Heinz-Walter Hoetter

Höllisches Paradies

Ein Heide stirbt und befindet sich nach seinem Tod plötzlich vor einem schweren Eisentor. Auf einem Schild oben drüber steht in riesigen schwarzen Buchstaben "HÖLLE".

 

Da er nicht weiß, was er machen soll, klopft er vorsichtshalber an, doch keiner macht auf. Seltsamerweise ist das eiserne Tor aber nicht abgesperrt. Der Heide drückt die schwere Klinke runter, öffnet vorsichtig einen der beiden Torflügel und traut im nächsten Augenblick seinen Augen nicht.

 

Er steht auf einmal völlig unerwartet in einer schönen Landschaft, mit angenehmen Temperaturen, einem weiten Meeresstrand mit hohen Palmen, die im lauen Wind langsam hin und her wiegen. Oben, am blauen Himmel, scheint die Sonne und kleine weiße Wolken ziehen an ihr vorbei.

 

Ganz in der Nähe stehen wunderschöne Hotels, die alle eine Strandbar haben, wo sich eine große Zahl von fröhlichen Menschen tummeln. Der Heide wähnt sich im Paradies, was er von der Hölle eigentlich so nicht erwartet hätte.

 

Plötzlich kommt ein Mann mit einem Pferdefuß auf ihn zu und spricht ihn sofort direkt an.

 

"Jaaa..., da schau her! Ein neuer Bewohner der Hölle. Ich begrüße dich, Heide! Ich hoffe doch sehr, du fühlst dich in meiner Welt wohl. Schau dich erst einmal ausgiebig um! Alle Menschen sind gut gelaunt und freuen sich, mit mir zusammen in der Hölle leben zu dürfen. Die Bewohner fühlen sich überall bei mir wohl, sind glücklich und wollen von hier nicht mehr weg. Ich hoffe, bei dir wird es nicht anders sein."

 

"Sie sind wahrscheinlich der Teufel oder irre ich mich da?" fragte der Heide nach einer Weile den Mann mit dem komischen Fuß, weil er aus dem Staunen einfach nicht heraus kommt.

 

"Das stimmt allerdings", antwortete ihm dieser, grinst ein wenig und bietet dem Heiden an, sich an einer der nah gelegenen Bars doch einen Drink zu besorgen, um danach mit ihm zusammen ganz ungezwungen das schöne Leben in der Hölle zu erkunden.

 

Wie der Heide mit dem Teufel so durch das höllische Paradies schreitet, kommen sie plötzlich an einem weit abseits gelegenen Gelände vorbei, auf dem sich in der Mitte ein ziemlich düster aussehendes Gebäude befindet, aus dem furchtbare Schreie nach draußen dringen, die anscheinend von gequälten Menschen herrühren.

 

"Was ist denn da los?" will der Heide erschreckt vom Teufel wissen.

 

"Willst du da mal hinein sehen? Bei uns gibt es keine Geheimnisse. Komm einfach mit und überzeuge dich selbst, was da passiert!"

 

Der Heide geht gleich darauf mit dem Teufel zusammen in das Gebäude, bleibt aber schon kurz nach der Eingangstür stehen und erstarrt vor Entsetzen.

 

Überall laufen nackte Frauen und Männer herum, die es wild und zügellos miteinander treiben. Seltsam aussehende Kreaturen jagen andere Menschen durch meterhohe Flammen oder schlagen mit Peitschen brutal auf sie ein, wobei die so malträtierten Individuen furchtbare Schreie von sich geben.

Die ganze Szene erinnert an einen fürchterlichen Horrorfilm.

 

Der Heide bekommt es mit der Angst zu tun, dreht sich auf der Stelle herum und rennt in Panik wieder ins Freie, gefolgt von seinem Begleiter, dem Teufel.

 

Draußen angekommen fragt er den Mann mit Pferdefuß mit zitternder Stimme, wer die Menschen denn in dem Gebäude sind, die da so grausam gequält und gepeinigt werden.

 

"Ach, das sind überwiegend Christen. Die wollen das aus Überzeugung so und machen alles freiwillig mit."

 

ENDE

 

(c)Heinz-Walter Hoetter


 

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