Heinz-Walter Hoetter

Der Falschparker

Ich fuhr neulich mit dem Auto in die Stadt, um etwas einzukaufen. Ich hatte großes Glück und konnte meinen Wagen in einer kurz zuvor frei gewordenen Parklücke abstellen, die in einer kleinen Seitenstraße lag, welche sich ganz in der Nähe der Hauptstraße befand.

Schon nach wenigen Gehminuten erreichte ich die belebte Geschäftsstraße und marschierte direkt auf ein bekanntes Einkaufscenter zu. Als ich gerade an einer Tiefgaragenein- und -ausfahrt vorbei gehen wollte, bemerkte ich, wie ein auf der Straße widerrechtlich abgestellter PKW ausgerechnet genau diese Ein- und Ausfahrt blockierte. Kein Fahrzeug kam weder rein noch raus.

Plötzlich tauchte ein bulliger, schwarzer SUV auf, der die Tiefgarage verlassen wollte. Als der Fahrer den Falschparker bemerkte, stand er bereits schon mitten auf dem Gehweg. Mit laufendem Motor und zornesrotem Gesicht wartete er ungeduldig fast fünf Minuten lang, bis endlich der Fahrer des blockierenden Fahrzeuges auf der Bildfläche erschien.

Im nächsten Augenblick ging auch schon die Seitenscheibe runter, als der ziemlich verärgerte SUV-Fahrer seinen vermeintlichen Kontrahenten erblickte, der sich offenbar seiner Verfehlung schlagartig bewusst geworden war und nun mit schnellen Schritten zu seinem Fahrzeug eilte, um unverzüglich wegzufahren. Er wollte so schnell wie möglich den Platz freimachen.

Er war schon zur Hälfte eingestiegen, als der SUV-Fahrer plötzlich wie von Sinnen total verärgert losschrie: "Du blöde Sau! Scheiß Idiot! Hoffentlich verschwindest du bald von hier, verdammtes Arschloch! Hau' ab, bevor ich dir gleich die Fresse poliere!"

Ich schaute derweil dem ganzen Treiben zu und stand etwa einen Meter entfernt neben dem schwarzen SUV, dessen Fahrer zwischendurch immer wieder kurz aufs Gaspedal drückte, sodass der Motor jedes mal laut aufheulte.

Doch plötzlich stieg andere Autofahrer ganz unerwartet wieder aus seinem Fahrzeug und ging auf den immer noch böse schimpfenden Mann im SUV zu. Erst vor dem geöffneten Seitenfenster blieb er stehen, beugte sich ein wenig nach vorne und schrie jetzt ebenfalls los: "Ok, ich habe einen Fehler gemacht. Dafür entschuldige ich mich. Ich war in Eile, weil ich dringend ein Medikament für meine kranke Frau besorgen musste. Ich habe wohl nicht aufgepasst, dass ich meinen Wagen direkt vor dieser Tiefgaragenein- und -ausfahrt geparkt habe. Aber dass Sie mich dafür in aller Öffentlichkeit gleich mehrmals hintereinander derart heftig beleidigt haben, das kann ich jetzt so nicht stehen lassen. Außerdem haben Sie mich bedroht, was Ihnen teuer zu stehen kommen wird. Ich rufe jetzt die Polizei an und erstatte gegen Sie Strafanzeige wegen Beleidigung und Bedrohung. Umkehrt können Sie mich ebenfalls Anzeigen, wenn Sie glauben, dass ich eine Straftat begangen haben soll. Dazu kann ich nur sagen: Parken mit Behinderung gilt nur als grobe Ordnungswidrigkeit, mein Herr. Aber ihre mehrfach getätigten Beleidigungen in Tateinheit mit Bedrohung meiner Person gegenüber stellen ganz klar und eindeutig ein Straftatbestand dar. Wir sehen uns mit Sicherheit vor Gericht wieder. Darauf können Sie sich verlassen."

Dann drehte sich der Mann plötzlich zu mir herum und sagte: "Sie haben doch den ganzen Vorfall mitbekommen. Und weil Sie alles gesehen und gehört haben, müssen Sie sich als Zeuge zur Verfügung stellen. Bitte warten Sie also, bis die Polizei kommt, damit die Beamten ihre Personalien aufnehmen können."

Dann holte der Unbekannte sein Handy aus der Hosentasche und rief die örtliche Polizeidirektion an.

Es dauerte nicht lange, bis ein Streifenwagen mit zwei jungen Polizeibeamten eintraf und ihr Einsatzfahrzeug gleich hinter dem Falschparker abstellten. Kurz darauf stiegen sie aus.

Was dann geschah, hätte ich wirklich nicht für möglich gehalten. Die beiden Polizeibeamten gingen auf den lässig da stehenden Parksünder zu, der sie angerufen hatte und fragten ihn respektvoll: "Was können wir für Sie tun, Herr Kriminaloberinspektor? Um was geht es hier?"

Dem Fahrer des SUV's fiel in diesem Moment das Kinn runter, denn damit hatte er sicherlich nicht gerechnet, hier ausgerechnet einen echten Kriminaloberinspektor vor sich zu haben, den er zudem auch noch in aller Öffentlichkeit auf das Schlimmste beleidigt und bedroht hatte.

Nun, ich machte der Polizei gegenüber noch alle notwendigen Angaben zu meiner Person, dann war die Sache für mich erledigt. Bevor ich jedoch ging, sagte einer der Beamten zu mir:

"Sie werden von uns noch benachrichtigt und erhalten einen Termin, um zum gesamten Tathergang eine wahrheitsgemäße Aussage zu machen. Alles andere ist Angelegenheit der Staatsanwaltschaft und des Amtsgerichtes. So, das war's dann auch schon für Sie. Einen schönen Tag noch!"


 

ENDE


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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