Nicole Juhlke

17:43 Uhr.

 

 

 

Was ist das? Dieses Gefühl das ich immer spüre, wenn Jemand neues sich in mein Leben schleicht? Egal ob für einen Leben lang oder einfach nur für eine Sekunde. Dieses Gefühl von Spannung.

Der Abend brach herein und die Dunkelheit erstreckte sich über der Stadt. Die Straßenlaternen gingen nacheinander an und das trübe Licht bahnte sich einen Weg durch die engen Gassen der Stadt. Überall sind Fußgänger zu sehen. Wie kleine Insekten verteilten sie sich in der Stadt und füllten die Straßen mit Leben. Manche unterhielten sich miteinander, andere wiederum gingen stumm ihre Wege und blickten nur starr auf den Boden während sie der Musik in ihren Ohren lauschten. Ich drehte mich nach rechts und nahm meinen Blick vom Fenster. Ich stand in einer Straßenbahn auf dem Weg zu ihm. 

Mein Blick traf auf einen Mann, der rechts neben mir stand und mich ansah. Ich überlegte was er wohl gerade dachte. Was hatte er um diese Uhrzeit vor? War er auf dem Weg zu seinen Kumpels, seiner Freundin oder blieb ihm wieder einmal nur ein Abend alleine in seiner Wohnung. Was ging in ihm vor, was dachte er während er mich ansah. Aber ich konnte seinen Blick nicht entschlüsseln. Sein Blick war reine Leere. Er sah erschöpft aus, sein Arbeitstag hinterließ Spuren, als würde er immer noch seine Arbeit auf dem Rücken tragen. Ruckartig blieb die Bahn stehen. Hektik entstand. Leute gingen ein. Leute gingen aus. Halb erstarrt und immer noch versunken in meinen Gedanken bemerkte ich nicht wie die Leute sich an mir vorbei strichen, sich ihren Weg durch die enge Bahn bahnten und einen rettenden Sitzplan ersuchten. Ich wollte nochmal versuchen seine Mimik zu entschlüsseln und erst da fiel mir auf, dass er bereits die Bahn verlassen hatte. Gedanken schwirrten um ein Thema ,dass sich schon längst wieder aus meinen Leben verabschiedet hatte. War dies wieder ein Moment indem man sich unnötig Gedanken machte? Nur um davon abzulenken was auf einen wirklich wartete. Seinen Kopf mit nichtigen Gedanken zu füllen, nur um sich nicht damit zu beschäftigen was eigentlich für einen wichtig ist? Lenken wir uns selber davon ab, nur weil wir die Wahrheit vielleicht nicht ertragen würden? Die Musik in meinen Ohren verstummte und ein leiser kurzer Klingelton läutete auf. 

Eine Nachricht. Ich kramte mein Handy aus der Seitentasche meines Mantels und guckte auf den Display. „Bei welcher Haltestelle bist du jetzt?“. Da war es wieder. Das Gefühl von Elektrizität unter meiner Haut, von Eiseskälte in meinen Fingerspitzen und einem Herzen dass sich wie ein schwerer Stein auf meiner Brust anfühlte. Die Aufregung steigerte sich ins Unermessliche  mein Herzschlag überrannte mich. Meine fleißig aufgebaute Mauer von Nichtigen Gedanken, die mich davon abhielten über ihn nachzudenken, fiel in sich zusammen und die Fragen prasselten nur so auf mich ein. Was denkt er wohl gerade? Wartet er bereits auf und freut er sich darauf mich zu sehen? Wie wird der Abend verlaufen? Erfülle ich seine Erwartung oder hat er eine komplett andere Vorstellung von mir? 

Mein Blick fiel auf die Anzeige -Nächster Halt: Bonner Straße-. Nein ich war noch nicht bereit. Ich konnte noch nicht da sein. Panik stieg in mir auf. Vollkommen überfordert von meinen Gefühlen und Gedanken schaute ich auf mein Handy. Ich hatte gehofft irgendwas Vertrautes zu sehen. Ein Zeichen, dass es die richtige Entscheidung gewesen war. Aber nichts ich starrte einfach die Uhrzeit an. 17:43 Uhr. Ich versuchte meinen Atem zu kontrollieren und meinen Herzschlag zu verlangsamen. Doch anstelle dessen wurde nur die Straßenbahn langsamer und mein Herzschlag immer schneller. Ich blickte durch das Fenster und versuchte irgendwas zu erkennen, aber die Nacht verschluckte die unbeleuchtete Straße und so erkannte ich rein gar nichts. Die Bahn kam zum stehen und die Türen öffneten sich. Zitternd setzte ich einen Schritt nach dem anderen in Richtung Tür. Ich hielt mich am Griff der Tür fest und sprang in die Dunkelheit. Ich atmete die kalte Luft ein und sortierte meine Gedanken. Okay konzentrier dich und sie dich um, irgendwo hier muss er sein. Aber egal in welche Richtung ich auch sah, ich konnte ihn nicht sehen. Ich schaute erneut auf mein Handy, ich drückte erwartungsvoll die Entsperrtaste und der Bildschirm leuchtete auf. Aber nichts. Keine Nachricht. Gerade als ich mit dem Gedanken spielte mich einfach umzudrehen und davonzulaufen sah ich ihn. Nicht weit von mir entfernt stand er im Zenit einer Straßenlaterne und grinste in meine Richtung. Sofort erwiderte ich sein Lächeln und das tonnenschwere Gefühl fiel von meiner Brust ab. Mit jedem Schritt den ich seine Richtung lief, beruhigte sich mein Atem und meine Gedanken wurden klarer. Ich atmete tief ein und blieb einen halben Meter vor ihm stehen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.04.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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