Heinz-Walter Hoetter

Gibt es Satan oder das Böse?

Eine der Ur-Erfahrungen der Menschheit ist wohl die Bekanntschaft mit dem Bösen. Durch alle Jahrhunderte der Geschichte hindurch, besonders aber mit dem Auftreten der monotheistischen Religionen (altorientalischer Ur-Ideen), wurde erst das Böse in religiöser Hinsicht besonders als Gegenspieler ihres Gottes definiert.

Die Menschen stießen ja auch immer wieder auf die harte Realität von Krieg, Mord, Untreue, Betrug, Terror, Elend, Krankheit und Verzweiflung. Daher haben sie sich immer wieder gefragt, ob es das Böse ist, welches durch eine fremde, nicht fassbare Macht zu ihnen in die Welt kommt. Gemeint ist damit ist in erster Linie ein Wesen, das man als Satan oder den Teufel bezeichnet.

Der Teufel oder auch Satan symbolisiert all jene Kräfte, welche Verwirrung, Dunkelheit oder Tod bringen und den Menschen sogar als Person auflösen können.

Dieses böse Wesen ist der Widersacher Gottes, welcher die Menschen der Gnade Gottes entziehen möchte (Joh.8,44).

Legendär sind spätere Ausschmückungen unter Bezug auf Jes.14 welche die Existenz Satans auf die Empörung und den Sturz des Luzifer, Phosphoros, Eosphoros (Lichtträger) bezeichneten Erzengels zurückführen ist. Dieser widersetzte sich dem Heilsplan Gottes welchen dieser für die Menschen hatte und wurde mit den ihm anhängigen Engeln in die Unterwelt gestürzt.

So, wie Satan in der hebräischen Bibel erstmals auftritt, muss er aber nicht unbedingt böse sein oder auch nur in Opposition zu Gott stehen. Das Gegenteil ist der Fall. Er (Satan) erscheint in den Numeri und im Buch Hiob als einer der untertänigen Diener Gottes: Als Bote oder „Engel“.

Der hebräische Ausdruck Satan bezeichnet in den biblischen Quellen die Rollen des Gegenspielers. Er ist nicht der Name einer speziellen Figur. Wenn hebräische Erzähler, im 6.Jahrhundert vor Christus, eine übernatürliche Figur als Satan bezeichneten, so war damit nur irgendein Engel gemeint den Gott schickte um das menschliche Tun zu behindern oder zu vereiteln. Die Wurzeln stn (leider fehlt über dem s das Apostroph) bedeutet: „einer, der sich widersetzt, der etwas vereitelt oder als Gegner in Erscheinung tritt“. Der griechische Ausdruck diabolos, der später mit Teufel übersetzt wurde, bedeutet wörtlich :„einer, der jemandem etwas in den Weg wirft."

Vor allen Dingen die Christen, besonders die katholische Kirche, ist durch Schrift und Tradition an die Vorstellung eines lebendigen, persönlichen Teufels gebunden und hält bis heute daran fest. Warum? Weil der Teufel eben zum festen, religiösen Bild des monotheistischen Glaubens aus dem Nahen Osten gehört und eben ganz besonders vortrefflich ist für die Kirche. So hat unter anderem die Furcht vor dem Teufel die Kirche groß und fett gemacht. Da stiftete natürlich ein jeder Christ aus Furcht vor dem Teufel, seiner Hölle und dem Fegefeuer, um seine erbärmliche Seele zu retten. Genau hier tat sich für die Kirche eine nie versiegende Geldquelle durch das so genannte Ablasswesen auf. Der Glaube an den Teufel musste daher mit allen Mitteln im Volke erhalten bleiben.

Nun gibt es für die Naturwissenschaften weder Gott noch Teufel als substanzielle Wesen. Für die Naturwissenschaften gibt es auch weder Gut noch Böse als in der Natur sich auswirkende Prinzipien, noch auch den dualistischen Gegensatz von Geist und Materie. Die Naturwissenschaften kennen nur eine einheitliche, im ewigem Wandel nach ewigen Gesetzen sich darstellende Natur, die im Menschen sich selbst zum Bewusstsein kommt und über dem Reich kausalmechanischer Kräfte und blinder, unbewusster Triebe das Reich der Vernunft, der sittlichen Aufgaben und Pflichten und die damit der idealen Menschheit durch fortschreitende Kulturentwicklung in bewusster Zielsetzung zu erreichen, bestrebt ist.

Auf dieser Grundlage des naturwissenschaftlichen Denkens (und durch die Aufklärung) haben im großen und ganzen wohl auch die meisten Menschen der Neuzeit dem "lebendigen Teufel" abgesagt. Bestenfalls lässt man den Teufel höchstens noch als Symbol des Bösen im Menschenherzen gelten, wenn sie ihn auch nach wie vor in kernigen Flüchen oder Redewendungen im Munde führen, wie zum Beispiel diese hier: Dich soll der Teufel holen oder geh doch zum Teufel, um nur einige Bespiele zu nennen.


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Heinz-Walter Hoetter).
Der Beitrag wurde von Heinz-Walter Hoetter auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.02.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Hass am Camino Frances von Jürgen Berndt-Lüders



Der Jakobsweg ist Sinnbild für Frieden und Ausgleich, und trotzdem gibt es auch hier Subjektivität und Vorurteile.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (3)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Einfach so zum Lesen und Nachdenken" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Heinz-Walter Hoetter

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der fünfte Zustand von Heinz-Walter Hoetter (Science-Fiction)
Kein Unrechtsempfinden... von Rüdiger Nazar (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
Hab dich ganz doll lieb von Achim Müller (Wie das Leben so spielt)