Rudolf Kowalleck

Das Leben als Hausmann

Viele Hausfrauen regen sich zu recht darüber auf, dass ihre Leistung in der Gesellschaft nicht gebührend anerkannt wird. Aber was sollen wir Hausmänner denn sagen?

 

Es ist doch heutzutage so, egal, wo ich hinkomme, werde ich erstmal gefragt, was ich beruflich mache. Auf dem Amt, bei Gericht, selbst bei einer simplen Bestellung.

 

Sage ich „Hausmann“ werde ich oft erstaunt angeglotzt.

Was sollte ich denn sonst sagen? Frauenversteher oder Lebenskünstler?

 

Sage ich Schriftsteller, bin bei jeder Stehparty sofort der Mittelpunkt des Interesses. Was haben Sie denn bisher veröffentlicht? Wie ist das überhaupt, so ein Leben als Künstler?

Woher nehmen Sie Ihre Ideen. Ist das alles Fiktion oder auch selbst erlebt?

 

Ich werde insgeheim bewundert und beneidet.

 

Sage ich „Hausmann“ werde ich dagegen günstigstenfalls bedauert, meist jedoch schief angesehen.

Einer, der keinen „richtigen“ Beruf hat, ist in den Augen der meisten ein Weichei, ein Warmduscher und – falls verheiratet – ein Pantoffelheld. Wer wie wir obendrein auch keine Kinder hat, ist zudem arbeitsscheu, nichts Bessres als ein Zuhälter, der seine Frau anschaffen schickt und selbst zu Hause die Beine hochlegt.

 

Eine Ehe, in der die Frau das Geld nach Hause bringt und der Mann das Haus sauber hält? Für die meisten undenkbar!

Bei den Männern bin ich sofort unten durch. Sie sagen es zwar nicht direkt, aber ihre verächtlichen Blicke verraten, was sie denken.

 

Nun könnte man meinen, dass wenigstens die Frauen, insbesondere die Hausfrauen, solidarisch mit mir sind und mich moralisch unterstützen, aber weit gefehlt.

 

Erst neulich, als ich die Treppe putzte, kam unsere Nachbarin und fragte: „Ist Ihre Frau krank?“

 

„Nein“, antwortete ich. „Meine Frau ist kerngesund, nur ich bin halt emanzipiert oder sollte ich in meinem Fall besser efrauzipiert sagen? Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Auf mich warten noch zwei Maschinen Buntes.“

 

Wenig später stand ihr Mann auf der Matte und meinte: „Sach ma, bisse bekloppt! Am Ende will meine Alte dat auch!“

 

Wenn Sie nun meinen, dies sei ein Einzelfall, muss ich Sie leider enttäuschen.

 

Neulich bewarb ich mich bei einem kleinen Hotel hier im Ort. Sie suchten jemanden für den Empfang – mit guten Englischkenntnissen, auf 400 Euro Basis.

Der ideale Job für mich.

„Tut mir schrecklich leid“, log die Geschäftsführerin. „Wir dachten da mehr an eine Dame. Es geht nebenbei auch ums Zimmermachen.“

Meinte Sie etwa, ich bekäme kein Klo sauber oder könnte keine Betten beziehen?

 

Die üblichen Vorurteile gegenüber uns Hausmännern eben.

Wenn sie jedoch gewusst hätte, bei wem ich mein Handwerk gelernt habe, würde sie bestimmt anders darüber denken, aber meine Frau weigert sich strikt, mir ein Zeugnis auszustellen. Da sähe dann ungefähr so aus:

 

Zeugnis

 

Herr Rudolf Kowalleck, geboren am 02. Mai 1956, trat am 2. Mai 1980 in meine kleine Firma ein und arbeitet seither als Autor (na, ja) und Hausmann.

 

Herr Kowalleck wird im Wesentlichen mit folgenden Aufgaben betraut:

 

  • Entgegennahme und Bearbeitung der von mir ausgestellten Einkaufszettel

 

  • Spülen, Aufräumen, Staubputzen und –saugen

 

  • Waschen und Trocknen

 

  • Bettenmachen und –beziehen, Fensterputzen

 

  • Transport- und Logistik-Aufgaben, mich zum Beispiel zum Bahnhof bringen und wieder abholen, einkaufen fahren.

 

  • alle Mahlzeiten zubereiten, Müll trennen und entsorgen.

 

  • Bearbeitung der Anrufe diverser Call-Center-Agenten, Verwandten und Bekannten oder anderer Terroristen

 

  • und alle anderen in einem normalen Haushalt anfallenden Tätigkeiten (außer Bügeln)

 

  • Zuwendung von Streicheleinheiten und weiteren Handlungen, deren Details ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen möchte

 

Abgesehen vom Bügeln zeigt Herr Kowalleck stets Initiative, Fleiß und Eifer und setzt seine inzwischen sehr guten Fachkenntnisse mit großem Erfolg in seinem Arbeitsgebiet (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Bad und Küche) ein. Seine Aufgaben erledigt er stets mit größter Sorgfalt und Genauigkeit und jederzeit zu meiner vollsten Zufriedenheit.

 

Herr Kowalleck zeigt stets eine überdurchschnittliche Arbeitsqualität. Arbeitsmenge und Arbeitstempo liegen über meinen Erwartungen.

 

Wegen seiner freundlichen und zuvorkommenden Art und der Fähigkeit, den weltbesten Eierlikörkuchen zu backen, ist Herr Kowalleck bei mir und den Damen meines Teddyclubs sehr geschätzt und beliebt, auch gegenüber unseren Nachbarn ist sein Verhalten vorbildlich.

 

Herr Kowalleck ist mir treu ergeben und geht, so weit mir bekannt, nicht fremd. (Was er sich, nebenbei bemerkt, wegen seines geringen Taschengeldes auch gar nicht leisten könnte. Ha! Ha!)

 

Ich hoffe, Herr Kowalleck wird unser Unternehmen nie aus eigenem Entschluss verlassen, bis dass der Tod uns scheidet.

 

Selm Bork, den 13. Januar 2019

ppa. Elke Kowalleck

 

Tja, so könnte mein Zeugnis aussehen und vielleicht hätte ich dann auch den Job im Hotel bekommen, obwohl ich „nur“ ein Mann bin.

 

So ist das eben mit der fehlenden Anerkennung für die Leistungen eines Hausmanns.

 

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