Doris E. M. Bulenda

Aus dem Autorenleben: Gin oder Champagner?

Da habe ich die Aufgabe bekommen, etwas aus meinem Autorenalltag zu schreiben. Mit einer Frage gleich dazu: Gin oder Champagner? Und jetzt sitze – nein, liege – nein, lümmle – ich auf meiner Couch, in der Hand ein Glas trockener Rotwein und auf dem Couchtisch ein Laptop. Verzweifelt überlege ich, was ich auf diese Frage antworten soll …
»Das kann doch gar nicht so schwer sein, Gin oder Champagner, das ist doch für dich ein Klacks«, schnurrt es plötzlich in meinem Verstand. Wie bitte? Meine Katzen sind alle in der Küche und delektieren sich an einer großen Portion Leckerlis. Das habe ich doch extra gemacht, damit sie mich eine Weile in Ruhe nachdenken lassen. Also, was ist …
Dann schaue ich auf und sehe, wer mich da in meinem Verstand angeschnurrt hat: Luzifer, der Höllenkater aus »Höllentrip mit Luzifer«. Einer meiner Lieblings-Protagonisten. »Was, wie … ich meine … wo kommst du denn her … und …«
»Von da, wo auch ich entstanden bin, aus deiner Phantasie. Weil du über uns geschrieben hast, sind wir wahr geworden.« Bösartiges Kichern folgt und ich sehe einen superschlanken Mann mit blauen, langen Haaren vor mir. Er steht direkt neben Luzifer.
»Aziz?« »Eben der. Dein Alter Ego aus der Dämonen-Lady-Geschichte, wie dir schon oft bestätigt worden ist. Du brauchst gar nicht nach meiner Dämonen-Lady zu fragen, sie ist bei Beelzebub. Dort ist sie gut aufgehoben und ich werde ihr nicht abgehen.« Wieder das typische, sehr höhnische Gekicher dieses Dämons …
»Wir werden die Frage: Gin oder Champagner jetzt ein für alle Mal klären.« Noch ein Besucher aus meiner Phantasie? Ja, da steht Z-hr'o, der süße, sexy Dämon aus »dämonische Lovestory«. Anscheinend ist seine Lissi wieder mal beschäftigt, hat deshalb keine Zeit für ihn und er langweilt sich.
Während ich noch überlege, was ich sagen soll, drückt mir Aziz eine Flasche Gin in die Hand. Ich schnuppere daran, dann nehme ich einen winzigen Schluck, den ich aber kaum runterbringe. Hustend beschwere ich mich: »Verdammt, Aziz, gerade du als mein Alter Ego solltest doch wissen, dass ich nur auf trockenen Rotwein und höchstens Whisky-Cola stehe. Gin mag ich nicht!«
Aziz kichert wieder höhnisch, während Luzifer und Z-hr'o zustimmend nicken. »Das wussten wir schon, deshalb haben wir etwas anderes für dich vorbereitet.«
Noch bevor ich reagieren kann, hat mich der blauhaarige Dämon schon hochgehoben und trägt mich ins Bad. Die Badewanne ist voll mit einer gelben Flüssigkeit, von der kleine Bläschen aufsteigen. Es riecht nach Schaumwein, nach Sekt.
»Nicht doch, natürlich haben wir echten Champagner genommen für dein Badevergnügen. Für unsere Autorin ist uns nichts zu teuer.« Z-hr'o sieht sehr selbstzufrieden aus in seinem Rockstar-Körper mit den langen blonden Haaren. Ein Anblick, der nicht nur Lissi gut gefällt.
Leider kann ich das nicht lange genießen, denn Aziz legt mich jetzt mit Schwung in die mit Champagner gefüllte Wanne. Ich schreie entsetzt auf: »Das ist eiskalt, was fällt euch blöden Dämonen und dir Höllenkatze bloß ein. Lasst mich sofort wieder raus. Ich friere!«
Lachend drückt Aziz auf meinen Bauch, während Z-hr'o meine Beine tiefer in die Wanne drückt. »Schampus muss kalt sein, sonst prickelt er nicht.« Es ist kalt, ich friere, der Druck auf meinen Körper verstärkt sich und dann: »Haaa-tschi, haaa-tschi!«
Ich reiße die Augen auf, auf meinem Bauch liegt eine Katze, auf meinen Schenkeln haben es sich gleich zwei bequem gemacht. Als ich laut niese, zucken sie zusammen und legen die Ohren zurück. Gleich werden sie sich beschweren, dass ich sie so rüde geweckt habe, glaube ich.
Als ich mich umsehe, sind keine Dämonen und auch keine Höllenkatze mehr in meinem Wohnzimmer. Ich liege auch nicht in der Wanne, sondern noch auf meiner Couch. Anscheinend bin ich eingeschlafen … Was bin ich froh, dass das nur ein Traum war. Schnell trinke ich meinen Rotwein aus und schenke mir nach. Gin oder Champagner? Weder noch, meine Protagonisten haben mich weder vom einen noch vom anderen überzeugen können. Es bleibt beim Rotwein und ab und zu einem Whisky-Cola. Und die Dämonen und sonstigen Persönlichkeiten aus meiner Fantasie bleiben hoffentlich dort, wo sie hingehören: in ihren Büchern.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Doris E. M. Bulenda).
Der Beitrag wurde von Doris E. M. Bulenda auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.01.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Buch von Doris E. M. Bulenda:

cover

Höllentrip mit Luzifer von Doris E. M. Bulenda



Der Zettel war in meinem Briefkasten ein strahlend weißes Blatt Papier. Und darauf ein großer, roter Blutstropfen. Mein Entsetzen hätte nicht größer sein können, als ich diese »Nachricht« zwischen ein paar uninteressanten Werbesendungen fand ...
Seit vielen Jahren ist sie auf der Flucht vor einem Stalker. Als dann plötzlich ihr Kater mit ihr spricht, glaubt sie zuerst, den Verstand verloren zu haben, doch er schlägt ihr tatsächlich einen Ausweg vor:
Ihre vor Jahren verstorbene Großmutter soll eine Hexe gewesen sein. Kurzerhand macht sie sich mitsamt dem Kater auf den Weg ...

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Fantasy" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Doris E. M. Bulenda

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Einreise nach Indien von Doris E. M. Bulenda (Reiseberichte)
10. Kanonatuta oder Flitzpiepe von Margit Farwig (Fantasy)
Meine Bergmannsjahre (elfter Teil) von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)