Norman Dunfield

Vattertach

Vatertag ist der Muttertag der Männer. Bald ist es wieder soweit.
Wer sich später daran erinnert, war nicht dabei. Väter, werdende
Väter und bekennende Nichtväter treffen sich bereits am frühen
Vormittag in Biergärten und Kneipen oder auf Gartenterrassen.
Manche laden sich auch ein Fass Bier auf einen Bollerwagen
und ziehen damit hinaus in die freie Natur. Bald darauf häuft sich
der Genuss alkoholischer Kaltgetränge. Auch mit Nikotin wird
nicht gespart.

Am Nachmittag erinnern diese Events dann eher an Müllbeseitigung.
Überall sieht man "blaue Säcke". Aber für einige Flaschen oder
Gläser Bier ist immer noch Platz. Gelegentlich findet man auch Zeit
für eine kalte Frikadelle oder ein Käsehäppchen. Aber damit hält
man sich nicht lange auf, denn sonst könnte das Bier warm werden.
Am frühen Abend ist dann der höchste Pegel der Trinkfreudigkeit
erreicht. Jeder versucht, irgendwie in sein Bett zu kommen.
Spätestens dann kommt der Begriff "Himmelfahrt" ins Spiel, denn
die Ehefrauen möchten ihre Männer am liebsten auf den Mond
schießen. Diese haben jedoch keine solchen astronomischen
Pläne und fallen ersatzweise annähernd bewusstlos auf die Matratze.
In der nachfolgenden Nacht werden sie mit Sicherheit kein Kind mehr
zeugen, denn nicht nur das Brusthaar hängt schlaff an ihnen herunter.
Sie werden bestenfalls einen zwischenzeitlichen Druck auf ihrem
"Teebeutel" verspüren.

Anders ergeht es auch nicht den Vätern mit dem Bollerwagen,
die in der Abenddämmerung den Heimweg antreten. Sie torkeln
mit ihrem leeren Bierfass durch die Gegend und mussten
inzwischen feststellen, dass sie nur noch ein Dreirad hinter sich
herziehen. Ein Rad hatte sich irgendwie in einem Gullydeckel
verfangen und war abgebrochen. Das war ein Gefühl, als hätte
man einem Landstreicher den Pinsel geklaut.

Der Folgetag ist ein Brückentag, an dem dann so richtig ausgepennt
wird. Beim Aufwachen schmerzt der Kopf und verlangt nach Aspirin.
Hardliner bekämpfen die Behinderung unter dem Scheitel mit einer
kühlen Flasche Bier. Man soll schließlich mit dem anfangen, womit
man aufgehört hat. Anschließend werden weitere zwei Stunden
geschlafen, bevor man sich endlich zu neuen Taten aufrafft. Die
Rettung ist dann sehr oft eine scharf gewürzte heiße Gulaschsuppe,
welche die Ehefrau mitleidsvoll zubereitet hat. Anschließend folgt eine
totale körperliche Leere; aber es gibt Perspektiven.

Die Zeit danach muss man mit Oktoberfestbier, Federweißen, Glühwein,
Punsch und Sivester-Sekt überbrücken, aber bereits im Januar kann
man wieder für den nächsten "Vattertach" planen, denn jeder sagt sich:
"Realität ist nur eine Illusion, die durch Alkoholmangel entsteht."

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Norman Dunfield).
Der Beitrag wurde von Norman Dunfield auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Visionen. - An den Ufern der Unendlichkeit - von Tilman Frank (+)



manchmal
exotische / erotische
Geschichten


Eine faszinierende Sammlung von Kurzgeschichten, die zwischen 1987 und 1994 entstanden sind, hat Tilman Fank im Laufe des letzten Jahres überarbeitet und zusammengestellt und nun in seinem Buch "Visionen" veröffentlicht.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Wie das Leben so spielt" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Norman Dunfield

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der Tod der Kirchenglocken von Norman Dunfield (Sonstige)
Die Natur und ihre Launen von Helmut Wendelken (Wie das Leben so spielt)
Nacht am Meer von Rainer Tiemann (Leidenschaft)