Christian Scheffel

Vortex: Teil 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorwort:

Diese Geschichte spielt hauptsächlich im Jahre 2217 nach Christus. Die Menschen (Terrestrians) haben zusammen mit einer außerirdischen Spezies, den Kworrhonians, eine Föderation gegründet und haben gemeinsam soeben erst einen Krieg durchgestanden. Inmitten einiger Spannungen zwischen den Alliierten, die aus Territoriumsstreitfragen nach dem Krieg hervorgehen, taucht eine Botschaft aus dem Jahre 2017 auf, die zeigt, wie die gesamte Erde von einem schwarzen Loch verschlungen wird. Um das widersprüchliche Rätsel zu klären, werden zwei Schiffe, die Phoenix und die S´Epazit, mithilfe der fortgeschrittenen Technologie der Kworrhonians in die Vergangenheit geschickt, wo man auf archäologische Ausgrabungen unter einer bekannten Kultstätte stößt. Christopher Thomas, Captain der Phoenix, hat noch nicht mit den Erlebnissen des Krieges abgeschlossen und auf Befehl seines Vorgesetzten sein Kommando wieder übernommen. Doch als sich in der Vergangenheit das Geheimnis um die vollkommene Vernichtung der Erde zu offenbaren scheint, nehmen die Ereignisse eine unvorhergesehene Wende, und die Crew der Phoenix muss plötzlich um ihr eigenes Überleben gegen einen technologisch überlegenen, skrupellosen Feind kämpfen...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vortex – Teil 2

 

  • 1 –

  •  

Die Phoenix und die S´Epazit bringen sich mit voller Schubumkehr außerhalb der Reichweite der Gravitation des entstehenden schwarzen Loches.

Christopher betritt gerade wieder hastig die Brücke, während zeitgleich Nakamura und Reagan aus der anderen Tür auf die Brücke eilen.

Christopher: „Bericht?!“

Kathryn Stratter blickt sofort zu Lieutenant Nakamura und Lieutenant Commander Reagan.

Reagan: „Das Archäologen-Team hat in der unterirdischen Ausgrabungsstelle den Timecore der Darwin freigelegt, dessen Trümmeranordnung übrigens auch das oberirdische Bildnis Stonehenge nachempfunden ist.“

Nakamura: „Ein Tachyon-Impuls von der S´Epazit hat den Timecore reaktiviert und implodieren lassen, wodurch es zur Ausbildung einer Quantensingularität gekommen ist.“

Lieutenant Mitchell weist auf den Hauptschirm: „Captain!“

Dort ist zu sehen, wie inmitten des Weltalls vor der Phoenix ein erneuter violett schimmernder Vortex zu seiner vollen Größe heranwächst und ein Raumschiff der Federation daraus austritt, das wie eine kleine, weitaus kompaktere Form der Phoenix erscheint: seine Registratur identifiziert es als das Federation Star Ship Darwin.

Stratter blickt überrascht und sprachlos zu Christopher.

Christopher starrt wie gebannt auf den Hauptschirm: „Ben?!“

 

Auf der Brücke der Darwin, die ebenfalls an eine kleinere Version der Brücke der Phoenix erinnert, löst sich die Brückencrew soeben aus ihrer Anspannung. Captain Ben Dawson blickt auf den Hauptschirm: „Wie lauten unsere Koordinaten, Lieutenant? Ist der Zeitsprung planmäßig verlaufen?“

In diesem Moment bemerkt Ben Dawson die Phoenix und liest ihre Registratur:

Offenbar sind wir aber in unserer Zeit geblieben?“

Der Lieutenant von der Kommunikationskontrolle informiert:

Captain, wir werden von der F.S.S. Phoenix gerufen.“

Ben lehnt sich gespannt in seinem Kommandositz etwas nach hinten zurück:

Auf den Schirm bitte, Lieutenant Sawyer.“

Ben staunt nicht schlecht, als das Gesicht Christopher Thomas´ auf dem Bildschirm erscheint: „Christopher?!“

Christopher: „Ben! Ich bin so erleichtert, dass es euch gut geht!“

Ben: „Ich verstehe nicht, wir sind doch gerade erst gestartet...“

Christopher: „... zu eurer Zeitreise aus unserem Jahrhundert?“

Ben: „Ganz genau – du weißt doch Bescheid.“

Christopher: „Allerdings, jedoch ist das schon...“

Reagan unterbricht Christopher: „Captain, die S´Epazit bezieht erneut Angriffsposition!“

 

Unweit von der Phoenix und der Darwin dreht sich die S´Epazit wieder mit den Bordwaffen auf die beiden Föderationsschiffe zu.

N´Evac betritt in diesem Augenblick die düstere Brücke der S´Epazit, wo sich Captain An´Jhot im Kommandositz zu ihm umdreht:

Die Kausalitätsschleife hat sich vor einer Minute geschlossen, Colonel.“

N´Evac hebt seinen Blick und zischt mit einem finsteren Blitzen in seinen Augen:

Dann lassen Sie uns das Schicksal besiegeln, Captain!“

 

Auf der Brücke der Phoenix blickt Nakamura von den Wissenschaftskontrollen auf:

Die S´Epazit sendet einen weiteren Tachyon-Impuls aus!“

Christopher, eher brüllend: „Ben, schirmt euren Hyperdrive ab!“

 

Ben Dawson dreht sich ruckartig zum taktischen Offizier, der im selben Moment bestätigt: „Deflektorschild wird aufgebaut, Captain.“

 

Auf dem Hauptschirm verfolgt die Brückencrew der Phoenix, wie der von der S´Epazit ausgesendete Tachyon-Impuls unter dem blauen Aufleuchten von Tscherenkow-Strahlung die Außenhülle der Darwin trotz aktiviertem Deflektorschild durchdringt.

Nakamura kommentiert:

Der Deflektorschild zeigt auf einen Tachyon-Impuls keine Wirkung.“

Ihr Stimme klingt hilflos resignierend.

Christopher blickt bangend auf den Hauptschirm.

 

Auf der Brücke der Darwin beginnen die Wände rings um Ben Dawson und die Brückencrew blau aufzuleuchten, und mit einem gefassten, aber ihre Vernichtung erahnenden Blick sieht Ben Christopher auf dem Hauptschirm noch einmal entgegen.

Im Maschinenraum der Darwin entsteht inmitten des von der blauen Tscherenkow-Strahlung überfluteten Hyperdrives eine Verzerrung, die nun das komplette Maschinendeck wie in einer optischen Täuschung in sich hineinzieht und dabei zusammenstaucht.

 

Auf dem Hauptschirm verfolgen Christopher Thomas und seine Brückencrew entsetzt, wie die gesamte Darwin in einen Punkt zusammengestaucht und von dieser Verzerrung komplett verschlungen wird.

 

Auf der Brücke der Darwin wird für etwa zwei Sekunden jegliche Sicht von gleißendem Blau überblendet, und dann taucht erneut die Erde unmittelbar vor der Darwin auf.

Der Steuermann ruft alarmierend:

Keine Kontrolle mehr über unseren Antrieb, Captain – wir stürzen auf die Erde ab!“

In der Mitte der Kommandobrücke klammert sich Ben Dawson krampfhaft an den Armlehnen seines Kommandositzes fest:

Meldung an die Besatzung: auf Aufschlag vorbereiten!“

Die Darwin tritt in unkontrolliertem Sturzflug in die Erdatmosphäre ein: einige der äußeren Segmente werden mit einem brutalem Ruck, rot aufglühend, vom Schiff abgerissen, und auf der Brücke wird die komplette Vorderwand mitsamt dem Hauptschirm weggerissen, so dass zwei der Brückenoffiziere hinaus geschleudert werden. Mit entsetztem Blick sieht Ben, wie die Darwin mit irrwitziger Geschwindigkeit auf eine riesige Meeresfläche abstürzt. Als die Darwin in beinahe schon horizontalem Sturzflug auf die Meeresoberfläche aufschlägt, werden Ben Dawson und die übrigen Brückenoffiziere mitsamt ihren Sitzen nach vorn aus der weg gefetzten Vorderwand hinausgeschleudert, und die Darwin wird von der Meeresoberfläche von unten nach oben Deck für Deck zerrissen, bis nur noch ein kümmerlicher Rest des Maschinendecks unkontrolliert aus dem zermalmt werden Wrack katapultiert wird und auf dem jetzt erreichten Festland in weitem Bogen in einen Krater katapultiert wird: hier ist jetzt einzig der Bereich des Maschinendecks übriggeblieben, der sich unmittelbar um den Hyperdrive mit den Timecore-kompatiblen Zusatzaggregaten befindet; die kümmerliche Restbeleuchtung ist jedoch noch stark genug, um die nächtliche Anhöhe mit wechselnden Farben, von Weitem sichtbar, zu erleuchten.

In einem Dorf am Fuße der Anhöhe haben die Einwohner den einem Meteoriteneinschlag gleichen Absturz der Darwin am Sternenhimmel beobachtet und stürmen jetzt überwältigt und ehrfürchtig eingeschüchtert zugleich die Anhöhe hinauf, wo sie schließlich das Restsegment des Maschinendecks um den Hyperdrive herum im Krater entdecken!

 

  • 2 –

     

Bebend vor Wut, befiehlt Christopher Thomas: „Setzen Sie zum Angriffskurs auf die S´Epazit an und nehmen Sie sie unter vollen Beschuss!“

Lieutenant Mitchell antwortet sofort: „Angriffskurs ist gesetzt, Captain.“

Ebenso entschlossen antwortet Lieutenant Commander Reagan:

Waffensysteme sind aktiviert, Captain.“

Commander Stratter blickt Captain Thomas von der Seite musternd an: ihr Blick zeigt, dass sie um Christophers Urteilsvermögen im Moment besorgt ist.

 

Auf der dunklen Brücke der S´Epazit hat sich N´Evac inzwischen in den Kommandositz neben Captain An´Jhot gesetzt.

Der Kworrhonian von der taktischen Kontrolle meldet:

Die Phoenix setzt zu einem Angriffskurs auf uns an.“

An´Jhot blickt zu N´Evac: „Zuerst paralysieren oder direkt zerstören, Colonel?“

N´Evac antwortet absolut emotionslos: „Paralysieren Sie zuerst ihre Waffensysteme – ich möchte noch ein letztes Wort mit Captain Thomas wechseln.“

N´Evac zeigt einen eiskalten Blick.

An´Jhot: „Lieutenant, Sie haben den Colonel gehört!“

Aye, Captain.“

 

Noch indem die Phoenix zum Angriffsmanöver auf die S´Epazit ansetzt und ihre Waffensysteme aktiviert, wird von der einem überdimensionalen Raubvogel ähnelnden S´Epazit ein gleißender Energieimpuls abgeschossen, der mit einem brutalen Schockstoß in die Phoenix einschlägt und das ganze Raumschiff sogleich mit zuckenden Blitzen überzieht.

Auf der Brücke fällt schlagartig die Beleuchtung aus, und alle Terminals werden hell aufgleißend von den Blitzen durchzuckt.

Stratter: „Hände weg von den Kontrollen!“

Kathryn Stratter und Christopher Thomas sehen einander in die Augen.

Reagan: „Alle unsere Systemkontrollen sind vollständig ausgefallen.“

Nakamura: „Sie haben uns paralysiert.“

Mitchell: „Auch unser Angriffsmanöver ist gestoppt worden.“

In diesem Moment erscheint die Ansicht der dunklen Brücke der S´Epazit auf dem Hauptschirm, von der aus N´Evac Christopher eiskalt anfunkelt.

Christopher erwidert N´Evac einen wütenden, stechenden Blick.

Christopher: „Was, verdammt nochmal, soll das alles, Commander?!“

N´Evac korrigiert: „Colonel bitte, jetzt da wir unsere Absichten nicht mehr geheim halten müssen.“

Christopher blickt N´Evac verständnislos mit dem nach wie vor wütenden Blick an.

N´Evac: „Ich bin Colonel N´Evac der Internal Kworrhonian Security.“

Stratter zeigt einen Blick der bösen Überraschung.

N´Evac: „Nach dem Krieg, den die Kworrhonians und die Terrestrians als Alliierte gewonnen haben, sind die aufkommenden Territoriumsstreitfragen ein sehr unschönes Hindernis für die politische und ökonomische Weiterentwicklung unserer Spezies, Captain Thomas.“

Stratter, ungläubig: „Ein unschönes Hindernis?!“

N´Evac: „Politisch und strategisch gesehen, wäre es angebracht, wenn die Terrestrians sich den Kworrhonians unterordnen und sich zu unserer Unterstützung anbieten würden.“

Die komplette Brückencrew der Phoenix offenbart ungläubige Verärgerung mit ihrer Miene.

