Julia Pomplun

Wer du wirklich bist

Eigentlich wollte ich etwas schreiben über Wut. Über die Wut die du in mir ausgelöst hast. Nicht in etwa, weil du mich verletzt hast oder etwas anderweitig schlimmes getan hast.

Du hast etwas viel Schlimmeres getan. Du hast mich getäuscht. Mich, die Menschen in meinem Umfeld und du machst einfach damit weiter. 

Du suchst so verzweifelt nach einer Sicht in der du das alleinige Opfer bist und dafür gehst du über Leichen. Du lügst, du zerstörst alles was nicht in das Bild deiner Rolle passt. 

Doch gehört das dazu?
Ist das deine Rache dafür, dass ich nie so geworden bin wie du mich gern gehabt hättest? Die Rache dafür, dass ich gegangen bin, bevor du mich bis aufs Letzte zerstört hast? Die Rache dafür, dass ich nicht zugelassen habe, dass du mir weiterhin die Lebensenergie aussaugst? 

Einer der Leute bei denen du dein Glück versucht hast, dich in die Opferrolle zu drängen, sagte erzählte mir, du hättest sie angerufen um ihr zu sagen, dass ich dich völlig unerwartet und grundlos verlassen habe. Du hast gelogen. 

Monate, wenn nicht sogar ein ganzes Jahr habe ich um diese Beziehung gekämpft. Eine Beziehung von der du wusstest, dass sie keine Zukunft haben wird. Eine Beziehung ohne Liebe. Du hast mich gequält, du hast zugesehen wie ich mich für dich zerstört habe. Ich suchte. Jeden tag von früh bis spät nach dem Fehler. Ich suchte nach dem Grund warum du mich so ablehntest. Ich habe alles für dich getan, bis auf das was ich nicht konnte. 

Wir hatten von Anfang an diese Meinungsverschiedenheit. Eine Große. Doch du sagtest mir, dass alles würde ich mir einbilden. Du hast zugelassen, dass ich mich fühle wie eine Geisteskranke. 

Ich fragte dich sicher 1000 mal. „Warum bist du so schlecht drauf?“ Du seist müde, ich habe etwas falsches gesagt, ich habe etwas nicht richtig gemacht. Das waren deine Standardantworten.

„Willst du jetzt doch Kinder? Ist das warum du so schlecht drauf bist? Dann bitte sage es mir, damit ich gehen kann“ 

Doch du sagtest immer nein. Irgendwann sagtest du nicht mehr nein, sondern irgendeine verworrene Halbantwort. Eine die das ganze nicht verneint aber auch nicht ja sagt. 

Denn du warst viel zu feige. Du hattest Angst vor der Veränderung, vor dem was ich hätte sagen können. Und aus deiner Feigheit heraus hast du lieber noch eine Weile zugesehen. Du hast zugesehen wie ich mir in meiner Verzweiflung die Arme zerschnitt, wie ich 15 Kilogramm verlor, wie ich jeden Tag weinte, wie ich Panikattacken bekam. Du hast zugesehen, weil du ein Egoist bist. Du wusstest, wie krank ich bin. Du wusstest was du mit mir tust. 

Aber du hast zugesehen. Und jetzt? Jetzt erzählst du Geschichten von dir, wie ich dich gefangen hielt. Wie ich schuld daran war, dass du dich nicht bei deinen Freunden melden konntest. Wieso ich schuld daran war, dass du allein bist.

Doch erzählst du auch den Rest? Erzählst du die ganze Wahrheit?

Erzählst du ihnen wie du mir erzählt hast, wie deine Ex Freundin dich betrog, missbrauchte und belog, während du zu Beginn unserer Beziehung anderen Mädchen erzählt hast, dass du sie liebst?

Erzählst du, dass du mich monatelang hast warten lassen, weil du sagtest du könntest nach deiner Ex Freundin keinem mehr vertrauen, während du deinen Schwanz in andere Frauen gesteckt hast? 

Ich habe dir vertraut, dir zugehört, war für dich da und du? Du hast mich belogen, hintergangen, benutzt und fallen gelassen. Doch du hast mich nicht frei gelassen. Nein du hieltest mich gefangen in einem Käfig. Du wolltest mich dort behalten bis du etwas findest was deinen Ansprüchen genügen würde. Aber ich wurde befreit. 

Eine Person von der ich niemals gedacht hätte, dass ich sie jemals wieder sehen wollen würde kam zu mir. Die Person kam zu mir und brach die Käfigtür auf. Er brach sie auf und es war als wären in Punkt dieser Sekunde meine Lebensgeister in mich zurückgekehrt. Als hätte er mein wahres Inneres, jahrelang in einer Schachtel für mich aufbewahrt und nur auf den passenden Tag gewartet um sie mir zurück zu geben. Er hat mir die Augen geöffnet und mir geholfen die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Er hat mir seine Augen geliehen. Er hat sie mir geliehen, damit ich sehen kann was du vor mir verborgen hast. Neben ihm fühlte ich mich wieder so viel besser. Ich erinnerte mich an den Menschen, der ich vor dir war. Die glückliche Version von mir. Die Version von mir, die nicht jeden Tag aufs neue versucht rauszufinden, was sie wohl wieder furchtbares verbrochen hat. Die Person, die von Herzen über alles lachen konnte, die Person die das Leben trotz Depression zu lieben wusste und wie man es lebt.

Und dann habe ich es getan. Ich sprengte die Ketten, rannte los und entkam deiner Herrschaft. 

Jetzt stehe ich auf einem Berg und sehe zu wie die Sonne in deinem Königreich untergeht. Wie du verzweifelt in der Dunkelheit suchst, nach dem was ich dir nicht geben konnte. Wie du dich in den Netzen deiner eigenen Lügen verfängst und hängen bleibst. 

Wie dir klar wird, dass du, wenn du als die Sonne noch für dich schien um ein vielfaches einfacher aus deinem Wald gefunden hättest. Du hättest gefunden was du gesucht hast. Doch deine Angst deine sichere Festung zu verlassen, den Graben zu überqueren und den Wald zu betreten war grösser. Du fühltest dich sicher. Du dachtest niemand könnte jemals die Dornen durchbrechen um mich zu retten und du könntest mich dann weiter nach deinen eigenen Wünschen gestalten. Und jetzt? Jetzt ist all das was dich eigentlich schützen sollte dein größtes Verhängnis. 

Die Dunkelheit und die Kälte werden dich bei sich halten. Wer weiss schon wie lange. 

Vielleicht wird sich eines Tages wieder jemand in deinen Wald verirren. Vielleicht wird sie dir helfen hinaus zu finden. Vielleicht wird sie ein kleines bisschen Sonne mit sich bringen. Vielleicht kannst du dir durch sie etwas neues erbauen. Doch was wird es sein? Was wirst du tun? 

Wirst du sie wieder einsperren und verstecken vor der Welt? Oder wirst du gemeinsam mit ihr den Dornenwald und die Netze einreißen? Den Burggraben mit den Monstern zuschütten? 

 

Wer weiss. Ich werde mich nun umdrehen und gehen. Vor mir liegt eine Welt voller Wunder und ich habe nun noch einmal von neuem die Chance sie zu erkunden. 

Es wäre gelogen wenn ich schreiben würde, dass ich dir alles Gute wünsche. 

Ich wünsche dir Erkenntnis. Ich wünsche dir den Mut zur Ehrlichkeit. Ich wünsche dir Einsicht. Und vor allem wünsche ich dir einen Menschen zu finden, der so ist wie du. Ich wünsche mir für dich, dass du die Gelegenheit bekommst dich selbst kennenzulernen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.02.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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