Petra Schulz

Familienskitag- oder der Tod einer Tanne

Ein schöner Familienskitag im Sauerland stand uns bevor und tatsächlich hatte es dieses Jahr einmal richtig Schnee da oben. Früh um sieben starteten wir, Kinder Enkel mit Opa und mir als Oma, um die ersten Abfahrten auf noch jungfräulicher Piste zu absolvieren. Meine Enkelin die bis dato schon zwei Skikurse erfolgreich abgebrochen hatte, war dieses mal voll motiviert, hatte sich Opa doch bereit erklärt privat Unterricht zu geben. Eine Stunde lang konnten wir noch recht ungestört die ersten Abfahrten genießen, die Enkelin machte Fortschritte und legte sich mächtig ins Zeug. Selbst ich konnte mich, so in Ruhe gelassen, mit dem Förderband am Sessellift anfreunden, der Lift musste nicht ein einziges mal angehalten werden, weil ich das Gleichgewicht verlor oder einfach seitlich abkippte. Wir waren in völligem Einklang, das Band, der Lift und ich, ein sehr geiles Karma umwaberte mich. Doch der Wind sollte sich drehen, das bemerkten wir als wir uns beim Liftausstieg plötzlich in Menschenmassen wieder fanden. Der Ausstieg beim Lift ist übrigens eine beliebte Stelle um erst mal stehen zu bleiben, die Skistöcke zu sortieren und einen Plausch mit seinen Gondelnachbarn zu halten. Nett für die gerade ausgestiegenen, blöd für die in der Gondel dahinter. Ich ging da mit gutem Beispiel voran und stellte mich brav an den Rand, sortierte meine Stöcke und erzählte eine Runde mit meinen Kindern, als ich zu spät bemerkte das sich meine Ski nach hinten bewegten und ich unschön und bäuchlings mit dem Hintern unter einem Holzzaun steckenblieb. Kein schöner Anblick. Ein vorbeifahrender Skidoo warf mir ein Seil zu und zog mich raus. Meine Kinder waren in der Zwischenzeit abgehauen. Krone gerichtet, auf zur nächsten Abfahrt. Auf der Piste hatte sich die Situation schlagartig verändert. Konnten wir eben noch ungestört unsere Kurven ziehen, herrschte jetzt die Apocalypse. Der Rettungsschlitten mit heulender Sirene im Dauereinsatz, Skifahrer die unkontrolliert heranstürzten und sich überschlugen in suizidale Absicht, das konnte ich mir nicht anders erklären. Dennoch wagten wir eine weitere Abfahrt , nur wir Großen ohne unsere Enkel die hatten wir in Sicherheit gebracht. Opa zuerst, die Töchter und Söhne und ich wie immer hinten dran mit weniger Speed. Ich fuhr gemütlich vor mich hin und betrachtete rechts und links die durch die Lüfte fliegenden Leiber und beobachtete mit Schrecken ein Mädel das gerade noch einem Pfeiler der Seilbahn ausweichen konnte. Sie fand das nicht dramatisch ein Lächeln war ihr ins Gesicht gemeißelt, sie schien glücklich. Eine Kurve noch dachte ich dann ab in den Lift und in die Schirmbar. Ich „ carvde“ gekonnt um die Ecke und traute meinen Augen nicht als ich noch sah wie mein Liebster scharf geschnitten wurde und hart im Hang liegen blieb. Soledarisch schmiss sich der Rest der Familie dazu. Wildes Skimikadoo, Schreckensszenario, was war da los? Meine Tochter wollte einen Notarzt, im Glauben Opa würde bluten, ich schaute schnell und dachte zuerst das ihm tatsächlich eine Ecke aus der Nase fehlen würde, ein dicker Blutstropfen hing da rum aber bei näherer Betrachtung war es einfach nur abgeschürft. Beruhigung… doch dann machte ich eine tragische Entdeckung. Die kleine Tanne auf die sich meine Familie geschmissen hatte und der Opa die Abschürfungen zu verdanken hatte, war nicht gut dran, sie verstarb noch in der selben Stunde… © Petra Schulz

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.02.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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