N´Evac: „Die Internal Security hatte es zu Beginn des Krieges für wahrscheinlich gehalten, dass die Terrestrians am Ende so große Verluste erlitten hätten, dass sie sowieso nicht mehr autark hätten funktionieren können.“

Stratter, außer sich: „Das sollte die Rolle unserer Spezies aus Ihrer Sicht im Krieg sein?!“

Reagans wütender Gesichtsausdruck zeigt, dass Stratter ihr die Worte exakt aus dem Mund genommen hat.

N´Evac, unbekümmert und eiskalt: „So ist es, Commander.“

Christopher versucht, sich seine Wut nicht anmerken zu lassen, indem er spitz fragt: „Aber Ihnen ist klar, dass Sie uns soeben in ihre Interna, die Terrestrians bezüglich, einweihen?!“

N´Evac: „Völlig. Dazu werden wir jetzt abschließend kommen, Captain.“

Christopher: „Was sollte dann all dieses Theater mit unserer Zeitreise?“

N´Evac: „Um Ihrer Spezies die von uns zugedachte Position zu geben, haben wir als ein wichtiges Ziel gesetzt, Ihre erste Zeitreise scheitern zu lassen. Daher war das Ziel unserer gemeinsamen Mission in die Vergangenheit genau der eben verstrichene Zeitpunkt.“

Nakamura flüstert halblaut vor sich hin: „... wenn die Darwin aus dem Vortex austritt.“

Christopher Thomas und Kathryn Stratter haben den Kommentar gehört. Kathryn mustert Christopher und erkennt in seinem Blick, dass ihm gerade einiges klar zu werden scheint, indem er N´Evac antwortet: „Es war von vornherein Ihr Plan, dass wir den Zeitpunkt in der Vergangenheit ansteuern, zu dem die Erde offenbar von einer Singularität verschlungen wird...“ Christopher überlegt weiter: „..., die Sie selbst erst hier in der Vergangenheit erzeugen würden!“

N´Evac nickt begeistert über Christophers Einsicht: „Sehr richtig, Captain Thomas! Ein gleichermaßen faszinierendes wie in diesem Falle für uns sehr nützliches Phänomen des Time Vortex ist, dass aufgrund des Durchbrechens der temporalen Kohärenz Ursache und Wirkung eines Ereignisses umgekehrt werden können!“

Christopher kombiniert: „Sie sorgten dafür, dass wir die Aufzeichnung von der Vernichtung der Erde erhalten und als Hilferuf an uns selbst interpretierten, sodass wir anschließend gemeinsam hierher reisten.“

N´Evac, vor diabolischer Begeisterung strahlend: „..., wo die S´Epazit soeben die Vernichtung der Erde aufgezeichnet hat, damit wir diese Nachricht gleich zurück in unsere Gegenwart schicken können.“

Christopher, sarkastisch: „Wie viel uns übersteigende Genialität erfordert es eigentlich, um auf einen solchen Plan zu kommen, Colonel?“

N´Evacs Blick wird sofort eiskalt: „Die Internal Kworrhonian Security arbeitet sehr gründlich und effizient, Captain.“

N´Evac wechselt einen auffordernden Blick mit Captain An´Jhot: „Und jetzt, Captain Thomas, werden wir auch Sie und Ihre herausragende Crew Ihrem Schicksal zuführen.“

Lediglich ein kurzes Zunicken N´Evacs ist noch erforderlich, sodass Captian An´Jhot dem Waffenoffizier der S´Epazit den Befehl erteilt, das gnadenlose Feuer auf die Phoenix zu eröffnen.

Christopher will gerade noch einen Befehl erteilen, da wird die komplett paralysierte Phoenix von dem grellen Inferno des Hochenergiebeschusses der S´Epazit getroffen und inmitten eines gigantischen Detonationsballes regelrecht zerschmettert.

N´Evac kneift die Augen zusammen, als ihn die Detonation auf dem Hauptschirm der Brücke blendet.

Captain An´Jhot bestätigt beim Ablesen der Statusanzeige: „Treffer: die Phoenix ist vollständig atomisiert worden, Colonel – es sind noch nicht einmal mehr Trümmer übrig.“

Colonel N´Evac setzt sich, zufrieden seine Hände faltend, zurück in den Kommandositz neben Captain An´Jhot: „Dann senden Sie die Aufzeichnung von der Vernichtung der Erde per Hyperspace-Trägerwelle an Captain Ja´Vhoc.“

An´Jhot: „Aye, Colonel.“

An´Jhot nickt dem Kommunikationsoffizier zu, der sofort der Aufgabe nachgeht.

 

  • 3 –

  •  

An Bord der Kworrhonian Starbase Rha´Acul ist Captian Ja´Vhoc soeben in das neongrün erleuchtete Wissenschaftslabor gerufen worden, wo ihm einer der Wissenschaftsoffiziere einen Bildschirm zeigt:

Wir haben diese Hyperspace-Transmission soeben von Colonel N´Evac und Captain An´Jhot aus der Vergangenheit erhalten, Captain.“

Zu sehen ist erneut, wie die Erde in dem desaströsen, bekannten Anblick von einer in ihrem Zentrum entstehenden Quantensingularität vollkommen verschluckt wird.

Ja´Vhoc grinst zufrieden: „So schließt sich der Kreis.“

Aye, Sir.“

 

Neben Starbase Rha´Acul schwebt ein weiteres Raumschiff der Federation schwerelos im Weltall: seine Kennzeichnung identifiziert das Schiff als die F.S.S. Hawking. Ein Shuttle ist von der Rha´Acul aus zur Hawking übergesetzt und in der Shuttlebucht gelandet.

Admiral Harris, der aus dem Shuttle ausgestiegen ist, begibt sich durch den Korridor vom Shuttle-Deck aus zum Lift, der ihn auf die Hauptbrücke fahren soll.

Captain Ja´Vhoc ist auf die dunkle Einsatzbrücke der Rha´Acul zurückgekehrt:

Sind alle Stationen sowie unsere Flottenschiffe auf ihren Positionen einsatzbereit?“

Aye, Sir – alles wartet auf Ihren Befehl!“

Ja´Vhoc setzt sich in seinen Kommandositz und gibt dem taktischen Offizier mit eiskaltem Blick den Befehl: „Es ist so weit, tun Sie unsere Unabhängigkeitserklärung kund!“

Aye, Sir.“

Der taktische Offizier initiiert ein offenkundig schon installiertes Programm, woraufhin die gesamte Starbase Rha´Acul in einen Kampfmodus versetzt wird: Das neongrüne Leuchten, das die Dunkelheit spärlich erhellt, geht in ein gleißendes Rot über, das die an Bord stationierten Kworrhonians sofort in Kampfbereitschaft versetzt – alle gehen auf ihre offenkundig genau festgelegten Posten.

Auf der Hauptbrücke angekommen, bemerkt Admiral Harris sofort die Unruhe unter den Brückenoffizieren. Noch ehe er eine Frage stellen kann, erstattet ihm Captain Dalton, der Kommandant der Hawking, Bericht:

Admiral Harris, an Bord von Starbase Rha´Acul ist offenkundig eine Art von taktischem Programm initiiert worden.“

Harris blickt sofort auf den großen Hauptschirm, wo sich die beiden gepanzerten Segmente, die das obere beziehungsweise untere Ende der Kworrhonian Starbase darstellen, in entgegengesetzter Rotation langsam gegeneinander verschieben, während sich an der die Segmente verbindenden Dreieckssäule mehrere Außenschotts öffnen; das spärliche neongrüne Leuchten von Bord ist in ein hell strahlendes, blinkendes Rot übergegangen.

Captain Dalton: „Wenn ich es nicht besser wüsste, Admiral, würde ich interpretieren, dass die Rha´Acul gerade in den Kampfmodus umschaltet!“

Auf der dunklen Hauptbrücke der Rha´Acul, die mittlerweile rot erleuchtet wird, wird Captain Ja´Vhoc vom taktischen Offizier mitgeteilt:

Sind in wenigen Sekunden kampfbereit.“

Ja´Vhoc: „Erfassen Sie als erstes Ziel das Raumschiff dort draußen!“

Ja´Vhocs Stimme klingt eiskalt und berechnend.

Harris blickt gebannt auf den Schirm und kneift seine Augen misstrauisch zusammen.

Der erste Offizier der Hawking spricht Captain Dalton an:

Sehen Sie die geöffneten Schotten?!“

Auf dem Hauptschirm ist zu erkennen, wie etwas aus den Öffnungen aus Starbase Rha´Acul ausgefahren wird.

Captain Dalton wird kreidebleich: „Sind das Waffen?!“

Admiral Harris fasst selbstsicher den Entschluss, um den ihn niemand beneidet:

Lassen Sie die Öffnung, die genau in unsere Richtung zeigt, augenblicklich unter Beschuss nehmen, Captain Dalton!“

Dalton reagiert sofort, wenn auch der Blick in sein Gesicht offenbart, dass er das Ganze wie einen Alptraum erlebt: „Aye, Sir. – Taktik, Sie haben den Befehl gehört!“

Auch der taktische Offizier wirkt sichtlich verstört, reagiert aber sofort entschlossen:

Verstanden, Sir.“

Gerade als Starbase Rha´Acul zum Feuern bereit ist, trifft der gebündelte Beschuss von der Hawking aus dasjenige Waffengeschütz, das genau auf das Raumschiff gerichtet worden ist: das Geschütz verliert sofort seine Energieversorgung und birst teilweise auseinander.

 

Auf der Brücke der Hawking bestätigt der taktische Offizier: „Ziel neutralisiert.“

Captain Dalton blickt Admiral Harris fragend an:

Wir sollten uns zurückziehen und Bericht erstatten – dieser Vorfall ist desaströs, Admiral!“

Paxton Harris nickt, nach außen hin die Ruhe bewahrend:

Ich stimme Ihnen in Gänze zu, Captain – bringen Sie uns schnellstens zurück zu den Federation Headquarters!“

Mit einer knappen Wende und sofortigen Beschleunigung auf Hyper-Speed entgeht die Crew der Hawking einem weiteren Beschuss durch Starbase Rha´Acul.

 

Auf der dunklen Hauptbrücke der Rha´Acul blickt Captain Ja´Vhoc der im Hyperspace verschwundenen Hawking mit funkelndem Blick nach, indem der taktische Offizier meldet: „Sie haben unseren Angriff offenbar vorausgesehen und das Waffengeschütz zerstört, Captain.“

Ja´Vhoc zischt: „Damit wird es ein Schiff der Federation gewesen sein, dass als erstes einen kriegerischen Akt gegen eine Kworrhonian Starbase begangen hat.“

 

Noch im Hyperspace lässt Admiral Harris von der Brücke der Hawking aus einen Funkkanal zu den Federation Headquarters auf der Erde öffnen.
Harris: „Die Kworrhonian Starbase Rha´Acul ging in den Angriffsmodus über und machte sich bereit, den Angriff auf uns zu eröffnen, Sir!“
„Wir bekommen innerhalb der letzten Minute erschreckende Nachrichten aus verschiedenen Sektoren, die allesamt ähnliches berichten, Paxton. Anscheinend stellt sich die kworrhonianische Streitmacht gegen die unsere!“
Paxton Harris: „Was zum Teufel geht da vor sich? – Wir sind doch Verbündete!“
„Es scheint so, als hätten die Kworrhonians unseren Bündnisvertrag soeben beendet!“
Paxton: „Wie sind die Anweisungen des Hauptquartiers?“

Sie treffen sich im Sektor 213 mit einer Flotte aus Abwehrkräften, die wir noch aus dem Krieg übrig behalten haben!“
Paxton: „Es ist kaum zu glauben, dass es soweit kommt, wo der Krieg doch vorbei ist... Schrecklich!“
„Wir werden dann sehen, was das Ganze bedeutet – aber wir können es uns nicht leisten, nicht darauf zu reagieren, und zwar mit allen Verteidigungsmaßnahmen, die uns zur Verfügung stehen!“
Paxton: „Selbstverständlich haben Sie Recht – jedoch wünschte ich mir, nach dem Ende des Krieges käme kein neues Gefecht auf uns zu...“
„Hatten Sie bis zu dem Angriff Rückmeldung durch Lieutenant Commander N´Evac oder Captain Thomas bekommen, Paxton?“
Paxton: „Negativ: wir wissen überhaupt nicht, was in der Vergangenheit vor sich geht.“
„Könnte dieser Angriff in direktem Zusammenhang damit stehen?“
Paxton: „Auch das weiß ich nicht, aber ich vermute, es gibt dort irgendeinen Zusammenhang – immerhin ist der Start der Mission von Starbase Rha´Acul aus vorgenommen worden, und Captain Ja´Vhoc ist Lieutenant Commander N´Evacs vorgesetzter Offizier.“
„Wir werden versuchen, auf diplomatischem Kanälen schnellstmöglich eine Antwort zu bekommen!“
Paxton: „Hoffen wir, dass diese überhaupt noch intakt sind!“
„Wenn nicht, dann können wir dies endgültig als eine Kriegserklärung der Kworrhonians werten...“

Captain Dalton und Admiral Harris wechseln einen finsteren Blick miteinander – beide hoffen, dass es nicht so weit kommen wird...

