Corinna König

Josie - Mein Leben und ich TEIL 18

Gespannt sitze ich auf Bens Sofa und höre mir die ganze Geschichte aus seiner Warte an. Dass mir an einer oder anderer Stelle die Tränen in die Augen schießen, lässt sich dabei wohl nicht verhindern.

 

 

"Wir waren ja gemeinsam auf der Hochzeit meiner Schwester. Ich wusste, dass Jules auch kommen würde, deshalb wollte ich zuerst nicht hingehen. Ich weiß, dumm, wenn man mal so drüber nachdenkt. Aber ich war so am Arsch als die ganze Sache damals rausgekommen ist. Ich hab sogar sieben Kilo abgenommen. Ich hab von heute auf morgen meinen ganzen Kram zusammengepackt und bin über alle Berge. Ich wollte sie einfach nie wieder sehen. Ich hab auch meine Handynummer gewechselt, um Ruhe vor ihren dauernden Anrufen zu haben. Klar, dass es sich nicht völlig vermeiden ließ, sich über den Weg zu laufen. Meine Großeltern wohnen im gleichen Ort und ein- oder zweimal hab ich sie beim Einkaufen gesehen. Ich bin schnurstracks in die andere Richtung gegangen. Sie hatte auch beide Male den Kleinen dabei und da... konnte ich erst recht nicht mit ihr reden. Oder nur in ihrer Nähe sein. Jedenfalls dachte ich, dass ich mit der ganzen Sache schon lange abgeschlossen hatte, als ich sie auf der Hochzeit wiedergesehen hab und es mir gelungen ist, ihr die kalte Schulter zu zeigen. Wenn auch der eine oder andere Schnaps dazu beitragen musste. Doch sie ist am nächsten Morgen hier aufgetaucht. Woher sie die Adresse hat, weiß ich bis heute nicht. Du warst ja an dem Morgen hier. Du hast gehört, dass sie nochmal reden wollte. In meinem Zustand war ich unfähig einen Meter weit zu denken und hab natürlich bereut, dass ich zugesagt hab. Bei unserem Treffen hat sie mir erzählt, dass es mit Tom - Tom ist der Vater von Finn, aber das weißt du ja auch - nicht läuft. Dass er viel arbeitet und sich auch nach der Arbeit oder am Wochenende keine Zeit für sie und den Kleinen nimmt, sondern lieber mit seinen Bauernkumpels durch die Kneipen zieht. Sie hat erzählt, dass sie schon eine ganze Weile unglücklich mit ihm ist und ohnehin nur mit ihm zusammen geblieben ist, weil sie gemeinsam ein Kind haben. Dass sie ihn auch nur aus Vernunft geheiratet hat und eigentlich jeden Tag an mich denken musste. Sie hat mir gestanden, dass sie mich nach wie vor liebt und es niemals so weit hätte kommen dürfen, dass wir uns trennen. Dass sie sich immer gewünscht hat, dass ich zurückkomme und mit ihr und Finn auf heile Familie mache. Sie hat mich geküsst und ich... habs zugelassen. Ihre Worte haben mich irgendwie in diesem Moment so... Ich weiß auch nicht. Ich hab irgendwie meinen Kopf... ausgeschalten. Sie wollte gleich mehr, aber ich musste erst mal mit der Situation klarkommen und bin gegangen. Denn da warst ja auch noch du. Und seit wir unsere erste gemeinsame Nacht verbracht haben bin ich... Jedenfalls hab ich Jules gegenüber ein schlechtes Gewissen bekommen. Ich bin nicht der Typ, der jemandem Hoffnungen macht und dann einfach verschwindet. Ich hab sie also zu meiner Geburtstagsfeier eingeladen, ihr freundschaftlich davon erzählt, dass meine Oma sich verletzt hat und ich solange bei ihr und Opa wohne. Da hat sie sich fast jeden Tag blicken lassen. Ist mir mehr und mehr auf die Pelle gerückt und hat immerzu meine Nähe gesucht. Zuerst konnte ich auch da nicht wirklich durchgreifen, hab immer wieder zugelassen, dass sie... einfach da ist. Einmal waren wir nach dem Abendessen noch in unserer alten Kneipe und haben uns volllaufen lassen. Was soll ich sagen? Sie hat die Gelegenheit genutzt und mich auf dem Heimweg wieder geküsst. Doch in dem Moment hab ich eine Nachricht von dir bekommen und wie ein Warnschuss wurde mir klar, wie dämlich ich mich aufführe. Ich hab sie ohne weitere Vorkommnisse nach Hause gebracht und bin alleine zu meinen Großeltern gegangen. Am nächsten Tag wart ihr drei dann zu Besuch bei uns. Da hab ich mir fest vorgenommen, dass ich Jules sage, dass sie es lassen soll. Mich nicht mehr anrufen, mir nicht mehr schreiben soll und mich erst recht nicht mehr küssen soll. Das habe ich dann auch am nächsten Tag in die Tat umgesetzt. Zuerst war sie entsetzt und hat mir gesagt, dass sie eigentlich fest damit gerechnet hatte, dass aus uns wieder ein Paar wird. Doch dann wurde sie scheinbar einsichtig und hat nicht mehr viel dazu gesagt. Ich dachte, sie hätte es verstanden. Aber dem war nicht so. Sie stand immer wieder vor meiner Türe. Ich hab ihr erklärt, dass ich mich nicht auf sie hätte einlassen sollen. Dass der erste Kuss schon viel zu viel war und ich es für besser halte, dass wir den Kontakt wieder komplett abbrechen. Ich hab ihr auch von dir erzählt. Dass es da ein Mädchen gibt, das mich vom ersten Moment an umgehauen hat. Und mit dem es gut zu laufen scheint und das war dann wohl zu viel für sie. Sie wusste sofort, wen ich meine. Sie hätte uns beide auf Claras Hochzeit gesehen und sofort gemerkt, dass da was im Busch ist. Aber dennoch war sie wieder bei mir vor der Tür gestanden. Diesmal hat sie geweint und gemeint, sie hätte einen fürchterlichen Streit mit Tom gehabt. Da hätte sie einfach rot gesehen und sich auf den Weg zu mir gemacht. Sie tat mir leid und da konnte ich sie nicht einfach rauswerfen. Das war, als du uns morgens beim Bäcker gesehen haben musst. Ich hab ihr gesagt, sie könne hier übernachten. Auf dem Sofa. Und dass da nichts laufen würde. So war es dann auch. Es ist wirklich nichts gelaufen. Ich hab oben in meinem Bett gepennt und sie hat hier unten geschlafen. Am nächsten Tag hab ich ihr dann angeboten, sie nach Hause zu fahren, damit sie nicht die Öffentlichen nehmen muss und Finn noch rechtzeitig in den Kindergarten bringen kann. Aber auch da hab ich ihr nochmal in aller Deutlichkeit gesagt, dass sie mich künftig in Ruhe lassen soll. Zuhause muss sie Tom davon erzählt haben. Der war ja kurze Zeit später als nächster vor meiner Türe gestanden und hat mir eins auf die Nase gegeben. Seitdem versuche ich, jeglichen Kontakt mit ihr zu vermeiden. Sie hat schon den einen oder anderen abfälligen Kommentar in deine Richtung fallen lassen, aber dass sie dir eiskalt ins Gesicht lügt, das hätte ich nicht gedacht. Aber Josie, du musst mir glauben: Ich bin nicht mit ihr in der Kiste gewesen. Es waren zwei unbedeutende Küsse - einer davon im Vollrausch. Wenn ich nur gewusst hätte, was sie für einen Keil zwischen uns treiben wollte, dann..."

