Norman Dunfield

Die genüsslichen Abwege eines Geistlichen

Pfarrer Klemm war ein kirchlicher Vertreter des katholischen Glaubens.
Allerdings liebte er nicht nur die himmlische Allmächtigkeit, sondern auch
die weltlichen Dinge. Jeden Donnerstag traf er sich in der 1. Etage seines
Pfarrhauses mit einem befreundeten Bestattungsunternehmer und einem
Frauenarzt zum allwöchentlichen Skatabend. Dabei wurden dicke Zigarren
geraucht und sehr viel getrunken. Blöde Sprüche und ordinäre Witze wurden
von Bier, Schnaps und Wein umflutet.

Die Haushälterin von Pfarrer Klemm musste stets Nachschub bringen und
hatte außerdem die Aufgabe, für ausreichend Schnittchen und Käsehäppchen
zu sorgen. Eines Abends sollte sie wieder an den Kühlschrank im Erdgeschoss
gehen und eine neue Flasche Fusel holen. Dabei stolperte sie und fiel die
Treppe hinunter. Das Ergebnis war ein gebrochener Arm. Es wurde, mehr oder
weniger lallend, sofort der Notarzt gerufen, der sie ins Krankenhaus brachte.
Am nächsten Tag stand sie mit gänzlich eingegipstem Arm wieder vor dem
Pfarrhaus und bedauerte, ihren Pflichten eine zeitlang nicht nachkommen
zu können. Zu diesen Pflichten gehörte allerdings auch die Kooperation mit
dem Pfarrer bei seinen nächtlichen Leibesübungen. Mit dem Zölibat nahm
er es nämlich nicht so genau.

Trotz seiner menschlichen Schwächen war Pfarrer Klemm in seiner Gemeinde
sehr beliebt, weil er keine verstaubte Frömmigkeit predigte, sondern sich mit
zeitgemäßen Themen beschäftigte. Das war seinen vorgesetzten Hochheiligen
jedoch ein Dorn im Auge. Deshalb wurde er in ein kleines Dorf im Schwarzwald
versetzt, wo er nach Ansicht der Kirchenoberen nicht viel Unheil anrichten konnte.

Sein Skatspiel und seine Haushälterin nahm er jedoch dorthin mit, denn er wusste
nur zu genau, dass man auch im Schwarzwald viel Spaß haben kann. Schließlich
war er in den besten Jahren und der Reißverschluss an seiner Hose noch längst
nicht eingerostet. Die Menschen in seiner alten Gemeinde vermissen Pfarrer
Klemm jedoch noch bis heute   -   als Symbol des Glaubens und der Manneskraft.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Norman Dunfield).
Der Beitrag wurde von Norman Dunfield auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.01.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Ein Teil von mir von Karin Schmitz



Sinnlich, erotische Lyrik

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Skurriles" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Norman Dunfield

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die Rückkehr der Toten (Tatsachenbericht) von Norman Dunfield (Horror)
Bayr. Konjunktiv & Grammatik von Paul Rudolf Uhl (Skurriles)
Der ältere Mann und seine Prinzessin von Monika Wilhelm (Liebesgeschichten)