Heinz-Walter Hoetter

Über Nachtgedanken nachgedacht

Draußen dunkle Winternacht und eisig kalt.

Ich denke übers Denken nach und mach’ bei den Gedanken halt.


***

 

Schon vor über 2000 Jahren beschäftigten sich Philosophen und Denker mit dem menschlichen Denken.

 

Die lange Zeit gültige Definition von Denken lautete: “Richtiges Denken beruht auf der sauberen Definition von Begriffen, und deren Kombination nach den Regeln der Logik.”

 

Denken, Weisheit und Kritik

 

Die Liebe zur Weisheit bedarf zugleich der Liebe zum Denken und die Liebe zum Denken beinhaltet auch die Liebe zur Kritik.

 

Was ist Weisheit?

 

Die Tugend schlechthin wird im aristotelischen Sinn als Weisheit bezeichnet.

 

Im platonischen Sinn ist damit die Erkenntnis der realen Welt um uns herum gemeint.

 

Richtiges Denken bedeutet immer „folgerichtiges Denken“ (Logik).

 

Denken ohne Kritik bleibt allerdings nutz- und wirkungslos.

 

Kritik ist das Infragestellen von Sachverhalten, das Trennen und Auseinanderhalten von Fakten.

 

Kritisches Denken ist und bleibt fruchtbar, da ganz allgemein das Infragestellen von (gegebenen) Sachverhalten zwingend zu einer neuerlichen, prüfenden Beurteilung führt.

 

Kritik zwingt sozusagen zur Differenzierung. Sie muss der Wahrheit willen hinterfragen.

 

Die Grundlage für die Entwicklung neuer Gedanken entsteht erst aus dem kritischen, hinterfragenden Denken. Dieses Denken ist wie ein Zwiegespräch mit sich selbst. Wer nicht selbst denkt, lässt auf Dauer sein eigenes menschliches Potential ungenutzt, weil er sich selbst die Möglichkeit des (eigenen) Erkennens nimmt. Er reflektiert seine Umwelt nicht, mit der er sich eigentlich innerlich beschäftigen sollte. Ein Mensch, der nicht denken will (oder kann), versteht die Welt nicht und wird auch letztlich wohl mit vielen (modernen) Lebenssituationen nicht fertig, weil er die (kausalen) Zusammenhänge nicht erkennt, die man nur durch Wissen und Erfahrung bekommt. Das alles setzt Denken voraus.

Das unbewusste Denken

Das „stille, in sich gekehrte Denken“ ist das unbewusste Denken. Das unbewusste Denken ist das Reifen der Gedanken im Unterbewusstsein, womit auch die Träume gemeint sind. Große wissenschaftliche Erkenntnisse und Einsichten wurden im Traum (Visionen) quasi ausgearbeitet.

Nur zwei Beispiele:


 

Der Traum des Dmitri Iwanowitsch Mendelejews


 

Mendelejew, geboren 1834 und gestorben im Jahre 1907, beschäftigte sich lange Zeit mit der Ordnung der Elemente und der Aufstellung eines Periodensystems. Ebenso lange Zeit wollte es ihm nicht gelingen.

Dann erschien Mendelejew in einem Traum eine Tabelle. In dieser Tabelle waren die Elemente nicht wie bisher ausschließlich nach ihrer Größe geordnet, sondern nach dem Gewicht ihrer Atome. Als er aus dem Traum erwachte notierte er sofort alles. Wie sich später herausstellte, erwies sich nur an einer Stelle eine kleine Änderung als notwendig.


Der Traum Albert Einsteins

Jeder kennt ihn, ein Name über den schon so viel geschrieben wurde. Ich persönlich verehre Albert Einstein sehr.

Albert Einstein wurde am 14. März 1879 in Ulm geboren und ist am 18. April 1955 in Princeton gestorben. Sein unvergleichliches Lebenswerk ist angefüllt voll wissenschaftlichen Schaffens. Wie man seinen Biografien entnehmen kann, soll Einstein in späteren Jahren behauptet haben, das sein ganzes kreatives und wissenschaftliches Schaffen durch einen Traum motiviert wurde.


Dieser Traum hatte etwa folgenden Inhalt.

Einstein raste in einer Nacht mit einem Schlitten einen Abhang hinab. Als er dabei immer schneller wurde und beinahe Lichtgeschwindigkeit erreichte, geschah etwas sehr merkwürdiges. Die Sterne über ihn brachen ihr Licht in Farbspektren.

