Heinz-Walter Hoetter

Jessica

Irgendwann einmal traf ich die wunderschöne Jessica,
spät abends in einer kleinen, richtig gemütlichen City-Bar.

Mit niemandem sprach sie auch nur ein einziges Wort,
und sie saß ganz alleine an diesem verrauchten Ort.

Sie schaute sich um, dann sah sie mich ganz plötzlich an,
als wollte sie sagen: "Komm zu mir rüber, fremder Mann!"

Zuerst wollte ich nicht, schließlich ging ich doch zu ihr hin.
Ich stellte mich höflich vor und sprach: "Mein Name ist Jim."

Sie sah verwundert zu mir hoch, unsere Blicke trafen sich,
die wunderschöne Jessica, sie antwortete mir einfach nicht.

Doch dann, wunderbar und sanft nahm sie auf einmal meine Hand,
und bewegte solange ihre Lippen, bis ich es endlich verstand.

Aus ihren blauen Augen kullerten Tränen über ihr schönes Gesicht.
Da wusste ich, Jessica ist taub und stumm, sprechen konnte sie nicht.

"Jessica, das ist ihr Name", sagte der freundliche Kellner leise zu mir.
"Sie kommt fast jeden Abend zu uns und sitzt immer alleine hier."

Total verliebt streichelte ich jetzt zärtlich durch ihr verweintes Gesicht.
Ich wischte all ihre Tränen ab und sagte zu ihr: "Jessica, ich liebe dich!"

Mit ihrem roten Lippenstift schrieb ich nun meinen Namen in ihre Hand.
Jessica es ebenso tat: "Jim, ich bin so glücklich, dass ich dich fand."

Spät in der Nacht verließen wir beide zusammen die kleine City-Bar.
Eng umschlugen und küssend unter klarem Sternenzelt so wunderbar.

Vier Kinder sind aus unserer harmonischen Ehe später entsprungen.
Keines war taub oder stumm. Alle Kinder sind echt natürlich gelungen.

Was soll ich euch jetzt noch sagen? Ja, echte Liebe kann viel ertragen.
Jessica und ich sind glücklich geworden, bis hinein in diesen Tagen.

Ich denke auch heute gerne an diese herrliche Zeit mit Jessica zurück.
Das war vor über fünfzig Jahren. Ich liebe sie immer noch wie verrückt.


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.02.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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