Sabine Brauer

Winterspaziergang

Silvia rafft sich auf, nimmt die lange Leine und befestigt sie an die Halsbänder ihrer beiden Wauwies. Alle drei vermissen die Spaziergänge im Wald. Eine hartnäckige Erkältung war schuld daran und der nicht enden wollende Regen in in der letzten Zeit. Doch heute scheint die Sonne aus einem strahlend blauen Himmel. Der Schnee von gestern ist nur noch an schattigen Stellen vorhanden, doch ein leichter Frost färbt das Gras weiß. Alf und Trixi sind ganz aus dem Häuschen und umspringen ihr Frauchen voller Vorfreude, was ihr fast zum Verhängnis wird. Die Leine hat sich um ihre Beine verheddert und sie muss sich erst einmal befreien. Dort, wo sie über den Schnee laufen, ist ein fast vergessenes Knirschen zu hören, was die ältere Frau an ihre Kinderzeit erinnert.

 

Damals gab es jeden Winter Schnee und der Frost malte Eisblumen an die Fenster. Eiszapfen hingen vom Dach und waren beliebte Lutscher. Alle Kinder aus der Nachbarschaft samt der fast erwachsenen Geschwister machten sich ans Werk, einen Schneemann zu bauen. Hier waren viele Hände von Nöten um dem Herrn in Weiß eine stattliche Figur angedeihen zu lassen. Er war schon an die zwei Meter groß und die Schneekugel für den Kopf lag noch am Boden. Also musste eine Trittleiter und ein alter Stuhl her, auf denen die längsten Jugendlichen kletterten um sie auf den Rumpf zu hieven. Die Kleinen hatten schon ein paar Eierkohlen und eine dicke Möhre geholt. Silvia hatte Omas Schrubber gemopst und Papas alten Zylinder, den er auf Beerdigungen trug, wenn er einen Sarg tragen musste. Leider war kein Schal lang genug, um ihm dem kalten Mann um den Hals zu wickeln, doch es ging ja auch ohne. Welch ein Prachtexemplar von einem Schneeriesen war hier entstanden. Alle schauten voller Stolz auf ihr gemeinsames Werk. Wilhelm packte auf einmal eine handvoll Schnee und seifte Grete damit ein. Es war der Auftakt zu einer Schneeballschlacht, die mit Lachen und Quieken vonstatten ging. Silvias Mama musste der kleinen Erika die Hände wärmen, weil sie ganz durchgefroren waren. Dann lud sie die ganze Rasselbande zu heißem Kakao und Zwieback ein.

 

Hundegebell reißt die Frau aus ihren Träumen. Alf und Trixi untersuchen einen Maulwurfshügel und der Rüde begießt ihn pflichtbewusst. Er hat es wirklich nicht leicht, sein Wasser überall, wo Duftmarken von Nöten sind, zu verteilen.

Silvia nimmt Trixi von der Leine, damit sie sich austoben kann. Alf, der kleine Rabauke muss sich damit begnügen an der langen Leine gehalten zu werden, da er immer ausbüxt. Alle drei genießen ihren Ausflug. Nach einer Stunde an der frischen Luft machen sie sich auf den Heimweg.

 

© Sabine Brauer

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.01.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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