 

 

"...getrieben HAT!", unterbreche ich seinen Monolog, mit dem Kopf auf meinen Knien aufliegend und auf den Fußboden starrend. Ben schaut mich fragend an. "Naja Ben, sie hat einen Keil zwischen uns getrieben. Ihretwegen hab ich dich so von mir weggestoßen. Mir war nicht klar, aus welchen Gründen sie mich anlügen sollte. Es lag alles auf der Hand: Ihr schlaft miteinander! Plötzlich fühlte ich mich ausgenutzt und veralbert. Du warst ja nach wie vor so charming und offen für Körperkontakt jeder Art mir gegenüber. Ich fand das immer schön. Anziehend und überall hat es gekribbelt. Aber ab diesem Moment fand ich es falsch und hinterlistig. Gemein und selbstsüchtig. Wenn ich gewusst hätte, dass das alles gelogen war..." Da fällt Ben mir ins Wort: "War es! Es war gelogen. Jedes Wort." Er kratzt sich aufgeregt den Nacken und starrt an die Decke. Er sucht sichtbar nach den richtigen Worten, aber so wirklich will es ihm wohl nicht gelingen. Gespannt sehe ich ihm bei seinen Verrenkungen zu und lausche seinen Worten und Satzfetzen. "Weißt du, das war damals ein riesiger Hammer. Die ganze Geschichte. Wir waren jahrelang ein Team. Ein richtiges Team. Haben jede freie Minute miteinander verbracht. Wir waren nicht nur ein Paar, sondern auch sowas wie... beste Freunde. Ich war total im Arsch, als ich erfahren hab, was sie mit mir abgezogen hat. Ich hätte sowas nie für möglich gehalten. Ich hab sie so... geliebt!" Meine Traurigkeit über seine Worte und die Zuneigung zu ihr kann ich nicht verbergen. Ben nimmt meine Hand und fährt fort: "Eine halbe Ewigkeit hab ich damit verbracht, sie zu vergessen. Hab niemanden an mich rangelassen. Ich konnte mir nicht vorstellen, überhaupt nochmal für irgendjemanden so zu empfinden wie für Jules. Wir waren so eine felsenfeste Einheit! Das war einfach immer in meinem Kopf." Mein Kinn beginnt zu beben. Bens Worte treiben mir die Tränen in die Augen. "Und dann bist du mir vors Auto gelaufen." Ruckartig wende ich meinen Blick von den Gläsern ab, die auf dem Tisch stehen und in denen die Kohlensäure der Cola am Glasrand nach oben perlt. Ben lächelt mich an. Etwas überrascht wische ich mir eine Träne, die sich gerade Richtung Wange aus dem Staub machen will, weg und hake nach: "Was?" Bens verständnisvoller Blick durchbohrt mich förmlich und seine warmen Worte bescheren mir ein wohliges Gefühl: "Josie, ich mag dich. Und das war mir schon bei unserer ersten Begegnung klar. Noch bevor du mir zum ersten Mal in die Augen gesehen hast. Bevor du mir überhaupt deinen Namen genannt hast. Bevor du zum ersten Mal aus Scham rote Wangen bekommen hast oder dir die Haare gezwirbelt hast. Und obwohl du damals noch in festen Händen warst, wusste ich es irgendwie." "Was wusstest du?" "Dass du zu mir gehörst."

 

 

Seine blanken Worte hauen mich förmlich um. Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht. Bevor ich vollends anfange, zu hyperventilieren, stehe ich auf, halte mir den Kopf und tapse einige Schritte vor dem Couchtisch umher. Ben lehnt sich nach vorne und fragt nach: "Josie? Ist... ist dir nicht gut? Wo willst du denn... wo willst du denn hin?" Seine Stimme klingt vollkommen entsetzt, als ich unbeabsichtigt Richtung Türe gehe. Seine Worte hallen mir unentwegt durch den Kopf. >Dass du zu mir gehörst.< >Ich mag dich.< Auch seine Umschreibung unseres ersten Aufeinandertreffens imponiert mir. Dass er sich so viele Kleinigkeiten eingeprägt hat. Auch bezüglich meines ganzen Wesens. Die Sache mit den roten Wangen... Augenblicklich schalte ich meinen Kopf aus und drehe mich zu ihm um. Verwirrt blickt er mich an. Da gehe ich lächelnd ein paar Schritte auf ihn zu. Ohne auch nur ein Wort zu sagen, ziehe ich mein Shirt aus und kaue auf meiner Unterlippe herum. Bens Gedanken geraten sichtlich mehr und mehr durcheinander. Doch mit einem Ruck steht er auf, haucht etwas ungläubig - dafür aber sehr erfreut und ungeduldig: "Oh Mann!" und stürmt auf mich zu, während ich kichern muss.

 

 

Ben umklammert mich ganz fest und ihm kann es gar nicht schnell genug gehen, sein dunkel kariertes Hemd und sein schwarzes Unterhemd loszuwerden. Ein leidenschaftlicher Kuss jagt den nächsten. Wir verlieren keine Zeit, nach oben ins Schlafzimmer zu verschwinden. Vor dem Bett bleiben wir stehen und entledigen uns der übrigen Kleidung. Während Ben sich wild an meinem Hosenknopf zu schaffen macht, öffne ich den Verschluss meines BH. Ich liebe es, seine Bartstoppeln am ganzen Leib zu spüren, während er mich küsst. Kaum sind meine Jeans und mein BH abgelegt, wirft Ben mich auf sein Bett und zögert keine Sekunde, sich zu mir zu gesellen. Seinen muskulösen Körper zwischen meinen Schenkeln zu spüren, bringt mich bereits in Ekstase, bevor wir überhaupt richtig zur Sache kommen. Die letzten Fetzen Kleidung über Bord geworfen, verwöhnt Ben mich nach Strich und Faden. Doch auch er kommt spürbar auf seine Kosten. Wir wälzen uns wild und hemmungslos in den Laken und ich kann es kaum abwarten, bis Ben mich vollends um den Verstand bringt. Er liegt über mir, seine starken Arme stützen seinen Oberkörper, der vor Lust bereits seinen Herzschlag deutlich anzeigt, und er haucht mir tief in die Augen blickend zu: "Ich liebe dich, Josie.", während er mit sanftem Druck sein Becken nach vorne schiebt. Innerhalb einer tausendstel Sekunde bin ich wie in Trance, sodass ich gar nicht auf seine Worte reagieren kann. Ich fahre ihm mit meinen Fingern durchs Haar und lasse meiner Lust freien Lauf. Ben Küsst mein Schlüsselbein und bringt mich mehr und mehr in Wallung. Kurzerhand dreht er mich zur Seite und legt sich in Löffelchen-Stellung dicht hinter mich. Dabei hebt er mein linkes Bein an und fasst mit der anderen Hand quer über meine Brust. Dass er dabei wild schnaufend meinen Nacken küsst, genieße ich in vollen Zügen. Es lässt sich nicht verhindern, dass ich von Sekunde zu Sekunde lauter werde. Ben ist so ein fantastischer Liebhaber. Er ist gleichermaßen sanft und respektvoll, aber auch auf eine gewisse Weise bestimmt und gibt den Ton an. Seine Hand wandert über meinen ganzen Körper und seine Beckenbewegungen bringen mich um den Verstand. Als ich meinen Arm nach hinten nehme und ihm meine Hand über den Nacken gleiten lasse, kann ich bereits einige Schweißperlen von der Anstrengung spüren. Seine Stöße werden schneller und sein Hecheln ungezügelter. Auch ich bin kurz davor, eine Punktlandung zu machen und beginne schließlich, meine Fingernägel in seine Haut zu bohren. Bens Griff wird auch immer fester und schließlich gelingt es uns wie gewohnt gemeinsam zum Höhepunkt zu kommen.

