichen von Überraschung.

Er kann sich gut verstellen, das konnte er immer schon, dachte sie und antwortete ihm ebenso freundlich.

„Es ist wunderbar. Ich wundere mich nur, dass ihr alle da unten zusammengepfercht sitzt und nicht die tolle Ruhe und den Ausblick hier oben genießt.“

„Weißt du mein Kind. Dein Bruder hat da echt was Großartiges zustande gebracht. Und wir sind alle stolz darauf hier dabei sein zu können. Den Ausblick werden wir auch später noch und dann sehr lange genießen.“

„Ja, ok. Aber ich freue mich schon den Sonnenaufgang hier morgen früh zu bewundern.“

„Ich werde dir berichten, wie der so ist“, sagte eine wohl bekannte Stimme direkt neben ihrem Ohr. Erbost drehte sie sich zur Seite und wollte ihrem Bruder, der sich einfach so frech von hinten, unten angeschlichen hatte einen Stups gegen die Brust geben. Der aber hatte das antizipiert und sprang piratengleich von der Gondel weg und hing jetzt mit einer Hand an einer Stange, die zur Motorengondel führte. Sich zurück hantelnd erklärte er seiner Schwester, mit freundlichen Worten,  dass er gar nicht erfreut war sie hier an Bord zu haben und fragte sie, wer denn die Familientraditionen fortsetzen würde können, wenn ihm etwas auf der Reise passieren würde.

„Mein liebes Schwesterlein. Ich glaube, du musst bald wieder heim.“, sprach der Schelm einen Reim.

Rosamunde war nun wütend und die halbe Besatzung, welche inzwischen auf das Oberdeck gekommen war, konnte beobachten, wie ihr Kommandant alle Mühen hatte seine dreizehnjährige Schwester davon zu überzeugen Vernunft anzunehmen, oder sich zumindest zu beruhigen. Beide Tecots hatten einen starken Willen, beide waren von der Richtigkeit ihrer Meinung überzeugt und niemand wollte nachgeben.

Erst als Rosamunde feststellte, dass das Luftschiff deutlich an Höhe verloren hatte und sich auf Kollisionskurs mit einem Berg vor ihnen im Meer befand, unterbrach sie den heftigen Streit mit Bilok und deutete einen fragenden Ausdruck im Gesicht nach vorne.

„Kennst Du Devenport Island, liebste Schwester?“

„Nein“

„Na, dann wirst du es ja bald kennenlernen. Weil Du so lieb warst dich früh genug zu erkennen zu geben, können wir hier zwischenstoppen und dich abliefern. Bei unserer Rückkehr holen wir dich dann wieder ab.“

 

Wenige Stunden später, setzte das Luftschiff auf einer Wiese nahe am einzigen bewohnten Ort der Insel auf und wurde von etwa einem Dutzend Menschen begrüßt.

Rosamunde sah sich dem Ortsvorsteher, gemeinsam mit einem kleinen Sack voll ANMASS (Arca Nihil Mindest Arbeits Stunden Satz – offizielle Währung auf Arca-Nihil) zur Obhut übergeben.

„Guten Tag Mädchen, Drack ist mein Name und das ist Saba, meine Frau. Es wird dir hier gefallen…“

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Arnold Nirgends).
Der Beitrag wurde von Arnold Nirgends auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.01.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Fern der Heimat: Auf den Spuren einer Aussiedlerfamilie von Ernst Gerhard Seidner



Der Weg eines ausgesiedelten Lehrerehepaars führte ab 1977 über Höhen und Tiefen. Die Erziehungsmethoden aus Ost und West prallten manchmal wie Feuer und Wasser aufeinander, und gaben uns Recht,dass ein Umdenken im Sinne einer Verbindung von positiven Elementen aus den beiden Schulsystemen aus West und Ost,erfolgen musste.Siehe Kindertagesstädten,ein entschlossenes Durchgreifen bei Jugendlichen, ohne Verletzung der Schülerwürde.Ein Geschichtsabriss aus der Sicht eines Volkskundlers.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Science-Fiction" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Arnold Nirgends

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Rosamunde Tecot - 11 Jahre - Arca-Nihil Story von Arnold Nirgends (Science-Fiction)
Die Schattengalaxie von Benjamin Bieber (Science-Fiction)
Ein außerirdisches Wesen von Margit Kvarda (Fantasy)