Bernhard Dickhut

Es ist wie es ist

Es ist wie es ist. Es ist da. Wir können es tasten, spüren oder sehen. Es ist wie es ist. Es kann von Vorteil sein, es einfach zu belassen, wie es ist. Weil es gut so ist oder weil es sich nicht lohnt.

Oder weil es dich zur Verzweiflung bringen würde. Dann ist es schon gut zu wissen, dass es nicht nur ist, wie es ist, dass es auch geworden ist, wie es ist. Der Schrank war mal ein Baum oder Öl, der alte Mann mal ein Teenie und die Kohle war mal ein Urwald.

Dann ist es auch gut zu wissen, dass es auch nicht bleibt wie es ist, dass es sich ändern wird. Auch, wenn es viele Jahre braucht.

Aber sie ist da, diese Chance.

Auch die Industriedenkmäler sind wie sie sind. Wir können sie tasten, spüren oder sehen. In unserer Zeit, in der wir sie eigentlich gar nicht mehr brauchen. Gebaut - als seien sie stolze Nachfahren von Schlössern oder Burgen. Wir schwärmen von ihrem Anblick, den Hallen aus Stahlträgern, den riesigen Rädern umrahmt von Stahlgerüsten, den Anlagen in Backstein, den vielen Details. Wir fragen uns, was hat man sich für Mühen gegeben mit Gebäuden, die eigentlich nur dem Geldverdienen dienten. Wir ahnen den Stolz, mit dem sie errichtet wurden.

Wir schauen darauf, als wäre es die heile Welt. Und als die letzte Zeche geschlossen wurde, schauen wir auch auf den Kumpel und meinen, das Kumpelige, das Miteinander- und Füreinandereinstehen gibt es nicht mehr. So heil war die Welt.

Aber es ist wie es ist.

Erst vor knapp 200 Jahren hat es begonnen mit der Industrie nahe der Ruhr. Schnell wurden aus kleinen Dörfern riesige Städte. Es gab einen Zuzug von weither. Die Maloche war Hochleistungssport von morgens früh bis abends spät. Vom Anfang des Jahres bis zu dessen Ende. Und dann wieder von vorn.

Damit die Familie zuhause ihre Suppe löffeln konnte, wurden riesige Meißel und Maschinen bewegt und die Staublungen nach hause getragen. In solchen Zeiten brauchte man den Kumpel mehr denn je.

Vielleicht zog man durch schöne Gebäude, wahrscheinlich hat man sie gar nicht wahrgenommen. Denn eigentlich ging es tief in die Erde oder in die unerträgliche Hitze des Stahlwerks.

Die Zeit verging und vergeht weiter und früher war nicht alles besser.

Die Gebäude, Fördertürme, Malakofftürme haben wir erhalten. Und auch den Stolz auf sie. So wie es sich die Fabrikanten damals gewünscht hätten. Und ab und zu glauben wir auch den Schweiß der Arbeiter zu riechen, der zu jeder Fuge und Nut gehört.

Es ist wie es ist und doch ist es nicht wie es ist.

Es musste erst werden wie es ist.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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