Yvonne Bet

Der Regen

Der Regen prasselt gegen ihr Fenster, es ist drei Uhr morgens. Schon wieder eine schlaflose Nacht. Jedes mal wenn es regnete konnte Sie nicht schlafen. So viele Jahre war es nun schon her, aber das Geräusch der dicken Tropfen, die an ihr Fenster klatschten ließen sie fühlen als wäre es gestern gewesen. Der Tag, der alles veränderte. Was wäre sie für ein Mensch, wenn all das nicht passiert wäre? Welchen Weg hätte sie eingeschlagen? Welche Freundschaften hätte sie wohl geschlossen? Wäre sie verliebt? Diese Nacht hatte, auch wenn sie sich dessen noch nicht bewusst war, ihr Leben für immer verändert. Nun war sie 22 Jahre alt, und immernoch raubte es ihr so oft den Schlaf.

Es knarzt. Mama muss wohl wach sein. Liegt es vielleicht am Regen? Das Donnern hatte sie geweckt. Oder waren es doch die knarrenden Holzdielen? Die Zimmertüre öffnet sich. Mama will bestimmt schauen wie es ihr geht. die Türe öffnet sich ein Stück weiter. Aber dort steht nicht ihre Mutter. Dort steht der beste Freund ihres Bruders. Sie mag ihn. Er war cool, älter, lässig, und im Gegensatz zu den anderen Freunden ihres Bruders immer nett zu ihr gewesen. Er steht vor ihrem Bett, kommt immer näher. 'Hallo Emma, schläfst du schon?'

Der Wecker klingelt. 7:30. Emma schaltet Ihn ab und schlüpft langsam aus dem Bett. 'Was eine schlimme Nacht', denkt sie, während sie ihrer täglichen Routine nach zuerst das Bett macht. Emma fühlt sich wie jeden Morgen, kraftlos, müde, erschöpft. das ist wohl der Preis des Erwachsenseins. Im Bad betrachtet sie sich im Spiegel. 'Habe ich wieder zugenommen?' Sie steht auf der Waage und ärgert sich über die Tüte Chips vom Vorabend. Sie schaut an sich herab. Unglücklich, nicht mit sich zufrieden. Klar, äußerlich auch, aber auch sonst. Die Gedanken von letzter Nacht kehren zurück.. Ist sie den richtigen Weg gegangen? Hat sie das hier nicht alles gewollt? Sie hatte ihr leben gestaltet, einen Beruf gewählt, der ihr Spaß zu machen schien, eine schöne Wohnung, und tolle Freunde. Sie hatte das doch alles gewollt. Wenn man ihre Freunde oder Kollegen fragen würde, würden sie sie mit den Worten Hilfsbereit, Ordentlich und Ausgeglichen beschreiben. Aber nichts davon entsprach dem, wie sie sich fühlte. Sie half anderen Menschen, aber nur, wel sie wusste, es war ihre Aufgabe. Sie war ordentlich, naja, nach außen hin. Ihre Wohnung war das beste Beispiel. Wenn sie jemand betrat, war deren erste Reaktion, 'Wow, hier ist es aber sauber', nur sie wusste, das sich in jedem Schrank, in jeder Schublade das Chaos verbarg, dass sie so stark zu verbergen versuchte. In ihr sah es nicht anders aus. Nach außen hin die augeglichene, freundliche Emma, innen drin das emotionale Wrack. Sie tat immer was alle von ihr verlangten, aber sie war nie sie selbst.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.01.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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