 

 

Erschöpft sinken wir in die Kissen und starren die Decke an. Ben dreht sich gerade auf die Seite, um mich in den Arm zu nehmen, da ploppen die Worte aus mir heraus: "Jetzt will ich ein Eis! Oder Pudding! Eis oder Pudding!" Ungläubig und noch immer schweratmend hebt Ben den Kopf und verzieht sein Gesicht: "Ist das dein Ernst?!" Ich muss lachen und verdeutliche ihm, dass ich jetzt tatsächlich was Süßes zur Stärkung brauche: "Hast du eins von beidem da?" Er fährt sich mit der Hand durchs Haar und meint: "Josie, du hast echt nen Knall!" Da gebe ich ihm ein Küsschen auf die Wange und bettele mit Bambi-Augen: "Biiitte! Kannst du mal nachsehen?" Schmunzelnd zögert er. Gibt mir dann jedoch einen Kuss auf den Mund und macht sich auf den Weg. "Ach, lass die Klamotten doch ruhig aus!", amüsiere ich mich weiter. Ich könnte mich an den Anblick seines nackten Hinterns gewöhnen. Selten so einen Knackarsch gesehen. Da muss Ben erneut lächeln und wirft mir sein Shirt entgegen.

 

 

Nach deutlich hörbarem Geklapper aus der Küche kommt er schließlich mit zwei Bechern Pudding und zwei Löffeln zurück. "Hier Prinzessin. Ein Dessert nach dem Dessert für eure Hoheit." Er wirft sich neben mich aufs Bett, gibt mir ein Küsschen auf die Schulter und beginnt schließlich, seinen Pudding zu löffeln. Wie ich es nicht anders erwartet habe, dauert es nicht allzu lange, bis Ben die Lage klären will. "Sag mal, Josie... Was ist das denn jetzt hier? Mit uns?" Die Verunsicherung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Doch ich freue mich wahnsinnig, ihm die frohe Botschaft zu überbringen: "Naja, nach so einer Liebeserklärung und nachdem du ja ohnehin schon festgestellt hast, dass ich zu dir gehöre, liegt es ja auf der Hand..." Fies wie ich bin, lasse ich ihn noch ein, zwei Momentchen zappeln: "...dass ich deine Freundin bin." In Sekundenschnelle erhellt sich Bens Gesichtsausdruck und er hält sich überglücklich die Hand vor sein Grinsen. "Ehrlich?! Wir sind jetzt zusammen? Wir sind endlich zusammen? Freund und Freundin?" Freudestrahlend nicke ich ihm überschwänglich zu. Da packt ihn seine Begeisterung, er nimmt mir Löffel und Becher aus der Hand und überrollt mich halbwegs mit seiner Manneskraft: "Leg das Zeug weg." Er vergräbt sein Gesicht tief in meinem Nacken und ich kann mir ein Kichern nicht verkneifen. Dass er von meiner Entscheidung - oder wie man es auch nennen mag - so verzückt ist, dass ihm direkt wieder das Blut in die unteren Regionen schießt, hatte ich so nicht erwartet.

 

 

Doch ehe Ben die zweite Runde einläuten kann, werden wir von seinem Handy gestört. Zunächst zeigt er sich davon überhaupt nicht beeindruckt und liebkost mich unaufhörlich weiter. Als es aber nach einer Minute Pause direkt wieder klingelt, druckse ich herum: "Ben, dein... Handy! Geh... geh lieber... geh lieber ran." "Nein... Nicht jetzt." "Aber wenn es was Wichtiges ist?! Um diese Uhrzeit muss es ja... was Wichtiges... sein." Augenrollend und widerwillig lässt er von mir ab und beugt sich zu seinem noch immer nervtötend laut klingelnden Telefon. "Es ist Dave. Oh Mann, ich kanns kaum abwarten, ihm die Neuigkeiten zu..." Da werde ich für einen kurzen Moment ernst und lege meine Hand auf seine, ehe er abheben kann. "Sag bitte vorerst noch nichts." Fragend schaut er mich an, nickt mir dann aber zu. "Dave was gibt’s? ... Ja irgendwo hab ich den sicher noch. ... Heute noch? ..." Wie eine Wilde beginne ich, mit dem Kopf zu schütteln, und gebe Ben überaus deutlich zu verstehen, dass das absolut keine gute Idee ist. "... Äh, sorry. Das ist schlecht. ... Du weißt doch, meine Kopfschmerzen. Und Bauchschmerzen. Und Rückenschmerzen. ... Ja ich kann ihn ja morgen zur Mittagsschicht mitbringen. ... Alles klar. ... Ciao."

 

 

Mit einem etwas verunsicherten Gesichtsausdruck legt er sein Handy wieder weg. "Tut mir leid, Ben. Aber die meinen ja noch... dass ich mit Adrian zusammen bin. Bislang hab ich ihnen ja nichts davon gesagt. Mir wäre es wirklich lieber, wir könnten es die nächsten Wochen noch für uns behalten. Dieses ganze Wirrwarr..." "Ich versteh schon.", lächelt er mir verständnisvoll zu. "Ja wirklich?" "Ja. Du musst deswegen nicht gleich ein Schleudertrauma riskieren." Er schlüpft kurzerhand mit unter die Bettdecke und ergänzt schelmisch breit grinsend: "Außerdem ist es so ja vielleicht sogar ganz spannend..." Ding ding ding. Da läuten wir gemeinsam die zweite Runde ein.

 

 

Im Anschluss fällt Ben auf, dass ich während wir schmusen ständig auf die Uhr blicke. "Warum wirst du denn so unruhig?" Da spiele ich an der Decke rum und stelle ungeduldig fest: "Naja es ist schon... fast halb 1." Ben kuschelt sich noch fester an mich, reibt seine Wange an meiner Schulter und entgegnet mir leise: "Du musst doch nicht mehr los. Bleib doch hier, Josie. Bleib bei mir." Ich hatte mir den Abend vor einigen Stunden ja noch vollkommen anders ausgemalt und so hadere ich: "Ich weiß nicht. Eigentlich hatte ich nicht vor... hier zu übernachten." "Wie ich dich kenne, hattest du eigentlich auch nicht vor, mit mir zu schlafen, stimmts?!", bohrt er rechthaberisch nach. "Also... naja..." "Na siehst du! Ist doch alles gut. Ich hab noch frische Zahnbürsten, fließend Wasser für eine Dusche morgen früh und Klamotten brauchst du zum Schlafen ohnehin nicht." Schon süß, wie er sich das alles so zusammenpuzzelt, aber so ganz überzeugt bin ich irgendwie noch nicht. Doch Ben wäre nicht Ben, wenn er nicht genau wüsste, wie er da Abhilfe schaffen kann: Er legt seine Hand in meinen Nacken, streichelt mir mit dem Daumen sanft über die Wange und küsst mich. "Überzeugt?" "Überzeugt!", gebe ich mich hoffnungslos verliebt geschlagen.

 

 

Ich erhebe mich also aus Bens kuscheligem Bett, schlüpfe in mein Höschen und werfe mir sein Hemd über. "Dann zeig mir doch mal, wo die Zahnbürste ist." Nachdem ich mich abgeschminkt und gewaschen hab, stehen wir beide wie ein altes Ehepaar gemeinsam vor dem Badezimmerspiegel und putzen uns die Zähne.  "Ich hab morgen die Mittagsschicht mit Dave und Mike. Aber du kannst gerne ausschlafen und so lange hier bleiben wie du möchtest. Zieh einfach die Türe hinter dir zu." "Ich muss sowieso früh aufstehen. Morgen ist ja Montag und ich muss leider wieder in die Kanzlei.", erwähne ich mit hängenden Schultern. Da stellt sich dieses Ferkel hinter mich, lässt seine Hände unter das Hemd wandern und merkt folgende Idee an: "Na, dann müssen wir die Nacht noch ausnutzen." Doch bei dem Gedanken daran, in nicht mal 6 Stunden aufstehen und einen ganzen Arbeitstag über mich ergehen lassen zu müssen, bremse ich seine schweinischen Gedanken und verpasse ihm einen Dämpfer: "Hör mal, du kleiner Nimmersatt: Von Zeit zu Zeit brauche ich auch ein bisschen Schlaf." Wir gehen also gemeinsam ins Bett und kuscheln uns aneinander, bis wir einschlafen.