 

  • 4 –

  •  

Das Zucken grüner, hochenergetischer Blitze erhellt die Brücke der Phoenix mit gleißendem Licht, bis sich die Glaskuppel nach draußen angemessen abgedunkelt hat.

Lieutenant Mitchell: „Lichtfilter aktiviert, Captain.“

Christopher Thomas atmet durch und lässt seinen Blick einmal über die Brückencrew schweifen: zu seiner Erleichterung sind alle unversehrt und atmen ebenfalls erleichtert durch.

Christopher: „Danke, Lieutenant. Statusbericht, Lieutenant Commander?“

Commander Reagan liest aus den Anzeigen der taktischen Station: „Offensichtlich sind wir nur Sekundenbruchteile, bevor der Beschuss durch die S´Epazit uns getroffen hätte, in den Hyperspace eingetreten.“

Commander Stratter: „Wie ist das möglich?“

Lieutenant Nakamura meldet sich zu Wort: „Captain, Commander, bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie nicht zuerst um Ihre Einwilligung gefragt habe, aber ich bin hierfür verantwortlich.“

Christopher und Kathryn blicken einander kurz erstaunt an, ebenso Mitchell und Reagan.

Christopher: „Erklären Sie das bitte, Lieutenant!“

Nakamura fährt fort: „Ich hatte während Ihres Gesprächs mit Colonel N´Evac die zuvor begonnene Auswertung der Daten unserer Zeitreise weiterführen können. Bis zum Moment des Beschusses hatte ich genug verstanden, um uns gewissermaßen in einer Hyperspace-Vakuole einzuschließen.“

Christopher und Kathryn runzeln beinahe synchron ihre Stirn.

Nakamura: „Vereinfacht ausgedrückt, hat der Austritt der Darwin aus dem Hyperspace eine leichte Turbulenz in der Raumzeit bewirkt, und durch eine kleine Modifikation unseres Antriebs mit dem Rest der Zusatzaggregate des Timecore habe ich erreicht, dass wir in den Hyperspace gezogen werden – wie ein Boot neben einem großen, gerade untergegangenen Schiff auf dem Meer. Dazu erforderte es lediglich noch eines kleinen Energie-Inputs, den uns...“

Christopher fährt fort: „... der Beschuss durch die S´Epazit geliefert hat!“

Nakamura, strahlend: „Aye, Captain.“

Christopher: „Erstklassige Arbeit, Lieutenant Nakamura – einfach genial!“

Nakamura freut sich sichtlich, indem sie wiederholt: „Ich bitte, wie gesagt, um Entschuldigung, Ihre Erlaubnis nicht zuvor eingeholt zu haben.“

Kathryn und Christopher lächeln.

Christopher: „Betrachten Sie sie im Nachhinein als gegeben.“

Nakamura lächelt: „Danke, Sir.“

Kathryn: „Unser Glück, dass Sie die Initiative ergriffen haben, Lieutenant.“

Mitchell und Reagan nicken zustimmend und ebenfalls lächelnd.

Nakamura: „Allerdings werden wir schätzungsweise nur noch ein bis zwei Minuten in dieser Vakuole stabilisiert bleiben.“

Kathryn setzt die Analogie fort: „Wir werden wieder an die Wasseroberfläche getrieben.“

Nakamura nickt: „Die Turbulenzen ebben exponentiell schnell ab, sodass wir wieder in die normale Raumzeit befördert werden.“

Reagan: „Wo werden wir dann sein?“

Nakamura: „Theoretisch könnten wir irgendwo und irgendwann wieder aus dem Hyperspace austreten...“

Mitchell denkt weiter: „... zumal sich die Raumzeit nach dem Austritt der Darwin aus dem Hyperspace noch im Fluss befunden hat.“

Nakamura nickt: „Genau.“

Kathryn: „Das heißt, unter Umständen haben wir gleich beim Austritt ein neues Problem.“

Christopher: „Gerade, muss ich einräumen, ist mir jeder Ort und Zeitpunkt lieber als der, an dem wir uns eben noch befunden haben!“

Reagan: „Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu, Captain!“

Ein leichter Ruck erfasst die Phoenix: alle klammern sich instinktiv an ihren Sitzen beziehungsweise Konsolen fest. Auf Kathrin Stratters und Christopher Thomas´ Blicke hin bestätigt Nakamura: „Das dürfte die Ankündigung des Wiederaustrittes sein.“

 

Wie aus dem Nichts taucht die Phoenix inmitten sich auflösender grüner, hochenergetisch zuckender Wirbel vor dem Hintergrund des sternenübersäten Weltraums auf.

 

Lieutenant Mitchell bestätigt: „Wir befinden uns wieder im normalen Weltraum.“

Lieutenant Commander Reagan gibt sofort den Sicherheitsstatus durch:

Der Umgebungsscan zeigt keine anderen Raumschiffe – aber wir befinden uns nach wie vor im terrestrischen Solarsystem.“

Commander Stratter kann durch die Glaskuppel die Erde erblicken: „Ich sehe es.“

Captain Thomas: „Die Frage ist nur: wann?!“

Lieutenant Nakamura: „Die Atmosphären-Scans der Erde zeigen, dass wir uns in einer Zeit noch vor den Fusionskriegen befinden müssen. Die Aktivität radioaktiver Partikel auf der anderen Seite legt nahe, dass wir uns nicht allzu weit vor den Kriegen befinden. Ich tippe auf das späte 21. Jahrhundert.“

Captain Thomas, einer Intuition folgend: „Bringen Sie uns in einen Orbit, der uns über den südamerikanischen Kontinent führt, Lieutenant.“

Mitchell: „Aye, Captain.“

Stratter: „Ist unser Störfeld nach wie vor aktiv, Commander?“

Reagan: „Positiv, Commander.“

 

Vor dem Hintergrund des Sternenhimmels schwenkt die Phoenix in einen Orbit um den Blauen Planeten ein, während im Hintergrund in imposanter Großansicht der irdische Mond passiert wird. Tief unter der Phoenix rotieren die Kontinente und Ozeane vorbei.

 

Lieutenant Mitchell dreht sich fragend zu Captain Thomas: „Darf ich fragen, wieso wir ausgerechnet den südamerikanischen Kontinent ansteuern, Captain?“

Christopher Thomas steht auf, sodass er zu allen auf der Brücke Blickkontakt hat: „Im 21. Jahrhundert waren die internationalen politischen Auseinandersetzungen so sehr auf die damaligen Großmächte konzentriert und darauf, dass niemand von ihnen einen dritten Weltkrieg anfängt, dass ironischerweise niemand mitbekam, wie ursprüngliche Drogenkartelle und illegale Waffenhändler im Zuge ihrer internen Fehden die ersten waren, die Fusionswaffen einsetzten.“

Commander Reagan fährt fort: „Was den ersten Stein auf dem Wege zu den weltweiten Fusionskriegen Jahrzehnte später ins Rollen brachte.“

Thomas nickt: „Unter den Kartellen hatte nach den ersten Jahren Colonel Alejandro Gomez, ein ursprünglicher Revolutionär, die Vorherrschaft errungen.“

Commander Reagan erinnert sich an ihren Geschichtskurs auf der Akademie: „Er hatte mit seinen ihm treu untergebenen Truppen eine ursprüngliche Rebellenfestung als neuen Regierungssitz eingenommen.“

Lieutenant Nakamura: „Und wenn ich mich nicht irre, lässt sich die Architektur in unserer Datenbank finden. Habe ich Ihre Erlaubnis, den südamerikanischen Kontinent danach zu scannen, Captain?“

Captain Thomas grinst: „Auf alle Fälle haben Sie die, Lieutenant!“

Nakamura betätigt die Kontrollen der Wissenschaftsstation und gibt die notwendigen Anweisungen ein. Dann läuft die Computersuche in den Datenbänken, die schnell ein Ergebnis liefert. Christopher Thomas und Kathryn Stratter sind inzwischen zu Nakamura an die Wissenschaftsstation getreten, wo jetzt die ursprüngliche Rebellenfestung auf dem Bildschirm angezeigt wird: eine ehemalige Burgruine in den Bergen.

Nakamura kommentiert: „Position: Die Anden im Westen Kolumbiens, genauer: die zentrale Kordillere.“

Thomas: „Können Sie Hinweise auf Fusionswaffen orten?“

Nakamura wechselt einen Blick mit Reagan, sodass beide einen gemeinsamen Scan von sowohl der Wissenschaftsstation als auch der taktischen Station aus durchführen können.

Nakamura liest kurze Zeit später das Scanergebnis vor: „In der Tat gibt es dort Anzeichen auf Neutronenaktivität – allerdings zu gering, um wirklich auf stattfindende Fusionen hinzudeuten.“

Reagan: „Es sieht eher aus, als ob es sich um Rückstände handelt – vielleicht eines kürzlich stattgefundenen Beschusses mit Fusionswaffen?“

Nakamura: „Das könnte passen.“

Thomas: „Dann werden wir mit einem Außenteam möglichst unbemerkt in die Festung vorstoßen und ein paar der Fusionswaffen mitnehmen.“

Stratter: „Um eine effektive Waffe gegen die S´Epazit in der Hand zu haben?“

Thomas erwidert Stratter einen draufgängerischen Blick, indem er seine nächste Frage an Nakamura richtet: „Lieutenant, denken Sie, dass Sie imstande sind, uns auch wieder zurück zu schicken, und zwar kurz bevor die Darwin von der S´Epazit zerstört werden wird?“

Stratter hebt erstaunt ihre Augenbrauen, und auch Reagan und Mitchell blicken mit großen Augen zu Thomas und Nakamura an der Wissenschaftsstation.

Nakamura: „Oh, das wird eine wirkliche Herausforderung, Captain. Aber mir persönlich wäre auch sehr daran gelegen, wieder nach Hause zurückzukehren.“

Nakamura lächelt.

Thomas wendet seinen Blick wieder zurück zu Stratter: „Fusionswaffen werden in unserer Zeit nicht mehr eingesetzt, und ich denke, damit hätten wir eine reelle Chance gegen die Waffensysteme der S´Epazit.“

Stratter: „Die Chance besteht. Ein Angriff mit Fusionswaffen auf die S´Epazit käme auf jeden Fall unerwartet und ist mit Sicherheit keine Routine für deren Verteidigungssysteme.“

Thomas blickt Reagan an, immer noch mit dem etwas draufgängerischen Blick.

Reagan: „Ich könnte das irgendwie hinbekommen, die Fusionswaffen in unsere Waffensysteme zu integrieren.“

Dann schwenkt Thomas seinen Blick zu Mitchell.

Dieser nickt selbstbewusst: „Ich kann uns ein angemessenes Angriffsmanöver auf die S´Epazit programmieren, Captain.“

Thomas, sichtlich zufriedenen Blickes: „Sehr gut.“

Stratter: „Allerdings wäre da noch ein Punkt, auf den ich als erster Offizier hinweisen muss, Captain.“

Thomas, nachforschend: „Dass wir Waffen vorsätzlich entwenden, um sie in unserem Kampf einzusetzen?“

Stratter nickt: „Und das noch aus einer anderen Zeit, wobei wir auch eine Konfrontation des Außenteams mit Colonel Gomez´ Truppen nicht ausschließen können.“

Nakamura, Mitchell und Reagan blicken schweigend zu Captain Thomas.

Thomas nickt wissend: „Es ist nicht gerade diskret, allerdings sehe ich hier eine Chance – die möglicherweise einzige –, uns alle und vielleicht sogar zusätzlich die Crew der Darwin zu retten und die Föderation vor N´Evacs Absichten zu warnen.“

Stratter nickt einsichtig: „Ich verstehe, Captain. Ich musste nur darauf hinweisen.“

Thomas: „Und das ist auch richtig: ich werde selbst einen ausführlichen Kommentar dazu im Logbuch vermerken.“

Reagan: „Ich bezweifele außerdem, dass N´Evacs Verbündete in unserer Zeit untätig bleiben werden. Wer weiß, was dort geschieht, wenn unsere vermeintliche Vernichtung bestätigt wird.“

Stratter erwidert jetzt Thomas´ draufgängerischen Blick: „Extreme Zeiten, Sir...“

Thomas antwortet im gleichen Tonfall: „... extreme Maßnahmen, Commander!“

Thomas wendet sich an Reagan: „Bereiten Sie einen Sicherheitstrupp von nicht mehr als zehn Offizieren insgesamt vor, um in Gomez´ Festung einzubrechen und die benötigten Fusionswaffen zu entwenden, Commander!“

Reagan: „Aye, Sir.“

Thomas: „Wann geht die Sonne über der Zielregion unter?“

Mitchell: „In dreieinhalb Stunden, Captain.“

Thomas nickt: „Dann haben Sie dreieinhalb Stunden, Ihren Trupp einsatzbereit zu machen, Commander.“

Reagan: „Aye, Sir – bin bereits dabei!“

Reagan verlässt die Brücke über die Tür zum Lift.

