Heinz-Walter Hoetter

Was ist normal, was ist verrückt?

Die Psychose der Normalen und Gesunden

"Es ist ja nicht so, dass der Inhalt einer Wahnidee das eigentlich Pathologische ist, sondern vielmehr sein Stellenwert innerhalb des Erlebens eines vom Wahn betroffenen, das sich unabrückbar auf sein Ich bezieht.

Wenn also "der Kranke" einmal etwas auf sich bezogen hat, fehlt ihm offenbar die Freiheit, auch wieder davon abrücken zu können. Diese fatale Unkorrigierbarkeit bei einer voll ausgeprägten Psychose ist das obligatorische Merkmal des Wahns."

Wenn man diesen Satz konsequent ernst nimmt, müssten sich alle "normalen" und "gesunden" Menschen, einschließlich der Psychiater, eigentlich selbst stationär einweisen.

Die unkorrigierbaren Irrtümer der Gesunden und Normalen erkennt man an ihrer mörderischen Geschichte, die bis heute nur ein gigantisches Meer aus Blut, Tränen und unsäglichem Leid unter ihnen hervorgebracht hat.

 

Immer wieder mache ich mir Gedanken darüber, was eigentlich "normal" bzw. "verrückt" bedeutet. Eigentlich sind ja nicht die Verrückten, sondern die Normalen das Problem.

 

Ich möchte das mal an einem kleinen Beispiel erläutern.

 

In der Geschichte des Menschen gibt ( und gab) es entsetzliche Katastrophen, die wir als Kriege bezeichnen. Der 1. und der 2. Weltkrieg forderten zusammen mehr als 100 Millionen Opfer, die auf die verschiedenste Art und Weise grausam zu Tode kamen.

 

Dieser Adolf Hitler aus Braunau am Inn war zweifellos eine monströse Erscheinung, voller Hass und maßloser Aggression in seinem Willen, seine Feinde (vor allen Dingen Menschen jüdischen Glaubens) zu vernichten. Er galt aber damals als völlig „normal“, auch wenn er sich selbst für „auserwählt“ hielt, was keinem normalen Menschen eigentlich zugute kommt.

 

Es sind ja gerade die sog. "normalen Menschen", die, koste es was es wolle, zu jeder Zeit im "Trend" liegen wollen, die deshalb einfach nur unkritisch mitlaufen und immer genau wissen wollen, was man zu sagen hat, sagen muss oder was nicht.

 

Diese an sich "wahnsinnig normalen Menschen" klatschen gerne Beifall, wenn sie in Massen auftreten. Sie jubeln dann eben auch einem Hitler, einem Stalin, einem Mao Tse-tung oder Kim Il-sung zu. Sie stehen plötzlich wie die Marionetten in Reih und Glied vor irgendeinem abscheulichen Repräsentanten des ganz "normalen Wahnsinns" und fühlen sich in der Tat "wohl" dabei, einfach dazu zu gehören.

 

Die sog. "Psychoanalyse" lehrt uns z. B., dass viele Menschen eigentlich schwer gestört sind, wenn sie Teile ihrer Lebensgeschichte oder ihrer psychischen Existenz wegen irgendeines (gesellschaftspolitischen) Prozesses einfach schnell und unüberlegt aufgeben bzw. "abspalten".

 

Normal zu sein, das hat auch immer etwas mit leichtem Schwachsinn zu tun. Es sind daher nicht die wirklich krankhaften und (zu bemitleidenden) vom Wahnsinn gequälten Menschen, sondern jene Personen, von denen es sehr, sehr viele gibt, die sich ein starres, intolerantes Selbstbild von Normalität zulegen, das eigentlich im Prinzip nur reine Fassade ist.

 

Diese Menschen sind zutiefst unsicher und werden zugleich fast hysterisch beunruhigt, wenn man an ihrer Fassade kratzt. Dann werden sie aggressiv und suchen nach einem Schutz ihrer selbstgestrickten Normalität und bewegen sich damit auf dem besten Weg zur Diktatur der Normalität.

 

Abweichler werden rücksichtslos bekämpft, bis hin zur Vernichtung. Jeder Totalitarismus wurde von "normalen Menschen" ausprobiert und in Szene gesetzt. Aber es sind eben gerade diese "Normalen", die psychisch gestört sind. Sie lassen sich gerne in eine Uniform stecken und schließen sich zu großen Einheiten zusammen, um dann die grausamsten Exzesse ohne Schuldgefühle begehen zu können, sozusagen auf Befehl von ganz oben.

 

Ein Großteil der Menschen lebt eben im Wahnsinn und es gibt eigentlich für sie kein Entrinnen daraus.

 

 

 

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

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