 

 

Als mein Wecker am nächsten Morgen in voller Lautstärke durch Bens Wohnung dröhnt, merke ich, dass ich tatsächlich noch ein bis fünf Mützen Schlaf mehr vertragen hätte. Die Nacht war zwar kurz, aber ich finde es schön, neben Ben aufzuwachen. Seine Arme haben mich fest im Griff und ich gebe ihm ein Küsschen auf die Stirn. Da murmelt er vollkommen schlaftrunken: "Musst du schon aufstehen?" "Ja. Schlaf weiter. Wir sehen uns heute Mittag.", flüstere ich, gebe ihm noch ein Küsschen und bin wie gebannt von seinem Anblick. Ich spüre, wie ich innerlich unruhig werde. Seit gestern Abend schwirrt mir da schon etwas durch den Kopf. Kurzerhand flüstere ich: "Ben??" Mit geschlossenen Augen nickt er mir zu und gibt mir damit zu verstehen, dass er mich hört. Ich atme nochmal durch und will ansetzen. Doch ich feige Kuh und kneife und meine: "Es war schön." Noch immer unfähig, seine Augen zu öffnen greift Ben nach meiner Hand und streichelt sie lächelnd, ehe er umgehend wieder wegnickt.  Ich verabschiede mich mit einem Küsschen auf die Wange und tapse möglichst leise ins Bad, wo ich mich für den Tag frisch mache. Natürlich muss ich noch in die WG schauen um Unterwäsche zu wechseln – auch wenn ich sie verhältnismäßig wenig an hatte. Ich erwische es zeitlich gerade so, dass Linda und ich uns gemeinsam auf den Weg zur Arbeit machen können.

 

 

Dort angekommen entgeht Sherlock Sara natürlich mein breites Grinsen, das ich den lieben langen Tag nicht mehr ablegen kann, selbstverständlich nicht. "Also Josie, Adrian muss dir ja wirklich gut tun. Du strahlst so eine wahnsinnige Freude aus." "Ja, ich hab mich heute auch schon gewundert, wieso du wie ein Honigkuchenpferd grinst!" Gutes Stichwort. Dann werd ich den Damen mal Teil 1 der Story erzählen: "Also um ehrlich zu sein: Adrian und ich haben uns getrennt. Auf... deiner Hochzeit. Er musste zu keinem Meeting, er war einfach... naja..." Jetzt weiß ich doch glatt nicht, wie ich diesen Satz beenden soll, ohne Teil 2 zu spoilern. "Sagen wir so: Es hat einfach nicht wirklich gepasst." "Josie, jetzt sag doch schon die Wahrheit. Sara hält das schon aus. Auch wenn es ausgerechnet auf ihrer Hochzeit dazu kommen musste. Diese alten Ferkeleien..." Sowohl Sara als auch ich reißen beängstigt die Augen auf. "Na, sag ihr doch, dass Adrian dich bedrängt hat. Dass er dauernd an dir rumgefummelt hat und sich überhaupt nicht zusammenreißen konnte. Sogar in der Kirche hat er an ihr rumgegrapscht, Sara. Das glaubst du nicht...", verschränkt Linda kopfschüttelnd die Arme. In der Kirche? Daran kann ich mich gar nicht erinnern! Doch zunächst mal bin ich froh, dass Adrians Fummelattacken gemeint waren und nicht Bens und mein kleines Stelldichein im Brautzimmer. "Wie meinst du denn das, er hat sogar in der Kirche rumgegrapscht?" "Als Ben sein Ständchen gebracht hat. Da waren natürlich alle Blicke nach vorne gerichtet und es wurde über die Lautsprecher ja in gut hörbarer Lautstärke übertragen. Da hat dieser Bauer es tatsächlich gewagt, Josie in ihren Rückenausschnitt zu fassen. Erst als sie sich mit voller Wucht nach hinten an die Kirchenbank gelehnt hat, hat er es endlich sein lassen. Da hast du ja echt was mitgemacht, Josie." Um ehrlich zu sein, war ich von Bens Gesangseinlage so irritiert und abgelenkt, dass ich davon überhaupt nichts mitbekommen hab. Aber letzten Endes kommt mir das aktuell ja nur zu Gute. Also nicke ich bedeutungsschwanger.

 

 

Endlich schlägt die Uhr 12 und wir machen uns auf den Weg in die Bar. Schon den ganzen Tag freue ich mich darauf, Ben endlich wiederzusehen. Und die Tatsache, dass niemand weiß, dass wir jetzt fest zusammen sind, macht die ganze Sache wirklich spannend. So ein Versteckspiel stelle ich mir schon aufregend vor... In Gedanken versunken betrete ich die Bar als letztes. Linda und Sara setzen sich an unseren Tisch, während Ben und ich uns zur Begrüßung aus der Ferne schüchtern zunicken. Als er schließlich zu uns rüberkommt und die Bestellung aufnimmt, pocht mein Herz unaufhörlich. Auch Bens Hand, die langsam und von allen anderen unbemerkt über meinen Rücken wandert, trägt nicht gerade zu irgendeiner Art Beruhigung meinerseits bei. Kaum hat er unseren Tisch verlassen, tuschelt Sara drauf los: "Mensch, Ben hat auch so gute Laune. Was ist denn heute nur los?" Linda und ich reagieren gleichermaßen überfordert und stammeln im Chor irgendwelche Halbsätze die keinerlei Sinn ergeben. Ich, weil ich verbergen will, dass Ben und ich die halbe Nacht rumgemacht haben, aber warum ist Linda denn nur so von den Socken?! Das interessiert glücklicherweise nicht nur mich, also hakt Sara genauer nach: "Was habt ihr denn? Wisst ihr was, was ich nicht weiß?"  Linda will sich merklich um eine Antwort drücken. So wortkarg kennt man sie gar nicht. Da muss ich mich auch erkundigen: "Sag schon, Linda. Was ist denn?" Von unseren bohrenden Blicken halbwegs erdolcht, holt sie schließlich Luft, um zu antworten, doch gerade in dem Moment kommt Ben mit den Getränken an den Tisch zurück. Dass er mir beim Servieren etwas schmutzig grinsend zuzwinkert, wühlt mich innerlich so auf, dass ich fast vergesse, dass unser Thema gerade genauso brisant ist. "Er ist weg! Schieß los!", fordert Sara, während sie einen langen Hals macht und Richtung Theke spannert.

 

 

