Christa Astl

Gelassenheit

"Gelassenheit, Humor, Lebensfreude und gute Gesellschaft"

 

Dieser Wunsch am Ende eines Briefes drängt mich, diese Gedanken weiter zu spinnen.

All das wünscht man sich, wenn man älter wird vor allem. Heim und Befriedigung der täglichen Bedürfnisse sind zu dieser Zeit meist noch gegeben, das ergibt sich erst zehn Jahre später zu einem neuen Problem.

Humor und Lebensfreude helfen, die schwierigeren Situationen, die das Altern bringt, leichter zu bewältigen. Wer lachen kann, kann sich am Leben freuen, sogar Galgenhumor hilft manches wegzustecken. Kann man Humor lernen? In beschränktem Maße vielleicht, mehr oder weniger hat man ihn schon in die Wiege gelegt bekommen. Eine Voraussetzung dazu wäre die Gelassenheit, die in reiferen Jahren kommt oder kommen sollte. Wenn der Stress in Beruf, Familie, mit Kindern und Arbeiten am Haus wegfällt, bleibt plötzlich so viel Zeit übrig. Menschen, die nicht damit fertig werden, flüchten sich dann in Aktivitäten von Seniorenrunden, -Ausflügen, -Kränzchen, um etwas zu haben, wo sie angeleitet, angeregt werden. Von Gelassenheit also weit entfernt, eher das Gegenteil. Überall muss man plötzlich dabei sei, als ob Nachholbedarf bestünde, als ob man das Leben bisher versäumt hätte. Aber hat man das „Leben“ versäumt? Verdrängt man es nicht eher, das wirkliche Leben? Man will nicht wahrhaben, dass es vergeht, an einem vorbei läuft. Oft ist der Zug abgefahren, und man steht da mit dem Gedanken, nun was versäumt zu haben, das unwiederbringlich vergangen ist.

Gelassenheit heißt doch etwas lassen, loslassen, gehen lassen, verlassen. Alte Bahnen verlassen, mit Pensionseintrittsalter einen neuen Weg einschlagen, ohne Pflichten, endlich die Freiheit haben, nur auf sich zu schauen.

Gelassenheit bringt das Hier und Jetzt, wenn man es mit Vergangenem und auch noch Zukünftigem verbinden kann. Im Rückblick sieht man Dinge, die einem damals auf Gedeih und Verderb wichtig waren, anders, sie verlieren an Bedeutung. Man kann sie nicht mehr ändern, hat sie damals irgendwie bewältigt, ist darüber hinweg gekommen, das Wie hat man vergessen. Das Leben ging weiter. Die ruhige Zeit jetzt, sofern man sie zulässt und sogar genießen kann, bringt Zeit zum Nachdenken.

So kann man auch dem Leben allein was abgewinnen. Viele meinen, nur das Miteinander macht Leben erst lebenswert. Oft muss man allein sein. Manches muss man alleine erfahren, ausprobieren, überlegen, planen, sich ausdenken. Gerade die wichtigsten Entscheidungen müssen allein getroffen werden, ebenso die großen Veränderungen im Leben. Ich glaube, die großen Denker, Erfinder, Komponisten, haben ihre Werke zumindest anfangs allein geschaffen, vielleicht dass sie später Hilfe holten, zum Aufzeichnen, Aufschreiben, das Gedankengut kam aus ihnen selber und allein.

Was nun die gute Gesellschaft betrifft, teilen sich die Meinungen. Manche wollen allein für sich das tun, wovon sie schon lange geträumt haben, sind froh, endlich nicht den ganzen Tag die Hektik von Arbeitskollegen ertragen zu müssen. Andere hingegen halten es allein nicht aus und ziehen die oben genannten Seniorenprogramme durch. Wieder andere liegen den ganzen Tag vor dem Fernseher, er bietet ja so viel Interessantes, heißt es dann. Zwischenmenschliche Kontakte, Gespräche mit an Gleichem Interessierten, kann aber kein Fernseher und auch kein Computer bieten. Und gerade diese Gespräche werden im Alter, besonders wenn die Mobilität nachlässt, immer wichtiger. 

Dass Leben aber auch allein nicht nur grau und düster sein muss, darf ich immer wieder erfahren. Wenn man selber in sich ruhen kann, zufrieden ist, geistig so rege, dass man immer noch Beschäftigung findet, ist es allein gut zu leben.

Das Leben ist bunt und schön, auch wenn mein Blick nach draußen derzeit nur weiß und grau zeigt. Ein Regentag, der den Schnee aufweicht, schmilzt, Schneeschäden an Bäumen und Sträuchern zutage treten lässt. Die aperen Flecken vor dem Haus werden größer, Haseln werden bald zu blühen beginnen…noch träume ich erst davon, weiß aber mit Bestimmtheit, dieser Traum wird sich erfüllen.

 

 

ChA 21.02.19

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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