Heinz-Walter Hoetter

Hartz IV in der BRD

In der Kneipe sitze ich hier und trinke genüsslich ein kühles Bier.

Der Regen fällt in Strömen draußen. In der Tat, es ist zum Grausen.

Ein Nachbar hockt am Tisch mir gegenüber, besoffen glotzt er zu mir hinüber.

Ich proste ihm jovial fragend zu: "Hartz 4 - auch du?"

Der Mann schaut mich aus trüben Augen an und fragt dann: "Du bist doch der Sepp von nebenan?"

"Ja stimmt! Ich bin auch Hartz 4 Empfänger, aber schon etwas länger. Ich bin so kaputt wie die BRD. Ich bin am Ende, mir tut alles weh."

"Sepp, darf ich zu dir rüber kommen? Ich bin völlig blank und vom Saufen schon ganz benommen. Kann ich noch eine Halbe von dir bekommen?"

"Na klar Heinrich, du armer Wicht. Wir schlucken so lange, bis dass der Wagen bricht."

Jetzt sitze ich zusammen mit dem Heinrich am Kneipentisch. Wir quasseln über vergangene Zeiten und über erzwungenen Wohlstandsverzicht. Ja, wie es damals noch war in den 70er und 80er Jahren, da sind wir fast jedes Jahr zweimal nach Italien in den Urlaub gefahren. Doch jetzt sind die Zeiten anders geworden. Wir haben den Wohlstand und die Zukunft verloren und ersaufen mit Bier von Hartz 4 unsere Sorgen.

Spät in der Nacht haben Heinrich und ich uns schließlich auf den Weg nach Hause gemacht. Wir wohnen im Elend auf der gleichen Straßenseite, und der Heinrich ist, genauso wie ich, total am Ende und schon wieder Pleite.

So ist das Leben in der BRD geworden. Reichtum und Wohlstand waren nur auf Zeit geborgen. Wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht, unsere Seele dem Mammon verkauft und darüber auch noch gelacht.

Aber die Wahrheit lässt sich auf Dauer nicht verbiegen. Am Schluss wird sie über uns alle siegen!

Ich stehe am Fenster und sehe mit müden Augen hinaus. Ich weiß, ich bin schon zu alt und komme aus Hartz 4 nicht mehr raus.

So habe ich mich nun dem eigenen Schicksal ergeben. Meine Zukunft ist so düster, wie die Zukunft von der maroden BRD eben.

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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