Etwas zögerlich erzählt uns Linda von ihrem und Daves Verdacht, was im Handumdrehen dazu führt, dass mir fast meine Cola aus der Nase sprudelt: "Dave und ich haben den Verdacht, dass Ben auf deiner Hochzeit eine klargemacht hat. Und wahrscheinlich trifft er sich jetzt mit ihr." Naja, so ganz von der Hand zu weisen ist die These ja nicht, aber wen hat sie denn dabei im Kopf?! Meines Erachtens nach hatte er nur Augen für mich. Oder weiß sie doch, das ich diejenige war? Wissen sie Bescheid? Oh mein Gott! Was soll ich denn nur sagen?! Wir haben im Brautzimmer gevögelt! Auf dem Tisch! Und im Sessel! Wie die Tiere sind wir übereinander hergefallen. Dafür gibt es keine Erklärung! Da meine Gedanken mich sichtlich in nackte Panik versetzen, bekomme ich fast nicht mit, was die beiden weiter mutmaßen. Doch im richtigen Moment bekomme ich nochmal die Kurve: "Die mit dem violettfarbenen Kleid?" "Ja genau die meine ich!" "Wie alt ist die denn?" "Schätze so 19, vielleicht 20." "Ben ist 25. Würde also passen." An der Stelle muss ich mich dann doch wieder einklinken, um mitzubekommen, was überhaupt Phase ist: "Entschuldigt, ich hab grad nicht aufgepasst. Um wen geht es denn?" "Um Saschas Großcousine Milla." "Ja Josie. Die hatte doch diesen lilafarbenen Nuttenfetzen an! Die mit dem Pfannkuchengesicht, erinnerst du dich?" Da dämmert es mir tatsächlich... "Aaah! Ja. Genau. Die, die beim Aufstehen und Hinsetzen immer fast ihre Brüste verloren hätte?!", mache ich mich boshaft wie ich nun mal sein kann, über sie lustig. "Ja. Sascha hat gesagt, dass er mitbekommen hat, dass sie Ben ihre Nummer gegeben hat. Mit einem eindeutigen Augenzwinkern. Danach waren beide für ein Weilchen verschwunden und sind dann – ganz unauffällig – mit ein paar Minuten Abstand wieder in den Saal zurückgekehrt!" Da nimmt Linda meine Hand: "Ich wusste nicht, wie du damit umgehst. Deswegen wollte ich nichts sagen." Doch da ich ja selbst seine Nebenbeschäftigung auf der Hochzeit war, kann ich das total gut ab und höre gespannt weiter zu. "Als Ben dann gestern noch diese fadenscheinige Ausrede gebracht hat, dass ihm alles weh tut und er nicht mit ins Kino kommen kann. Entschuldigt Leute, aber das liegt doch auf der Hand!" "Aber eigentlich ist Milla ja nicht gerade Bens Geschmack, oder Josie?! Was sagst du?", erkundigt Sara sich nach meiner Meinung. "Naja, der Alkohol ist ja in Mengen geflossen. Da kann so ein Geschmackssinn sich ohne Navi schon mal verlaufen!", hebe ich flapsig die Hände in die Luft. "Gestern Abend nach dem Kino wollte Dave noch kurz bei Ben vorbeischauen. Wir haben nämlich im Kino diskutiert, ob der Schauspieler aus True Lovestory III der selbe Schauspieler ist, wie der aus diesem Grusel-Mist, den die Jungs so gerne schauen. Dann hat Dave irgendwie Lust auf den Film bekommen und wollte ihn sich bei Ben ausleihen. Aber da war er wieder so merkwürdig. Dave ist sich sicher, dass er eine Tussi bei sich hatte." "Na hör mal!!", rege ich mich unüberlegt auf, bei dem Gedanken, dass Linda mich Tussi nennt. "Was hast du denn?" "Sollen wir vielleicht doch das Thema wechseln, Josie?" "Nein nein, schon gut. Äh... ich finde es nur... nicht gut... nicht gut, dass... ihr beiden Ben unterstellt, dass er gelogen hat." "Naja, eigentlich ist er ja schon eine ehrliche Haut aber...", grübelt Sara, ehe Linda ihr ins Wort fällt – platt wie eh und je: "Naja, ich würds auch nicht sagen wollen, wenn ich mit nem Pfannkuchengesicht rumpoppen würde!" "LINDA! Wahrscheinlich hat er nur jemanden zum Dampf ablassen gesucht. Er wird akzeptiert haben, dass du mit Adrian zusammen bist und hat eben mal seine Möglichkeiten ausgekundschaftet. Auch wenn das mit Adrian jetzt hinfällig ist!" Da kann diese dumme Kuh von Linda sich nicht zurückhalten und muss lachen: "Ja, wenn er davon erfährt, wird er vermutlich wieder umschwenken und an dir rumbaggern, Josie. Vielleicht werdet ihr ja doch noch irgendwann ein Paar." Glücklicherweise kommen Dave und Ben mit unserem Essen just im gleichen Moment an den Tisch, sodass Linda ihren verbalen Ausbruch einstellt und sich eine Träne von der Wange wischt. Als Dave sich neben sie setzt und mit einem Kuss, der sich gewaschen hat, begrüßt, schmachten Ben und ich uns nur an und beneiden die beiden. Kurzentschlossen setzt er sich neben mich. Sehr nah neben mich. "Und Mädels, was machen die Akten?" Da hat Ben ganz geschickt dieses Alltagsgeplänkel losgetreten, um die anderen davon abzulenken, dass er seine Hand auf meinen Oberschenkel legt. Selbstverständlich versuche ich pflichtbewusst und möglichst undercover, sie da wegzunehmen, aber er ist einfach kräftiger. Langsam aber sicher streift seine Handfläche auf der Innennaht meiner Jeans Richtung Norden. Glücklicherweise ruft gerade jemand von einem anderen Tisch nach der Rechnung, sodass Ben aufsteht. Ganz in seiner Ben-Manier kann er es dabei nicht lassen, mir ein verwegenes Lächeln zuzuwerfen. Während die anderen sich weiter unterhalten haben Ben, der gerade hinter dem Tresen steht und ich immer wieder flüchtigen Blickkontakt bis er nach unten blickt und genauso schmutzig lächelt wie gerade eben. Ich strecke mich, um zu sehen, was er da macht. Aber das klärt sich im nächsten Moment ohnehin, als er sein Handy in die Luft hält und dann verschwindet. Ungeduldig wühle ich in meiner Manteltasche nach meinem Handy. Tatsächlich: Eine Nachricht von Ben. >Lagerraum! ; )< Ich spüre, wie mir langsam die Röte ins Gesicht schießt und verabschiede mich kurz „auf die Toilette“.

 

 

Mit einem Kribbeln im Bauch gehe ich Stufe für Stufe in Richtung Lagerraum. Dort angekommen, packt Ben mich direkt am Arm und drückt mich beherzt an die Wand. "Hallo Mäuschen! Zeit für eine richtige Begrüßung." In Windeseile drückt er mir seine weichen Lippen auf und lässt dabei seine Hände über meine Schulter und meine Taille gleiten. Ich lege meine Hände auf seinen Schultern ab und genieße seine Nähe. "Hallöchen starker Mann." Wir blicken uns tief in die Augen und schmunzeln uns an. Die Situation erhitzt sich deutlich. Ben kaut auf seinem Lippenpiercing rum und säuselt: "Sehen wir uns heute Abend?" Zu seinem sichtlichen Entsetzen muss ich absagen: "Tut mir leid. Ich kann heute nicht. Heute Abend muss ich tatsächlich auf Anna aufpassen." Er wirft mir einen etwas sauertöpfischen Blick zu und lotet weitere Möglichkeiten aus: "Morgen kann ich nicht. Da fahre ich direkt nach der Schicht zu meinen Großeltern. Deren Wasserboiler spinnt und den soll ich mir mal ansehen. Übermorgen?" "Mittwoch läuft ja eigentlich der Bachelor..." Verständnislos und vorwurfsvoll legt er den Kopf zur Seite und gibt mir mit seinem Blick zu verstehen, dass ich spinne. "Naja, Linda und Sara und ich sehen den immer zusammen. Wir machen uns ein, zwei Flaschen Wein auf, essen Pralinen und Chips dabei... ein schöner Mädelsabend eben." Da greift er mir unter die Pobacken und haucht mir ins Ohr: "Hör mal, wozu denn einen blöden Bachelor im Fernsehen anschauen, wenn du deinen eigenen Bachelor zur Auswahl hättest?! Bei mir gäbe es dann auch nicht nur Pralinen und Chips zu vernaschen..." Bens Vorschlag macht mich fast ein bisschen wollüstig und ich merke, wie mein Herz anfängt zu beben. Ich könnte für absolut nichts garantieren, würde Dave nicht direkt im nächsten Moment nach unten brüllen: "Ben bist du noch im Lager?!" "Ja, was gibts denn?" "Bringst du bitte ne Kiste Helles mit?" "Klar!" Ich gebe ihm ein Küsschen auf die Nase, klatsche ihm behutsam auf die Wangen und flüstere: "Wir machen noch was aus, ja?!" Ich checke schnell, ob die Luft rein ist und husche die Treppen nach oben.