Thomas: „Lieutenant Nakamura, Sie sollten den Trupp als wissenschaftliche Beraterin zu Sicherheitszwecken begleiten – falls Sie bis dahin mit Ihren Berechnungen, unsere Zeitreise betreffend, fertig sind, oder einen Ersatz vorschlagen.“

Nakamura: „Aye, Sir.“

 

  • 5 –

  •  

In der Waffenkammer instruiert Lieutenant Commander Reagan ihr neu zusammengestelltes Außenteam:

Falls wir einem bewaffneten Trupp Colonel Gomez´ begegnen, werden seine Leute nicht zögern, auf uns zu schießen. Daher werden wir ebenfalls bewaffnet auf den Außeneinsatz gehen, wenn auch eine Konfrontation nach Möglichkeit vermieden werden soll. Da wir zugleich nicht riskieren dürfen, dass Technologie aus unserer Zeit in die Vergangenheit gerät, verwenden wir die Electric Pulse Pistols, die wir auf höchstes Betäubungsniveau kalibrieren.“

Reagan lässt die futuristisch aussehenden Pistolen austeilen, die wie eine deutlich kleinere Version der Gewehre aus dem letzten Außeneinsatz aussehen.

Reagan: „Darüber hinaus werden wir nur diese Kurzstrecken-Scanner mit uns tragen, ebenfalls um nicht unnötig Technologie aus unserer Zeit mit auf die Außemnission zu nehmen. – Gibt es noch Fragen?“

 

Auf der Brücke ist Lieutenant Nakamura eifrig in die Auswertungen und Berechnungen bezüglich des Zeitsprunges durch den Hyperspace vertieft, während Kathryn Stratter Christopher Thomas gerade fest anblickt.

Stratter: „Sie wissen, Captain, dass ich als Ihr erster Offizier Ihnen davon abraten muss, das Außenteam selbst anzuführen – aus Bedenken um Ihre Sicherheit, Sir!“

Thomas, eindringlich: „Bei der letzten Außenmission haben wir einige Offiziere verloren, Commander. Die anstehende Außenmission bringt das Landeteam definitiv in eine Gefahrensituation. Als befehlshabender Offizier möchte ich bei meinen Offizieren sein, um die volle Verantwortung zu tragen.“

Stratter erkennt erneut die schmerzhaften Erinnerungen an den Krieg in Thomas´ Blick, in dessen Verlauf er – wie jeder andere kommandierende Offizier – oft genug Truppen in den Kampf geschickt und nicht immer wieder zurückkehren gesehen hat.

Stratter nickt Thomas einsichtig zu: „Ich verstehe Sie, Captain. Aber offiziell muss ich Sie dennoch darauf hinweisen, dass dies nicht unbedingt Ihre beste Entscheidung als Captain ist.“

Thomas nickt, ebenfalls verstehend: „Danke für Ihr Verständnis, Commander.“

 

  • 6 –

  •  

Von der Phoenix aus senkt sich ein Shuttle im Landeanflug auf den südamerikanischen Kontinent hinab. Das Shuttle senkt sich vor dem Hintergrund der hinter dem großen Erdball versinkenden Sonne in die Nacht hinab und setzt am Fuße der Anhöhe, auf der sich die ehemalige Rebellenfestung befindet, zur Landung an.
Reagan: „Noch näher ran zu gehen, wird zu riskant.“
Thomas nicht: „Das stimmt.“
Reagan: „Weil wir so wenig unserer Technologie wie möglich mitnehmen sollten, müssen wir auch auf technische Hilfe verzichten, dort ´rauf zu kommen.“
Thomas grinst ansatzweise: „Dann reaktivieren wir unser Training von der Akademie! Allerdings nehme ich noch die Aufzeichnungen über unsere finale Direktive mit mir...“

Thomas steckt sich mit einem verschwörerischen Grinsen ein kleines Daten-Tablet ein.
Reagan grinst ebenfalls: „Achtung, Einsatztrupp! Wir haben zehn Minuten, um zu der Festung dort oben zu gelangen. Vermeiden Sie Kontakt zu den Einheimischen und stellen Sie Ihre EPP auf höchste Betäubungsstufe. Beim Zusammentreffen mit Wachposten betäuben Sie diese. Rechnen Sie damit, dass die Wachen sofort das Feuer eröffnen - und zwar nicht mit Betäubungsgeschossen!“

Reagan wechselt noch einen bestätigenden Blick mit Thomas, dann wird die große Ausstiegsrampe im hinteren Teil des Shuttles geöffnet, und der Truppe stürmt querfeldein durch den Wald und die Felsen den Berg zu Colonel Gomez' Festung hinauf, die an eine alte Burgruine erinnert.

Nach knapp zehn Minuten hat der Trupp nach einem beachtlichen Tempolauf den Berg hoch Colonel Gomez´ Festung erreicht, und die Offiziere verteilen sich lautlos, um einen Eingang zu finden. Auf der Rückseite werden sie fündig: zwei Wachen stehen neben einem verschlossenen, stabilen Holztor, von dem eine unbefestigte, aber befahrbare Straße durch den Wald bergab führt. Einer der bewaffneten Posten betätigt gerade sein Funkgerät: „Der Colonel kommt zurück.“
Christopher bemerkt beim Blick nach hinten, dass ein beleuchtetes Fahrzeug, dessen Scheinwerfer in der Dunkelheit gut erkennbar sind, den Berg herauf fährt, vermutlich auf genau dieser Straße. Im nächsten Moment öffnet sich das große Holztor, und ein Wachtrupp für Colonel Gomez´ Ankunft kommt heraus. Nachdem der Trupp die Festung verlassen hat, nutzen Thomas und Reagan die sich bietende Chance und setzen auf kurzen Blickkontakt hin die beiden Wachposten mit kurz aufleuchten Schockimpulsen vorübergehend außer Gefecht. Sogleich weist ihnen Nakamura mithilfe ihrer Scanauswertungen die Richtung, indem Thomas ihr mit dem übrigen Trupp folgt und Reagan per Handzeichen veranlasst, die beiden bewusstlosen Wachen in den Büschen zu verstecken.
Reagan: „Hoffentlich sind Sie wieder raus, bevor ihr Fehlen auffällt.“
Thomas, optimistisch grinsend: „Wir sind schnell.“
Während der Trupp weiter in die Festung vorstößt und Nakamura ihnen die Richtung mit den Auswertungen des auf Fusionsrückstände kalibrierten Scanners weist, trifft Colonel Gomez in einem Jeep, begleitet von drei weiteren bewaffneten Soldaten, unweit der Festung ein. Unter dem sternenklaren Nachthimmel nehmen die Wachposten Colonel Gomez in Empfang: „Willkommen zurück, Colonel.“

Gomez sieht sich mit strengem Blick einmal prüfend um: „Danke. Im Moment erscheint alles ruhig. Es besteht noch kein Anlass, weitere Truppen zu mobilisieren.“

Gomez winkt den Bewaffneten zu, ihn in seine Festung zu eskortieren.

Aus dem Gebüsch, wo sie die Wachposten versteckt haben, haben Reagan und einer der Sicherheitsoffiziere die Ankunft des Colonels beobachtet: besorgt blicken jetzt beide einander an.

 

Nakamura führt den Landetrupp einen dunklen Gang mit Steinwänden entlang, indem Thomas ihr Deckung gibt. Nach einer Biegung führt eine Felsentreppe in die Gewölbe der ehemaligen Burg hinunter.

Nakamura: „Aus dem Gewölbe der Burg zeigt der Scan die stärksten Fusionsspuren – allerdings erscheinen diese etwas diffus, was aber vermutlich an den massiven Steinmauern liegen wird.“

Thomas nickt dem restlichen Trupp zu:

Ok, dann schnell nach unten – suchen, finden, mitnehmen!“

Nakamura grinst kurz: „Präzise Vorgehens-Instruktion, Captain.“

Thomas grinst ebenfalls kurz: „Und danach nichts wie raus hier!“

Sie eilen die Felsentreppe nach unten, indem Nakamuras Scanner und die Zielerfassungslichter an ihren EPP den Offizieren den Weg durch das dunkle Gewölbe weisen.

Colonel Gomez und sein Begleittrupp erreichen das Haupttor: als die beiden Wachposten nicht mehr ausgemacht werden können, befiehlt Gomez sofort, Alarm zu schlagen!

Im Gebüsch fasst Reagan reaktionsschnell einen Entschluss:

Verdammt – so sollte das genau nicht laufen!“
Reagan und der Sicherheitsoffizier setzen die inzwischen vier Wachposten am Haupttor mit Betäubungsschüssen aus dem Gebüsch außer Gefecht und hasten sofort hinterher in die Burg.

 

Nakamura hat den Trupp durch das Burggewölbe in eine offenkundige Lagerstätte geführt, die jedoch völlig leer geräumt ist.
Thomas, stutzig: „Hier ist etwas schief gelaufen, Lieutenant.“
Nakamura überprüft nochmals ihre Scananzeigen: „Ja, Sir. Jetzt verstehe ich auch den Grund für die diffuse Signatur. Offenbar waren hier bis vor kurzem noch Fusionswaffen gelagert. Aber die von uns registrierten Anzeigen stammen nur von einer Restsignatur in den Wänden.“
Thomas liest von seinem Umgebungsscanner ab:

Ein Trupp nähert sich uns über die große Treppe.“

Mit einem Ungutes ahnenden Gesichtsausdruck fragt Thomas Nakamura:

Zweiter Ausgang, Lieutenant?“
Nakamura blickt Kopf schüttelnd vom Scanner auf: „Negativ, Sir - tut mir leid.“

Colonel Gomez stürmt mit einem Trupp Bewaffneter die Lagerstätte: in Anbetracht der auf sie zielenden, schussbereiten Läufe ergeben sich Thomas und der Trupp. Colonel Gomez lässt sie als erstes wieder nach oben führen, wo sie sich auf einem von kleinen Felsmauern umschlossenen Balkon nebeneinander aufstellen müssen.

Gomez baut sich bedrohlich vor dem Trupp auf: „Ihnen sollte bewusst sein, dass der Einbruch in mein Hauptquartier einen kriegerischen Akt bedeutet. Auch wenn mir nicht klar ist, wie Sie es geschafft haben, so schnell so weit zu kommen, bedeutet das Ihre Hinrichtung!“

Gomez nickt seinem Trupp zu, bevor er zur Frage ansetzt: „Wer ist Ihr Anführer?“

Alle Offiziere schweigen, aber Christopher hält sich bereit, sich zu erkennen zu geben – wenn auch wahrscheinlich nur, um als erster exekutiert zu werden.

Gomez: „Na gut, erschießen Sie einen!“

Sofort reagiert Thomas: „Ich.“

Gomez winkt dem Schützen zu einzuhalten und tritt jetzt genau vor Christopher:

Sehr gut, Sie haben Charakter – und sich die Loyalität Ihrer Offiziere verdient. Erklären Sie mir, weshalb Sie hier sind – welche Fraktion Sie schickt!“

Als Christopher schweigt, schlägt ihm Colonel Gomez kurzerhand mit seinem Gewehrlauf mitten ins Gesicht, sodass Christopher halb zu Boden stürzt. Nakamura blickt besorgt, und auch die übrigen Offiziere warten nur auf einen Befehl um einzugreifen – auch wenn sie dann sofort erschossen würden.

Christopher stellt sich wieder gerade hin und zeigt einen unnachgiebigen Blick, indem ihm etwas Blut aus dem Mund läuft.

Gomez steht direkt vor Christopher und blickt ihm fest in die Augen:

Noch einmal: wer sind Sie und wer schickt Sie?“

Da Christopher immer noch beharrlich schweigt, schlägt ihn Gomez ein zweites Mal mit dem Gewehrlauf gegen den Kopf und streckt ihn dieses Mal komplett zu Boden. Nakamura kann sich kaum noch halten und will eingreifen. Wieder steht Christopher auf und stellt sich unnachgiebig vor Colonel Gomez hin.

