Heinz-Walter Hoetter

Das Ich-Paradoxon

Es ist schon sehr, sehr lange her, ich weiß nicht mehr wann, als mir als kleiner Junge vor meinem Vaterhaus begegnete ein alter Mann.


 

Wir kamen uns näher, gingen aufeinander zu. Als er schließlich vor mir stand, sagte er leise zu mir: „Mein kleiner Junge, ich bin du.“


 

Er sah mich aus traurigen Augen seltsam wehmütig an, dann ging er gebückt weiter, dieser geheimnisvolle alte Mann.


 

Ich habe ihn seit dem nie wieder gesehen und vergaß die Begegnung, als wäre sie in meinem Leben nicht geschehen.


 

Die Jahre vergingen, die Zeit strich dahin. Ich tat so viele Dinge, mal mit oder ohne Sinn. Irgendwann ich in einen Spiegel blickte und plötzlich erkannte dann; ich sah im Gesicht schon aus wie ein alter Mann.


 

Ich reiste durch die Welt hinfort, war mal an diesem, mal an jenem Ort. Doch nirgends bin ich lange geblieben, es hat mich immer schnell weiter getrieben.


 

Den Ort meiner Kinderzeit suchte ich irgendwann auf, und eines Tages stand ich plötzlich vor meinem eigenen Vaterhaus.


 

Als ich dort ankam, ein kleiner Junge einsam im Hofe stand. Ich wusste genau, wer er war. Mir wurde plötzlich alles klar. In diesem Augenblick gab mir der Tod seine Hand.


 

Ich ging noch einmal auf den Jungen zu. Mit Tränen in den Augen sagte ich leise zu ihm: „Mein kleiner Junge, ich bin du.“


 

Etwas Seltsames ist dann mit mir geschehen, denn seit der Zeit habe ich ihn nie wieder gesehen.

ENDE


 

©Heinz-Walter Hoetter

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