Heinz-Walter Hoetter

Die unglaublich vergessliche Stockente Quakquak

Auf einem schönen Teich in der Nähe eines großen Bauernhofes lebte die Stockente Quakquak, die unglaublich vergesslich war. In ihrem gemütlich warmen Nest lagen schon seit mehreren Wochen sieben Eier, und die kleinen Küken standen kurz vor dem Schlüpfen. Man konnte ihr Piepsen schon hören.


 

Doch Quakquak bekam plötzlich einen richtigen Heißhunger, verließ deshalb ihr Gelege und schwamm hinaus ins seichte Wasser, ganz in der Nähe des Ufers, um dort nach Nahrung zu suchen. Dabei vergaß sie die Zeit, und als sie endlich zurück zu ihrem Nest wollte, fand sie es einfach nicht wieder, weil sie vergessen hatte, wo es war.

Die ganze Zeit irrte sie auf dem weiten Wasser suchend herum, doch vergeblich. Jämmerlich quäkte sie: „Was bin ich doch für ein vergessliches Federvieh. Ich weiß einfach nicht mehr, wo das Nest mit meinen Kindern ist.“

Trotzdem suchte sie verzweifelt weiter, bis sie irgendwann total erschöpft war, sodass sie sich am nah gelegenen Ufer ausruhen musste. Da stand sie nun und wusste nicht mehr, was sie tun sollte.

Da kam der Ackergaul Hector zufällig des Weges und sah die Stockente traurig mit gesengtem Kopf am Rande des Teiches stehen.

„Was ist los mit dir, Quakquak? Du siehst ziemlich mitgenommen aus. Ist irgendwas passiert?“ fragte er freundlich.

„Ach Hector, ich habe vergessen, wo das Nest mit meinen Kindern ist. Ich finde es einfach nicht wieder. Ich glaube, ich werde langsam zu alt fürs Eierkriegen und Brüten.“

„Kopf hoch, Quakquak! Ich lasse dich nicht im Stich. Ich bin ein großes Pferd und kann sogar bis ans andere Ufer des Teiches sehen, obwohl der ja schon sehr groß ist, wie du weißt. Ich habe auch vor dem tiefen Wasser keine Angst. Das macht mir gar nichts aus, weil ich sehr lange Beine habe. Ich kann sogar schwimmen, wenn es drauf ankommt. Aber wenn ich jetzt alleine nach deinem Nest suche, dauert es bestimmt zu lange, bis ich es finde. Ich werde daher einige Tiere vom Bauernhof zusammen wiehern und gemeinsam mit ihnen auf die Suche gehen. Ich verspreche dir, dass wir dein Nest finden werden. Du wirst sehen, dass alles wieder gut wird.“

„Danke Hector! Du bist wirklich ein richtiger Freund“, schnatterte die zu Tränen gerührte Stockente. „Ich weiß nicht, womit ich das wieder gut machen kann“, sagte sie leise und schluchzte vor sich hin.

„Warte hier auf uns, Quakquak!“, sagte Hector und lief zum nah gelegenen Bauernhof zurück.

Etwas später war er wieder da und hatte alle seine Freunde mitgebracht. Sie versammelten sich vor der traurigen Stockente. Dann sprach er zu ihnen: „Hört mal alle her! Irgendwo da draußen im dichten Schilf des großen Teiches befindet sich ein Entennest mit sieben Eiern. Unsere Freundin Quakquak weiß nicht mehr, wo das Nest ist. Aber wenn sie nicht bald zu ihren Eiern zurück kommt, um sie zu wärmen, werden ihre Kinder vielleicht sterben. Helft also alle mit bei der Suche nach ihrem Gehege und seht euch jeden Winkel im breiten Schilfgürtel ganz genau an. Wer das Nest mit den Eiern zuerst findet, der soll laut rufen und Quakquak zeigen, wo es ist.

Als Hector das Startsignal für die Suche gab, machten sich alle anwesenden Tiere sofort auf den Weg, um im dichten Schilf nach dem Stockentengehege zu suchen.

Da waren z. B. der Schäferhund Sammy, der Kater Moriz, die drei Kaninchen Dodi, Kalle und Malte, der Hahn Kralle, die Hühner Froni und Rosi, das Schwein Porky, sowie das Schaf Lilo und der alte Ziegenbock Heinz, die alle bei der Suche mithalfen.