Gomez nickt: „In Ordnung, wenn das so ist.“

Er winkt einem der Schützen zu und weist auf Nakamura: „Erschießen Sie sie!“

Thomas antwortet sofort: „Captain Christopher Thomas, Kommandant der F.S.S. Phoenix. Wir kommen aus dem 23. Jahrhundert mit der Mission, ein feindliches Schiff, das die Erde vernichtet hat beziehungsweise vernichten wird, mithilfe Ihrer Fusionswaffen auszuschalten, da diese als einzige gegen die uns überlegene Technologie wirksam sind.“

Colonel Gomez wartet einen Moment, bis er laut und absurd zu lachen beginnt:

Wie um alles in der Welt kann man sich so einen Blödsinn ausdenken?!“

Gomez blickt dem unnachgiebig bleibenden Thomas ein weiteres Mal fest in die Augen.

Gomez: „Na schön, Captain Thomas aus der Zukunft, dann sind Ihre Informationen aber nicht ganz korrekt, da mittlerweile weltweit über einen Einsatz von Fusionswaffen debattiert wird und die Konstruktion jetzt von den Regierungen überwacht wird.“

Gomez weist auf die Burgmauern hinter sich:

Hier gibt es schon seit einem Jahr keine Fusionswaffen mehr in unserem Gebrauch.“

Thomas und Nakamura wechseln einen kurzen Blick miteinander, da ihnen soeben ein Licht aufgegangen ist.

Gomez wird wieder ernst: „Ich schlage vor, Sie sagen mir jetzt die Wahrheit, Captain, wie und wozu Sie in mein Hauptquartier eingebrochen sind – oder ich lasse Sie einfach hinrichten, ohne jemals erfahren zu haben, was Sie hier gewollt haben!“

Thomas weist Gomez auf das Tablet, das die Bewaffneten ihm abgenommen haben.

Thomas: „Darin können Sie unsere Instruktionen und Missionsparameter selbst nachlesen, wenn Sie mir nicht glauben.“

Mit einem misstrauischen, aber zugleich neugierigen Blick lässt sich Gomez das Tablet her reichen.

Auf Gomez´ fragenden Blick hin erklärt Thomas: „Sie können es einfach durch Berührung mit dem Daumen aktivieren – und dann lesen Sie selbst!“

Gesagt, getan: Gomez liest alle Instruktionen durch, die er auf dem Tablet schnell durchscrollt. Als er fertig ist, hält er einen Moment lang inne, dann blickt er Thomas wieder genau in die Augen: „So, jetzt reicht´s mir – Sie hatten Ihre Chance!“

Gerade will er den Schützen den Schussbefehl zur Hinrichtung mit einem Wink erteilen, da unterbricht ihn Thomas: „Sie haben vergessen, die finale Direktive zu lesen, Colonel – ganz unten durch erneuten Daumendruck abrufbar.“

Mit einer unwilligen Grimasse kann Gomez seiner Neugier trotzdem nicht widerstehen und berührt die farbige Fläche am unteren Bildschirmrand des Tablets mit seinem Daumen: sogleich zucken elektrische Blitze aus dem Tablet und durchfahren Gomez´ Körper. Gleichzeitig stürmen Reagan und der Sicherheitsoffizier bei ihr auf den Balkon: die abgelenkten Schützen schießen daneben und werden von den Offizieren der Phoenix reaktionsschnell überwältigt und vorerst außer Gefecht gesetzt.

Thomas: „Gute Arbeit, sehr gutes Timing! Und jetzt auf dem schnellsten Wege wieder weg von hier!“

Thomas weist auf die halbhohe Mauer, die den Balkon umrandet, und alle stützen sich auf ihr ab, um die wenigen Meter nach unten auf den Waldboden zu springen und im Tempolauf zurück zum Shuttle zu gelangen.

Gomez kommt wieder zu sich und realisiert umgehend, was geschehen ist: er stützt sich ebenfalls auf der Mauer ab und springt hinterher, um die Verfolgung von Thomas´ Trupp aufzunehmen. Indem Christopher mit seinem Außentrupp den Waldhang wieder hinab rennt, springt Colonel Gomez in vollem Lauf von weiter oben auf Christopher, sodass beide, sich überschlagend, ein paar Meter den Hang hinunterstürzen, bevor sie an einer noch steileren Stelle in den freien Fall stürzen. Beide werden aber von ein paar Baumzweigen, in denen sie sich festklammern können, aufgefangen. Sich in den Ästen festhaltend, zieht Gomez seine Pistole mit der freien Hand, doch Christopher lässt sich, an einem Ast festhaltend, mit voller Wucht gegen Gomez schwingen und tritt diesem somit die Pistole aus der Hand. Sich nach wie vor in den Ästen festklammernd, beginnt eine handfeste Auseinandersetzung zwischen den beiden, indem sie entweder mit der jeweils freien Faust dem anderen einen Schlag verpassen oder zu Tritten ausholen.

Gomez schnaubt Christopher wütend an, indem er den nächsten Tritt landet: „So einen Blödsinn habe ich noch nie gehört. Und trotzdem hätten Sie mich fast ausgetrickst.“

Christopher pariert den nächsten Schlag Gomez´ und tritt zurück – doch Gomez schwingt sich reaktionsschnell am Ast zu Seite.

Gomez: „Aber mit dem Einbruch in mein Hauptquartier und dem Angriff auf mich lasse ich Sie nicht davonkommen!“

Diesmal schwingt sich Christopher reaktionsschnell zur Seite, um erfolgreich auszuweichen: „Wollen Sie nicht für einen Moment in Erwägung ziehen, dass ich die Wahrheit gesagt habe und Sie uns helfen könnten, diesen ganzen Planeten und seine Zukunft zu bewahren, Colonel?“

Gomez holt zu einem neuen Tritt aus:

Wenn Sie mich fragen, sieht die Zukunft zurzeit sowieso nicht so vielversprechend aus – aber, nein: ich glaube Ihnen nicht für eine Sekunde!“

Gomez schwingt sich mit voller Wucht zu Christopher, der jetzt einfach zu einem anderen Zweig hinüber schwingt, an dem er sich noch soeben festklammern kann. Gomez schwingt ins Leere und kann sich diesmal nicht mehr abfangen, weil überhaupt kein Widerstand mehr vorhanden ist. Der elastische Zweig, an dem Christopher sich festgehalten hat, lässt diesen mit einiger Geschwindigkeit zurück schwingen. Christopher ruft laut Gomez zu: „Das ist wirklich zu schade, Colonel, und tut mir überaus leid.“

Da schwingt Christopher mit voller Wucht zurück gegen Gomez, der sowieso ohne Halt und unkontrolliert durch die Zweige pendelt, und verpasst diesem noch einen kräftigen Schlag mit seinem rechten Ellenbogen genau ins Gesicht: mit einem wütenden Schrei reißt Gomez´ Halt von dem Ast ab, und Gomez fällt nach unten, wo er von einem Ast zum nächsten wie im Zickzack hin und her katapultiert wird, bis er irgendwo auf den Waldboden fällt und noch einige Meter den Hang hinunterstürzt: bewusstlos bleibt er liegen.

  • 7 –

  •  

Im 23. Jahrhundert drehen gerade drei Raumschiffe der Föderation scharf bei und gehen auf einen offensichtlichen Fluchtkurs, als schon eine Armada von Kworrhonian Starships hinter ihnen auftaucht und das geballte Kreuzfeuer eröffnet.

 

In der Einsatzzentrale von Starbase Rha´Acul informiert der taktische Offizier Captian Ja´Vhoc: „Unser Schlag gegen die Föderation wird in mehreren Sektoren gleichzeitig ausgeführt, Captain. Die Schiffe der Föderation ziehen sich zurück.“

Ja´Vhoc kann sich ein böses Grinsen nicht verkneifen:

Sehr gut, alles verläuft nach Plan. Gemäß den strategischen Überlegungen der Internal Kworhonian Security werden sich die Schiffe zum terrestrischen Sonnensystem zurückziehen, um von dort aus ein koordiniertes Defensiv-Manöver zu initiieren.“

Der taktische Offizier ergänzt: „Wir erhalten ebenfalls Nachricht, dass die Föderation auch versucht, über unsere diplomatischen Kanäle Kontakt aufzunehmen.“

Ja´Vhoc lacht jetzt höhnisch: „Selbstverständlich versuchen sie das.“

In Außenansicht wirkt die in den Kampfmodus versetze Starbase Rha´Acul inzwischen bedrohlich und unheilvoll.

 

  • 8 –

  •  

Von den terrestrischen Satelliten unentdeckt, kreist die Phoenix in einem hohen Erdorbit.

Captain Thomas hat direkt nach der Rückkehr des Shuttles an Bord eine Konferenz der Brückenoffiziere einberufen.

Thomas: „Laut Gomez sind alle Fusionswaffen bereits von den Regierungen beschlagnahmt worden, was bedeutet, dass sich der globale Fusionskrieg jetzt in der Vorphase befindet.“

Reagan: „Demnach werden die Fusionswaffen jetzt in vom Militär der verschiedenen Länder bewachten Depots oder Entwicklungslabors gelagert und weiterentwickelt.“

Nakamura: „Ich habe auf die Schnelle ein paar Standorte solcher Entwicklungskomplexe aus der Datenbank recherchieren können: ich denke, dieses hier in Grönland ist am wenigsten bewacht.“

Thomas: „Zu abgeschieden und unwirtlich für einen feindlichen Angriff.“

Nakamura nickt.

Reagan sieht sich die Außenaufnahme des Komplexes auf dem Bildschirm an:

Sieht relativ gut für uns aus.“

Nakamura grinst: „Auf jeden Fall besser als Colonel Gomez´ Festung.“

Thomas grinst ebenfalls.

Stratter hat die Daten über die Anlage weiter durchgelesen und stellt überrascht fest:

Oh, und sehen Sie mal, wer die wissenschaftliche Leitung dieses Komplexes innehat.“

Auf dem Bildschirm erscheint jetzt das Dossier eines Wissenschaftlers mit einem Foto daneben.

Thomas: „Doctor Howard.“

Reagan: „Er sieht dem Archäologen Professor Howard einigermaßen ähnlich.“

Nakamura: „Offenbar ein direkter Nachfahre.“

Stratter: „Wie gehen wir bei unserem zweiten Versuch vor, Captain?“

Thomas: „Vielleicht ist ein Wissenschaftler ja weitaus offener für die Wahrheit, als es Colonel Gomez war.“

Stratter liest aus dem Dossier vor: „Doctor Howard hat einen Ruf erhalten, bereits einige innovative Projekte geleitet und gefördert zu haben, die in die Zukunft des Planeten Erde und die Entwicklung neuer, rohstofffreundlicher Energieversorgung investieren. Laut seinem Dossier sei er in besonderem Maße offen für neue Perspektiven und für Umdenken.“

Nakamura lächelt: „Ich denke, bei jemandem wie ihm haben wir weitaus bessere Karten, dass er uns Gehör schenken wird.“

Thomas nickt entschlossen: „Das sehe ich genauso. Wir werden mit einem erneuten Außenteam auf der Erde landen und den Kontakt zu Doctor Howard herstellen.“

Aye, Sir.“

Die Besprechung der Brückenoffiziere wird beendet, indem alle, es Thomas gleichtuend, aufstehen und den Besprechungsraum verlassen.

 

  • 9 –

  •  

Erneut startet ein Shuttle aus dem Hangar der Phoenix und senkt sich auf den imponierend aussehenden Planeten Erde hinab.

Vor dem Hintergrund einer grün schimmernden Aurora Borealis am sternenklaren Nachthimmel setzt das Shuttle in der von Schnee bedeckten, eisigen Landschaft Grönlands zum Landeanflug an. Nach schnellem Gleitflug dicht über die Schneedecke hinweg landet das Shuttle im Windschatten eines Hügels, auf dessen ebenfalls schneebedeckter Oberseite sich der Anblick des angesteuerten Instituts bietet: es hat die Form einer riesigen Kugel auf drei großen Standbeinen. Im gelandeten Shuttle ist durch die große Frontsichtscheibe das Institut in imponierender Größe auf dem Hügel zu sehen.

Reagan: „In allen drei Säulen befinden sich Eingänge.“

Auf dem Bildschirm dreht sie die Ansicht des Instituts und weist jetzt auf dasjenige Standbein, das in der neuen Perspektive vorn liegt.

Hier gibt es offenbar keine Wachposten, aber ich würde auf jeden Fall mit einer Art von elektrischem Überwachungssystem rechnen.“

Nakamura: „Scanner ist auf Fusionsspuren kalibriert.“

Thomas: „Also dann, auf ein Neues – diesmal werden wir Erfolg haben!“

Christophers Motivationszusatz springt sofort auf den Trupp über, der in diesem Moment aufbricht.