 

 

"Da bist du ja! Wir dachten schon du hast Durchfall!" "WAS?!" Sehr sexy, Linda, seeehr sexy! "Los, wir haben extra mit dem Essen auf dich gewartet. Wir verhungern!" Die restliche Mittagspause begnügen Ben und ich uns mit verstohlenen Blicken, dem einen oder anderen Zwinkern und haufenweise roter Gesichtsfarbe meinerseits.

 

 

Auf dem Nachhauseweg beteilige ich mich eher passiv am Gespräch, was dem Ganzen aber keinen Abbruch tut. Linda ist ja bekannt dafür, unbeschreiblich lange Monologe zu halten. Der Grund für meine geistige Abwesenheit ist die Tatsache, dass ich unentwegt am Grübeln bin. Am Grübeln, wann Ben und ich uns sehen können, ohne dass jemand etwas mitbekommt. Doch da bekomme ich einzelne Satzfetzen mit und werde hellhörig: "Was hast du gesagt? Ihr fahrt weg?" "Ja, das hab ich dir doch schon vorletzte Woche erzählt, Josie. Wir fahren zum Wellness. Nur von Freitag bis Samstag. Und Sonntag haben wir überlegt, ob wir nicht nen gemütlichen Filmeabend bei uns machen wollen. Wenn du dich erinnerst: Sara und Sascha starten am Sonntag in die Flitterwochen und wir haben abgemacht, sie zum Flughafen zu bringen. Danach könnten wir noch was essen gehen und dann unser Sofa bis zu seiner Belastungsgrenze ausfaullenzen. Ben, Dave, du und ich! Was sagst du dazu?" In Gedanken gehe ich bereits die Nachricht durch, die ich Ben schicken werde, sobald ich zuhause bin. Perfekt, dass unsere Turteltäubchen von Freitag bis Samstag weg sind. Dann haben wir die Bude für uns und können den lieben langen Tag... "HAAALLOOO?! Hörst du mir überhaupt zu?" Mit ihrem Gepolter reißt Linda mich schnurstracks aus meinen Gedanken: "Ja klar. Kein Problem. Können wir gerne machen. Wenn Ben auch Zeit hat. Um welche Uhrzeit müssen die beiden denn am Flughafen sein?"

 

 

Wie geplant husche ich zuhause angekommen direkt in mein Zimmer und tippe schmunzelnd eine Nachricht für Ben ein: >Hey. Wir können uns zwar vor Freitag nicht unbeobachtet sehen, aber Linda und Dave sind dann bis Samstag Abend beim Wellness. Zeit zu zweit. :*< In Sekundenschnelle kommt ein tanzendes Männchen zurück und bringt damit zum Ausdruck, wie sehr Ben sich freut. Kaum hab ich mich in meine Jogginghose und mein Schlabber-Shirt geworfen, klingelt schon Joe an der Türe und setzt Anna hier ab. Während wir Mädels uns leckeren Rahmspinat mit Kartoffeln kochen, macht sich langsam aber sicher eine Wolke aus Aftershave in der Wohnung breit. "Huiuiui, was hast du denn noch vor, Dave?! Du riechst ja wie frisch aus dem P...arfümladen.", kriege ich grade so nochmal die Kurve, als mir auffällt, dass Minderjährige anwesend sind. "Hat Linda dir das gar nicht erzählt? Ich geh mit Ben was trinken. Männerabend! Haben wir spontan vereinbart. Das ist eben das Gute daran, in einer Bar zu arbeiten und in verschiedenen Schichten zu arbeiten. Da ist auch mal das eine oder andere Bierchen während der Woche drin." Irgendwie schon süß, dass Ben sich etwas Ablenkung genehmigt, nachdem ich ihm für heute absagen musste. "Wie kommt ihr denn in die Stadt, oder fährt jemand?" "Ben fährt wohl. Nachdem er sich das letzte Mal so abgeschossen hat, hat er sich diesmal gleich angeboten." Gut zu wissen. Immerhin muss ich mir so keine Sorgen machen, dass Ben zu viel trinkt und ihm noch unser kleines Geheimnis rausrutscht.

 

 

Der Abend verläuft relativ ruhig. Anna scheint eine waschechte Grippe zu entwickeln und hängt sichtlich in den Seilen. Sie war schon immer sehr anhänglich, wenn sie etwas ausbrütet und so kuschelt sie sich auch heute an mich, während wir eine Kinderserie anschauen. Bis Joe und meine Mum sie um kurz nach 23 Uhr abholen, schläft sie bereits tief und fest. Und ein gutes Stündchen später ist auch die große Schwester ziemlich erledigt und sabbert schon halbwegs auf die Kissen. Doch ich werde mit einem Ruck wach, als die Türe aufgeht und ich Bens Stimme höre. Hektisch streife ich mir die Haare aus dem Gesicht und reibe mir den Schlaf aus den Augen. Auch Linda hat schon neben mir auf dem Sofa geschlafen und erschreckt sich, als plötzlich Männerstimmen in der Wohnung ertönen. Wie gerne würde ich es ihr gleichtun und meinen Freund mit einem Kuss begrüßen?! Doch ich muss mich erst mal mit Bens reiner Optik begnügen. Sexy, wie er da so an der Küchenzeile lehnt. Mit den Händen in den Hosentaschen der zerrissenen dunklen Jeans. Seinem anliegenden Shirt und der dunkelbraunen Lederjacke. Ich würde ihn am liebsten auf der Stelle vernaschen, aber stattdessen muss ich mich erneut mit verstohlenen Blicken und unauffälligem Schmunzeln zufrieden geben. "Sag mal Dave, hast du denn meinen Film hier? Dann könnte ich den gleich wieder mitnehmen." "Ah. Gut, dass du mich dran erinnerst Ben. Ich hab ihn heute Vormittag schon in der Hand gehabt." Ich verstehe die Welt nicht mehr: Während Dave den Zeitungsstapel, die Obstschale und sogar die Schüssel mit unseren Schlüsseln und dem Kleingeld drin durchwühlt, wird Bens Grinsen immer breiter und breiter. "Linda, Josie, habt ihr den Film gesehen? Ich könnte schwören, ich hab ihn hier hin...", rätselt Dave wild weiter. "Hast du ihn vielleicht doch wieder in unser Zimmer mitgenommen, Dave?", wird auch Linda ganz mürbe. Zusammen verschwinden sie im Stechschritt in ihrem Zimmer und durchwühlen jede Ecke nach dem Film. Bei dieser Gelegenheit kommt Ben zu mir rüber und gibt mir einen langen, zärtlichen und so dermaßen überfälligen Kuss. "Not macht erfinderisch, oder wie sagt man?", zwinkert er mir zu und zeigt mir die DVD, die er unter seiner Jacke versteckt. Also auf den Kopf ist mein lieber Ben ja wirklich nicht gefallen. "Gut siehst du aus. Habt ihr einen schönen Abend verbracht?" Da streicht Ben mir eine Haarsträhne von der Stirn, sieht mir in die Augen und antwortet: "Und du siehst erst gut aus. Naja, war schon ganz lustig. Aber ich hatte eigentlich andere Pläne. Dann wäre der Abend anders ausgefallen." Er küsst mich auf die linke Wange. "Ruhiger." Er küsst mich auf die rechte Wange. "Und doch aufregender." Links. "Romantischer." Rechts. "Intimer." Da kommen die beiden Nasen urplötzlich zurück ins Wohnzimmer gesprintet: "Tut mir leid, Ben. Ich hab ihn sicher auf die Kommode gelegt. Keine Ahnung, wo der hingekommen sein soll." Wie zwei aufgeschreckte Hühner hüpfen wir auseinander und Ben hält die DVD in die Luft. "Hab ihn!" Linda und Dave fällt die Kinnlade runter: "Hä? Wo kommt der denn jetzt her?" "Josie, das vergessliche Huhn hat sich vorhin die Handlung auf der Rückseite durchgelesen und vergessen, ihn wieder zurückzulegen." Vergessliches Huhn? Da grinst er mich noch frech an. "Ich werd dann mal gehen, Leute. Gute Nacht zusammen." Und mit einem noch viel breiteren Grinsen verschwindet Ben schließlich.

