Ingeborg Henrichs

Elefanten aus Jerusalem

" Wo ist denn der Elefant aus Holz? Oder ist der schon kaputt?" Unsere Mutter, im innerfamiliären Sprachgebrauch " la mama"
genannt, wollte mal eben wieder etwas wissen. Eine Herausforderung, manchmal, auch für erfolgreich ausgelagerte Kinder
im best ager Alter.
" Welcher Elefant? Du meinst bestimmt das Kamel", so die Nachfrage der Tochter, mittlerweile ihrerseits ausgestattet mit Erinnerungslücken an die eigenen Kindertage. " Ach ja, das Kamel von ihrer Reise nach Jerusalem. Wo könnte ich das denn aufgehoben haben. Irgendwo müßte es noch sein, bestimmt." La mama zeigte sich hoffnungsfroh und Gestern und heute fielen zusammen ins Jetzt. Übrigens, für viele Weisheitslehren ein idealerweise anzustrebender  Zustand.
" Wie lang ist Omas Reise eigentlich her?" lautete die Nachfrage  ihres weiblichen Nachkömmlings aus der Gegenwart.
" Bestimmt ein halbes Jahrhundert", erklang la mamas Antwort und auf ihrem Gesicht lag ein liebevolles Schmunzeln.
Zur zeitlichen Einordnung sei erwähnt, daß unsere Oma, also ihre Mutter, vor drei Jahrhzehnten verstarb. Doch wie es oft in Familien zu beobachten ist. gehören alle, auch die bereits Vorausgegangenen dazu, als habe Zeit keine Bedeutung. Wer weiß
das schon?
Also fasste ich zusammen: " Vor über fünfzig Jahren reiste deine Mutter zum ersten Mal nach Israel und hat ihren Kindern Kamele, aus Holz geschnitzt, mitgebracht. Und nach deinem Kamel suchst du jetzt?  Frag doch mal bei deinen Schwestern nach, vielleicht steht da noch eins.
 

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