 

Das Außenteam läuft den von Schnee bedeckten Hügel hinauf auf das Forschungslabor zu. Kurz bevor die angestrebte Säule in Sichtweite kommt, läuft Christopher etwas langsamer, um Lieutenant Commander Reagan die Führung des Teams zu überlassen. Diese setzt gemäß ihren Scan-Auswertungen direkt mit einem gezielten Impuls die installierten Überwachungskameras außer Gefecht. Ebenfalls den automatischen Türmechanismus kann Reagan unter Mithilfe eines kalibrierten Impulses durch Lieutenant Nakamura deaktivieren, sodass das Außenteam innerhalb von nicht einmal einer halben Minute ungesehen, und ohne offenkundigen Schaden anzurichten, in die Säule eindringen kann. Im leeren Innern findet das Außenteam nach kurzer Absicherung bestätigt, dass sich keine Wachposten in der Nähe befinden; eine Treppe schraubt sich vor ihren Augen durch dieses Standbein nach oben. Sofort eilt der Trupp praktisch geräuschlos die Treppe hinauf.
Tatsächlich findet das Team am oberen Ende der Treppe das Hinweisschild zum Hauptlabor.

Christopher grinst: „Offenbar haben wir tatsächlich den Gästeeingang gefunden.“

Das Außenteam begibt sich in die ausgewiesene Richtung und findet eine abgesicherte Metalltür vor: durch das Bullauge hindurch können sie in das dahinter liegende Labor sehen.

Reagan: „Das ist Doctor Howard.“

Sie sehen, dass der Doktor offenkundig total in seine Forschung vertieft ist.

Lieutenant Nakamura: „Die Tür weist einen anderen Mechanismus auf, der sie verriegelt, aber auch diesen kann ich scannen.“

Reagan: „Wenn Sie soweit sind, klopfen wir gerne an.“

Christopher: „Starten Sie, sowie Sie bereit sind!“
Als die Tür auffliegt, reagiert Dr. Howard sichtlich überrascht und zugleich verwirrt, da er anscheinend sehr in seine Forschung vertieft war. Reagan und Nakamura haben ihre Instrumente sofort wieder eingesteckt, sodass sie nicht den Anschein von Waffen erwecken. Christopher tritt langsamen Schrittes und mit erhobenen offenen Händen auf Dr. Howard zu: „Doctor Howard, kein Grund zur Beunruhigung – wir kommen, weil wir dringend Ihre Hilfe benötigen. Danach verlassen wir Sie wieder, ohne eine Spur zu hinterlassen. Es geht um die Zukunft dieses Planeten.“

Christopher hat seine Worte ruhig, aber eindringlich gesprochen und Dr. Howard dabei mit offenem Blick fest in die Augen gesehen.

Dr. Howard sieht sehr verwirrt aus und antwortet perplex:

Aber wie kann ich Ihnen denn dabei helfen?“

Christopher: „Zunächst ist wichtig, dass Sie uns wirklich Glauben schenken. Wir wissen, dass Sie Innovationen gegenüber sehr offen sind und Ihnen das Fortbestehen des Planeten Erde ehrlich am Herzen liegt.“
Dr. Howard, immer noch ziemlich perplex: „Ja, das ist richtig. Aber Sie bringen es auf den Punkt: warum sollte mich Ihre Geschichte überzeugen?! Sie könnten auch Spione sein, die diese Technologie entwenden wollen.“
Reagan blickt Christopher bestätigend an – ihr Blick sagt: „Auf den Punkt gebracht!“

Christopher blickt Dr. Howard erneut fest in die Augen:

Und wenn ich Ihnen einen Beweis liefere?“

Dr. Howard wirkt mit einem Mal sehr aufgeweckt und nicht mehr so vertieft wie zuvor: „Was für einen Beweis bieten Sie mir an?“
Christopher:

Wir kommen aus der Zukunft und sind mit einem Raumschiff hier gelandet.“

Dr. Howards Augen glänzen.

Christopher: „Wäre Ihnen das Raumschiff Beweis genug?“

Dr. Howard: „Wenn es tatsächlich da draußen irgendwo steht und ich es mit eigenen Augen sehen kann, dann glaube ich Ihnen!“

Christopher wechselt einen Blick mit Nakamura und anschließend den bestätigenden Blick mit Reagan: „Sie werden es mehr als nur sehen, Doctor.“


Die ursprünglichen Fußstapfen des Außenteams vom Shuttle zum Institut sind in der knappen halben Stunde, die verstrichen ist, bereits fast vollständig wieder zugeschneit. Christopher und Reagan führen Dr. Howard zurück zum Shuttle. Mit großer Spannung geht Howard die letzten Schritte zur Schneekuppe, hinter der das Shuttle gelandet ist. Als er dieses sieht, reist er entgeistert die Augen auf.

Christopher: „Sie werden sehen, ich habe Ihnen nicht zu viel versprochen.“

Dr. Howard, immer noch entgeistert: „Ich beginne, Ihnen zu glauben.“

Christopher und Reagan führen den Doktor bis zur Shuttle-Luke und öffnen diese. Wie in einem kurzen Moment der Ehrfurcht zögert Howard, das Shuttle zu betreten, um dann aber mit einem Gefühl aus Erhabenheit und Begeisterung zugleich seinen Fuß an Bord zu setzen. Staunend blickt er sich im Innern um, und schließlich richtet er seinen überwältigten Blick wieder Christopher und Reagan zu: „Sie haben mich überzeugt! Wie kann ich Ihnen helfen, den Fortbestand der Erde zu bewahren?“
 

  • 10 –

  •  

Im Weltraum schwebt eine große Starbase der Föderation. Als die F.S.S. Hawking die am oberen Ende befindliche große Kuppel überfliegt, ist auf der Außenhülle der Starbase zu lesen:

Starbase D-13.

 

Auf der Brücke meldet der Steuermann:

Andock-Vorgang an Schleuse_3 initiiert, Captain.“
Captain Dalton nickt bestätigend: „Verstanden, Lieutenant.“

Dalton dreht seinen Kopf zu Paxton Harris.

Dieser steht von seinem Sitz auf: „Vielen Dank, Captain. Möchten Sie mich zur Besprechung begleiten?“

Captain Dalton steht sofort auf: „Sehr gerne, Admiral.“

Beim Verlassen der Brücke übergibt Dalton das Kommando an seinen ersten Offizier. Harris und Dalton begeben sich zum Aufzug, mit dem sie einige Decks tiefer fahren. Dort begeben sie sich durch den Korridor zur Luftschleuse, die sie an Bord von Starbase D-13 führt.

Im Einsatz-Besprechungsraum unter der großen transparenten Kuppel, über der der Sternenhimmel zu sehen ist und die das oberste Deck von Starbase D-13 markiert, bespricht zwanzig Minuten später ein Stab von Offizieren mit Admiral Harris und Captain Dalton die Lage.

Als Sicherheitschef unterstütze ich Ihre Aktion, Admiral Harris, dass Sie korrekt gehandelt haben – offensichtlich haben die Kworrhonians uns den Krieg erklärt.“

Ein zweiter Sicherheitsoffizier ergänzt: „Wir haben Berichte von ähnlichen plötzlichen Angriffen durch die Kworrhonians aus verschiedenen Sektoren erhalten.“

Harris: „Was sieht der Sicherheitsstab also vor, was wir tun werden, Admiral?“

Wir werden tatsächlich offensiv zurückschlagen, um nicht zu riskieren, dass sich in der Zwischenzeit eine Angriffsflotte gegen die Erde formieren kann, während wir defensiv abwarten!“

Der andere Sicherheitsoffizier ergänzt: „Den taktischen Berichten zufolge stellt die Kworrhonian Starbase Rha´Acul tatsächlich das strategische Zentrum des Anschlages gegen die Föderation dar.

Harris: „Das wundert mich nicht – ich kann selbst bestätigen, dass sich die Starbase in eine stark gepanzerte Waffen-Bastion umgewandelt hat!“
„Deshalb erachten wir es als strategisch sinnvoll, dass Sie eine Formation des Angriffsgeschwaders kommandieren, Paxton.“

Harris: „Das ist logisch.“

Admiral Harris und Captain Dalton wechseln einen immer noch schockierten Blick.

Dalton: „So schnell sind wir wieder zurück im Krieg.“

Harris nickt mit tragischem Blick.
 

  • 11 –

  •  

Unter der Anleitung von Dr. Howard arbeiten Nakamura und ein paar weitere Wissenschaftsoffiziere, die sie anleitet, an der Umsetzung des Plans gegen den bevorstehenden Angriff der S´Epazit unter Colonel N´Evac.

 

Nachdem Nakamura und ihr Team die Fusionstechnologie transportabel machen konnten, hat Reagan an Bord der Phoenix überwacht, wie Fusions-Bordgeschütze in die Waffensysteme integriert werden.

Bei der Verabschiedung bedankt sich Christopher noch einmal bei Dr. Howard.

Dr. Howard: „Ich nehme an, ich darf mit niemandem hierüber sprechen und sollte alles vergessen.“

Christopher, vertrauensvoll: „Wir bitten Sie dringendst darum, die Zeitlinie nicht zu beeinträchtigen, Doctor!“

Doctor Howard nickt verständnisvoll: „Als Wissenschaftler verstehe ich das absolut.“

Christopher lächelt ihn ermutigend an: „Aber behalten Sie bitte unbedingt in Erinnerung, wie lohnenswert es ist, weiterhin die Forschung voranzutreiben – denn die Zukunft der Erde ist eine, für die es sich weiterzuarbeiten und zu leben lohnt, Doctor!“

Dr. Howard strahlt freudig: „Das wird das Einzige sein, das ich auch nach außen verkünden werde. Denn gerade jetzt, wo möglicherweise ein Krieg bevorsteht, ist es überaus wichtig, nicht die Perspektive auf Innovation und friedliches Zusammenleben zu verlieren!“

Das Außenteam geht durch den Schnee zurück zum Shuttle und fliegt zurück an Bord der Phoenix.

 

  • 12 –

  •  

Im Weltraum gleißt eine donnernde Explosion vor dem Hintergrund der Sterne in die Ansicht, aus der ein Teil des Kampfgeschwaders der Föderation gegen die Kworrhonians hervor schießt. Angeführt von Paxton Harris an Bord eines dunklen, schwer gepanzerten und pfeilförmig anmutenden Raumschiffes, kämpft sich das Teilgeschwader den Weg durch eine kworrhonianische Angriffsflotte weiter in Richtung desjenigen Sternensystems, in dem sich Starbase Rha´Acul befindet.

 

  • 13 –

  •  

Nach der Installation der Fusionswaffen macht sich die Crew der Phoenix startbereit für den Rückflug.

Auf der Brücke blickt Captain Thomas zu Nakamura: „Und Sie sind sich sicher, Lieutenant, dass Sie uns wieder zu dem Zeitpunkt zurück fliegen können, an dem der Kampf gegen die S´Epazit begann?“

Nakamura nickt selbstbewusst: „Ich habe die Physik hinter dem Time Core der Kworrhonians mittlerweile weit genug verstanden, um sie treffsicher anwenden zu können, Captain.“

Captain Thomas blickt zu Commander Stratter.

Stratter: „Alle Stationen sind bereit, und die Crew ist kampfbereit, Captain.“

Dann blickt Thomas zu Reagan; diese blickt von der Taktik-Konsole auf:

Kampf-Stationen in Bereitschaft, Captain.“

Der abschließende Blick Thomas´ zu Lieutenant Mitchell lässt diesen sofort antworten:

Ausweich- und Kampfmanöver sind ebenfalls einprogrammiert, Captain.“

Thomas blickt wieder nach vorn auf den großen Hauptschirm unter der gepanzerten Kuppel, der die Frontsicht anzeigt: „In Ordnung, dann lassen Sie uns zurückkehren, um N´Evac die Stirn zu bieten!“

 

  • 14 –

  •  

Colonel N´Evac setzt sich unmittelbar nach der offenkundigen Vernichtung der Phoenix zurück in seinen Sitz auf der dunklen Brücke der S´Epazit und faltet zufrieden die Hände:

Nun haben wir alle Zeit des Universums.“

Captain An´Jhot, der nach wie vor die Kontrollen im Blick behält, sieht aufmerksam geworden auf:

Colonel, wir messen hier eine starke temporale Fluktuation!“

N´Evac: „Möglicherweise noch ein Nachwirken der gerade stattgefundenen temporalen Eruption?“

An´Jhot: „Nein, es scheint eher eine Art Feedback-Schleife zu sein, für die allerdings kein Auslöser detektiert werden kann! – Vielleicht sollten wir die Quelle mit den Waffen anvisieren.“

Selbstsicher antwortet N´Evac ruhig:

Dazu besteht überhaupt kein Anlass: ich sehe keine Gefährdung unserer Sicherheit.“

An´Jhot, skeptisch: „Wie Sie beurteilen, Colonel.“

Plötzlich reißt im Weltraum unmittelbar vor der S´Epazit und genau dort, wo wenige Minuten zuvor die Phoenix vollständig desintegriert worden ist, ein erneuter Vortex auf, der aber begleitet wird von einer optisch rückwärts ablaufenden Explosion, die wie aus einem Vakuum heraus quillt: augenblicklich gewinnt die Phoenix wieder an Form im normalen Raum vor der S´Epazit; gleichzeitig taucht unmittelbar weiter hinten die Darwin erneut aus dem Hyperspace auf, indem für N´Evac, An´Jhot und die übrige Besatzung der S´Epazit die letzten paar Minuten noch einmal zurück laufen – anstatt dass die Phoenix von der S´Epazit vernichtet worden ist, postiert sich die Phoenix jetzt zusammen mit der Darwin genau vor der S´Epazit.