 

 

Nachdem ich mich im Bad frisch gemacht hab, verkrümele ich mich schließlich in mein Zimmer. Wenn ich an das Gefühl denke, das ich habe, wenn Ben und ich so aufpassen müssen, wie sehr wir uns gegenseitig anziehen und doch die Finger voneinander lassen müssen, dann kribbelt mein ganzer Körper. Unbeschreiblich, was dieser Mann für einen Einfluss auf mich und meine Gefühlswelt hat. Mit diesen aufregenden, wohltuenden und wunderschönen Gedanken schlafe ich auch schließlich ein.

 

 

Nachdem ich mich unheimlich auf unseren gemeinsamen Freitagabend freue, zieht sich die Woche natürlich ungemein. Außer ein paar "unbeabsichtigten" Berührungen und klammheimlichen Schmachtblicken bleibt die Nähe zwischen Ben und mir ziemlich auf der Strecke. Daher bin ich umso glücklicher, als endlich das Wochenende angebrochen ist und Linda die letzten Beauty-Artikel in ihren viel zu vollen Koffer quetscht. "Ihr seid doch nur für eine Übernachtung weg, Linda. Brauchst du denn wirklich das ganze Zeug? Wir wollten eigentlich schon seit einer halben Stunde los.", drängt Dave und auch ich muss immer wieder auf die Uhr sehen. Ben und ich haben solche Sehnsucht nach einander, dass das Zeitfenster wohl etwas knapp gesetzt war. Und wie ich es geahnt hatte, klingelt es im selben Moment. "Ben, was machst du denn hier?", fragt Dave verdutzt mit der Türklinke in der Hand. Ben bekommt erst mal große Augen und war sichtlich nicht darauf vorbereitet, dass die beiden noch da sind. Da schiebe ich ein etwas schrill klingendes "Ja Ben, was machst du denn hier?" hinterher. "Ähm... also... Ich bin grad quasi auf der... Durchreise.", erklärt er mit einer Tüte in der Hand wedelnd. Während Linda in den Ärmel ihrer Jacke schlüpft, fragt auch sie verwirrt nach: "Auf der Durchreise?! Wohin fährst du denn?" Da ich merke ich, dass ich vor Aufregung allmählich rot anlaufe, drehe ich mich kurzerhand in Richtung Küche und schrubbe die – eigentlich bereits saubere – Spüle und lausche weiter dem Gespräch. "Naja ich bin auf dem Weg zu meinen Großeltern und wollte kurz... vorbeischauen." "Dann hast du aber Glück, dass du uns noch erwischst. Wir wollten eigentlich schon auf der Autobahn sein." "Ja, oder bist du wegen Josie hier?!", kichert Linda unwissend. Dave grinst Ben verwegen an und haut ihm mit der Faust auf den Oberarm: "Oder bist du gar nicht auf dem Weg zu deinen Großeltern?!" Ertappt und ratlos sucht Ben Blickkontakt zu mir. "Mensch Dave, jetzt hör doch auf zu sticheln. Du immer.", rückt Linda ihn zurecht. "Also... was meint ihr denn?!" Ben ist langsam so verwirrt, dass er sich nur noch mit der Hand durchs Haar fährt und die Stirn in Falten legt. Da wirft Linda ihm ein Leckerli hin, was offensichtlich nur noch mehr Wirrwarr in Bens Kopf stiftet: "Ich sag dazu nur Pfannkuchen. Los Dave, schnapp dir deine Jacke. Wir gehen." "Pfannkuchen?! Was soll denn das hei..." Und mit einem kräftigen Ruck fällt die Türe ins Schloss. Ben versteht nach wie vor nur Bahnhof, was ich schon wieder süß finde und mich zum Lachen bringt – bei mir ist der Groschen ja zwischenzeitlich gefallen.

 

 

Er dreht sich zu mir um und wiederholt: "Pfannkuchen?" "Frag am besten nicht!", muss ich kichern. Ben geht langsamen Schrittes auf mich zu und säuselt: "Jetzt muss ich erst mal meiner Freundin ordentlich Hallo sagen." Mit einem resoluten Griff hebt er mich im Nu auf die Arbeitsfläche der Küche und gibt mir einen kräftigen Kuss. Engumschlungen verweilen wir so einige Sekunden und ich hauche: "Endlich ungestört." Da erkundigt sich Ben nach der Abendplanung: "Was hast du denn Schönes für uns geplant?" "Also ich hab mir Annas Spielekonsole ausgeliehen. Wenn du magst könnten wir ein bisschen zocken. Außerdem hab ich ein paar Filme rausgesucht, die dir gefallen könnten. Flyer hab ich auch schon bereit gelegt, damit wir später Essen bestellen können. Und ansonsten hab ich eigentlich nichts geplant, außer ganz ganz viel Knutschen!" Er muss schmunzeln und meint "Na Letzteres klingt doch super. Das gefällt mir von allem am besten." Dabei drückt er mir direkt den nächsten Kuss auf die Lippen, sodass ich fast die Tüte vergesse, mit der er reingekommen ist und die er neben uns auf die Ablage gepackt hat. "Und was hast du da alles dabei?" Er sieht mir tief in die Augen, zuckt mit den Schultern und sagt zu meinem absoluten Entsetzen: "Ach nur Kleinigkeiten für einen spannenden Abend. Massageöl, Handschellen, Analplugs und Nippelklemmen. So Zeug halt." Mir stockt der Atem und ich schaue ihn vollkommen entgeistert an. Massageöl – okay; gewöhnungsbedürftig! Handschellen – sein Ernst?! Anal... Während es in meinem Hirn nur so rattert, hält Ben sich den Bauch und lacht mich aus bis ihm schließlich die Tränen kommen. Ich bin noch immer etwas verwirrt und sage keinen Ton. "Hahaha, wie du mich anschaust, Josie. Göttlich! Hahahaha, ich kann nicht mehr. Hahaha, sieh rein, da sind nur Süßigkeiten drin." Nach diesem Schock brauche ich einige Sekunden, bis ich wieder zu mir komme. Schließlich hämmere ich auf seiner Schulter herum und schimpfe ihn erleichtert aus: "Bist du des Wahnsinns?! Du kannst mir doch nicht so einen Schreck einjagen! Ich dachte schon, du wärst ein Perversling!" Versöhnlich nimmt er mich in den Arm und küsst mich erneut – auch wenn er dabei noch ein bisschen ins Glucksen kommt. Da fällt ihm plötzlich wieder Lindas – für ihn unverständlicher – Kommentar ein: "Sag mal: Was meinte denn Linda vorhin mit Pfannkuchen? Kannst du mich bitte einweihen?!" Seine Reaktion auf meine Erklärung ist zum schießen: "Was denn?! Mit DER?!" Entsetzt und auch ein bisschen angewidert schaut er mich an. "Die hat doch einen Kopf wie ein Heißluftballon! Wie kommen die zwei Pfosten denn da drauf?" "Weil sie gesehen haben, dass sie dir ihre Nummer zugeschoben hat. Ist doch gut. Dann haben sie zumindest nichts von unserem Techtelmechtel mitbekommen.", tue ich das Ganze lockerflockig ab. "Ja... aber mit DER...?!", kann ich Ben noch vor sich hin murmeln hören, während ich mir die Flyer greife und nachsehe was wir essen könnten.

