Brigitte Dannenberg-Pape

Die Geschichte von der Maus Fridolin

Es war Herbst geworden auf dem Land. Fast schon stand der Winter vor der Tür, denn heute blies ein eisiger Ostwind um die Häuser. Die Menschen mummelten sich dick in Mütze, Mantel und Handschuhe und verließen das Haus nur, wenn es unbedingt sein musste.

 

Auch dem Held unserer Geschichte war heute ziemlich kalt. Fridolin hatte gerade einen Erkundungszug durch den Garten gemacht. Nicht sein Garten, nein – er war in diesem Garten nur zu Gast. Im Sommer war er zufällig hier vorbei gekommen und geblieben. Der Garten gefiel ihm sehr, denn er war leicht verwildert und bot viele Ecken und Schlupfwinkel für eine kleine Maus wie ihn.

 

Seine Höhle hatte er unter der Terrassentür gegraben, unbemerkt von den Besitzern des Hauses. Puh, war das eine Arbeit gewesen! Tag und Nacht hatte er gearbeitet. Aber jetzt lebte es sich hier sehr behaglich, denn er hatte keine Mühen gescheut, um sich richtig schick einzurichten! Sogar einen kleinen Ofen hatte er sich gebaut.

An diesem saß er gerade und rieb sich die von der Kälte blau angelaufenen Pfötchen, auch seine Barthaare zitterten.

Es half nichts, er musste jetzt doch mal auf den Dachboden krabbeln, um dort in dem großen alten Koffer nach seinem warmen Rentierpulli zu kramen. Vielleicht waren da auch die Ohrenschützer und Pfötchenwärmer, die ihm Tante Agathe letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte.

 

Aber nicht jetzt, entschied Fridolin – erstmal was frühstücken. Sein Magen brummte schon laut und vernehmlich. Draußen vor der Höhle hatte er eine Kastanie deponiert, denn sie war zu groß für die Höhle. Trotz aller Anstrengungen passte sie einfach nicht durch den Eingang. War aber gar nicht schlimm, so blieb sie wenigstens schön frisch!

Bei dem Gedanken an die saftige Kastanie lief Fridolin schon das Wasser im Mund zusammen. Er stellte den Wasserkessel für seinen Wurzelbeertee auf den Herd, deckte den Tisch mit Teller und Becher und machte sich auf den Weg nach oben.

 

Vorsichtig lugte er aus der Tür, ob nicht eine Katze oder ein Hund in der Nähe waren. Maus konnte ja nie wissen – Vorsicht war die Mutter der Mausefalle, wie sein Großvater immer zu sagen pflegte. Hm, alles still - die Luft schien rein zu sein! Schnell flitzte Fridolin zu seiner heißgeliebten Kastanie, um sich ein kräftiges Stück zum Frühstück abzuschneiden. Als er gerade das mitgebrachte Messer in das Fruchtfleisch versenken wollte, fiel plötzlich ein Schatten über ihn und ein komisches Brummen war zu hören!

Fridolin zuckte erschrocken zusammen, fuhr blitzschnell herum und ---ach, du dicker Mäusepopo – das fehlte noch!!! Da war er wieder, dieser widerliche riesige weißbraune Hund! Der hatte ihn schon den ganzen Sommer gejagt, mehr als einmal war es äußerst brenzlig für Fridolin geworden. Und dann wurde dieser dumme Köter auch noch dafür von seinen Menschen gelobt! Widerwärtig und mäusefeindlich war das, jawohl! Auf der nächsten Versammlung des Mäuseschutzbundes wollte er diese Angelegenheit sowieso zum Tagesordnungspunkt 1 machen.

Aber jetzt hieß es erstmal – Fridolin, mach’ die Pfötchen scharf und lauf’ um Dein Leben! Blitzschnell schlug er einen waghalsigen Haken in Richtung Höhle, bevor ihn die Pranke dieses Ungetüms treffen konnte. Eiligst kroch er in die Mitte seiner Höhle und holte erstmal tief Luft: Gerettet, gerade noch mal entwischt!

 

Vom Höhleneingang hörte er ein Schnaufen und Röcheln von dem Hund. Konnte der denn keine Ruhe geben? Und dann dieser Luftzug, der blies ihm glatt die Tischdecke vom Tisch. „Hau ab, Du blödes Vieh!“, rief Fridolin wütend. Aber das war eh wirkungslos, diese Bestie hörte ihn nicht. Toll, und das Frühstück fiel auch aus! Schöner Mäusemist! Na ja, wenigstens hatte er sein Leben gerettet, das war schließlich auch etwas!

 

Dann gab es heute eben Mäusezwieback mit Käsegeschmack zu seinem Wurzelbeertee, besser als nichts.

 

Zufrieden kuschelte sich Fridolin in seinen Ohrensessel, knabberte am Zwieback und schaltete den Fernseher ein um die Morgennachrichten zu schauen. So lies es sich leben! Und wer weiß, vielleicht gab es heute Mittag ja noch eine Chance, etwas Kastanienfleisch zu holen. Denn dann ging dieser doofe Hund nämlich Gassi, das hatte Fridolin schon lange beobachtet. Vorsichtshalber wollte er dann aber ein sein schärfstes Küchenmesser mitnehmen.

Denn feige war Fridolin nicht!!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.01.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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