Fritz Lenders

... schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 2 )

Vier Stunden vorher im Laborbereich von Dr. Everie
Sie gingen die Listen zum x-ten male durch.

" Wir dürfen nichts vergessen, sonst ist unsere Mission sinnlos."

Everie war , obwohl seit einem Jahr schon bestens vorbereitet.., dennoch nervös und voller Hektik.
Erst vor einer Woche waren sie zusammen zum letzten male in Augsburg gewesen, genauer in Anhausen, eine kleine Stadt 10 km vor Augsburg.
Immer wieder hatten sie das Schloss oder eigentlich eher eine Burg.. vermessen, Pläne gezeichnet, Möglichkeiten durchdacht.
Und immer wieder hatten sie neue Ideen, neue Pläne.

Die Mission war eigentlich einfach.

In Deutschland brach zu dieser Zeit eine neue Ära an.

Deutschland wurde zum römischen Königstum und würde innerhalb kürzester zeit ziemliche Akzente setzen.
Im Guten wie auch im Schlechten.

Andrerseits begann sich die Kirche über Alles und Jeden zu stellen und gewann immer mehr Einfluss und Macht.

Deutschland war irgendwie gerade dabei, sich aus den Fängen des Heidentums in die noch schlimmeren Fänge des Christentums zu stürzen.
Religion ist für manche Menschen eine beruhigende Sache.., aber in der damaligen Zeit war sie eher mit Krieg , Blut und Tod  in einem Satz zu erwähnen.

Für die Erde und die Natur hatten die damaligen, ums Überleben kämpfenden Menschen noch nicht soviel im Sinn.
Naja, die damalige Reichweite eines normalen Erdlings lag bei rund 10-15 km  Umkreis.

Pferde waren Luxusware der gehobenen Art
und andere Transportmittel als die beiden Beine... gab es noch nicht. 

Daher waren sowohl der Aktionsradius sowie auch der geistige Horizont etwas gehandicapt.

Die Menschen damals waren  nicht etwa dumm sondern ganz einfach ungebildet..., weil Bildung für das normale Volk einfach nicht möglich war.
Naja.. und auch nicht sonderlich erwünscht.

Wie auch noch heute..., so war es ebenso damals.., daß der dumme Bauer die besten Früchte erntet.
Er hat einfach mehr Zeit zum Arbeiten und verbringt nicht viele Stunden mit nachdenken über eine bessere Weltpolitik.

Es ist sicher einer der Gründe, warum in so vielen Ländern der Intellekt niedrig gehalten wird.
Intelligente Menschen fragen gerne, wofür ihre Steuern verwendet werden. 
Und Regierungen wiederum lieben es nicht allzugerne.. Fragen zu beantworten.

Nun, die einfache Aufgabe von Everie und seinem Team bestand darinn, den Menschen ein neues Vorbild zu schaffen.
Sie sollten den Menschen in Ihrer Umgebung eine Welt schaffen, die dazu animierte, in weite Fernen in alle Länder getragen zu werden.

Sie sollten einfach der Religion eine Konkurenz schaffen.
Sie sollten den Menschen zeigen, daß nicht Gott alleine wichtig ist , sondern dass unsere Mutter Erde genausoviel Achtung verdiente und daß ohne die Erde ... Religion nicht mehr wichtig ist.

Einfach..plausibel..durchführbar.

Ohne großes Rumgetue. Und wenn nötig mit härtester Gewalt.

Immerhin und das galt es zu bedenken.., hatten sie ihre Aufgaben mit Präzision und irgendwie auch im Laufschritt zu verrichten.

Die Burg hatten sie sich deshalb ausgesucht, weil in der momentan geschriebenen Geschichte.., die Burg mehr oder weniger einfach wieder verschwindet.
Das heist, wenn die Mission mißlang, war nichts am Geschichtsverlauf sonderlich verändert.
Andrerseits war es egal.., weil in ein paar Jahren nur noch ein halbierter Teil der Menschheit die Zeit und das Leben hatte, abends zu lesen.
Vorausgesetzt, es würde noch Strom, Computer und Interesse geben.
Was Everie allerdings extrem anzweifelte.

Die führenden 9 Staaten der Erde hatten das Projekt  der Zeitreise gemeinsam zum jetzigen Stand entwickelt und auch schon 2x  Zeitreisen versucht.
Ergebniße lagen nicht vor, weil bei jedem Zeitsprung die elektronischen Vorrichtungen zerstört wurden.
Immerhin war für einen einzigen Sprung..., die geballte Energie von mehreren Atomkraftwerken notwendig. Und es muss nicht näher erläutert werden, was passierte, wenn die gesamte Strommenge an einem abgegrenztem Ort eintraf.

Schutt und Asche, totale Zerstörung wie nach einem Nuklearangriff.
Aber ohne die gewaltige Energie war zum jetzigen Zeitpunkt kein Sprung in die Vergangenheit möglich.

Also Everie und seine 3 Forscherkollegen waren aus einem enormen Zulauf an Wissentschaftlern ausgewählt worden.
Ebenso die 10 Soldaten, die Köche, die Elektriker, die Krankenschwestern und ebenso die Geologen und der Pharmazeut.

Jeder von den 26 Menschen hatte auf seinem Gebiet unglaubliches geleistet und zudem extreme Überlebenfähigkeiten.
Vom Kampfsport bis zum Ausdauerläufer vom Turner bis zum Akrobaten. Alles war vorhanden. sowohl  musikalische Talente als auch künstlerische Leute waren dabei.
Man möchte es nicht glauben.., aber sogar ein Modedesigner hatte seinen Platz im Team.

