Wolfgang Küssner

Knapp abgefasste Klappentexte

Wenn der Postbote die Klappe hält, landen meistens Werbung oder Rechnungen im Briefkasten. Wenn Menschen mit vollem Mund ihre Klappe halten, könnte es als ein Beleg relativ guter Erziehung gewertet werden. Und wenn Mitmenschen mit leerem Kopf ähnliches Verhalten praktizieren würden, wäre es häufig für andere eine Wohltat. Wer mit Scheuklappen durchs Leben läuft, muss nicht zwangsläufig ein Pferd sein. Dahinter könnte auch ein ängstlicher Typ stecken, der nicht alles an sich heranlassen möchte, lieber blind und unschuldig agiert, sich somit die Ruhe bewahrt und nicht Gefahr läuft, zu Scheuen. Da gibt es Mitbürger mit Augenklappe, mit Herzklappe und jene, die das Lied von der klappernden Mühle am rauschenden Bach singen. Danke sagt der Regisseur auf dem Klappstuhl am Set sitzend zur 23. Filmklappe. Endlich.

Säure wird im Meer verklappt und dann gibt es Tage, da will, von Fenstern und Türen abgesehen, einfach überhaupt nichts klappen. Der Klapperstorch bringt – so wird immer wieder gemunkelt - die Kinder und die ungewollten können dann in einer Babyklappe „entsorgt“ und gerettet werden. Auf den Straßen sind viele Klapperkisten unterwegs, manchmal sogar mit offener Ladekappe. Als anfänglich die Klapperschlangen noch schlapper klangen, war die Gefahr relativ gering. Als sie aber ihre namensgebenden Geräusche von sich gaben, war eindeutig Schluss mit lustig. Da hilft dann auch der Griff zur Fliegenklappe nicht mehr.

Klappern, so sagt der Volksmund, gehört zum Geschäft und so darf es nicht wundern, wenn knapp abgefasste Texte für Bücher werben sollen und den Namen Klappentext tragen.

Es ist in der Tat kein leichtes Unterfangen, einen Roman von vielleicht tausend Seiten, ein Sammelband mit fünfzig und mehr Kurzgeschichten auf wenige Zeilen zu reduzieren, die Auskunft über den Inhalt geben und das Interesse des Lesers wecken, ihn zum Kauf stimulieren sollen. Stunden, Tage, Wochen, Monate hat ein Autor am Volltext gearbeitet, gezweifelt, gefeilt. Immer wieder wurden neue Protagonisten eingeführt, neue Momente der Spannung kreiert. Dann ist der Roman, dann sind die Novellen vollendet. Und schon kommt der Verlag mit der Forderung nach einem Klappentext. Drei bis fünf markante, interessante, neugierig machende Sätze. Für den Autor beginnt die Arbeit aufs Neue. Einen stimmigen Klappentext zu formulieren ist keine einfache Aufgabe, ist harte Arbeit.

Nebenbei bemerkt: Die kürzesten, präzisesten Klappentexte sind aus ungezählten öffentlichen Toilettenanlagen überliefert. Diese Orte wurden seit Ende des 17. Jahrh. von Männern aufgesucht, die sich nach sexueller, gleichgeschlechtlicher Befriedigung sehnten. Da heißt es dann einfach aktiv oder passiv, mache alles, da ist von Tuten und Blasen zu lesen, da wäre Alex jeden Freitag um 18 Uhr anzutreffen. Schlüpfrige Graffitis mit Handy-Nummer dienen der Fantasie und der Kontaktaufnahme. Allerdings: Tendenz nachlassend.

Zugegeben, kürzer, treffender, eindeutiger und vielleicht einladender, stimulierender können Klappentexte wohl kaum sein. Leider für den Buchhandel, für die Literatur nicht so wirklich zu verwenden. Der Anspruch ist allerdings auch beim Buch gegeben: Knapp abgefasste Klappentexte.

November 2018

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