Anna Elisabeth Hahne

Die „Zubettgeh- Geschichte“

Jens, gerade 3, pfiffig, talentiert, intelligent, wissbegierig, schnelle Auffassungsgabe, starkes Selbstwertgefühl, Feinmotorik super ausgereift, blond, blauäugig, Lockenkopf, ein Junge, dem später wohl viele „Frauen- Augen“ nachsehen werden. Im ernst!...

20 Uhr.

„Jens würdest Du bitte aufräumen, und Dich umziehen? Es ist schon spät.“

„Ja gleich, Mama. Ich hab noch keine Zeit.“

Jens läßt den Spielzeug- Traktor über den Sesselrand fahren.

Mutter: „Na gut, noch fünf Minuten“.

Jens spielt vergnügt weiter.

Mutter: „Jens, jetzt ist aber Schluß. Die fünf Minuten sind längst um“.

Jens schiebt sein Gefährt, ohne zu reagieren. Die Mutter schaut zur Uhr und denkt: „Ich muß noch die Spülmaschine aus- und einräumen, bügeln und Frau Pfennig die ausgeliehene Schüssel zurückbringen. Das kostet Zeit. Für die Arbeit muß ich mich auch noch vorbereiten.“

„Jens, jetzt ist aber endgültig Schluß. Komm jetzt! Hol den Schlafanzug“, sagt die Mutter bereits ärgerlich.

Jens stellt die Ohren auf „Durchzug“.

„Nein, ich will aber noch spielen!“

Die Mutter: „Okay, dann noch 5 Minuten, dann ist aber wirklich Schluß. Ist dann Schluß?“

„Ja“ sagt der Knabe, und holt noch andere Autos und Spielsachen zum Sessel, und kurvt über den Bezug.

„Die 5 Minuten sind vorbei. Du hast mir doch dein Wort gegeben. Jetzt räum Deine Sachen weg, und hol Deinen Schlafanzug!“

Jens ignoriert die Aussagen seiner Mutter, währenddessen kommt der Vater in den Raum.

Mutter: „Jens zum letzten Mal, morgen geh ich nicht mit Dir zum Spielplatz. Du tust nicht das, was ich Dir sage, also tu ich nicht das, was Du von mir willst.“

Vater: „Feierabend, mein lieber Freund“.

Vater räumt die ersten Autos in die entsprechende Kiste. Jens fängt an zu schreien.

“Ich will das nicht! Ich will das nicht! Ich will noch spielen!“

Vater nimmt den Jungen, und trägt ihn ins Schlafzimmer. Jens schreit lauter werdend, während der Vater ihn auf das Bett hinunter läßt. Jens strampelt und wehrt sich.

„Ich will nicht! Ich will nicht! Ich hab noch Hunger!"

Vater genervt: „Jetzt reicht`s!“

Er nimmt den Jungen hoch, und stellt ihn auf den Boden. Er verläßt das Zimmer. Jens läuft schreiend zur Mutter.

Mutter: „Mein lieber Freund, was willst Du denn?“

„Ich habe Hunger“.

„Nagut, Du sollst ja nicht hungern. Mutter geht zum Küchenschrank, und sagt: „Dann iß noch diese Banane“, und hält sie ihrem Sohn entgegen.

Der Vater kommt in den Raum, und räumt die Spielsachen weg.

Der Junge schreit.

„Ich will das nicht! Ich will, daß sie da bleiben!“

„Ach mein lieber Jens, Du kannst sie doch morgen wiederholen, und mit ihnen spielen“, sagt die Mutter.

„Nein! Nein!“, schreit Jens, wirft sich zu Boden, und steigert sich in sein Schreien.

„Nah dann, laß sie doch da“, sagt die Mutter, und schaut zu ihrem Mann. Der Vater abermals entmutigt, verläßt den Raum.

„Jens, jetzt komm mal her, mein Großer“. Jens wendet sich zur Mutter, und klettert ihr auf den Schoß.

„Weißt Du, ich habe noch so viel zu tun. Morgen kannst Du doch weiterspielen. Komm, wir gehen jetzt ins Bad, putzen Zähne, waschen Gesicht und Hände“.

Die Mutter nimmt den Jungen an die Hand, und überredet ihn mit ins Bad zu kommen.

„Morgen können wir auch zur Oma fahren, und das neue Auto abholen.“

Jens willigt ein, und geht der Mutter halbwegs willig hinterher.

Der Junge ist gewaschen und umgezogen. Der Vater kommt erneut in den Raum.

„Wer soll Dich ins Bett bringen? Mama oder ich?“

Jens: „Du, Papa.“

„Nah dann komm!“ Der Vater geht ins Schlafzimmer, und Jens tippelt schwermütig hinterher.

„Aber ich will noch die Geschichte vom Maulwurf hören.“

„Nah gut“, sagt der Vater, und gibt Jens einen wink, wo das Buch liegt.

Der Vater schließt die Schlafzimmertür, und leises Gemurmel ist vor der Tür zu hören. Die Mutter begibt sich an die Wäsche, und sortiert diese nach Hitzegradzahlen aus. Mittlerweile ist es 21:10 Uhr.

Auf einmal ertönt lautet Geschrei.

„Ich hab noch Durst. Ich hab noch Durst.“

Vater erregt: „Jetzt reicht` s! Es muß irgendwann Schluß sein! Ich hab Dir eine Geschichte vorgelesen, und Du hast gesagt, daß Du sofort Ruhe geben wirst“, schimpft der Vater mit lauter, energischer Stimme.

„Ich hab noch Durst! Ich will was trinken! Ich hab noch Durst!“, schreit Jens.

Die Mutter läuft mit einer kleinen Trinkwasserflasche ins Zimmer, und gibt diese Jens. Beide legen sich nebeneinander, während der Vater zum PC geht, und die Mutter erzählt dem Knaben noch eine kurze Geschichte, und bleibt bei ihm, bis er eingeschlafen ist.

 

Und so geht es Abend für Abend. Alles im „grünen Bereich“, oder? ...

 

Anna Elisabeth Hahne

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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