Die Zeit schlich dahin, doch plötzlich schrie der stolze Hahn Kralle mit aufgeregt krächzender Stimme: Kikeriki, kikeriki, ich habe das Nest gefunden. Es liegt hier mitten im Schilf gleich neben dem alten Weidenbaum. – Kommt alle her und bringt Quakquak mit!“

Als die vergessliche Stockente endlich da war und oben auf dem Rand ihres gemütlich eingerichteten Geheges stand, um nach ihrer Brut zu sehen, erschrak sie im nächsten Augenblick bis in die letzte Federspitze. Das Nest war leer. Dafür lagen überall zerbrochene Eierschalen herum.

„Meine Kinder sind alle weg! Wo sind sie nur geblieben? Ein Räuber hat sie gefunden und alle aufgefressen. Oh, welch ein großes Unglück ist mir widerfahren!“ schrie Quakquak aufgeregt und ließ sich partout nicht mehr beruhigen.

Plötzlich rief Lilo das Schaf: „Keine Panik Quakquak! In der Zeit wo du nicht da warst sind alle deine Küken geschlüpft und schwimmen nun putzmunter im dichten Schilf herum. Hörst du sie nicht piepsen? Sie rufen schon die ganze Zeit nach dir. Ich habe sie gerade gesehen. Sie sind alle wohlauf! Es sind insgesamt sieben Stück. Ich glaube, sie kommen jetzt direkt auf uns zu. Sie müssen wohl dein lautes Geschnatter gehört haben.“

„Vielen Dank Lilo! Ich kann es nicht fassen. Und sie leben alle! Das ist einfach wunderschön!“, sagte Quakquak ungläubig und lauschte andächtig nach allen Seiten, weil sie das leise Piepen der Kleinen hören wollte.

Und da waren sie plötzlich. Ein flauschiges Küken nach dem anderen verließ voller Tatendrang das grüne Schilfdickicht. Nach einer Weile waren es genau sieben kleine Entlein, die alle total aufgedreht und quirlig auf dem ruhigen Wasser des Teiches hin und her flitzten. Als sie ihre Mutter sahen, rasten sie auf einmal wie kleine Minimotorboote auf sie zu und drängelten sich alle dicht an ihrem warmen Federkleid. Die Stockente Quakquak war überglücklich und quäkte die ganze Zeit vor lauter Freude wie verrückt herum. Dann nahm sie ihre Jungen mit ins warme Nest und vergaß auch nicht, sich bei Hector und seinen hilfsbereiten Freunden ganz herzlich zu bedanken.

„Ich danke euch alle dafür, dass ihr mir geholfen habt. Ich komme morgen mit meinen Küken zu euch auf den Bauernhof. Dort könnt ihr meinen frischen Nachwuchs bewundern. Sie müssen jetzt allerdings schlafen gehen und sich von der ganzen Aufregung ein wenig erholen. Ich hoffe, ihr habt dafür Verständnis, meine lieben Freunde.“

„Natürlich haben wir das, Quakquak. Eine gute Mutter weiß immer, was für ihre Kinder das Beste ist. Außerdem freuen wir uns schon auf deinen Besuch morgen. Deine süßen Küken werden sich bestimmt bei uns sehr wohl fühlen. Wenn ihr da seid, dann feiern wir alle zusammen ein großes Fest, wie es sich eben für einen derartigen Anlass gehört“, sagte Hector, der das Wort ergriffen hatte.

„Hurra, hurra, morgen wird gefeiert!“, riefen alle Tiere gleichzeitig wie im Chor und zwar so laut, das ihr Freudengeschrei vom anderen Teichufer wieder zurückschallte.

Dann verabschiedeten sich alle Tiere von Mutter Stockente und ihrem flauschigen Nachwuchs, von denen die meisten bereits eingeschlafen waren.

Als letzter ging Hector. Noch einmal drehte er sich um, wieherte ein paar Mal leise vor sich und sagte schließlich: „Was habe ich dir gesagt Quakquak? Alles wird wieder gut. Und wenn du uns wieder mal brauchst, sind wir immer für dich da.“

Nach diese Worten galoppierte er davon, weit hinaus auf die grüne Wiese, bis er irgendwo hinter einem bewaldeten Hügel verschwand.

Am schönen Teich in der Nähe des großen Bauernhofes war wieder Ruhe eingekehrt. Als wenig später die Nacht hereinbrach, war auch die unglaublich vergessliche Stockente Quakquak mit all ihren süßen Küken schon längst eingeschlafen.


 

ENDE

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.02.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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