Heinz-Walter Hoetter

Bestrafte Hilfe

Letzte Woche traf ich in einem Cafe rein zufällig einen guten Freund, der in einem Dorf in der Nähe der Großen Kreisstadt Fürstenfeldbruck wohnt.

Folgende kleine Geschichte hat er mir erzählt, die ich hier jetzt mal genau so wiedergeben möchte, wie sie sich abgespielt hat.

***

Seine schwangere Schwester war bei ihm zu Besuch gewesen, weil es einige wichtige Dinge familiärer Natur zu besprechen gab.

Ausgerechnet vor der Abreise seiner Schwester setzten jedoch ganz überraschend bei ihr die Wehen ein. Eile war daher geboten. Schnell entschlossen steckte mein Bekannter seine Schwester ins Auto und raste los, um sie auf dem schnellsten Weg in die Kreisklinik FFB zu bringen.

Von unterwegs aus rief er über sein Handy bei seinem Schwager an und informierte ihn darüber, dass er unverzüglich ins Krankenhaus kommen solle, weil die Geburt seine Kindes bevorsteht.

Doch plötzlich wurde er kurz vor der Ausfahrt Richtung Stadtmitte FFB von einer Polizeistreife überholt und zum Anhalten gezwungen.

Kaum hatte er das Fenster runtergelassen, sagte mein Freund zu dem Beamten genervt: "Ich habe meine schwangere Schwester im Auto sitzen. Die Wehen haben bereits eingesetzt. Ich muss sie so schnell wie möglich ins Krankenhaus bringen. Ich habe soeben mit meinem Schwager telefoniert, damit er sich alsbald um seine Frau kümmern kann. Einer musste ihm das ja schließlich mitteilen."

Der Polizeibeamte bückte sich mit skeptischer Mine runter, blickte forschend an meinem Freund vorbei hinüber zu seiner schwangeren Schwester, nickte mit dem Kopf und sagte mit emotionsloser Stimme: "Entschuldigung, aber sie haben eine erhebliche Geschwindigkeitsübertretung begangen. Sie sind stellenweise doppelt so schnell gefahren, was nicht erlaubt ist. Das dürfen nur Rettungsfahrzeuge im Notfall-Einsatz. Dann haben sie noch bei der hohen Geschwindigkeit am Steuer mit ihrem Handy telefoniert. Mein Kollege und ich haben das zweifelsfrei erkennen können, weil wir direkt hinter ihnen hergefahren sind. Das gibt eine doppelte Geldstrafe, mein Herr. Für Schwangere in den Wehen liegt außerdem in der Regel ja keine Gefahr für Leib und Leben vor. Ihr verkehrswidriges Verhalten wird daher also nicht durch den Notstandsparagraphen laut § 16 OWiG gedeckt.

 

Tja, das war es dann auch schon gewesen für meinen Bekannten.

 

Das kann einem passieren, wenn man eigentlich nur in guter Absicht helfen wollte, aber am Ende dafür auch noch bestraft wird.


 

ENDE


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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