N´Evac, außer sich: „Was geht hier vor?!“

Über Funk ist bereits Nakamuras Stimme zu hören:

Lediglich ein asynchroner, relativistischer Timeloop – allerdings sehr kompliziert zu erklären, Colonel!“

An´Jhot murmelt begreifend vor sich hin:

Sie haben die Umkehrung von cause and effect gegen uns verwendet!“

Thomas, mit triumphierender Stimme:

Und, N´Evac, jetzt haben wir für Sie ein paar Überraschungen parat!“

N´Evac befiehlt: „An´Jhot, nehmen Sie die Phoenix erneut unter Beschuss!“

An´Jhot: „Befehl schon erteilt, Colonel!“

Von der Brücke der Darwin aus funkt Ben Dawson im selben Moment die Phoenix an: „Christopher, was zum Teufel geht hier vor sich – und wo sind wir überhaupt?!“

Auf der Brücke der Phoenix initiiert Mitchell bereits das erste Kampfmanöver.

Christopher antwortet Ben knapp:

Ben, wir werden alles sofort erklären, aber das Kworrhonian Spaceship vor uns stellt eine Bedrohung dar! Bleibt hinter uns und aktiviert eure Waffensysteme!“

Ben ist zwar immer noch sichtlich verwirrt, reagiert aber sofort:

Verstanden, Christopher!“

Die Phoenix beschleunigt für den Bruchteil einer Sekunde genau auf die S´Epazit zu und bremst sofort wieder ab, wodurch der Beschuss die Phoenix verfehlt.

An´Jhot: „Sie hatten sich schon auf das Gefecht eingestellt und das Manöver eingeleitet, bevor wir das Feuer eröffnet haben – wir haben sie verfehlt!“

Reagan: „Waffensysteme aktiviert!“

Thomas: „Feuern, wie geplant! – Manöverfolge initiieren!“

Reagan und Mitchell gleichzeitig: „Aye, Sir.“

Aus nächster Nähe beschießt die Phoenix die S´Epazit mit der vollen Feuerkraft ihrer neu installierten Fusionswaffen und zieht dabei dicht an der S´Epazit vorbei, sodass das gleißende Einschlagen der Fusionsenergie in voller Länge einmal komplett die Backbordseite der S´Epazit entlang reißt.

Während die S´Epazit das Feuer erwidert, beschleunigt die Phoenix ein zweites Mal in ähnlicher Weise, diesmal aber weg von der S´Epazit: die Energiestrahlen der S´Epazit schießen ins leere All hinaus.

Auf der Brücke der Phoenix befiehlt Thomas: „Manöver_2 sofort initiieren!“

Stratter öffnet den Kanal: „An alle Stationen, festhalten – zweites Manöver wird initiiert!“

In Außenansicht überschlägt sich die Phoenix regelrecht bei hohen Beschleunigungswerten, indem sie dann wie nach einem Highspeed-Looping frontal auf die S´Epazit zu schießt und genau in ihr Zentrum die gewaltige Entladung der Fusionswaffeln abfeuert.

Geistesgegenwärtig gibt Ben Dawson – wenn auch immer noch verwirrt – auf der Brücke der Darwin das Kommando: „Koordinieren Sie ein Angriffsmanöver mit der Phoenix – Captain Thomas kann unsere Hilfe gut gebrauchen, wie mir scheint!“

Aye, Sir.“

Augenblicklich feuert die Darwin auf die Waffensysteme der S´Epazit, während deren Waffensysteme dabei sind, die Phoenix bei ihrem Hochgeschwindigkeits-Manöver zu erfassen: sofort wird die S´Epazit aus der entgegengesetzten Richtung von der Darwin unter vollen Energie-Beschuss genommen – die Bordgeschütze der S´Epazit explodieren.
Auf der Brücke der S´Epazit meldet der taktische Offizier:

Sie haben unsere Bordgeschütze zerstört, Sir.“

N´Evac brüllt zornig:

Sie werden es doch wohl schaffen, diese lästige Plage aus dem All zu fegen, Captain?!“

An´Jhot blickt sogleich zum taktischen Offizier:

Machen Sie die Raum-Torpedos scharf, Lieutenant!“

Verstanden, Captain.“

Aus dem augenscheinlichen Unterkiefer eines geöffneten Raubvogelschnabels fährt eine Rampe aus der S´Epazit, die sogleich einen Torpedo in Richtung Darwin abfeuert.

Auf der Brücke der Phoenix blickt Stratter erschrocken zu Reagan: „Commander!“

Auch Thomas ist sofort Stratters Blick gefolgt.

Reagan: „Steuere die Zierfassung manuell.“

Im rasenden Vorbeiflug erfasst Reagan den Torpedo mit den Bordwaffen der Phoenix und nimmt ihn unter Beschuss; zusätzlich hat die Darwin einen Energiestrahl genau dem Torpedo entgegen abgeschossen: unter dem doppelten Beschuss detoniert der Torpedo, bevor er die Darwin erreichen konnte.

Von der Brücke der Darwin aus antwortet Ben Dawson:

Danke für die Unterstützung, Christopher.“

Auf der Brücke der Phoenix grinst Christopher Thomas:

Ihr kamt ja auch sehr gut allein klar, Ben – ich wollte gerade eigentlich euch danken!“

Stratter nickt Reagan zu: „Gute Arbeit, Commander!“

Reagan: „Danke, Commander – allerdings fürchte ich, das war erst der Anfang!“

Thomas und Stratter blicken auf den Hauptschirm, wo ein zweiter, deutlich größerer Torpedo von der S´Epazit abgeschossen wird, der sich in einem unheilvoll imponierenden Anblick in eine ganze Salve kleinerer Torpedos aufsplittet, die sternförmig auseinander schießen.

Lieutenant Mitchell blickt von seiner Konsole auf: „Jetzt bekommen wir etwas zu tun!“

Reagen: „Verdammt, das ist eine neue Herausforderung!“

Thomas: „Lieutenant Mitchell, kommen wir damit klar?“

Mitchell programmiert bereits das nächste Manöver in seine Steuerkonsole ein:

Ich gebe mein Bestes, Captain!“

Stratter wirft den gleichen fragenden Blick Reagan an der taktischen Konsole zu:

Commander?“

Reagan: „Ich halte die Defensiv- und Zielerfassungssysteme manuell in fließendem Visier!“

Thomas öffnet ein weiteres Mal den schiffsweiten Audiokanal: „Captain an alle Stationen – auf möglichen Einschlag vorbereiten, auf jeden Fall auf extreme Ausweichmanöver einstellen!“

Abschließend wendet sich Christopher, Mut machend, vor allem der Brückenbesatzung noch einmal zu: „Wir geben unser Bestes!“

Aye, Captain!“

Die Phoenix schießt abermals in einem Wirbelbogen um die S´Epazit herum, wobei einige der Torpedos die Phoenix auf ihrem wirbelnden Kurs verfolgen und sich dabei gegenseitig treffen und detonieren; zugleich schießt die Phoenix immer wieder weitere Torpedos, deren Kurs sie kreuzt, ab.

Die Darwin eröffnet das Feuer auf weitere, auf sie zu schießende Torpedos und kann auch diese durch gekonnte Ausweichmanöver und präzise Zielerfassung vernichten – allerdings wird die Darwin durch die sehr dicht an ihr stattfindenden Detonationen heftig erschüttert.

Auf der Brücke erhält Ben Dawson den Statusbericht: „Nach der letzten Druckwelle sind wir leider nicht mehr imstande, die Phoenix weiterhin zu unterstützen, Captain.“

Ben, ermutigend: „Ich glaube, das brauchen wir auch nicht mehr – gut gemacht.“
Die Phoenix zieht so dicht im Wirbelflug an dem Schnabel der S´Epazit vorbei, dass zwei letzte Torpedos in diesen einschlagen und ihn mitsamt der Torpedo-Abschussrampe zerfetzen.
Sofort stürzt sich die Phoenix in einer 180°-Wende wieder auf die S´Epazit und beschießt diese mit dem gebündelten Strahlen-Feuer der Fusionswaffen.
Die Darwin feuert ihrerseits ebenfalls frontal auf die S´Epazit in den zerschmetterten Raubvogel-Schnabel hinein.

Unter der vollen Breitseite des Fusionswaffen-Beschusses durch die Phoenix und dem zusätzlichen Beschuss durch die Darwin wird die S´Epazit schwer beschädigt.
An´Jhot blickt N´Evac resignierend an:

Sie benutzen eine Art von Fusionswaffen – darauf hatten wir unsere Defensivsysteme nicht kalibriert. Und nun sind die meisten Offensiv- und Defensiv-Systeme offline, Colonel!“

N´Evac, offensichtlich kochend vor Wut: „Vernichten Sie diese minderwertigen Kreaturen auf der Stelle!“

An´Jhot, mit erhobenen Händen und hilflos zuckenden Schultern:

Aber wie denn, Colonel? – Sie haben unsere komplette Waffenphalanx auf der Frontseite zerstört!“

 

Von der Brücke der Phoenix aus öffnet Reagan einen Kanal zur S´Epazit.

Christopher: „Colonel N´Evac, darf ich Sie nun förmlich bitten zu kapitulieren?!“

N´Evac explodiert vor Zorn: „Darauf werden Sie lange warten!“

Auf der S´Epazit beendet N´Evac die Funkverbindung mit einem wütenden Faustschlag auf die Armaturen und übernimmt selbst die Waffenkontrollen, indem er den taktischen Offizier einfach wegstößt.
 

Auf der Phoenix bestätigt Reagan:

Sie sind im Begriff, ihre Heck-Torpedorampe auszufahren!“

 

Captain An´Jhot versucht, Colonel N´Evac von der Betätigung der Torpedos abzubringen. An´Jhot: „Bedenken Sie, Colonel, dass die Heck-Torpedos bei einem so engen Kurvenradius nicht zielsicher programmiert werden können – sie könnten genauso gut in die S´Epazit einschlagen!“

N´Evac stößt An´Jhot weg: „Das spielt jetzt keine Rolle mehr – Hauptsache, wir bringen die Vernichtung dieser beiden Schiffe da draußen zu Ende!“

 

Commander Reagan bestätigt: „Haupt-Maschinendeck der S´Epazit erfasst, Captain!“

Auf dem Bildschirm bestätigt Ben Dawson:

Christopher, wir haben das Maschinendeck der S´Epazit ebenfalls erfasst.“

Christopher nickt Ben zu und wendet sich wieder an Reagan:

Öffnen Sie mir ein letztes Mal den Funkkanal zur S´Epazit. Waffen bereithalten!“

Aye, Sir.“

Christopher Thomas erscheint auf dem Hauptbildschirm auf der Brücke der S´Epazit:

N´Evac, das ist Ihre letzte Chance, sich zu ergeben – oder wir sehen uns gezwungen, die S´Epazit zu zerstören!“
N´Evac zischt, außer sich vor Wut und zugleich offenkundig gedemütigt:

Diesen Gefallen werde ich Ihnen nicht tun – ich werde Sie aus dem All fegen, und wenn wir uns dabei selbst mit zerreißen!“

Christophers Blick bleibt unnachgiebig und gespielt unbekümmert:

Wie Sie meinen, Colonel.“

Er nickt Reagan rechts von sich sowie Ben auf dem Schirm gleichzeitig zu: „Feuer.“

N´Evacs Augen glühen vor sich entladender Wut regelrecht auf, indem N´Evac einen lauten Schrei des maßlosenen Zornes ausbrüllt.

Im Hintergrund ist Captain An´Jhot soeben noch zur taktischen Kontrolle gehetzt:

Ich aktiviere einen rückwärtigen Impuls...“

Das geballte für Feuer von Phoenix und Darwin trifft das Haupt-Maschinendeck der S´Epazit und zerstört den Timecore in einer grellen Detonation, die sich aber sogleich wie in einem grellen, hochenergetischen Wirbel zusammenzieht und ins Unendliche schrumpft.