 

 

Während wir auf unsere Pizzen warten zocken wir um die Wette bis Annas Konsole heiß läuft. Selbstverständlich ziehe ich Ben sowas von ab. "Oh Mann. Im Autorennen war ich noch nie wirklich gut.", beklagt er sich niedergeschmettert. Während wir unsere Essen verspeisen wird der erste Film eingelegt. Nachdem die Teller und Pizzaschachtel weggeräumt sind, kuschele ich mich dicht an Ben und lege meine Hand durch seinen Hemdkragen auf seine Brust. Er hält mich dabei ganz fest und lehnt seinen Kopf an meinen. Wie es sich für ein frischverliebtes Paar gehört, kommen auch Knutschereien und Fummeleien nicht zu kurz. Irgendwann haben wir nur noch Augen füreinander und bekommen vom Film überhaupt nichts mehr mit. Bens Hand gleitet unter mein Shirt. Langsam knöpfe ich sein Hemd auf, während wir uns immer inniger küssen. Er braucht nicht lange, bis er merkt, dass mein BH vorne zu öffnen ist und lässt seine Finger zwischen meine Brüste wandern. Unser Verlangen steigt spürbar und so werden wir von Sekunde zu Sekunde ungestümer. Schließlich fummelt Ben seine Hose und sein Boxershort ungeduldig weg. Auch ich schlüpfe aus meiner restlichen Wäsche und steige auf Ben. Wie gewohnt funktioniert unser Liebesspiel wie einstudiert. Seine Bewegungen und Berührungen bringen mich um den Verstand. Ben weiß genau, was ich will und zögert nicht, mir genau das zu geben. Auch er ist so erregt, dass ihm der eine oder andere Ton von den Lippen geht und seine Fingerspitzen sich genüsslich immer mehr in meine Hüfte und meinen Rücken bohren. Er hält mich fest, steht auf und legt sich schließlich auf mich, um das große Finale einzuläuten. Mit seinen Lippen zwickt er mich lustvoll in den Hals, während ich lauter und lauter werde und mich vor Leidenschaft fast vergesse. Bens Beckenbewegungen werden heftiger und sein Atem zügelloser. Er greift mir unter die Pobacke und ich kralle mich an seinen Schulterblättern fest. Mir wird heiß und kalt und wir legen letztlich eine gemeinsame Punktlandung hin. Etwas erschöpft und aus der Puste legt Ben seinen Kopf auf meine Brust. Ich streichle ihm durchs Haar, gebe ihm ein Küsschen und lausche seinem noch immer schnellen Herzschlag. Einige Minuten halten wir wortlos in unserer Position inne.

 

 

Ich spiele bereits mit dem Gedanken, ob er wohl eingeschlafen ist, doch da regt er sich plötzlich und meint: "Jetzt brauch ich was zu trinken." Etwas verschwitzt glänzend, nackt und so unfassbar sexy tapst er zum Kühlschrank und nimmt sich ein Bier. Wie das warme Kühlschranklicht seine Brustmuskeln und sein markantes Gesicht beleuchtet, finde ich wahnsinnig anziehend. Dass ich von jemandem so angetan sein könnte, hätte ich niemals für möglich gehalten. Solche tiefgehenden Gefühle, so eine Vertrautheit, so eine derartige Anziehungskraft hab ich in meinem Leben noch niemandem gegenüber empfunden. Verträumt sehe ich ihn an, während er mit der Bierflasche zu mir kommt. Er sieht meinen Blick und weiß: Worte sind unnötig. Er stellt sein Bier auf dem Couchtisch ab und schlüpft zu mir unter die Kuscheldecke. Ich kann kaum fassen, wie glücklich ich mich schätzen kann, Ben begegnet zu sein und halte mich an ihm fest. Seine sanften Streicheleinheiten geben mir ein solches Gefühl von Sicherheit, Fürsorge und Liebe, dass ich schließlich mit einem glücklichen Lächeln in seinen Armen einschlafe.

 

 

Am nächsten Morgen werde ich von den ein, zwei Sonnenstrahlen wach, die es durch die Wolkendecke geschafft haben und unser Wohnzimmer erhellen. Es dauert zwei Momente, bis ich weiß, dass ich mich auf unserer Couch und nicht in meinem Bett befinde. Erst im zweiten Augenblick realisiere ich, dass Ben nicht da ist. Ich werfe mir mein Shirt von gestern Abend über und tapse leisen Schrittes durch die Wohnung. Im Bad werde ich schließlich fündig und höre den Wasserhahn laufen. Ich klopfe und öffne die Türe. Der Duft unserer neuen Zahnpasta liegt in der Luft und Ben frisiert sich gerade seine Haare. Mit einem Küsschen wünscht er mir einen guten Morgen. Noch immer etwas verschlafen greife ich mir auch meine Zahnbürste und lege los. "Du hast so süß ausgesehen, da wollte ich dich nicht wecken. Ihr hattet noch ein paar neue Zahnbürsten im Spiegelschrank. Ich hab mir eine genommen. Ich hoffe das ist okay." Nickend beobachte ich ihn. Die gleichen Gedanken wie gestern Abend schwirren mir durch den Kopf. Wie er da so steht. In seiner Unterwäsche. Sich die Haare richtet und einfach umwerfend ist. Da kann ich es nicht länger für mich behalten. Spucke die Zahnpasta aus, spüle meinen Mund und druckse herum: "Du Ben. Da gibts noch was, was ich dir sagen muss." Aufgrund meines dramatischen Tons nimmt er blitzschnell die Arme runter und blickt mich gespannt – vielleicht sogar angespannt – an. "Was ist denn?" Die Besorgnis in seiner Stimme ist süß, aber völlig unbegründet. Ich lasse den Worten einfach freien Lauf: "Ich liebe dich auch." Seinem Blick nach zu urteilen war Ben darauf nicht gefasst und ihn treffen meine Worte mehr als unerwartet. "Was?", vergewissert er sich nochmal und sieht mich ungläubig an. Da muss ich schmunzeln und wiederhole: "Ich liebe dich auch." Wie vom Donner gerührt umarmt er mich stürmisch und küsst mich dabei wild. Von seinen Gefühlen völlig übermannt, hebt er mich mit einem beherzten Griff hoch und setzt mich schließlich auf unserer Waschmaschine ab. Unsere Küsse sind zunächst leidenschaftlich und hektisch, nehmen dann jedoch deutlich Fahrt auf und werden lüstern und ungezügelt. Im Nu legt Ben sein Short wieder ab und hilft mir aus meinem Shirt. Der Rest läuft gleichermaßen angeregt wie auch gefühlvoll ab. Nachdem wir beide erneut zum Höhepunkt gekommen sind, legt Ben seine Stirn an meine, schließt die Augen und flüstert außer Atem: "Unbeschreiblich." Seine Mundwinkel erheben sich langsam, er sieht mir in die Augen und fordert: "Sags nochmal!" Da muss ich kichern und komme seinem Wunsch schließlich nach: "Ich liebe dich auch, Ben. ICH LIEBE DICH AUCH!" Lachend lege ich meine Arme um seinen Hals. Ben umklammert mich ebenfalls so fest er kann.

 

 

Der Moment wäre geradezu perfekt, würde nicht aus heiterem Himmel die Türe aufspringen und Dave und Linda ihre Köpfe nicht ins Badezimmer strecken. Damit die beiden nicht unbedingt noch mehr als Bens nackten Hintern zu sehen bekommen, halten wir unsere Position eng umschlungen. Ich kann es gar nicht fassen, dass die beiden uns hier erwischt haben und ich kann es noch viel weniger fassen, dass sie wie angewurzelt stehen bleiben und uns anstarren. "Oh mein Gott! Hättet ihr wohl die Güte, hier zu verschwinden?!", brülle ich die beiden an. In Null-Komma-Nichts fallen sie halbwegs über ihre Füße und knallen schließlich die Türe zu.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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