Norman Dunfield

Baumgrenze - Wenn der Bergwind über'n Scheitel pfeift...

Sein lockiges schulterlanges Haar ähnelte einem Dschungel,
durch den sich die Hände des Frisörs tasteten, um sich
schließlich an den Ohren zu orientieren. Der etwa 3 mm breite
Mittelscheitel bestimmte das Gesamtbild des Haupthaares.
Nun war es jedoch an der Zeit, diese Pracht wieder einmal
etwas kürzen zu lassen. Sehr bald erinnerte der glatte Boden
unter dem Frisörstuhl an einen flauschigen Teppich. Nach
etwa 45 Minuten war das Werk vollbracht. Mehrmals jährlich
war diese Prozedur erforderlich; eigentlich verschwendete Zeit.

Leider vergingen nicht nur die Jahre, sondern auch die Haare.
Wenn er heute, nach über vier Jahrzehnten, seinen Frisör
aufsucht, muss er seine teuer bezahlte Bier-Taille mühsam in
den Stuhl quetschen. Vom einstigen Dschungel ist auf seinem
Kopf nichts mehr zu sehen. Die Baumgrenze ist tief ins Tal
gerückt und der Mittelscheitel ist inzwischen 20 cm breit.
Der glatte Boden unter dem Frisörstuhl bleibt annähernd nackt,

und in nur 15 Minuten ist alles vorbei.

Beim Hinausgehen pfeift der kühle Bergwind über sein entblößtes
Haupt. Sein letzter Blick fällt auf ein Werbeplakat für Haarwuchsmittel,
auf dem ein lockiger Jüngling abgebildet ist. Darunter steht der Satz:
"Volles Haar bis ins hohe Alter."

Zu spät.
Schwamm statt Kamm.

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