Gertraud Widmann

Qualm

 

Klimawandel und Umweltschutz ist sowieso DAS Thema in der heutigen Zeit. Und jeder, oder besser gesagt fast jeder, bemüht sich im Rahmen seiner Möglichkeiten ein wachsames Auge auf unseren Planeten zu haben, um ihn nicht zu zerstören, sondern für die Nachwelt zu erhalten. Freilich hätte man sich schon viel früher damit befassen müssen, aber bitte wer dachte denn nach dem Zweiten Weltkrieg an die Umwelt?

Alleine wenn ich bedenke, was ich im Laufe meiner Kindheit alles ein schnaufen musste.

Ich denke da zum Beispiel:

Ob das die andauernd irgendwo brennenden „Aschentonnen“ vor den Häusern und Ruinen waren, in denen man - da Anfangs die bereits seit 1891 bestehende Müllabfuhr noch nicht funktionierte - Abfall jeglicher Art verbrannte ...

Ob das der Staub war, der tagelang über den Stadtvierteln von München hing, wenn dieReste von zerbombten Häusern zum Einsturz gebracht wurden ...

Ob das der tägliche Qualm und Gestank des hohen Schornsteins hinter unserem Haus war, der zu einer kleinen Fabrik gehörte, die damals unter anderem „Maggi“ herstellte. ...

Ob das später, direkt neben unserer Wohnung der Kamin einer kleinen Bäckerei war, der ab drei Uhr Morgens seinen Qualm und Gestank in den Münchner Himmel, beziehungsweise in unser Schafzimmerfenster steigen lies ...

Ob das klein gehackte – mit Leinwand, Farbe und Leim – behaftete Kulissenteile waren, die Vater vom Residenztheater mit heim brachte. Übrigens, da mein Vater immer in „größeren Dimensionen“ dachte, hatte unsere Mutter drei Jahre nach Vaters Tod immer noch solche Holzstücke zum einheizen ...

Ob das der Qualm von den Zigaretten meines Vaters, oder der „Stumpen“ (ganz billige, kurze Zigarren) seines Bruders waren ...

Ob das Kohlenreste (eher Kohlenstaub) für den Küchenherd waren, die wir von unserem Kohlenhändler geschenkt bekamen, weil wir uns selten ganze Briketts leisten konnten ... Ob das in unserem Küchenherd verbranntes „Allerlei“ war. Mutter wusste zum Beispiel ganz genau, bis zu welcher Größe alte Pantoffel komplett durchs Ofentürl passten ...

Ob das die Abgase der riesigen Ami-Laster waren, die täglich fast pausenlos vor dem unterirdischen Lebensmitteldepot, das sich direkt gegenüber unserer Wohnung, auf dem Gelände des zerbombten Bürgerbräukellers befand, herum rangierten ...


Ob das gar seinerzeit der schwarze Qualm war, der aus einem kleinen Rohr hinter dem Führerhaus der kleinen roten Dampfwalze kam, die damals meine Milchkanne platt gemacht hat?

Ob es viele Jahre später der Staub war, den wir in der Schneiderei bei der Verarbeitung von billigen, dünnen Stoffen- die dermaßen gestärkt waren, damit sie fester und teurer aussahen - aufgewirbelt haben ...

O D E R
ob das die vielen Zigaretten waren, die ich all die Jahre – seit fast 20 Jahren allerdings nicht mehr - geraucht habe?

Jedenfalls hänge ich jetzt rund um die Uhr am Sauerstoffgerät ...


Also achtet auf auf den Planeten Erde - und Eure Gesundheit.

 

 

© Gertraud Widmann

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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