 

  • 15 –

  •  

Christopher Thomas und seine Brückencrew blicken sichtlich erleichtert auf den Hauptschirm, auf dem die S´Epazit soeben vollständig verschwunden ist, ohne irgendeine Spur zu hinterlassen. Lieutenant Mitchell und Commander Stratter zeigen ein zufriedenes Lächeln, während Nakamura die Umgebung scannt:

Ich kann keinerlei Rückstände der S´Epazit registrieren, als ob sie nie existiert hätte – auch keinerlei Strahlungssignaturen.“

Lieutenant Commander Reagan: „Ich kann ebenfalls keinerlei Gefährdung für uns mehr registrieren. Aber ein Funkspruch der Darwin geht ein, Captain.“

Christopher: „Auf den Hauptschirm, bitte!“

Auf dem Hauptschirm erscheint das Gesicht Captain Ben Dawsons:

Christopher, ich glaube, jetzt schuldest du mir aber eine verdammt gute Erklärung!“

Christopher grinst: „Ben, ich denke, das Beste ist, wir treffen uns an Bord, um das in Ruhe zu besprechen. Da ist so einiges in der für euch nur so kurzen Zeit geschehen.“

Ben blickt Christopher verwirrt und zugleich neugierig an:

Darauf komme ich sofort zurück, Christopher!“

Christopher fügt noch hinzu:

Ben, es tut verdammt gut, dich und die Crew der Darwin wiederzusehen!“

 

Nachdem Ben Dawson mit einem Shuttle im Hangar der Phoenix gelandet ist, wird er von Lieutenant Commander Reagan in Empfang genommen:

Folgen Sie mir bitte, Captain Dawson, ich bringe Sie zu Captain Thomas in den Besprechungsraum.“

Vielen Dank, Lieutenant Commander.“

Durch den Korridor begeben sie sich zum Lift, der sie auf das Deck fährt, das zum Besprechungsraum führt. Ben trifft im Besprechungsraum auf Christopher, der ihm freudig und erleichtert die Hand schüttelt und auf die Schulter klopft.

Christopher: „Es ist schön, dich endlich wiederzusehen, Ben!“

Ben, immer noch verwirrt, wenn auch selbst erfreut:

Das klingt ja so, als seien wir jahrelang verschollen gewesen?!“

Christopher: „Du weißt gar nicht, wie recht du damit hast!“

Ben: „Aber wir sind doch eben erst zu unserer Mission gestartet.“

Tatsächlich sind seit eurer Mission Jahre vergangen, und ihr galtet seitdem als verschollen.“

Ben bleibt ungläubig der Mund offen stehen.

Christopher: „Dann haben wir, um die Erde davor zu bewahren, offenbar von einer Quantensingularität absorbiert zu werden, zusammen mit den Kworrhonians eine zweite Zeitreise in die Vergangenheit gestartet.“

Ben: „Das war das andere Schiff vorhin?“

Christopher: „Richtig. Leider hat sich allerdings herausgestellt, dass die Kworrhonians den Plan verfolgten, uns auszulöschen und dadurch die Föderation allein zu übernehmen.“

Ben, immer noch überfahren und ungläubig: „Und was bedeutet das jetzt?!“

Christopher: „Wir müssen schleunigst zurück in unsere Zeit reisen und sehen, welche Ausmaße dieser Schlag gegen uns dort genommen hat!“

Ben: „Im Worst-Case bedeutet das, die Kworrhonians haben sich gegen uns gestellt!“

Christopher: „Warten wir erst einmal ab, bis wir dorthin zurückgekehrt sind.“

Ben: „Und wie habt ihr es eben geschafft, das Kworrhonian Spaceship doch zu vernichten?“

Christopher: „Eigentlich sind wir selbst beim ersten Mal beinahe vernichtet worden. Glücklicherweise konnte meine Wissenschaftsoffizierin, Lieutenant Nakamura, uns in eine Hyperspace-Vakuole retten, so dass wir lediglich ein weiteres Stück in die Vergangenheit geschleudert wurden. In der Ära der Fusionkriege fanden wir einen Wissenschaftler, der uns unterstützt hat, die Fusionstechnologie in unsere Waffensysteme zu integrieren. Nakamura konnte uns gezielt wieder in die Zeit nach vorne springen lassen, kurz vor dem Angriff der S´Epazit auf uns und eurer Zerstörung.“

Ben: „Das klingt fantastisch.“

Christopher: „Ich würde dir gerne mehr Zeit zum Verdauen geben, jedoch müssen wir

nun schleunigst den Zeitsprung zurück in unsere Zeit wagen!“

Ben, pflichtbewusst und fokussiert: „Wir halten uns bereit, Christopher!“

 

  • 16 –

  •  

Christopher Thomas ist soeben auf die Brücke der Phoenix zurückgekehrt, indem auf dem Hauptschirm gerade zu sehen ist, wie Captain Dawsons Shuttle zurück auf der Darwin ankommt.

Christopher wendet sich an Lieutenant Nakamura:

Kommen Sie mit den Berechnungen klar, um beide Schiffe zurück in unsere Zeit zu schicken?“

Nakamura: „Aye, Sir – ich habe die Physik hinter dem Kworrhonian Time Core mittlerweile weit genug verstanden, um den Zeitsprung umkehren und imitieren zu können.“

Commander Stratter, fragend:

Aber benötigen wir dafür nicht selbst den Time Core der Kworrhonians?“

Nakamura: „Für den ursprünglichen definitiv sowie für jeden weiteren Sprung durch die Zeit, allerdings nicht für die einmalige Rückreise, da hier eine Art trans-relativistischer Ankereffekt greift.“

Stratter, fragend: „So, als ob ein ausgeworfener Angelhaken wieder eingeholt wird?“

Nakamura: „Ja, so in etwa – es hängt mit den bei unserem Sprung hinterlassenen temporalen Strömungen im Raum-Zeit-Kontinuum zusammen, denen aufgrund des physikalischen Aktions-Reaktions-Prinzips ein umgekehrter Strom nun entgegenwirkt, in den wir uns relativ leicht hinein manövrieren können.“

Christopher grinst Nakamura stolz an:

Ich bin mir sicher, dass Sie die Kworrhonian Technologie verstanden haben, Lieutanant!“

Nakamura lächelt: „Aye, Sir.“

Christopher blickt zu Lieutenant Mitchell.

Der Lieutenant antwortet sofort auf Thomas´ Blick hin:

Ich habe die Navigation entsprechend den Vorgaben von Lieutenant Nakamura programmiert, Captain.“

Die gleichen Daten sind an die Darwin übermittelt worden,“ ergänzt Reagan.

Christopher aktiviert einen direkten Funkkanal zum Büro des Chef Ingenieurs:

Thomas an Maschinendeck!“

Hier Solano, Sir.“

Christopher: „Ist der Hyperdrive bereit für den finalen Sprung, Chief?“

Solano antwortet mit zutiefst zufriedenem Blick:

Aye, Captain. Unser Hyperdrive ist nie einsatzbereiter gewesen als jetzt, wo es zurück nach Hause geht, Sir!“

Solano strahlt.

Christopher:

Sehr gut, Mister Solano – dann geben Sie alles, was unser Hyperdrive hergibt!“
Commander Stratter: „Die Crew ist auf den Zeitsprung vorbereitet, und schiffsweit ist Bereitschafts-Alarm ausgelöst, Captain!“

Christopher: „Verstanden, Commander.“

Christopher lehnt sich in seinem Kommandositz zurück und denkt laut:

Was wird uns wohl in unserer Zeit erwarten?“

Er blickt einmal in die Gesichter all seiner Brückenoffiziere, die Ungutes ahnen.

Christopher, entschlossen ergänzend: „Ich weiß es noch nicht, aber auf jeden Fall sind wir gewappnet und bringen endlich Bens Crew und die Darwin mit zurück – und durch Doctor Howards Hilfe haben wir einen strategischen Vorteil!“

Commander Stratter lächelt ermutigend, und auch die übrigen Brückenoffiziere sind damit moralisch aufgebaut worden.

Christopher erhebt seine Stimme mit fester Entschlossenheit:

Lieutenant Mitchell, bringen Sie uns zurück nach Hause!“

Mitchell: „Aye, Captain.“

Über den permanent geöffneten Funkkanal ergänzt Christopher:

Ich glaube, euer Leben erwartet euch dort schon lange zurück, Ben!“

Auf der Brücke der Darwin lächelt Ben Dawson inmitten seiner glücklichen Brückencrew: „Dann wird’s jetzt höchste Zeit, Christopher!“
Dann beschleunigen beide Schiffe ihren Hyperdrive, und ein letztes Mal öffnet sich der Wirbel in den Zeitstrom, der beide Schiffe scheinbar ins Unendliche schrumpfen lässt.

 

In der nächtlichen Ebene von Salisbury haben sich alle Dorfbewohner auf der Anhöhe oberhalb ihres Dorfes versammelt und starren gebannt und ehrfurchtsvoll zum Nachthimmel empor, wo sich in den letzten Minuten ein unglaubliches Szenario aus grellen Lichtern abgespielt hat, während die Phoenix und die Darwin sich das Raumgefecht mit der S´Epazit geliefert haben – gipfelnd in die spektakuläre Zerstörung des Timecores an Bord der S´Epazit. Gerade beobachten die Dorfbewohner den Vortex, der ein letztes Mal den Nachthimmel auf fantastische Art erleuchtet.

Ehrfurchtsvoll erheben die Dorfbewohner ihre Arme zum Himmel und beginnen, Gebetsformeln, halb singend, zu murmeln.

 

  • 17 –

  •  

Rund 5000 Jahre später ist das Zeltlager von Professor Howards Archäologen-Expedition an derselben Stelle in der Ebene von Salisbury aufgeschlagen: die Megalithen in Stonehenge sind allerdings jetzt in einer beeindruckenden Spiralform angeordnet, die offenkundig den Vortex nachstellt.

In der Höhle hat sich nach dem erfolgreichen Einsatz des Infraschall-Emitters soeben der Staub gelegt, und Professor Howard und sein Archäologen-Team betreten die freigelegte Hohlkammer. Professor Howard lässt seinen Blick entgeistert durch die Kammer schweifen: „Das ist fantastisch!“

Die Felsendecke ist bemalt mit dem Hintergrund eines Sternenhimmels und den Lichterscheinungen, die während des Weltraumgefechtes von den Dorfbewohnern beobachtet worden sind.

 

  • 18 –

  •  

Wiederum 200 Jahre später befindet sich gerade ein Verteidigungs-Geschwader der Föderation, angeführt von Admiral Harris an Bord des schwarzen, pfeilförmigen Schiffes, im Kampfanflug auf ein Geschwader der Kworrhonians. Die Starbase Rha´Acul, mittlerweile zur uneinnehmbaren und waffenstarrenden Bastion geworden, eröffnet das verheerende Energie-Feuer in die umliegenden Sektoren. Gerade als die Lage sich weiter zuspitzt und für die Verteidiger der Föderation zunehmend schlechter aussieht, öffnet sich der temporale Vortex genau im Zentrum des Kampfgeschehens: die Phoenix und die Darwin wachsen zur ursprünglichen Größe heran, und rematerialisieren innerhalb weniger Sekunden aus dem Zeitstrom.

Auf der Brücke der Phoenix gibt Christopher Thomas den Befehl:

Commander Reagan, eröffnen Sie sofort das Fusions-Feuer auf die Kworrhonian Spaceships, die unsere Flotte angreifen!“

Reagan: „Aye, Captain.“

Sofort erwidert die Phoenix das auf die Schiffe der Föderation gerichtete Feuer der Kworrhonians, und erneut haben die Fusionswaffen zerstörerischen Erfolg.

Admiral Harris lehnt sich erleichtert und sogleich völlig überrascht in seinem Kommandositz zurück, als er schon von der Phoenix angefunkt wird und Christopher Thomas auf dem Schirm erscheint:

Fragen Sie besser nicht, Admiral – das ist eine lange Geschichte! Aber wir haben Verstärkung mitgebracht und ein längst verschollenes Schiff wiedergefunden.“

Harris: „Sehr gut – allerdings hat sich hier die Lage zu unseren Ungunsten drastisch zugespitzt!“

Thomas: „Keine Sorge, wir haben etwas aus der Ära der Fusionskriege mitgebracht!“

In Außenansicht nahen weitere Kworrhonian Starships, gegen die die Phoenix bereits standfest Stellung bezieht. Als die Kworrhonian Starships das gnadenlose Feuer eröffnen, erwidert die Phoenix das Fusions-Feuer, das das ganze feindliche Geschwader mit einer einzigen gebündelten Energiesalve irreparabel beschädigt – wie in einer gedachten Linie hintereinander erhellen mehrere Explosionsbälle den Weltraum und speien gleißende, funkensprühende Trümmer aus!

Der Kampf ist eröffnet...

 

Ende des zweiten Teils

 

 

Story by Christian Scheffel

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.02.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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