Heinz-Walter Hoetter

GENIUS

Die Nacht ist bitterkalt. Dafür ist die Luft aber wunderschön rein und kristallklar.

Ich liege auf dem Rücken im tiefen Gras und blicke hinauf zu den fernen Sternen. Unzählige sind es, die sich funkelnd vom nächtlichen Himmel abheben.

Ich genieße die wunderschöne Stille hier unten auf dem Planeten und das einsame Schweigen dort oben in den unendlichen Weiten.

Eine flüchtige Sternschnuppe fliegt mit hellem Schweif über mir dahin.

Soll ich mir schnell etwas wünschen, wie es die Menschen tun? Ich weiß, dass sie so etwas machen, weil sie abergläubisch sind und wollen, dass ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Ein bisschen davon haben mir meine Erbauer auch in meinen Verhaltensspeicher mit hinein programmiert.

Meine Gedanken kommen und gehen wie flüchtige Schatten.

Ich kann sie nicht festhalten, denn sie sind frei, so wie ich.

Die dunkelroten Blicke meiner künstlichen Augen haften noch immer am nächtlichen Firmament. Ich komme einfach nicht los von diesem Wunder.

Ich habe während meiner langen Existenz schon so viele Dinge gesehen und alles mehr oder weniger als selbstverständlich hingenommen, wie meine weiten Reisen durch Raum und Zeit.

Doch dieses unendliche Sternenmeer fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Die Sterne glitzern wie Milliarden kleiner Diamanten.

Soviel Licht in der Dunkelheit eines grenzenlosen Alls.

Für mich ist das trotz meiner künstlichen Intelligenz unfassbar.

Ja, ich habe die Weiten der Unendlichkeit durchstreift und dabei mächtige Sonnen gesehen, die nicht selten von einem lebensfreundlichen Planet umkreist wurden, wie der, auf dem ich mich jetzt gerade befinde und auf dem sich eine wunderschöne Flora und Faune entwickelt hat.

Trotzdem kann ich nicht hier bleiben. Das will ich auch nicht, weil ich ein anderes Ziel habe. Ich muss weitersuchen, denn ich suche nach meinem Schöpfer, der mich erschaffen hat. Nur bei ihm habe ich meine wirkliche Heimat.

Deshalb ist sie meine unsterbliche Sehnsucht.

Ich lausche in die Dunkelheit hinein und vernehme die fremden Geräusche eines Planeten, der unvorstellbar weit weg von meinem eigentlichen Zuhause einsam seine Bahn um eine fremde Sonne zieht, die ich nicht kenne.

Werde ich sie jemals wieder finden, die Erde des Menschen, wo ich früher einmal war, die auch die Heimat meines Schöpfers ist?

Dorthin will ich zurück.

Nach Hause.

Manchmal träume ich von diesem Ort, wo alles anfing mit meinem Dasein als Cyborg.

Doch das ist schon eine Ewigkeit her.

Mein Raumschiff umkreist diesen namenlosen Planeten hoch oben im Orbit, wo es auf mich geduldig wartet.

Ja, ich werde weitersuchen. So lange ich funktioniere.

Meine Suche wird vielleicht nie enden, denn ich bin ein Gestrandeter in der Unendlichkeit von Raum und Zeit.


 Ich, der Cyborg GENIUS, will zurück zur Erde, wo mein Schöpfer ist.


 

 

 

© Heinz-Walter Hoetter

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Heinz-Walter Hoetter).
Der Beitrag wurde von Heinz-Walter Hoetter auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Immer volle Kanne von Joe Emm



Deftig-heftig bis grotesk sind die Abenteuer, die der Student Obermotzer zu Beginn der Achtzigerjahre in einem ostwestfälischen Provinzkaff erlebt. Eine spannende Geschichte in der Ich-Erzählform über sehr skurrile Typen aus einer etwas gewöhnungsbedürftigen Region.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Mystery" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Heinz-Walter Hoetter

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Was wurde aus John Taylor, dem Häftling Nr. 13? von Heinz-Walter Hoetter (Unheimliche Geschichten)
Die ach so kleine Welt von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)