Armin Uhe

Zwei mutige Frauen in Dorste

 

 

Folgendes ereignete sich vor 74 Jahren, also im Frühjahr 1945.
Der schreckliche Weltenbrand neigte sich immer mehr dem Ende zu. Die noch verbliebenen Soldaten
der Wehrmacht, Angehörige der Waffen-SS und der Volkssturm (alte Männer und Jugendliche),
sollten die herannahenden Truppen der Alliierten aufhalten.


Dieses geschah oft durch sinnlose Zerstörung von Brücken, wobei oft viele naheliegende Häuser
durch eine unkontrollierte Sprengung mit zerstört wurden.

In der Umgebung von Osterode sind vielen Menschen die Sprengung der Johannistor-Brücke (Söse)
zum Ende des 2. Weltkrieges bekannt. Dort wurde nicht nur die Brücke, sondern auch die anliegenden
Häuser zerstört.

Auch die Dorster Mühlenbach-Brücke in der Burgstelle (heute „An der Bundesstraße“)
sollte einer Sprengung zum Opfer fallen.

Hierbei wären bestimmt die anliegenden sechs Häuser mit den Scheunen beschädigt
worden und nicht mehr bewohnbar gewesen.

Die Bewohner, inzwischen auch viele Flüchtlinge aus dem Osten und den zerbombten Städten,
wären somit obdachlos geworden.

Doch bevor sich zwei mutige Frauen (Nachbarschaftskinder Edith und Lucie), damals achtzehn
und neunzehn Jahre alt, die Sprengung verhinderten, sollte noch Einiges im Dorf geschehen.

Zuerst lagerte ein Sprengkommando der Wehrmacht mehrere Kisten mit Sprengstoff
in die Scheune von Haus Nr.138 ein.

Nachdem die Soldaten weiter Richtung „Festung Harz“ gezogen waren, wurde zwischen
Dorste und Osterode in der „Wüste Breite“ (vor dem ehemaligen Dorster Schuttplatz)
noch ein Panzergraben von Jugendlichen, Frauen und dem Volkssturm errichtet.

Inzwischen waren die ersten Apriltage 1945 vergangen. Im Dorf sprach man bereits unter
vorgehaltener Hand von den heranrückenden Amerikanern und dem verlorenen Krieg.

In der Nachbarschaft der Mühlenbach-Brücke machten die Bewohner sich noch ganz
andere Sorgen. Man sprach über die vorgesehene Sprengung der Brücke. Einige Leute
äußerten sich offen darüber, dass das Zeug (Sprengstoff) aus der Scheune Nr.138 weg müsse.

Aber keiner der alten Bewohner und von den Flüchtlingen fassten den Mut.

Auch die beiden jungen Nachbarsfrauen unterhielten sich über den Abtransport der
Sprengstoffkisten, aber über die Gefährlichkeit ihres Unternehmens machten sie sich
erst viel später Gedanken. Sie waren davon ausgegangen, dass sich keine Soldaten

der Wehrmacht und Angehörige der Waffen-SS mehr im Dorf befanden und sich auf
dem Weg zur „Festung Harz“ in die Richtung Osterode bewegten. So setzten sie ihre
Gedanken in die Tat um.

Unterstützung erhielten sie durch einen jungen polnischen Kriegsgefangenen mit Vornamen
Johann. Dieser half Edith und Lucie den Einspänner in der Scheune mit 
den Sprengstoffkisten
zu beladen und mit alten Jutesäcken abzudecken.

In der Dämmerung spannte Johann eine Kuh vor den Einspänner und die beiden Frauen
begaben sich auf eine gefährliche Fahrt mit einer noch gefährlicheren Fracht.
Aus der Scheune in der Burgstelle, über die Mühlenbach-Brücke, am Fohlenmarkt vorbei,
hinauf durch die Wedde und weiter Richtung Söse. Sie ahnten aber nichts davon,
dass sich noch einige Angehörige der Waffen-SS in der Schlehkuhle,
nahe 
beim Gasthof Schaumann befanden.
Doch ihre gefährliche Fahrt mit den Sprengstoffkisten konnten sie unbemerkt Richtung
Söse fortsetzen.

Die Kisten wurden von ihnen in der Nähe zur Söse abgeladen und sie fuhren wieder
unbemerkt mit dem Einspänner ins Dorf zurück.

Allen Bewohnern aus den anliegenden Häusern der Burgstelle und besonders den
beiden Frauen fiel ein dicker Stein vom Herzen.

Das Bangen und die Gefahr von nachrückenden Soldaten in den Harz über den
Abtransport des Sprengstoffes entdeckt zu werden, war aber noch nicht vorüber,

man musste hier immer noch mit dem Schlimmsten rechnen.

Am 11.April 1945 sollte die Gefahr aber vorbei sein, denn in ganz Dorste wehten aus
allen Häusern weiße Tücher und Laken, als amerikanische Soldaten in das Dorf zogen.

Der Spuck der „Naziherrschaft“ war nun auch hier in Dorste zu Ende.

Viele Männer des Dorfes, als Soldaten gefallen oder vermisst, kehrten aus diesem
unsinnigen „Weltenbrand“ nicht zurück.

Die beiden mutigen Frauen leben heute noch:

Edith mit 92 Jahren im Altenheim in Osterode und Lucie mit 93 Jahren in Hannover.

Zuletzt trafen sie sich beim 90.Geburtstag von Edith in Dorste und erzählten von ihrer
mutigen Aktion zum Wohle der Anlieger zur Mühlenbach-Brücke in Dorste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Armin Uhe).
Der Beitrag wurde von Armin Uhe auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

Aus der Mitte – Gedichte von Hermine Geißler von Hermine Geißler



Die Gedichte beschreiben Momentaufnahmen aus dem Alltagsleben und Traum-und Seelenstimmungen. Sie handeln von den kleinen und großen Lebenswünschen, sind unverkrampft, gegenwartsnah und manchmal voller Ironie. Sie schildern die zwischenmenschlichen Nuancen, die das Leben oft leichter oder schwerer machen und sind eine Hommage an die Natur und die kleinen Freuden des Lebens.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Wahre Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Armin Uhe

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Viel Verkehr im Revier von Armin Uhe (Wie das Leben so spielt)
Erinnerungen an 1944 (Erster Teil) von Karl-Heinz Fricke (Wahre Geschichten)
Für die lieben Frauen von Uli Garschagen (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)