Norman Dunfield

Die Rückkehr der Toten (Teil 2)

Um die nachfolgenden Zusammenhänge zu verstehen, muss man
zwangsläufig den 1. Teil dieser Geschichte gelesen haben.

Die Aufräumarbeiten wurden durch weitere Regenfälle erschwert.
Neben der Feuerwehr und dem THW waren auch einige freiwillige
Helfer im Schlamm unterwegs, unter ihnen auch Willi P., der in
einem kleinen alten Haus am Rande der Siedlung wohnte.
Willi P. war ein Landschaftsgärtner im Ruhestand und zudem ein
etwas kauziger Typ. Man sagte ihm nach, dass er sogar beim
Kartoffelschälen eine Schnittschutzhose tragen würde. Er hatte
sich zu dem Einsatz gemeldet, weil er glaubte, dass auch seine
vor 11 Jahren verstorbene Frau unter den "Todesopfern" sei.

Bereits nach kurzer Zeit war der heruntergespülte Totenschädel,
den Erwin K. am frühen Morgen auf seiner Terrasse entdeckt hatte,
verschwunden. Auch die weiteren Arbeiten gingen zügig voran.
Inzwischen hatte der Regen aufgehört. Am späten Nachmittag
hatte man die noch unbeschädigten Särge geborgen und das
zersplitterte Holz sowie die Leichenteile eingesammelt. Bei Einbruch
der Dunkelheit waren dann zumindest die wichtigsten Arbeiten
erledigt. Willi P. trat als Letzter den Heimweg an. Unter seinem
Arm trug er eine anscheinend gut gefüllte Plastiktüte mit
unbekanntem Inhalt. Dann kam die Nacht, aber jeder wusste,
dass es in den nächsten Tagen noch viel Arbeit geben würde.
Willi P. sah man an den nachfolgenden Tagen jedoch nicht mehr.
Er sah seinen Auftrag als erfüllt an. Hatte er seine Frau gefunden?

Wenn man Willi P. heute besucht, wird man von ihm stolz in sein
Wohnzimmer geführt. Über einer kleinen Anrichte hängt ein Bild
von seiner Frau, und auf der Anrichte sieht man einen blitzblank
geputzten Totenschädel mit leuchtenden Augenhöhlen, die durch
eine kleine Lampe in seinem Innern erhellt werden.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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