Diesen Traum und dieses Bild soll Albert Einstein sein Leben lang nicht vergessen haben.


 

Nachdenken ist besser als Nachplappern


 

Descartes sagte einmal: „Ich bin, weil ich alles hinterfrage.“

Jede Frage, jedes noch so geartete Problem, jedes kleine und große Geheimnis, was uns im Leben begegnet, hat seine eigene Wirklichkeit. Aber es ist wichtig, dass wir diese Wirklichkeit auch in uns suchen.

Wir sollten uns nicht darauf verlassen, was jemand zu uns sagt oder andere zu uns sagen. Oft wird es keine Übereinstimmung geben, weil wir es hier mit anderen (gedanklichen) Wirklichkeiten zu tun haben, die nicht in uns hineinpassen.

Man hört oft die Worte: „Glaub’ mir. Ich weiß es ganz genau. Du musst erst gar nicht darüber nachdenken.“

Man sollte also vorsichtig sein, wenn man jemanden begegnet, der von einem verlangt, dass man ihm glauben (schenken) soll. Das ist die Art von Betrügern. Nicht selten wird man enttäuscht, weil man zu „gutgläubig“ war.


 

Denken und Realität


 

Was ist eigentlich Realität?


 

Realität ist ein Konzept. Der Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit besteht darin, dass sich Realität ereignet, sich also in der Gegenwart und im Rahmen von Raum und Zeit abspielt.

Wirklichkeit hingegen gehört nicht ausschließlich nur in die reale Welt.

Wenn eine Gruppe von Menschen etwas für zutreffend hält, wenn also eine Menge gleicher (übereinstimmender) Aussagen über jemand oder etwas gemacht wird, spricht man ebenfalls von Wirklichkeit

Die Realität ist die Gesamtheit aller objektiv wahren Aussagen, unabhängig davon, ob sie einem einzelnen Menschen oder der Menschheit als ganzem bekannt oder auch nur erkennbar sind.

So ist beispielsweise ein Axiom eine fundamental gegebene, direkt wahrgenommene Identifizierung eines grundlegenden Faktums der Realität. Axiome sind in sich schlüssig.

Beispiel eines Axiom (unmittelbar einleuchtendes Prinzip):

Sind zwei Größen einer dritten gleich, so sind sie auch untereinander gleich.

Was ist Wirklichkeit?

Vieles, was wir für Realität halten, ist eigentlich eine Illusion.

Gefühle zeigen uns, was wir glauben und denken und nicht die Wirklichkeit.

Es ist allerdings so, dass wir mit unseren Gefühlen unsere eigene Realität erzeugen.

Auch mit unserem Denken erkennen wir die Wirklichkeit meist nur begrenzt. Wir haben bestimmte Glaubensvorstellungen (z.B. "Ich bin nicht liebenswert.", "Morgen geht die Sonne wieder auf.", etc.) und richten daran unser Denken aus.

Jeder erlebt die Welt auf seine eigene Weise und jeder hat (für sich) recht. Theoretisch könnte sich so gesehen jeder sein eigenes Bild von der Welt machen.

Auch die Quantenphysik zeigt uns, dass es nicht eine feststehende / objektive Realität/Wirklichkeit gibt, sondern nur Wahrscheinlichkeiten. Das Ergebnis hängt immer von den Beteiligten und ihren Einstellungen ab.

In Wirklichkeit gibt es auch nichts Negatives, sondern nur Erlebnisse, die wir nach unserem Belieben (bzw. unserer Gewohnheit) als gut oder schlecht beurteilen. Je nach Blickwinkel können wir ein Erlebnis ganz unterschiedlich beurteilen.

Fast jeder hat auch schon einmal eine unangenehme Erfahrung gemacht, wo er das Positive erst später erkannte. Manchmal haben wir auch etwas bekommen, das wir wollten und sind damit doch nicht glücklich geworden.

Was immer wir uns vorstellen bzw. für wirklich halten, ist nur ein Ausschnitt aus der Gesamtheit.

Was wir als Realität erleben, hängt davon ab, was wir für möglich halten, was wir erleben wollen. Wir erleben immer das, was wir wirklich wollen.

Und was willst du wirklich erleben?

 

© Heinz-Walter Hoetter

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