Heinz-Walter Hoetter

Eines schönen Tages...

Eines schönen Tages quälst du dich aus deinem Bett, schleppst dich vielleicht rüber ins Badezimmer und blickst verdrossen in den Spiegel.

 

Du siehst dein Gesicht, das irgendwie verbraucht und alt ausschaut. Dann betrachtest du deinen schlaff gewordenen Körper. In der Tat hast du dich in den vielen zurück liegenden Jahren total verändert. Die Haut ist mit hässlichen Altersflecken übersät. Die Arme und Beine sind dünn wie Bohnenstangen und unter deinen geröteten Augen hängen dicke Tränensäcke. Deine Männlichkeit ist nutzlos geworden und wird eigentlich nur noch zum Urinieren gebraucht. Das Gehänge im Schritt (der Hoden) stört beim Gehen und an manchen Stellen hat sich die faltige Haut am Sack entzündet.

 

Du bist alt und schwach geworden, aber dein Geist ist rege und noch ganz wach.

 

Du machst die Augen ganz fest zu und sprichst laut vor dich hin:

 

"Es gibt keinen Gott. Wo soll er denn sein? In diesem alten Körper? Oder da oben zwischen den Planeten und Sternen, wo die Unendlichkeit ist?

 

Alles Lüge!

 

Verdammt noch mal, ich bin allein!

 

Hör endlich auf zu träumen, alter Mann und denk nicht immer daran, dass alles gut wird. NICHTS wird gut, du blödes Arschloch!

 

Dann verlässt du wieder das Bad und trottest zurück ins Schlafzimmer. Du legst dich zurück in dein warmes Bett, ziehst die Bettdecke über den Kopf und sinnierst weiter laut vor dich hin.

 

"Ich habe Angst vor der ganzen irren Scheiße da draußen. In dieser verfluchten Welt begegnet man nur Hass, Neid, Lügen, Elend, Mord und Tod. Ich habe mir das alles ganz anders vorgestellt. Was für eine Scheiße noch mal! Ich komme mir irgendwie verarscht vor. Was hab ich bloß falsch gemacht, dass ich jetzt hier bin, wo ich eigentlich gar nicht sein möchte?"

 

***

 

Jetzt, wo du alt geworden bist, bist du allein, obwohl du von vielen Menschen umgeben bist.

 

Nur ein paar blöde Dinge, mit denen du nichts anfangen kannst, sind dir noch geblieben. Du hast immer korrekt gelebt, dich für deine Mitmenschen eingesetzt und nur das Gute gewollt (und getan).

 

Doch was hat es dir gebracht? Sie ehrlich mit dir! Es hat dir alles nichts gebracht!

 

Gutheit ist Dummheit, sagt man. Aber diese Erfahrung kommt jetzt für dich leider viel zu spät.

 

In einer Welt wie dieser ist derjenige, der ehrlich und aufrichtig sein Leben führt und geführt hat, doch eh der Angeschissene.

 

Wie schon gesagt, jetzt bist du alt und grau geworden. Hast keine große Lebenserwartung und keine Zukunft mehr. Deine Jahre sind gezählt, mein Alter.

Du stehst kurz vor der Verwesung und stinkst schon jetzt manchmal irgendwie danach. Der Tod wittert alte Menschen wie ein umher streifendes Raubtier, welches das Blut seines verletzten Opfers aus weiter Entfernung schon riechen kann.

 

Plötzlich ist er da und nimmt dich mit. Er spricht kein Wort mit dir. Er begründet sein Tun auch nicht. Nein, die schwarze Drecksau nimmt dich einfach mit. Aber wohin? Zu den Würmern unter der Erde oder in eine schöne neue Welt?

 

Du wirst es schon früh genug erfahren. Warte es doch ab, du Trottel!

 

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.01.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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