Und nun machten sie sich alle zusammen auf den Weg nach Hangar  2  im abgesperrten Bereich.
9 Länderbeauftragte und neun Regierungschefs sahen über Monitoren.. wie die 26 Hoffnungen der Zivilisation durch das Tor marschierten.

Die Maschiene, der Raumtransporter... war gigantisch.

Auf einer Plattform, so groß wie ein Fußballfeld stapelten sich Militärrucksäcke und tragbare Ausrüstungsgegenstände zu einem Berg. Etwas abseits standen 4 Pferde und 4 deutsche Schäferhunde.
Everies Team hatten die Wochen zuvor damit verbracht, sich an die Tiere zu gewöhnen, sich anzufreunden.

Und irgendwie ist daraus auch eine nette Mensch-Tierfreundschaft entstanden.

Die Pferde waren wichtig, um den Kontakt zur Burg herzustellen.
Natürlich würde kein normaler Torwächter das Portal öffnen, wenn 26 merkwürdig aussehende Gestalten aus dem Jahr 2050 vor dem Tor standen und um Einlass baten.
Aber beritten sah die Sache doch schon machbarer aus.
Hoffentlich.

Nun...
Jeder schnallte sich den Rucksack um und trug außerdem links und rechts jeweils eine relativ große Tasche aus Segeltuch.
Die Soldaten hatten ihre komplette Kampfausrüstung an, inc. Waffen und die Zivilisten musten zuvor noch ihre stich und schußsichere Schutzbekleidung überstreifen.

Tja.., noch 10 Minuten.

Helene Berchtold hatte noch in einer ihrer Bekleidungstaschen ein Schreiben vom zuständigen Amtsgericht.
Ihre Wohnung und ebenso ihre kleine Ranch am Rande von München sollte morgen Mittag versteigert werden.
Na toll.
Da würde sich der Auktionator aber ärgern, wenn er keine Tränen laufen sah.

Helene hatte ihr gesamtes Hab und gut als Pfand bei der Bank hinterlegt, als sie sich einen aüßerst großen Kredit aufnahm um ihre Forschungen weiter zu treiben.
Was blieb ihr auch anders übrig.
Das Land hatte die Förderungen eingestellt und sie stand einen Fustapfen vor dem Durchbruch.
Und wie erwartet hatte sie auch Glück.

Obwohl.. Glück war es nicht, sondern härteste Arbeit.., Tag und Nacht an einem Impfstoff, der die furchtbare Seuche in Afrika eindämmen sollte.

Allerdings wollte kein Investor einspringen um Afrika zu retten.
Zu viele Menschen auf der Erde.
Zuviel Not..
Zuviel Gier.
Zuwenig Wasser.

Und so zog sie Dr. Everie in letzter Minute ins Boot.
Dafür würde sie zu gegebener Zeit ihr Leben für ihn opfern, falls es nötig sein würde.

Die Äußeren Ränder des Feldes stülpten sich hoch.
Irgendwie rollte sich der Platz  auf dem sie standen auf.
Der Boden wellte sich und es entstanden Kreise rundherum.
Die Ränder wuchsen hoch, es war wie eine Kugel.

Nein.. es war wie ein runder Sarg für 26 Todeskanidaten.
Helenes Herz bebte und sie klamerte sich an die Zügel ihres Pferdes, welches neben Ihr stand.

Die Erde retten. Welch schöne.. welch heroische Aufgabe.
Wie würden sie rübergleiten
Und wie sollte sie Ihre Bekleidung wieder sauberkriegen, weil sie sich jeden Moment vollkotzen würde.

Und in diesem Moment explodierte ihr Bewustsein. 
Und eigentlich auch ihr Körper.
Helene hätte ja gerne geschrien.
Leider waren da keine Stimmbänder mehr zur Verfügung.
Sie hätte sich auch gerne an ihr Pferd geklammert.., nur war leider kein Pferd mehr da...
und auch keine Hand mehr zum klammern.

Durch die Luft surrte ein 26facher kreischender Laut.
Die Angst von 26 verlorenen Seelen.
Denn wenn man keinen Körper mehr hatte..
bestand man ja wohl wirklich nur mehr aus SEELE !!!

Und dann knallte Helene mit einem dumpfen Knall mit dem irgendwie wieder dazusein scheinenden Rücken gegen etwas ziemlich Hartes.
Ein verdammter Baum.

Etwa 10 Sekunden lang konnte sie nicht mehr atmen.
Was eigentlich egal war, denn wie sie bemerkte.. fehlten an ihr noch einige Teile.

Sie spürte ihren Rücken.. konnte aber keine Beine sehen und auch die Arme schienen nicht so recht den Weg zu ihr gefunden zu haben.
Doch da.. in dem Augenblick, als sie wieder zu atmen begann.. fuhr ein Blitz durch sie hindurch und hatte scheinbar ihre Gliedmaßen mit im Gepäck.
Und wieder so ein grausamer Schmerz.
Scheinbar muste alles erst wieder so richtig zusammengepuzzelt werden.

Aber dann war es vorbei.

26 Körper rundum verstreut und die Pferde mit den Hunden in der Mitte.
Menschliches Chaos in grün.
Denn alles war grün.
Keine Halle.., keine Plattform...
nur grüne Umgebung..
Und ein Geruch wie doppelt gefilterte Luft.

Und irgendwie.. an einem der Bäume  stand ein Mann ... zerlumpte Kleidung ... zersauste Haare und ein panischer Schrei aus tiefster Kehle







  



 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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